Gerichtsurteil gegen SCO: Unix-Urheberrechte gehören Novell

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 31.03.2010 | Kommentare: 0

31.3.2010 – SCO hat im jahrelangen Kampf gegen Linux eine weitere dicke Niederlage kassiert. Ein Geschworenengericht in Salt Lake City sprach Novell die Unix-Copyrights zu. Die SCO Group hatte in ihrem Kampf gegen Linux unter anderem behauptet, das Open-Source-Betriebssystem verletze Unix-Copyrights. Novell hatte erfolgreich geltend gemacht, man habe einst an SCO nur die Vertriebsrechte für Unix System V verkauft, nicht aber die Urheberrechte.

Novell-Chef Ron Hovsepian kommentierte das Urteil natürlich jubelnd: „Diese Entscheidung ist eine gute Nachricht für Novell, für Linux und für die Open-Source-Community. Wir haben seit langem die Ansicht vertreten, dass dieses Vorgehen gegen Linux keine Grundlage hat, und wir sind erfreut, dass die Jury dem in einer einstimmigen Entscheidung zustimmt. Ich bin stolz auf Novells Rolle beim Schutz der Interessen von Linux und der Open-Source-Community.“

Ganz scheint SCO nach einem Bericht von Heise Open immer noch nicht aufgeben zu wollen. Das Unternehmen hat vor Gericht einen Antrag gestellt, doch noch an die Copyrights zu kommen. Die ziemlich schräge Begründung: Man habe Unix damals von Novell im „guten Glauben“ gekauft, damit auch die Urheberrechte zu erlangen. Mit anderen Worten: Nicht SCO habe Schuld an seiner Unfähigkeit, einen Vertragstext richtig aufzusetzen, sondern Novell.

Auch in einem anderen Fall strebt die unter Konkursrecht stehende SCO unverdrossen einer weiteren absehbaren Niederlage entgegen. Zwangsverwalter Edward Cahn erklärte: „Unabhängig von dieser Entscheidung haben wir immer noch Ansprüche gegenüber IBM.“ SCO behauptet, Big Blue habe Code und Programmierkonzepte aus dem einstigen Gemeinschaftsprojekt „Monterey“ später in Linux einfließen lassen.

Das Problem: SCO wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, dem Gericht Beweise in Form von Codezeilen vorzulegen – mit der Begründung, dann würde Code veröffentlicht, der Betriebsgeheimnis sei. Nun gibt es für solche Fälle im US-Recht das „in camera“-Verfahren, eine gerichtliche Untersuchung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber das möchten die SCO-Anwälte auch nicht. Unter diesen Voraussetzungen ist der Ausgang des Verfahrens gegen IBM absehbar.

Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in München.

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