Das muss man in diesem Sommer haben

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.06.2010 | Kommentare: 0

Es soll ja ein passabler Sommer sein, außer hier im verregneten Süden des Landes. Trotzdem werde ich mir ein T-Shirt zulegen, ein „Must have“, ein cooles Design mit einer tollen Aussage. Es ist das siegreiche Design des T-Shirt-Contest der Linux Foundation, von 57 Prozent der Wähler auf Platz eins gehoben.

Entworfen hat es Said Hassan, ein Marketing-Mitarbeiter von SADAF Information Technology aus Gaza in Palästina. Die Belohnung für den Sieger wird eine kostenlose Reise zum Kongress LinuxCon, die im August in Boston stattfindet. Hoffentlich lassen die Israelis ihn reisen! T-Shirts mit seinem Design wird es in Kürze beim Shop der Linux Foundation geben

Doch keine Retrowelle in der IT-Politik? (Teil 3)

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 25.06.2010 | Kommentare: 0

25.6.2010 – Neelie Kroes ist EU-Kommissarin für die Digital Agenda und formuliert damit leitend die IT-Politik der EU. Somit ist sie eine Art EU-CIO. Was unter ihrer Führung zu europäischen IT-Leitlinien wird, müssen die nationalen Regierungen der Mitgliedsstaaten in ihre jeweiligen Gesetze einbringen. Folglich haben ihre Ansichten einen enormen Einfluss. Einige davon hat sie kürzlich auf dem Open Forum Europe (OFE) in Brüssel kundgetan.

Offene Standards zu wählen ist eine sehr kluge Business-Entscheidung“, meinte sie dort. „Öffentliche und private Beschaffer von Technologie sollen clever sein und ihre Systeme so weit wie möglich auf Standards aufbauen, die jeder ohne Einschränkungen verwenden und implementieren kann.“

Es sei vielleicht nicht der einzige Weg, wie im Fall Microsoft Interoperabilität durch Gerichtsverfahren zu erzwingen, erklärte dort Kroes. Die EU wolle es für Firmen attraktiver machen, für Interoperabilität benötigte Informationen zu lizenzieren, statt sie zurückzuhalten. Gleichzeitig wäre es dann aber notwendig, die Lizenzkosten zu deckeln. Außerdem würde das wohl nur bei bestimmten Produkten notwendig sein.

Auf EU-Ebene denkt man inzwischen etwas weiter. Bisher schreiben die Richtlinien nur vor, dass IT-Käufer sich an die Normen bestimmter Standardisierungsgremien halten, zum Beispiel an die International Organization for Standardization (OSI) oder an die European Telecommunications Standards Institute (ETSI). Andere Organisation wie OASIS, ECMA oder W3C sind bisher außen vor. Was hier – und eigentlich auch in weiten Teilen der Industrie – als Standard gilt, müssen Behörden-IT-Beschaffer nicht beachten.

Das möchte Kroes nun ändern. Auch solche Standards sollen als verbindlich gelten. Allerdings differenziert die Kommissarin da. Diese Standards müssten für ihre Anerkennung bestimmte Kriterien erfüllen, nämlich „Offenheit, Konsens, Balance und Transparenz“.

Man darf gespannt sein, wie das ausgeht. Dieser politische Entscheidungsprozess wird sicherlich nicht ohne Widersprüche und massiven Beeinflussungen von Lobbygruppen ablaufen. Aber insgesamt sind die Fundamente für eine proprietär orientierte IT-Politik schwächer denn je.

Doch keine Retrowelle in der IT-Politik? (Teil 2)

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 0

Vor wenigen Tagen hat sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière in seinen 14 Internet-Thesen unter anderem für offene Standards ausgesprochen. Das ist wohl nicht nur Ausdruck des Widerstands gegen die drohende Maxime „bestehende Marktstandards“. Es ist ein ökonomisches Gebot, gerade in Zeiten strapazierter Staatsfinanzen. Offene Systeme sind keine Frage politischer Positionierung zwischen links und rechts, sondern ökonomischer als geschlossene IT-Umgebungen, was auch Maizière zu reflektieren scheint (hier mehr ).

Diese grundsätzliche Herangehensweise hat der schwarz-gelben Bundesregierung in krasser Weise die neue liberal-konservative Regierung in Großbritannien vorexerziert. Die hat nämlich in ihrem Regierungsprogramm zwei völlig neue IT-Orientierungen verankert: Erstens will sie fast alle Big-Brother-Maßnahmen, die ausgerechnet sozialdemokratische Regierungen eingeführt hatten, rückgängig machen. Zweitens soll, wo immer es möglich ist, künftig nur noch Open-Source-Software in britischen Behörden verwendet werden.

