Eine Schande: EU unterzeichnet ACTA-Vertrag

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.01.2012 | Kommentare: 0

Heute ist ein rabenschwarzer Tag. Nicht weil es wieder einmal einer von denen ist, an dem man zu nichts Vernünftigen kommt, weil man die ganze Zeit mit idiotischen Kleinigkeiten beschäftigt ist. Nein, heute hat die EU das ACTA-Abkommen unterzeichnet. ACTA ist das Kürzel für „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“, als Handelsabkommen gegen Produktpiraterie. Aber damit hat ACTA überhaupt nichts zu tun.

ACTA ist kein Handelsabkommen, sondern ein Grundsatzabkommen zur Behandlung von allem Möglichen im Internet, über das die USA, die EU, Japan etc. unter starkem Engagement von Lobbygruppen diverser Industriebranchen seit 2007 verhandelt haben. Es geht auch nicht um gefälschte Produkte, sondern, ACTA ist da sehr ausholend, um Urheberrechte, Warenzeichen, industrielles Design und Patente. Für Vergehen sieht ACTA hohe Strafen und Kompensationen für verlorene Geschäfte vor.

Eine ganze Reihe elementarer demokratischer juristischer Prinzipien hebelt ACTA glatt aus (mehr dazu hier). Darüber hinaus wird nicht der Raubkopierer bestraft, sondern auch der, wer die Mittel zur Verbreitung von Fälschungen bereitstellt. Das bedroht vor allem Internet-Service-Provider, die ebenfalls haftbar gemacht und somit zur Internet-Zensur verpflichtet werden. ACTA ist der schwammig formulierte Rahmen für Dinge wie den US-amerikanischen Gesetzentwurf SOPA (Stop Online Piracy Act).

Die EU-Kommission hat ACTA jetzt unterzeichnet. Das bedeutet, dass als nächstes das EU-Parlament seine Zustimmung geben muss. Dann sind die nationalen Parlamente in der Europäischen Gemeinschaft dran, diese Vorgabe in ihre jeweiligen Gesetze umzusetzen. In Deutschland wird bereits erste Kritik laut, wie die „Computerwoche“ berichtet.

Das lässt dann doch wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist ACTA so schwammig formuliert, scheint sich auf alles zu beziehen. Solche Dokumente haben einen entscheidenden Nachteil: Sie bieten Interpretationsspielraum. Den können die Gesetzgeber ausnutzen. Es kursiert der Verdacht, die EU habe nach ihrem anfänglichen Engagement für ACTA nicht mehr zurückrudern können und in der Folge für Verwässerung gesorgt.

Zweitens ist das Internet so, wie es ACTA vorsieht, einfach nicht mehr einer Kontrolle zu unterwerfen. In den USA hat die ACTA-Umsetzung SOPA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Wikipedia, Craigslist und Dutzende andere wichtige Englisch-sprachige Websites haben sich kürzlich für einen Tag einfach abgemeldet. Inzwischen liegt SOPA auf Eis.

Produktpiraterie einen Riegel vorschieben zu wollen ist völlig richtig. Es kann aber nicht angehen, dazu gleich den Zugang zum Internet, ein mit dem unpfändbaren Fernseher vergleichbares Kommunikationsmedium, zu beschneiden. Schon gar nicht sollten Politiker auf die Idee kommen, Firmen, nämlich Internet-Service-Provider, sollten ersatzweise das machen, was der Staat nicht darf: Zensur ausüben.

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Neuer Schub für Open Cloud Computing

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 26.01.2012 | Kommentare: 0

Offenbar macht sich bei den bisher vornehmlich proprietär aufgestellten Cloud-Anbietern die Erkenntnis breit, dass sie auf dem Holzweg sind, solange Anwender spüren, dass ihnen ein Vendor Lock-in droht. Der Cloud-Markt ist global weit von dem entfernt, was die Marktanalysten unisono prognostiziert haben, in Deutschland sogar meilenweit. Jeder weiß inzwischen, dass Cloud Computing nicht nur finanziell unschlagbar günstig ist, sondern vor allem mehr Flexibilität und Agilität bringt. Aber die Anwender sind keineswegs bereit, sich für diese Vorteile in die Abhängigkeit von Herstellern zu begeben. Die Anbieter haben es zu spüren bekommen; sie sind zunehmend bereit zu reagieren.

