Free Software Foundation legt sich mit Apple an

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.05.2010 | Kommentare: 0

28.5.2010 – Apple hat gestern ein Programm aus seinem App Store entfernt, nachdem die Free Software Foundation das Unternehmen darüber informiert hat, dass dessen Source Code unter der GNU GPL, Version 3, steht. Diese Lizenz sieht die Freiheit zur Weitergabe und Modifikation von Software vor. Die App-Store-Geschäftsbedingungen verbieten derlei fast durchweg. Die Reaktion, mehr dazu hier, von Apple war also zu erwarten.

Doch was hat die FSF zu der ungewöhnlichen Maßnahme getrieben, nicht den Programmanbieter, sondern Apple anzuschreiben? Auch eine zweite Erklärung der FSF gibt kaum eine Erklärung. Im ersten Statement aber finden sich zumindest zu Spekulationen einladende Aussagen. So beharrt die FSF darauf, dass die Anwender „das Recht haben sollten, ihre Computer so zu benutzen, wie es ihnen gefällt“. Das ist schon eine ziemliche Attacke gegen eine Firma, die sich in letzter Zeit eher als Regulierer und Zensor aller Dinge gefällt, die User mit Notebooks, Handys und Tablets anstellen könnten.

Deutlicher wird das Ansinnen der FSF in der Formulierung, wenn Apple eine GNU-lizenzierte Software verbreite, dürfe das Unternehmen „anderen nicht durch seine Terms of Services untersagen, das Gleiche zu tun“. Also: Apple soll seine Geschäftsbedingungen entsprechend ändern. Das Ansinnen wiederholt eine andere FSF-Aussage: „Wir wären glücklich, wenn Apple diese Programme unter den Bedingungen der GPL vertreiben würde.“

Im letzten Satz steckt ein auffälliger Plural: „Programme“. Möglicherweise deutet die FSF hiermit an, dass auch weitere Apps in Apples Software-Store GNU-lizenzierte Bestandteile enthalten. Das würde Apple in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Das Unternehmen könnte nur noch von sämtlichen Apps-Entwicklern eine Erklärung verlangen, dass ihre Programme nicht den „GPL-Virus“ haben. Das Ergebnis solch einer Auslese dürfte sein, dass Apples App Store anschließend weit weniger famos ausschaut als bisher.

Das berührt aber Apple-Geschäftsinteressen. Diese könnten durchaus im Kalkül der FSF liegen. Die Verbreitung von Apps mit GPL-lizenzierten Programmteilen könnte Apple zum Einlenken zwingen. Das betrifft auch, künftig auf Drohungen gegen Open-Source- und Freie Software zu verzichten. Eine massive Reaktion von Apple gegen die FSF würde dem Unternehmen in jedem Fall weiteren Imageschaden zufügen.

Was immer die Intentionen der FSF bei diesem Manöver waren: Die Organisation geht ein nicht geringes Risiko ein, indem die sich mit einem Unternehmen anlegt, das vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und dies bisher ohne Rücksicht auf öffentliche Reaktionen auch demonstriert. Apple ist unberechenbar, gewiss aber kein guter Freund von Freier Software. Liegt eine rabiate Reaktion von Apple im Kalkül der FSF? So etwas könnte nämlich die ohnehin schon aufmerksam gewordenen Kartellbehörden in den USA endgültig in Alarmstimmung versetzen.

Am Beispiel Großbritannien: Ökonomie-Lehrstück Open Source

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.05.2010 | Kommentare: 0

27.5.2010 – Wer bundesdeutsche politische Verhältnisse gewohnt ist, hat in den letzten zehn Jahren einige denkwürdige Wandlungen von Parteipositionen erlebt. Mit Blick auf Großbritannien reibt man sich aber verwundert die Augen, weil dort die Politik das exakte Gegenteil dessen vollzieht, was hierzulande zu erwarten wäre. In Großbritannien hat die neue konservativ-liberale Regierung unter David Cameron und Nick Clegg eine Koalitionsvereinbarung (PDF hier) geschlossen, deren Inhalte sehr überraschen. Denn sie zielt darauf, Bürgerrechte wieder herzustellen und aus einem Überwachungsstaat auszusteigen, den ausgerechnet die sozialdemokratischen Vorgängerregierungen systematisch aufgebaut hatten.