Ähnliche Entwicklungen in der IT-Politik lassen sich seit Jahren auch in anderen europäischen Ländern beobachten. Es geht langsam, aber erkennbar in Richtung Open Source. Diese Positionierungen schlagen sich natürlich auch in der EU nieder, auch wenn es nicht gradlinig voran geht: Erst zwingt die EU Microsoft zu einer Offenlegung etlicher APIs – kein Jahr später taucht der Entwurf für Version 2 eines European Interoperability Framework (EIF) auf, der offene und kostenlos nutzbare Schnittstellen nicht mehr erwähnt.

Das hat das selbstbewusste Europa-Parlament ziemlich auf die Barrikaden gebracht und jenen Kräften den Rücken gestärkt, die man als „proprietär-kritisch“ einstufen kann. Die seit den Verfahren gegen Microsoft bekannteste Vertreterin dieses Flügels ist Neelie Kroes, einst oberste europäische Wettbewerbshüterin, heute EU-Kommissarin für die Digital Agenda.

Kroes ist es gewöhnt, sich dezent zu äußern. So meinte sie kürzlich auf der Konferenz „Open Forum Europe“ (OFE), das EIF v2 sei ja noch „in der Diskussion“. Regierungen sollten auch künftig, proprietäre Produkte wählen können, „aber auf der Grundlage einer klaren Rechtfertigung und nicht, weil es eine bequeme Option ist“. OFE-Chef Graham Taylor berichtete hinter den Kulissen der Konferenz genaueres über die Meinung der EU-Kommisarin: „Sie ist sich der Kontroverse um die neueste EIF-Version sehr bewusst. Wir haben ein sehr übles Dokument gesehen.“

Offenbar hat der letzte EIF-Entwurf keine Chance. Das ist sogleich ein Signal an die nationalen Regierungen in Europa. Denn sie müssten die Vorgaben des Entwurfs in ihren nationalen Gesetzen nachvollziehen. Auf europäischer Ebene scheinen „Marktstandards“ vom Tisch und offene Standards angesagt zu sein. Wahrscheinlich hat Bundesinnenminister Maizière davon Wind bekommen. Jetzt hat er auf Bundesebene die entsprechende Kehrtwendung eingeleitet. Er entgeht so Problemen mit Brüssel. Denn dort wächst eine Open-Source-freundliche Stimmung. Darüber wird in Teil 3 die Rede sein.

Doch keine Retrowelle in der IT-Politik? (Teil 1)

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 24.06.2010 | Kommentare: 0

In den letzten Monaten gab es mehr als genug Anlass, sich Sorgen über die Orientierung der deutschen IT-Politik zu machen. Die Konsolidierungsprojekte im Bundesinnenministerium ließen befürchten, dass große, proprietäre Anbieter einen Vorteil gegenüber Open-Source-Firmen bekommen könnte. Die Maßgabe für den neuen IT-Planungsrat, „bestehende Marktstandards“ zu bevorzugen, sorgte für besonders viel Unruhe und einige Proteste.

Vielleicht haben sie ja ein wenig gewirkt. Ganz so dicke, wie manche schon befürchtet haben, scheint es doch nicht zu kommen. Denn gestern hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu den Grundlagen einer Internetpolitik verkündet. Die sind allein schon deswegen lesenswert, weil sie einen Bruch mit der zwischen Ignoranz und Überzogenheit schwankenden IT-Politik seiner Vorgänger im Amt darstellen. Maizière ist ein liberal geprägter Konservativer, ein nicht zu unterschätzender, kluger Kopf, der sich für andere Positionen interessiert, gut zuhören kann und überlegt entscheidet.

Hier sind vor allem drei Aussagen Maizières interessant, insbesondere ein Satz aus der 14. These: „Staatliche IT-Systeme und Internet-Dienste müssen angesichts der Abhängigkeit der Bürger und der Verwaltung von ihnen sicher und ungestört funktionieren, auf offenen Standards basieren, von allen Menschen plattformunabhängig genutzt werden können und größtmögliche Transparenz bieten.“

Offene Standards, Plattformunabhängigkeit und Transparenz sind drei der wichtigsten Argumente gegen proprietäre IT-Systeme in der öffentlichen Verwaltung. Das vierte Argument, das der Kosten, bringt Maizière eine These zuvor: „Der weitere Ausbau elektronischer Behördendienste muss genutzt werden, um Einspar- und Optimierungspotenziale auszuschöpfen.“ Der Innenminister wird sich künftig daran messen lassen müssen, wie die ihm unterstehenden Behörden seine Eckpunkte umsetzen.