Zuerst war da im April 2009 ein herzlich unverbindliches „Open Cloud Manifesto“, ohne jede konkrete Ansage, wie die angestrebte Offenheit von Clouds erreicht werden soll. Entsprechend lang ist die Liste der Unterzeichner, die nach der Unterschrift wohl gleich wieder zum Tagesgeschäft wie gehabt übergegangen sind.

Zwei Jahre später, vor gerade neun Monaten, ist dann der angesehenen, aber behäbigen Standardisierungsgremium Institute of Electrical and Electronical Engineers (IEEE) der Kragen geplatzt. „Ohne ein flexibles, gemeinsames Rahmenwerk für Interoperabilität, könnte Innovation aufgehalten werden und uns ein System von Silos hinterlassen.“ Deswegen startete die Organisation eine „Cloud Computing Initiative“, die in zwei „Working Groups“ an Standards für Cloud-Portabilität und Interoperabilität arbeitet.

Das IEEE erklärte damals, es wolle „Fragmentierung minimieren und sicherstellen, dass Cloud Computing sein gesamtes Potenzial erschließt“. Offenbar macht sich auch unter den Cloud-Anbietern langsam die Erkenntnis breit, dass sie sich mit ihren bisherigen Versuchen, Anwender in ein Cloud-Vendor Lock-in zu verlocken, auf Dauer den Erfolg verbauen.

So eine Cloud-Anbieter-Gemeinschaft hat die Welt noch nicht gesehen: 3M, ASG Software (die Visionapp-Muttergesellschaft), CA Technologies, Capgemini, Cisco, Citrix, EMC, Gale Technologies, IBM, Jericho Systems, Morphlabs, NetApp, PwC, Red Hat, SAP, Software AG, Telus, Virtunomic und WS02. Die alle stehen nun hinter einer Initiative der OASIS, der Organization for the Advancement of Structured Information Standards. Unter dem Namen „Topology and Orchestration Specification for Cloud Applications, kurz Tosca, wollen sie Interoperabilitätsstandards erarbeiten, auf dessen Basis sich Cloud-Applikationen zwischen verschiedenen Providern verschieben lassen.

Nun weiß jeder IT-historisch erfahrener Beobachter, besonders ein Kenner der Unix-Geschichte, dass das mit den offenen Standards so eine Sache ist. Standards sind Papierdokumente, und man muss nicht einmal böswillig sein, um die Texte ein wenig anders zu lesen. Jeder hat anschließend das „Open“-Label auf der Software, aber keiner ist es – solange es keine Referenzimplementierung mit einsichtbarem Sourcecode gibt (deswegen ist Open Source so wichtig).

Genau mit der altbackenen Taktik könnten es die genannten Hersteller natürlich auch jetzt wieder probieren. Aber dann werden sie ihr Problem nicht lösen, weil die Anwender seit Unix-Zeiten sensibler geworden sind. Finten verfangen nicht mehr so gut. Deswegen ist eher anzunehmen, dass sie die Sache ernst angehen. Wenn sie es tun, werden es die Anwender honorieren.

Dann werden einige namhafte Anbieter wie Amazon, Google, Microsoft und Oracle, die jetzt noch nicht bei der Tosca-Initiative dabei sind, auch die Zeichen der Zeit erkennen: Vendor Lock-in hat für alle Zeit in der IT keine Zukunft mehr.

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Girls Day 2012 in Bonn und Berlin

von: Nina Haering | am: 25.01.2012 | Kommentare: 0

Unter dem Motto: “Programmieren lernen ist kinderleicht” findet am 26.04.2012 in der Bonner und in der Berliner Niederlassung der tarent der Girls Day statt.