Großbritannien galt bisher als der Big-Brother-Staat par excellence im Westen. Nirgendwo war die Überwachung der Bürger mit Videotechnik und IT-Systemen so perfektioniert. Die meisten von Labour-Regierungen eingeführten Maßnahmen wollen Torries und Liberale nun wieder abschaffen. Andere vorgesehen Pläne werden nicht weiter verfolgt. Genaueres findet sich dazu hier.

Doch die konservativ-liberale britische Regierung geht in ihren Plänen noch darüber hinaus. Zum einen verstärkt sie eine in Ansätzen schon unter Labour erkennbare Orientierung auf Open Source. So heißt es in der Koalitionsvereinbarung: „Wir werden Open-Source-Software gleiche Chancen einräumen und große ITK-Projekte in kleinere Komponenten aufteilen.“ Zum Vergleich: In Deutschland läuft gerade ein Vorhaben an, die IT- von Bundesämtern in riesigen Rechenzentren zusammenzufassen..

Zum anderen bezieht die neue britische Regierung eine weitere bemerkenswerte Position zu Datenaustauschformaten: „Wir werden sicherstellen, dass die öffentlichen Einrichtungen Daten nur noch in offenen und standardisierten Formaten veröffentlichen, sodass Dritte sie leicht und mit minimalen Kosten nutzen können.“ In Deutschland ist das exakte Gegenteil vorgesehen: Öffentliche Verwaltungen sollen sich in der IT an „bestehenden Marktstandards“ orientieren.

Nun bleibt natürlich erst einmal abzuwarten, was aus ihrer Koalitionsvereinbarung die konservativ-liberale britische Regierung tatsächlich umsetzen wird. Dass es Abstriche geben wird, entspricht politischer Erfahrung. Die Generalorientierung aber ist bemerkenswert. Die Frage ist, was ihre Ursachen sind?

Es ist keineswegs so, dass sich in Großbritannien Konservative und Liberale quasi links von Sozialdemokraten positionieren. Es ist lediglich eine Frage der Ökonomie. Die ganzen Überwachungsmaßnahmen haben nicht mehr Sicherheit gebracht, sondern nur Unmengen Geld gekostet. Und das hat der britische Staat, der wie andere Länder Europas knapp an der Klippe zum finanziellen Absturz steht nicht mehr. Aus dem gleichen Grund erfahren Open Source und offene Standardformate eine Aufwertung. Diesbezüglich zählte Großbritannien in Europa bisher eher zu den Schlusslichtern. Jetzt hat sich dort bis auf die Ebene politische Entscheidungsträger zumindest die Erwartung verbreitet, dass Open Source und offene Standards probate Mittel sein könnten, um IT-Ausgaben zu sparen.

In Deutschland ist die IT-politische Orientierung bisher eine andere, weil der finanzpolitische Leidensdruck noch nicht britische Ausmaße hat. Der vorhandene Zwang zu sparen führt hier bisher nur zu der durchaus naheliegenden Idee der Konsolidierung. Die abenteuerlichsten Sparvorschläge werden hierzulande diskutiert, vor allem natürlich wieder Maßnahmen, die auf Kosten der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft gehen würden.

Dabei gäbe es noch ein gewaltiges Sparpotenzial, würde die IT der öffentlichen Verwaltung, wo immer es geht, konsequent auf Open Source und offene Standards setzen. Wenn die Politik diese beiden Aspekte auch zu Maximen staatlicher Konjunkturprogramme erheben würde, ließe sich noch mehr erreichen: Weniger Steuergelder würden nicht in die Kassen amerikanischer IT-Konzerne abfließen, um die Konjunktur in den USA anzukurbeln, sondern stärker deutschen mittelständischen IT-Anbietern zugutekommen. Hierzulande gibt es Open-Source-Kompetenz, die im internationalen Vergleich einen hervorragenden Ruf hat. Nicht nur diese Position ließe sich ausbauen. Auch Arbeitsplätze würden geschaffen, Hightech-Wissen im Lande gehalten. Von den Steuereinnahmen, die jeder Arbeitsplatz direkt und indirekt über den Konsum nach sich zieht, ganz zu schweigen. Das wäre eine zukunftsorientierte Konjunkturpolitik.