Der angesprochene Ausbau elektronischer Behördendienste lässt IT-Anbieter hoffen. Besonders dürften deutsche Anbieter sich einiges versprechen. Denn die These 11 hat Maizière so formuliert: „Für die Wahrung der technologischen Souveränität des Staates ist es erforderlich, dass er nationale Kernkompetenzen erhält und fördert. Hierzu braucht unser Land Forscher und Unternehmer, die strategische IT- und Internetkompetenzen erhalten und ausbauen. Ohne eine starke eigene IT-Industrie geraten wir in Abhängigkeiten, die unsere Freiheiten und unsere Verfassungsidentität gefährden können.“

Das liest sich durchaus positiv für deutsche Open-Source-Anbieter. Denn sie offerieren offene Standards, Plattformunabhängigkeit, Transparenz und Kostenvorteile. Der dynamischste und innovativste Teil der deutschen IT-Industrie ist Open-Source-orientiert und im internationalen Vergleich sehr angesehen. Man wird abwarten müssen, wie sich die Vorgaben des Bundesinnenministers niederschlagen. Aber sie stimmen optimistisch.

Die Vor- und Nachteile von Open-Source-Lizenzen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.06.2010 | Kommentare: 0

Lizenzrechtliche Unsicherheiten sind inzwischen das größte Hindernis bei der Verbreitung von Open-Source-Software. Verunsicherten Unternehmen, Behörden und Softwareprojekten möchte ein bisher aus deutschen und norwegischen Autoren bestehendes Projekt helfen. Die vom Berliner Jörg Schilling betriebene Website „Open Source Software Collaboration Counseling“ (OSSCC) vergleicht Lizenzen, welche die Open Source Initiative (OSI) zugelassen hat.

Die Autoren haben in einem ersten Arbeitsschritt neun der momentan 66 OSI-zertifizierten Open-Source-Lizenzen verglichen. Dies sind jene neun Lizenzen, die nach einer Erhebung der OSI aus dem Jahr 2007 die größte Verbreitung haben. Dabei differenziert der Überblick zwischen akademischen und wechselseitigen („reciprocal“) Lizenzen.

Erste sind kennzeichnend für die frühen Jahre der Open-Source-Entwicklung und haben universitären Hintergrund. Sie geben die meiste Freiheit. Die analysierten Beispiele sind die BSD-Lizenz, die Apache-Lizenz 2.0 und die MIT-Lizenz. Ihnen gegenüber stehen die wechselseitigen Lizenzen, die per „Copyleft“ ihren rechtlichen Rahmen vererben. Zu dieser Gruppe gehören die CDDL, die Eclipse Public License, die GPL, die LGPL und die Mozilla Public License.

Wie der Name des OSSCC-Projekts erwarten lässt, ist „Collaboration“ eine zentrale Frage der Untersuchung: Erlaubt eine Lizenz die Verlinkung auf oder von Programmteile, beispielsweise Bibliotheken, oder die Nutzung von Code unter anderen Lizenzen? Wechselseitige Lizenzen verlangen meistens, dass abgeleiteter Code wieder unter der gleichen Lizenzform erscheinen muss. Teile aus zwei Programmen mit wechselseitigen Lizenzen zu integrieren, wird kompliziert (weil es Ausnahmen gibt) bis unmöglich.

Außerdem – und das ist für Rechtsabteilungen sehr wichtig – beurteilt die OSSCC-Website die Gefahr von Patentverletzungen. Gestatten die Autoren eines Programms die kostenlose Nutzung eventueller Patente? Und verbietet eine Lizenz möglichen Patentklägern als Antwort die Verwendung dieser Software?
Vor allem unter der Maßgabe, dass bei ihnen der Austausch von Code zwischen Open-Source-Programmen problemlos möglich ist, bewertet die OSSCC-Website die Lizenzen. Demnach ist die Apache-Lizenz unter den universitären die beste, die CDDL unter den wechselseitigen.
Das Projekt sucht Freiwillige, um weitere Lizenzformen analysieren zu können.