Wir freuen uns, dass immer mehr Mädchen Interesse an IT-Berufen haben und bieten ihnen am Girls Day mit einem freedroidz Workshop den Einstieg in die Software-Welt.
Als Basis kommen Lego Mindstorms NXT Roboter zum Einsatz, welche in der Programmiersprache Java programmiert werden. Mit den Robotern wird dann Schritt für Schritt erarbeitet, was eine Programmiersprache ist und wie man eine Entwicklungsumgebung bedienen muss. Am Ende des Tages kennt jede Teilnehmerin die wichtigsten Grundlagen von Anwendungsentwicklung.

Wenn Du also lernen willst, wie Du den kleinen Roboter einen Kreis fahren lassen kannst, Du wissen willst, was das Wort „frei“ im Zusammenhang mit Software bedeutet oder Dich interessiert was alles hinter Programmierung steht, dann meld Dich bei uns für den Girls’ Day an! Hier gehts zur Anmeldung.
freedroidz ist ein Nonprofit-Projekt, dass 2007 von der tarent solutions GmbH gegründet wurde, welche dem Projekt die Hardware und die Mitarbeiter bereitstellt, damit Workshops mit Schülern und Schülerinnen erst möglich werden.

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Welches Drumherum braucht Open-Source-Software?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 24.01.2012 | Kommentare: 0

Offener Sourcecode ist zwar ein Argument, wird aber keinem Anwender für eine Kaufentscheidung reichen. Es liegt auf der Hand, dass Open-Source-Software mehr braucht, um am Markt anzukommen. Und das geht weit über Produkt-Features hinaus. Dies hat Florian Weikert durch eine Internet-Umfrage für seine Bachelor-Arbeit „Product Features in Commercial Open Source Software“ in Erfahrung gebracht. Sie lässt sich als PDF downloaden von der Website der Open Source Research Group von Professor Dirk Riehle an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg.

Leider war die Teilnahme an der Umfrage sehr schwach. Von den 37 Antworten ließen sich etliche nicht auswerten, weil sie sehr unvollständig waren. Es blieben eigentlich nur die Erklärungen von Softwarehersteller, weil es von Service-Providern und Distributoren zu wenig Feedback gab.

Hersteller von Open-Source-Software schätzen Maintenance, Updates, Garantieerklärungen zur Funktionalität, Features, einfachen Support, Anwenderschulung vor Ort, Installation und Konfiguration sowie Integration als besonders wichtige Produkteigenschaften ein. Als weitgehend irrelevant gelten Non-copyleft-Anwendungsrechte, „Indemnification“ (zum Schutz vor Klagen Dritter), die Zertifizierung von Entwicklung und Prozessen sowie Hosting. Auch beim Gegenchecking, der Analyse, welche Kombinationen von Produkteigenschaften die meisten der Befragten favorisierten, fand sich im Prinzip das gleiche Ergebnis.

Die Basis der Untersuchung ist allerdings zu schmal, um als wirklich fundierte Auskunft gelten zu können. Die Ergebnisse entsprechen dem, was wohl jeder erwarten würde, der ein paar Jahre das Open-Source-Business beobachtet. Der Autor Weikert sieht in seiner Studie auch prompt nicht mehr als eine Grundlage für intensivere Analysen. Immerhin: Der methodische Anfang ist gemacht.

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Offene APIs statt Open Source?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 04.01.2012 | Kommentare: 0

„Während es in der letzten Dekade um Open Source ging, wird es in der nächsten um offene APIs gehen.“ Mit diesem Satz beginnt ein Blog-Eintrag von Matt Asay auf „The Register“. Kompliment, auf diese krasse Art sollte ein Beitrag beginnen,der Verfasser buhlt ja schließlich um Leser. Und dass Asay gut schreiben und reden kann, hat er schon als Manager bei Novell, Alfresco und Canonical gezeigt. Der hat kein Problem damit, sich immer wieder weit aus dem Fenster zu hängen.