Ein BGH-Patenturteil und die Konsequenzen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 19.05.2010 | Kommentare: 0

19.4.2010 – Im Berufungsverfahren um eine Patentanmeldung von Siemens hat die Berufungsinstanz des Bundesgerichtshofs (BGH) eine aufsehenerregende Entscheidung gefällt. Nach dem Urteil sind auch Konzeptionen zur Lösung technischer Probleme patentwürdig (eine ausführliche Darstellung hier). Der Gegenstand des Verfahren hat durchaus einige Ähnlichkeiten mit dem sogenannten Bilski-Case, der vor dem obersten Gericht der USA in Verhandlung ist.

Die BGH-Entscheidung ist auf den ersten Blick keine gute Nachricht für jene, die sich gegen die Patentierbarkeit von Software einsetzen. Es ist es aber auch kein Anlass, nun verzweifelt in die Tischkante zu beißen.

Der BGH entscheidet auf der Grundlage bundesdeutscher Gesetze. Demnach bedeutet diese Entscheidung zunächst einmal, dass diese nach Auffassung des Gerichts einen weiteren Rahmen für Patente zulassen, als es selbst patentfreundliche Institutionen wie das deutsche Patentamt für möglich hielten. Effekt: Diese Behörde wird jetzt zum Ja-Sager für Patentanträge von Kräften, die stark genug sind, sich durch die Berichtsinstanzen zu boxen.

Ergo sollten sich mittelständische Unternehmen vom BGH-Urteil nicht sehr viel versprechen. Druck können nur die Großen machen. Das polarisiert. Vielleicht merken jetzt die kleinen und mittelständischen IT-Anbieter, dass Softwarepatente ihre Möglichkeiten zur Software-Entwicklung einschränken und sie letztlich Business-unfähig machen. Bisher war der Leidensdruck durch Softwarepatente wohl nicht groß genug, um sich in wirtschaftspolitischem Engagement niederzuschlagen. Die Interessenvertretungen haben nichts gemacht; denn es gab keinen Druck von der Basis.

Vielleicht passiert jetzt mehr, weil dieses BGH-Urteil aufschreckend wirken könnte. Es signalisiert einfach, dass die deutschen Gesetze patentgeneigt sind. Also müssten diese geändert werden. Aus eigenem Antrieb wird das die momentane schwarz-gelbe Koalition kaum machen. Aber der Antrieb könnte aus der Europäische Union kommen. Auf EU-Ebene wirken ganz andere politische Kräfte.

Insbesondere scheint hier ein Motiv große Bedeutung zu haben: Die EU möchte ihre Mitglieder gegen Monopole schützen, damit sie nicht zu Bananenrepubliken werden. In Sachen Softwarepatente scheint die EU auf einem halbwegs rigiden Anti-Kurs zu sein. Letztlich werden in Brüssel die Gesetze gemacht. In Berlin müssen die Politiker sie in nationale gießen. Heraus wird am Ende etwas kommen, an dem sich der BGH zu orientieren hat, anders als er es jetzt tat.

Das BGH-Urteil bedeutet im Übrigen auch, dass Kampagnen gegen Softwarepatente vom Schlage NoSoftwarePatents keine nachhaltige Wirkung gehabt haben. Auch oberste Gerichte reagieren durchaus auf politische Strömungen. Wirklich Massen bewegende Themen wie Frieden, Umwelt- und Verbraucherschutz finden ihren Niederschlag. Kampagnen gegen Software-Patente bewegen nicht genug. Softwarepatente bewegen nur einen winzigen Teil der Bevölkerung.

Vielmehr muss man in Interessenvertretungen und mit Institutionen arbeiten. Zum Beispiel im Linux-Verband, um mit ihm dauerhaft im Kontakt mit deutschen und europäischen Behörden zu bleiben. Dort gilt es, die Meinungsbildung zu beeinflussen.