Open Source Initiative stellt sich neu auf – eine Einladung

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 18.06.2010 | Kommentare: 0

Die für die Definition von Open Source und die Genehmigung von Open-Source-Lizenzen zuständige Open Source Initiative (OSI) steht vor einem eingehenden Umbau. Das hat Simon Phipps, einst bei Sun der firmeninterne Open-Source-Promoter und weiterhin Mitglied im OSI-Führungsgremium, angekündigt. Nach seiner Darstellung ist die 1998 gegründete Organisation für die heutigen Bedingungen der IT-Industrie nicht genügend aufgestellt.

Explizit erwähnt Phipps in diesem Kontext die Herausforderungen Cloud Computing und Open Data. Hier seien völlig neue Aufgabenbereiche entstanden. Auch wolle die OSI künftig besser Regierungen und unabhängige Organisation bei der Entwicklung von Open-Source-Programmen unterstützen. Schließlich gelte es, die Wucherung des Dschungels von Open-Source-Lizenzen zu verhindern.
Mit Letzterem ist ein Punkt angesprochen, der in den letzten Jahren immer wieder für zum Teil heftige Kritik an der OSI ausgelöst hatte: Die Zahl der OSI-genehmigten Open-Source-Lizenzen ist auf 66 angewachsen, obwohl einige Firmen ihre spezifischen Formen zurückgezogen haben. Lizenzen bewilligt die OSI, wenn sie der Open-Source-Definition entsprechen. Diese hat die OSI in einer Art Zehn Gebote zusammengefasst. Aus der Lizenzinflation haben Kritiker auch den Schluss gezogen, offenbar sei die Definition nicht genau genug.
Auch in der Organisation der OSI soll sich einiges ändern. Bisher entspricht sie der in der Open-Source-Welt üblichen Meritokratie, jedenfalls ansatzweise. Denn ihr Führungsgremium („Board“) ist nicht gewählt, sondern es beruft seine Mitglieder. Immerhin ist die Amtszeit im Board begrenzt. In diesem und nächsten Jahr werden einige Mitglieder ausscheiden. Das nimmt Simon Phipps zum Anlass einer Einladung: Wer sich für Open Source engagiere, ausdrücklich wendet er sich dabei auch an die Kritiker, möge sich melden, um selbst in der OSI mitzuarbeiten.

Open-Source-Navigation mit Navit

von: Nina Haering | am: | Kommentare: 0

Was ist Navit überhaupt?

Navit vereint Kartenmaterial von Openstreetmap, D-Bus-Anbindung und eine eigene Augmented-Reality-Integration (AR) zur modernen Navigationsanwendung.
Ob und wie sich das eigene mobile Linux-Gerät zum freien Navi eignet und was die Software kann, zeigt dieser Artikel, den unser Mitarbeiter Thomas Haase im LinuxMagazin platzieren konnte.

Viel Spaß beim lesen!

Programmieren lernen mit Freedroidz auf dem LinuxTag 2010

von: Nina Haering | am: 16.06.2010 | Kommentare: 0

Und wer jetzt denkt, das können nur die Größen, der irrt sich gewaltig, denn Freedroidz ist ein Projekt, dass grade die Kleinen an das Programmieren mit Java heranführen soll.
Ein kleiner Roboter fährt zehn Zentimeter und dreht sich anschließend und ja wirklich, man sieht in glückliche Kindergesichter. Mit Freedroidz entwickeln macht Spaß und bringt ein ganz anderes Erlebnis mit, als Dinge, die sich ausschließlich am Bildschirm abspielen.

Dabei sind unsere Ziele immer klar im Fokus:

  • mit einem freien Betriebssystem und Entwicklungswerkzeugen arbeiten.
  • einen einfachen Einstieg in Java-Programmierung zu bieten.
  • Schwellen zu freier Software und Softwareentwicklung zu senken.

Und genau das haben wir auf dem LinuxTag 2010 in Angriff genommen. Im Gepäck 3 Freedroidz Profis, ein Haufen kleiner Lego Mindstorms und Max Hartmann, Marc Schottstädt, Tobias Kobelt und Tim Buschmann (Klassen 8-11) vom Marie Curie Gymnasium in Dallgow – Brandenburg.