Diese Art als Self-Marketing abzutun wäre allerdings doch zu simpel. Denn Asay hat gute Gründe vorzuführen. Er hat es nicht schwer, reihenweise Analysten und andere Marktkenner zu zitieren, dass erstens zunehmend Services die IT beschäftigen. So neu ist das nicht. Wie lange dreht sich die IT-Welt schon um Service Management und die IT Infrastructure Library ITIL? Zweitens bedeuten aber Services etwas anderes als Software; denn sie werden über Anwendungsprogrammier-Schnittstellen, über APIs, bezogen.

APIs sind es, die Services zugänglich machen. Es nimmt nicht Wunder, dass seit etlichen Jahren Firmen, die ihrer IT eine Service-Orientierung geben, massiv an APIs arbeiten. Devise: Nicht Applikationen voraussetzen, nicht alle Anwendungen an all die verschiedenen Geräte anpassen, sondern den Geräten über APIs Zugang zu Softwareservices geben. Asay: „Minimaler Aufwand, maximale Produktivität.“ Das gilt nicht nur für den unternehmensinternen IT-Betrieb, sondern auch für die Integration von Partnern und Kunden.

Funktionieren wird eine solche Orientierung nur, wenn auf offene APIs gesetzt wird. Geschlossene Welten schließen immer andere aus – was dem Service-Ansatz Tiefe nimmt. Es bedarf also einer Standardisierung der APIs. Das ist erst recht wichtig, wenn man über einigermaßen überschaubare Systeme, beispielsweise eines Unternehmens, hinaus an Cloud Computing denkt.

Clouds sind dominiert von proprietären APIs. Ein paar Ansätze zu Offenheit gibt es. Die noch junge Open Cloud Initiative verlangt offene APIs. Auf dem Weg in die Richtung ist das Softwareprojekt OpenStack, in dem auf Anregung von Rackspace und Nasa unter anderem AMD, Citrix, Dell, HP und Intel dabei sind. Es soll eine Open-Source-Alternative zu den proprietären APIs der verschiedenen Cloud-Anbieter schaffen, wobei offenbar insbesondere das Google-Angebot und die Amazon Web Services (AWS) in Richtung größerer Offenheit gedrängt werden sollen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die heute fast durch die Bank mit proprietären APIs daherkommenden Cloud-Anbietern sich öffnen werden, wenn erst die Anfangsinvestitionen eingenommen sind. Offenheit wird das entscheidende Marketing-Argument im Cloud-Computing. Bis dahin aber wird es noch etwas dauern. Auch mit der Bestätigung für die Asay-These, offene APIs würden wichtiger als Open Source.

Cloud Computing ist sind gerade erst aus seiner infantilen, von viel Euphorie begleiteten, ersten Phase herausgewachsen. Im Gartner Hype-Cycle hat es den Hype-Peak hinter sich und beginnt nun den steilen Rutsch abwärts in das „Tal der Desillusionierung“. Nach einiger Zeit unten angekommen wird Cloud Computing langsam einer normaler Teil der IT-Welt. Diese Talsohle und dieser Wendepunkt wird markiert von einem Begriff: Open APIs. Vielleicht auch Open Cloud.

Aber erstens wird bis dahin Open Source ohnehin die Entwicklung der IT prägen, und zwar noch stärker als bisher. Zweitens wird auch danach das Fundament des Cloud Computing das sein, was es heute schon ist: Open Source. Diese zwei Aspekte hat Asay übersehen. Kann passieren.

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Die neue digitale Kluft

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.12.2011 | Kommentare: 0

Breitbandversorgung dürfte in diesem Jahr einer der beliebtesten technischen Begriffe von Politikern gewesen sein. Getan hat sich gleichwohl nicht viel, egal ob drahtlos oder leitungsgebunden. Man schaue sich dazu beispielsweise einmal den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an. Gleich nördlich des Münchner Autobahnrings A99 können die Leute schon froh sein, wenn sie mit 2 Mbit/s ins Internet kommen. 6 Mbit/s gibt es nur in den Kleinstädten. Rauf Richtung Regensburg, in der Hallertau, wird gespottet, die gelbe Post sei schneller als E-Mail. Mitten durch Bayern ziehen sich breite Streifen krass unterversorgter Gebiete.