Sixtus VS Lobo

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 18.05.2010 | Kommentare: 1

18.5.2010 – Manchmal lohnt es sich doch, spät in der Nacht durchs Fernsehprogramm zu zappen. So bin ich neulich bei 3sat gelandet. Ansage der Moderatorin, beim folgenden Beitrag habe sie bis zur Hälfte eher bananas verstanden, aber dann sei die Überraschung perfekt gewesen. Das reizte schon, dabei zu bleiben. Es folgte ein Beitrag der Komikkünstler, wenn ich die so nennen darf, Marius Sixtus und Sascha Lobo. Die produzieren für 3sat eine Art gespielten Blog, „Sixtus vs. Lobo“. Dies war die Folge Nummer 40.

Es startet ein Dialog, in dem Sixtus und Lobo jeweils einzelne Sätze oder auch nur halbe deklamieren. Tenor: Im Internet werde nur geistiges Eigentum geklaut und die üblichen kruden Parolen von Stammtischen und Industrieveranstaltungen. Doch ab einer bestimmten Stelle läuft der Dialog von vorhin rückwärts ab. Die Argumentation ist jetzt logisch.

Den Clou verrate ich hier nicht. Selbst mal reinschauen, kann ich nur empfehlen. Der Beitrag findet sich unter http://blog.zdf.de/3sat.neues/sixtus-vs-lobo/

Zehn Jahre Linux auf IBM-Mainframes

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 17.05.2010 | Kommentare: 1

17.5.2010 – Am heutigen Tag jährt sich ein Ereignis, das von großer Bedeutung für die Entwicklung von Linux wurde: IBM veröffentlichte am 17. Mai 2000 einen Linux-Kernel für seine Mainframes.

Im schwäbischen Böblingen wird gefeiert. Denn hier, im Entwicklungszentrum der IBM, hat ein Team es geschafft, den Linux-Kernel an die blauen Großrechner anzupassen. Die Gruppe arbeitete fast zwei Jahre lang völlig im Geheimen (mehr dazu unter www.open-source-presse.de). Das Projekt wäre in der IBM nicht zugelassen worden, obwohl CEO Louis Gerstner und sein Adlatus Sam Palmisano die in ihrer geschlossenen Großrechnerwelt verhaftete und in eine ernste Krise geratene Firma behutsam öffneten. Ein Vice President soll gesagt haben: „Lasst eure Hände von Linux. Das ist Programmieren für Kommunisten.“

Doch zur CeBIT 1999 kam der erste Coup: Parallel erklärten IBM und SAP, künftig Linux auf x86 Servern zu unterstützen. Dem folgten sogleich Oracle, Informix, Sybase und die Software AG. Dieser Vorgang war wie ein Ritterschlag für Linux. Die Erklärung der Branchengrößen war der erste wichtige Schritt, der Linux das Vertrauen der Business-Anwender verschaffte.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Im Januar 2000 versprach Palmisano, IBM werde eine Milliarde Dollar in die Entwicklung von Linux und entsprechend angepasster Software stecken. Im Mai des gleichen Jahres folgte Linux für IBM-Mainframes. Für Linux war das die Erhebung in der IT-Hochadel. Für IBM war es die Rettung der Mainframes, die jetzt plötzlich das gute Image der Offenheit bekamen. In den Jahren 1999 und 2000 wurden die Grundlagen dafür gelegt, dass Linux im neuen Jahrtausend ein massiver Trend wurde.

Dieser Trend hat für völlig neue IT-Strukturen bei den Anwendern gesorgt, die Ende der 90er Jahre niemand erwartet hätte. Er hat der IT-Anbieterseite ein neues Gesicht gegeben. Durch ihn ist eine ganz neue ökonomische Kraft entstanden: die Open-Source-Software-Anbieter und -Dienstleister.

Am Beispiel von IBMs Mainframe-Linux lässt sich gut nachvollziehen, wie die Anwender eine Evolution im Umgang mit Linux durchlebt haben. Im Jahr 2003 gingen 70 Prozent der Workloads für einfache Web-, Applikations-, File- und Print-Services drauf sowie 20 Prozent für DB2-Datenbankprozesse. Der erste Bereich macht heute nur noch zehn Prozent aus, auf die Datenbankoperationen entfallen 35 Prozent, 30 Prozent sind bereits konsolidierte Infrastruktur-Prozesse und 25 Prozent zählen die Anwender zu ihren „mission-critical“ Applikationen.

Linux ist in der IT allgegenwärtig geworden. Seine Präsenz reicht vom Handy bis zu Superrechnern. Seine hohe Qualität haben ein Entwicklungsverfahren populär gemacht: Open Source. Auch diese Art Software ist inzwischen omnipräsent und überzeugt immer mehr professionelle Anwender. IBMs Verdienst ist es, dieser Entwicklung bedeutende Anstöße gegeben zu haben.

Google: was heisst hier eigentlich “lediglich MAC Adressen” ?

von: Elmar Geese | am: 16.05.2010 | Kommentare: 0

Ist ja schön das sich jetzt Google zu Recht im Zentrum der Kritik befindet, weil sie Datenverkehr mitgehört und aufgezeichnet haben. Das haben sie verdient. Aber eins interessiert mich dann doch noch. Wenn, wie z.B. auf Heise zu lesen, “habe das Unternehmen versichert, außer dem Namen des Funknetzwerkes (SSID) und der individuellen MAC-Adresse würden keine weiteren WLAN-Daten gespeichert”.
Wieso überhaupt rumfahren und solche Sachen speichern, geolokalisiert natürlich ? Soll das künftig bei jeglicher Nutzung eines Google Angebots abgeglichen werden ? Was surft der Mensch zuhause, was der Gleiche im Büro ? Welche Geschäftsmodelle dem darüber hinaus innewohnen, weiss niemand. Ob es die Recherche für ein weltweites Google WLAN ist oder einfach die Gier, alles an verfügbaren Daten aus einem datentechnisch oder auch einfach visuell erreichbaren Menschen zu ziehen. Was Google und Andere wirklich tun, wenn sie nicht erwischt werden, kann man nur vermuten.
Wir sind immer auf die Vertrauenswürdigkeit eines Diensteanbieters angewiesen, und der Anbieter auf uns als Kunden. Einige von uns können sich einigermaßen wehren. Mit Dingen wie jede Menge Browser Plugins und Anleitungen, die helfen die Privatsphäre zu schützen. Manche davon ermöglichen diese erst.
Aber auch für Google gilt: Monopole sind endlich. Und paradoxerweise gilt auch, je länger sie leben, desto schwerer sind sie zu verteidigen. Die Feinde können sich von verschiedenen Seiten um Google sammeln, das sich gerade imagetechnisch durch Android und Rückzug aus China erholt hatte. Aber so richtig einfach wird das nicht werden für Google Feinde, dazu ist die Dominanz zu gross. Irgendwie ist es aber doch schön, denn wenn sich die Grossen hauen, kann das nur gut für die Kleinen sein. Und ob sich Google bei weiteren Services wie Google Apps einen wirklichen Gefallen getan hat, kann man bezweifeln. Ich jedenfalls möchte nicht einfach glauben müssen, dass Google die Daten, die durch meine Anwendung auf Googles Plattforms AppEngine entstehen, auch vertraulich behandelt.

Vielleicht wäre es einmal eine gute Geste, wenn Google jetzt einfach mal sagt, warum sie die Daten überhaupt haben wollen, was ist die konkrete Geschäftsidee dahinter ? Karikative Gründe werden es nicht sein, soviel steht fest. Mehr nicht.

Vielleicht braucht es mal eine Kampagne zum GoogleAds Boykott, oder einfach nur ein deutliches Einschreiten des Gesetzgebers und Gesetzwahrers. Unser Staat sollte uns doch eigentlich schützen. Durch massiv bereitgestellte Privacy Unterstützung. Und Staatstornodes, das wär doch was. Gibts aber schon ;-).

Wie wichtig Offenheit und Transparenz sind

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.05.2010 | Kommentare: 0

13.5.2010 – Simon Phipps, einst bei Sun oberster Open-Source-Strategie und rechte Hand von CEO Jonathan Schwartz, schreibt den exzellenten Blog „Webmink“. Dort hat er jetzt eine „schwere, aber überaus wichtige Lektion für das moderne Business“ erteilt.

Bekanntermaßen gilt Geheimniskrämerei weithin zu den Voraussetzungen für geschäftlichen Erfolg. Apple ist ein Musterbeispiel dieser Orientierung. Auch wenn Dinge völlig schief gehen, wenn es zu geschäftlichen Katastrophen kommt, ist Schmallippigkeit angesagt. Zum Beispiel bei einem massiven Hackereinbruch.