Aber es gibt auch Habenichtse dort, wo man flott ins Internet kann. In dem ganz proper ausschauenden Stadtteil im Südwesten Münchens, in dem ich wohne, gibt es haufenweise Haushalte, die nicht einmal einen Computer haben. Es sind vor allem alte Leute und kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund, die sich keinen PC leisten können. Letzte trifft es besonders hart; denn immer wieder verteilen Lehrer die Hausaufgaben auf CDs. In einigen Fällen habe ich helfen können, indem ich ausrangierte und zusammengebettelte Desktops verschenkt habe, ausgestattet mit Linux und Open-Source-Software. Ich möchte wetten, dass auf fast allen dieser Geräte inzwischen Windows und Spiele laufen, alles Raubkopien, ansonsten aber Open-Source-Anwendungen. Not schafft solche Verhältnisse.

So ärgerlich Windows und Raubkopien auch sind, schlimmer ist, dass PCs und Breitband-Internet offenbar nichts beitragen zu Bildung, demokratischer Teilnahme am öffentlichen Leben sowie allem, was mit Arbeit und Beruf zu tun hat. Denn was machen die Leute mit ihren Rechnern? Sie surfen, downloaden Musik und Filme, tummeln sich in nutzlosen sozialen Netzwerken wie Facebook und haben im Übrigen nicht den geringsten Schimmer von den damit verbundenen Gefahren.

Das ist „not-working“ und eröffnet eine andere Art der digitalen Kluft: fehlendes Wissen über die Möglichkeiten der digitalen Welt. Auf diese Entwicklung hat Danica Radovanovic in einem Blog der Publikation „Scientific American“ hingewiesen. Sie kommt zu diesem Schluss: „What is important to emphasize is that these digital divides, that go far beyond the pure infrastructure issues, need to become a key focus of engagement for profit and nonprofit organizations as they continue their missions to develop programs for social and digital inclusion.“

Radovanovic moniert „lack of awareness and promotion, digital illiteracy, lack of motivation, information gate keepers, human and economic factors“. Wie es dazu kommt, hat Simon Phipps, der einstige Open-Source-Chef von Sun, in seinem „Computerworld-UK“-Blog an Beispielen beschrieben: Schüler werden in der Anwendung proprietärer Software ausgebildet, statt ihnen anhand von Open Source die Vorteile der Partizipation aufzuzeigen. Erwachsene halten Computer für unergründliches High-Tech-Zeug. Immer wieder soll der Internet-Zugang reglementiert werden. Informationen der öffentlichen Verwaltungen gibt es nur gegen Bezahlung. Schutz der Privatsphäre läuft auf Geheimhaltung hinaus. Politiker ohne IT-Kenntnisse lassen sich von Wirtschaftsinteressen und Einflüsterungen der Lobbyisten leiten.

Allerdings scheint es mir nicht hinreichend, nur an diesen Punkten anzusetzen, um die neue digitale Kluft zu schließen. Es wird jedoch klar, dass Forderungen wie nach Open-Source-Software oder Open Data Ansätze sind, die weit über ihren technischen Inhalt hinausgehend eine gesellschaftliche Dimension haben.

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Der EU stehen Debatten über Patente und Urheberrechte ins Haus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 19.12.2011 | Kommentare: 0

Ursprünglich ging es nur um das Patentrecht. Es ist seit einigen Jahren klar, dass die verschiedenen nationalen Gesetze in Europa ziemlich überholt sind. Insbesonders lassen sie sich nicht klar auf Software anwenden. Durchaus sinnvollerweise gibt es keine nationalen Initiativen in dieser Richtung. Vielmehr beschäftigt sich die EU-Kommission mit dem Thema, denn ihre Vorgaben müssen die Mitgliedsländer dann in ihre Gesetze einfließen lassen.