Die gegenteilige Herangehensweise hat das Infrastrukturteam der Apache Software Foundation gerade vorexerziert: Anfang April dieses Jahres erlebte Apache einen massiven Hackerangriff, der teilweise erfolgreich war, sich aber bald eindämmen und abwehren ließ. Über diese Angriffe und die Gegenmaßnahmen hat das Apache-Team einen sehr detaillierten und lesenswerten Bericht veröffentlicht. Übrigens sollte man sich auch die Leserkommentare zu Gemüte führen.

Faszinierend ist es natürlich, einmal die Details solch eines Vorfalls verfolgen zu können. Lehrreich ist das überlegte Vorgehen der Apache-IT-Verantwortlichen. Und bewundernswert ist, dass dieses Team Transparenz über alles stellt und sich bewusst Kritik aussetzt.

„Diese Art Transparenz ist Open Source fundamental eigen“, urteilt Phipps. Im 20. Jahrhundert habe das Business Kontrolle als Macht betrachtet, und das befördere Geheimnistuerei. Die passe nicht zu einer vernetzten Gesellschaft, die im neuen Jahrhundert entsteht. Je facettenreicher das Web wird, desto größer werden die finanziellen und sozialen Kosten, Geheimniskrämerei aufrecht zu erhalten. Phipps: „Transparenz hingegen befördert Vertrauen und Gemeinschaft; sie erzieht und verschafft Kraft.“

Die vom Apache-Team praktizierte Transparenz habe Apache zu einem der erfolgreichsten Open-Source-Projekte gemacht. Woraus Phipps schließt: „Transparenz fördert Einfluss, Kontrolle vermindert ihn – eine schwere, aber überaus wichtige Lektion für das moderne Business.“

Wer gibt, gewinnt

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 11.05.2010 | Kommentare: 0

11.5.2010 – Zugegeben, eine Basis von 14 Antworten ist für eine Umfrage ganz schön schmal. Aber interessant ist es schon, was Black Duck Software bei einer Befragung herausgefunden hat. Denn die Befragten – man darf wohl annehmen: Kunden – sind große, weltweit tätige Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die allesamt in ihren IT-Abteilungen sehr früh und massiv auf Open Source gesetzt haben.

Diese „Early Adopters“ gaben nun an, wahrscheinlich die Vorteile von Open Source nur teilweise zu nutzen. Der Hinderungsgrund sei das Fehlen einer wirkungsvollen Politik und Strategie in Sachen Open Source. Daher hätten die Entwickler in den Unternehmen Probleme, ihre Verbesserungen an Open-Source-Programmen an die entsprechenden Projekte zu übergeben. Der Effekt: Die möglichen Code-Beiträge fließen nicht in den Quellcode des Programms ein. Mit der Zeit scheint sich ein Open-Source-Programm dann von denen zu entfernen, die es langfristig nutzen wollen.

Gegenschluss: Man muss sich selbst beteiligen, damit sich Open-Source-Software entlang den eigenen Anforderungen entwickelt. Nur den Code zu nehmen funktioniert zwar, reicht auf Dauer aber nicht. Am meisten gewinnt, wer auch Open Source zurückgibt. Dazu brauchen Firmen sogenannte Policies. Dafür kann die Maxime in Sachen Open Source nur lauten: Man muss den Entwicklern die Freiheit geben, von der sie profitieren. Eben Offenheit.

Und wo bleibt dann der Wettbewerbsvorteil, den manche Entwicklung auf Open-Source-Basis bringen soll? Dieser Vorteil steckt in der Architektur, in Charakteristika und funktionalen Ausprägungen einer Software. Er steckt nicht in dem Wissen, wie eine Open-Source-Software bestimmte grundlegende Probleme und Funktionen besser lösen könnte. Open up!

Z.B. OpenOffice: Streiten lohnt sich

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 10.05.2010 | Kommentare: 0

10.5.2010 – Ein kleiner Zwist zwischen der Free Software Foundation (FSF) und dem OpenOffice.org Community Council wird eine interessante Folge haben: Die Open-Source-Bürosuite erhält eine zusätzliche Quelle für Erweiterungen.

Die FSF hatte sich daran gerieben, dass OpenOffice zwar freie Software ist, das Programm aber auch Erweiterungen aufführt, die proprietär sind. Sie wandte sich daher an den Community Council mit der Bitte, nur noch freie Erweiterungen anzubieten oder in zwei Listen freie und proprietäre Extensionen zu unterscheiden. Denn momentan kann ein Anwender allenfalls mit einigem Aufwand erkennen, was Open-Source-Erweiterungen sind, um gezielt nur diese zu verwenden.

Das hat der Community Council von OpenOffice.org abgelehnt. In einem Statement erklärt der Leitungsrat des Office-Projekts, eine solche Maßnahme hätte den Effekt gehabt, dass die FSF entscheidet, was als freie Erweiterung geführt wird. Der Anwender solle selbst entscheiden, was er verwendet. Der FSF habe es nicht genügt, bei den Erweiterungen die Lizenzformen deutlicher zu machen.

Daraufhin hat die FSF beschlossen, nun eben eine eigene Liste freier Open-Office-Erweiterungen zu veröffentlichen. Derzeit sucht die Organisation nach Freiwilligen, welche die Lizenzen der Zusatzprogramme durchleuchten. Wer mitarbeiten will, kann sich auf einer Mailing-Liste eintragen.

Für Anwender, die darauf Wert legen, nur mit freier Software zu arbeiten, wird sich damit eine interessante Quelle auftun. Denn sie können der Liste der FSF eine Kurzbeschreibung der Erweiterungen samt ihrer Lizenzen entnehmen. Von hier wird verlinkt auf die Extension-Services von OpenOffice.org, wo man die Add-ons herunterladen kann.

Fünf Jahre ODF – Backgrounds zur Geschichte der Office-Standards

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 07.05.2010 | Kommentare: 0

Kürzlich ist das Open Document Format (ODF) fünf Jahre alt geworden. Genauer: Am 1. Mai 1995 hat die Organization for the Advancement of Structured Information Standards ODF 1.0 als OASIS-Standard angenommen. Die Weiterentwicklung des Formats als Standard betreibt die ODF-Alliance. Der aktuelle Stand ist die Version 1.1; die nächste Ausgabe 1.2 steht kurz vor der Einführung. Die Allianz hat einen kurzen, lesenswerten Rückblick auf die letzten fünf Jahre des Formats und seiner weltweiten Verbreitung veröffentlicht.

Rob Weir, ein leitender IBM-Angestellter und -Vertreter in der ODF Alliance sowie OASIS-Komitees in Sachen ODF, hat aus Anlass des Geburtstags einen umfangreichen Blog-Eintrag verfasst. Er befasst sich weniger mit der ODF-Entwicklung, sondern mehr mit der Geschichte von Office-Software. In der ist ODF ein bemerkenswerter Meilenstein. Weir beschreibt, wie Microsoft Word und später Office zum Monopol durchsetzen konnte, so dass in den 90er Jahren keine nennenswerte Alternative entstand. Erst das Web schuf die Grundlagen für eine Zusammenarbeit von unabhängigen Entwicklern, die mit OpenOffice die Basis für ODF schufen.

Microsoft hat alles getan, diesen Standard zu verhindern. Das gipfelte darin, dass Redmond die European Computer Manufacturers Association (ECMA) instrumentalisierte und internationale Standardisierungsgremien manipulierte, um einen eigenen Dokumentenstandard OOXML in der OASIS durchzuboxen (mehr dazu hier, hier und hier). Das gelang zwar, hatte letztlich aber nicht die erhoffte Wirkung, Microsoft wieder die Kontrolle über Dokumentenformate zu verschaffen. Rob Weir hat in einem älteren, sehr lesenswerten Blog-Eintrag beschrieben, mit welchen Winkelzügen Microsoft sein Office-Monopol zu schützen versuchte.

Heute zitierte Weir genussvoll Microsofts National Technology Director, Stuart McKee: “ODF has clearly won.“ Auch dazu herzlichen Glückwunsch an die ODF Alliance! Heute ist ODF übrigens in 26 Staaten und Bundesstaaten rund um den Globus der offiziell anerkannte Dokumentenstandard für öffentliche Verwaltungen.

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