Herausgekommen ist dabei nichts Konkretes, und das hat damit zu tun, dass in Brüssel eben Politik gemacht wird, nicht nur von EU-Kommissaren und -Parlamentariern, sondern auch von Lobby-Gruppen mit guten Connections und noch mehr Finanzmitteln. Das Ergebnis ist zwiespältig. So finden sich immer wieder pragmatische Positionen gegen die Auswirkungen des bestehenden Patentrechts mit ihren Patenten auf banale oder schon da gewesene „Erfindungen“. Andererseits mauschelt auch die EU mit in einem Kreis, der ein Handelsabkommen gegen Produktpiraterie, ACTA, durchzudrücken versucht, das effektiv auf eine Fortschreibung des bisherigen Patentrechts hinausläuft.

Doch inzwischen geht es um einen noch wesentlich sensibleren Punkt; das Urheberrecht. Die EU-Kommissarin Neelie Kroes, zuständig für die „Digitale Agenda der EU“, hat es in diesem Jahr zur Diskussion gestellt. Ihre Begründung: Die Produktpiraterie hat das Urheberrecht nicht aufgehalten, und die große Masse der Urheber von Werken aller Art hat nichts davon, bekommt keine nennenswerte Vergütung. Was ich als Autor bestätigen kann; aber mir wäre weniger an mehr Geld von der Verwertungsgesellschaft Wort gelegen, als an besseren Honoraren der Verlage.

Wer Urheberrechte hat, sollte sich nicht von der Hoffnung leiten lassen, es könne sich in absehbarer Zeit etwas bessern. Vielmehr könnte sich durchaus etwas verschlechtern. Ganze Wirtschaftszweige würden das Urheberrecht herzlich gerne ganz verschwinden sehen. Ihre Lobbytruppen bringen sich jetzt in Brüssel in Stellung. In den USA diskutiert die Legislative gerade einen Gesetzentwurf „Stop Online Piracy Act“ (SOPA). Der würde sogar im Namen des Urheberrechts zu einer Beschränkung der Internet-Freiheit führen – bis hin zur Selbstzensur der Urheber. Und was aus den USA kommt, findet sich in der Regel eher früher als später in Europa wieder.

Es ist also Vorsicht angesagt, wenn aus Brüssel im ersten Moment ganz gut klingende Denkansätze kommen. Gerade EU-Kommissarin Neelie Kroes hat sich mit einigen Formulierungen dieser Art in Open-Source-Kreisen einen Namen gemacht. Aber kürzlich hat sie auch den einstigen CSU-Shooting-Star, Graf Karl-Theodor zu Guttenberg, als Berater der EU-Kommission in Sachen Internet-Freiheit engagiert. Der ist nicht nur als Raubkopierer aufgefallen, sondern wollte zu seinen Zeiten als Bundesminister auch ein Gesetz durchbringen, was es der Polizei ermöglicht hätte, geheime Listen von Internetseiten zu führen, die im Notfall vom Netz zu kappen wären.

Also bitte keine Euphorie über Verlautbarungen aus Brüssel. Vielmehr muss sich die Open-Source-Bewegung endlich Gedanken machen, wie sie ihre Interessen in den Gremien der EU besser als bisher vertreten kann. Bisher gibt es da nämlich nur Connections von Einzelpersonen und gelegentliche Auftritte der Open-Source-Prominenz. Lobby-Arbeit finden wir ohnehin eher widerlich. Aber wir brauchen in Brüssel eine bessere Interessenvertretung.

 

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oVirt: Ein Admin-Tool für KVM-Virtualisierung entsteht

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.12.2011 | Kommentare: 0

Ein guter Administrator kann, so hat VMware dem Autor einmal erklärt, gleichzeitig etwa 40 virtuelle Maschinen überwachen und steuern. Dabei ist vorausgesetzt, dass er die ziemlich ausgefeilten und teuren Admin-Tools des Anbieters verwendet. Immerhin ist diese Zahl ein Vielfache dessen, was ein Administrator an physikalischen Servern schafft, wobei hier neben den Applikationen auch der Typ und die Größe der Server eine erhebliche Rolle spielen.

In der Linux-Welt ist man noch nicht so weit wie bei VMware. Hier dominiert klar der in Linux integrierte Hypervisor Kernel-based Virtual Machine (KVM). Dessen Beliebtheit hat sich noch deutlich gesteigert, seit im Mai 2011 die Open Virtualization Alliance gegründet wurde, die ihm noch mehr Schub verleihen soll. Anfang November traf sich die Allianz zu einem Workshop, um zu beraten, wie man KVM noch mehr Marktpräsenz verschaffen kann. Dabei wurde klar, dass es verschiedene Management-Tools für mit KVM virtualisierte Umgebungen gibt, allen voran Red Hats „Enterprise Virtualization“ oder „libvirt“ und „v2v“. Aber das sind keine integrierten Komponenten.

Das wird sich demnächst ändern. Canonical, Cisco, IBM, Intel, NetApp, Red Hat und Suse haben sich zusammengeschlossen und das Open-Source-Projekt „oVirt“ gegründet. Es soll eine umfassende Lösung zur Administration von KVM-virtualisierten Servern schaffen. Die Grundlage dazu wird das Produkt Enterprise Virtualization, das Red Hat als Open Source verfügbar gemacht hat.

oVirt wird die Admin-Umgebung für KVM. Das Projekt verfolgt ziemlich ambitionierte Ziele, die alle Administrationsprobleme der Virtualisierung adressieren. Das Management-Tool soll die Verfügbarkeit der virtuellen Maschinen durch präzisere Steuerung ihrer Komponenten (CPU-Anteil, RAM, I/O-Bandbreite etc.) steigern, Live-Migration vereinfachen, einen einfach nutzbaren System-Scheduler mit sich bringen, das Storage-Management umfassen und mehr. Das Ganze wird aus verschiedenen Einzellösungen bestehen, die separat oder als integriertes Tool zu verwenden sind und sich folglich einzeln weiterentwickeln lassen. Das Projekt geht soweit, dass „Building Blocks“ zur Einrichtung von Private oder Public Clouds entstehen sollen.

Angesichts der am Projekt beteiligten Gründungsfirmen ist davon auszugehen, dass oVirt sogleich der Management-Standard in virtualisierten Linux-Umgebungen wird. Das Projekt wird nicht nur für Anwender und Anbieter interessant, die intensiv auf Virtualisierung setzen. Es dürfte auch Auswirkungen dort haben, wo es Intentionen in Richtung Open Cloud gibt. Wer sich frühzeitig darauf einstellen will, ist gut beraten sich mit der bedeutendsten Grundlage, Red Hats Enterprise Virtualization bekannt zu machen.

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Open-Data-Plattform wird Open Source

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 06.12.2011 | Kommentare: 0

Open Data, also die programmatische Forderung, wonach viele Informationen der öffentlichen Verwaltungen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen, gewinnt auch hierzulande an Boden. Die ersten Ansätze waren noch sehr zaghaft, und die dafür notwendigen Portale wurden aufwendig implementiert. Anders zum Beispiel in den USA: Die Obama-Administration präsentiert fast 400.000 Datensätze auf ihrer Open-Data-Plattform Data.gov.

Jetzt hat die US-Regierung auch noch deren Basis, die „Open Government Platform“, als Open Source veröffentlicht (Download). Diese Softwarekompilation versteht sich als „Data.gov-in-a-Box“. Sie soll es vereinfachen, Open-Data-Portale anzulegen. Es wird auf dieser Grundlage künftig wesentlich weniger Aufwand verursachen, durch Öffentlichkeit mehr Demokratie zu schaffen. Das bei Öffentlichkeitsverhinderungsstellen beliebte Kostenargument ist geplatzt.

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Die Zukunft der IT – aus Sicht der Softwareentwickler

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.11.2011 | Kommentare: 0

Im Sommer eines jeden Jahres befragt IBM die Softwareentwickler, die sich auf der Web-Plattform „developerWorks“ registriert haben. Diesmal hatte Big Blue vier Themen vorgegeben, die sie in den nächsten zwei Jahren am meisten beschäftigen könnten: Business Analytics, Mobile Computing, Cloud Computing und Social Business. Mehr als 4000 IT-Fachkräfte haben sich beteiligt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor (kostenloser und registrierungsfreier PDF-Download hier).

Business Analytics ist demnach der Bereich mit der schon jetzt am besten angenommen ist. 42 Prozent erklärten, Lösungen seien gefragt. Das Thema wird auch weiterhin eine große Rolle spielen meinen sogar 90 Prozent. Auffallend ist dabei, dass 87 Prozent der Ansicht sind, Open-Source-Plattformen wie Apache Hadoop und Linux in diesem Kontext eine Schlüsselrolle zukommen werde. Fast die Hälfte der Befragten äußerte die Ansicht, Business Analytics führe zu mehr Automatisierung in der IT und zu schlankeren Prozessen. Allerdings berichten auch zwei Drittel der Befragten von Problemen: Die Integration komplexer Analysesoftware in vorhandene IT-Umgebungen bereite Probleme. Und es sei aufwendig, die Anwender so zu schulen, dass sie auch die theoretisch möglichen Resultate aus den Systemen gewinnen könnten.

In Sachen Mobile Computing haben sich die Gewichtungen massiv verschoben. Blackberrys waren vor wenigen Jahren noch ein wichtiges Thema in allen IT-Stäben, heute interessiert das nur noch jeden Vierten. Aber auch Apple’s iPhones sind nicht mehr der Hammer, nur noch die Hälfte der Entwickler hat sie im Auge. Dagegen ist Google’s Android für 70 Prozent das Zukunftsthema. Windows 7 Mobile bringt es immerhin mit 35 Prozent auf Platz 3.

Drei von vier Entwicklern erklären, sie müssten sich gerade mit Mobile Computing befassen, und sogar 85 Prozent erwarten das in zwei Jahren. Jeweils rund ein Drittel der Entwickler arbeitet an neuen mobilen Business-Applikationen oder der Erweiterung bestehender für mobile Devices. Die größten Sorgen gelten bei knapp mehr als der Hälfte der Befragten Sicherheit/Privatsphäre und die Kosten der Entwicklung für die unterschiedlichen Mobil-Plattformen.

Cloud Computing ist im IT-Alltag noch ein junges Gebiet, mit dem sich nur 40 Prozent herumzuschlagen haben. Aber drei Viertel der Entwickler nehmen an, dass sie in zwei Jahren damit zu tun bekommen werden. Als Vorteile von Clouds nennen 58 Prozent Flexibilität und Skalierbarkeit. Zwischen 40 und 45 Prozent erwähnen niedrigere IT-Kosten, höhere Effizienz und geringere Kapitalaufwendungen.

Jeder vierte der Entwickler (die höchste Rate) erklärte, ihr Unternehmen entwickle Applikationen für die Cloud. Bei fast ebenso vielen ging es um Virtualisierung und Storage. Interessanterweise nannte 22 Prozent die Private Cloud als Ziel des Computings in der Wolke, während die Public Cloud nur bei 13 Prozent das Ziel ist. Da wird sogar noch die Community Cloud, vor allem für öffentliche Verwaltungen ein Thema, mit 16 Prozent als wichtiger eingeschätzt.

Der Fragenkomplex Social Business umfasst die technischen Grundlagen für die Beziehungen zwischen einer Firma und ihren Kunden beziehungsweise Geschäftspartnern. Wer dafür programmieren muss, hat wohl einen undankbaren Job. Denn fast jeder zweite Entwickler bekundete, derlei käme weder bei den Angestellten noch bei den Kunden gut an. Soziale Netze wie Facebook sind überhaupt nicht gern gesehen; sie spielen nur bei jedem Fünften überhaupt eine Rolle. 43 Prozent der Firmen betrieben vorzugsweise hausinterne Entwicklung, um ihre Angestellten besser zu adressieren. Für die Ansprache der Geschäftspartner haben anscheinend externe Entwicklungsfirmen das bessere Renommee. Auf sie setzen 41 Prozent der Firmen. Ergo: Die Erscheinung nach außen ist wichtiger als die interne Kommunikation.

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