Gute zwei Stunden sah man konzentrierte Gesichter am Notebook und anschließend das glückliche Grinsen, wenn der Roboter das gemacht hat, was er sollte. Und immer wieder erstaunte Gesichter bei Joscha (tarent), Torsten (tarent) und Mattis (tarent), die den Workshop leiteten „Es war verblüffend mit anzusehen, wie schnell unsere doch recht jungen Teilnehmer lernten und anfingen ihre Probleme selbstständig zu lösen”.
Und das Ergebnis lässt sich sehen, die Roboter düsen von A nach B und die vier Workshop Teilnehmer konnten sich kaum von ihnen trennen.

Vielen Dank für das Vertrauen in unser Projekt an das Marie Curie Gymnasium, danke an Herrn Hartmann, der den Kontakt zur Schule herstellte und ebenso mit Begeisterung beim Workshop dabei war.
Vor allem aber natürlich ein großes großes Danke an die Schüler, die sich vom Freedroidz Fieber anstecken lassen haben, die fleißig und voller Ideen waren und an die Leiter des Workshops!

tarent auf dem LinuxTag 2010

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 15.06.2010 | Kommentare: 0

Zufrieden dürfte das tarent-Team den LinuxTag 2010 bilanzieren. Wieder einmal war ihr Stand mit 81 Quadratmetern Fläche der größte aller Aussteller. Tarent bekräftigte damit seine unveränderte Unterstützung des LinuxTag e.V. Die Berliner Kongressmesse kam insgesamt auf 25 Prozent mehr Ausstellungsfläche und verzeichnete einen leichten Besucheranstieg von 10.700 auf 11.600.

Wie immer lud der Stand vor allem ein junges Publikum zur spielerischen Annäherung an IT und Open Source ein. Dies widerspiegelt eine zentrale personalpolitische Orientierung des Anbieter, wie Michael Kleinhenz, Chefarchitekt bei tarent, erklärt: „Uns kommt es weniger auf Spitzenprogrammierer an als auf Kreativität und Teamfähigkeit.“ Tarent sucht weitere Mitarbeiter für das Mutterhaus in Bonn und die Niederlassung in Berlin.
Mit der Gründung und dem schnellen Ausbau der Berliner Filiale hat Tarent auf die immer noch starke Nachfrage nach Open-Source-basierenden Lösungen in den Behörden der Bundeshauptstadt reagiert. „Ein Großteil der IT-Projekte der öffentlichen Hand sind Open-Source-Projekte“, berichtete Kleinhenz als Vertreter des LinuxTag e.V. auf der Eröffnungspressekonferenz der Kongressmesse. „Behörden sind Open-Source-freundlicher als Unternehmen.“ In einigen Fällen hätten die IT-Abteilungen von Firmen Linux-Projekten bereits zugestimmt, die dann doch an lizenzrechtlichen Unsicherheiten scheiterten. Kleinhenz: Open Source hat gerade in Rechtsabteilungen der Großunternehmen einen schweren Stand.“

Daher will tarent künftig verstärkt Unternehmen ansprechen. Dazu könnte das Unternehmen unter anderem Entwicklungen aus Projekten vermehrt in allgemeiner verwendbare Produkte umsetzen. Jedenfalls empfahl Kleinhenz dieses als Mittel für Open-Source-Unternehmen, um über die verbreiteten Geschäftsmodelle hinauszugehen, die auf Programmierung, vor allem aber auf Service und Support basieren.
Der LinuxTag ist eine einmalige Gelegenheit Community-Projekte und andere kleine Open-Source-Unternehmen kennenzulernen. Dabei lässt sich vieles entdecken, das man sonst nicht so leicht finden würde.

Alle müssen sparen – das Land Sachsen nicht

von: Nina Haering | am: 09.06.2010 | Kommentare: 0

Jährlich muss Sachsen derzeit 9,3 Millionen Euro für Lizenzkosten für proprietäre Software ausgeben; dazu kommen noch einmal 4,3 Millionen Euro für den Support. Das sind die Folgen von fast 350.000 Lizenzen für proprietäre Programme. Denen stehen im Übrigen 6.216 Open-Source-Lizenzen gegenüber. Das Verhältnis beträgt nicht einmal 100 : 2. Dies geht aus einer Antwort der CDU-FDP-Regierung Sachsens auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor.

An diesen Verhältnissen wollte die Grünen-Landtagsfraktion mit einem Entschließungsantrag etwas ändern. Die Landesverwaltung sollte, wo es geht, Open Source statt proprietärer Software verwenden. Das Ansinnen hat die CDU-FDP-Mehrheit in Sachsen am 20. Mai abgeschmettert. Die Begründung aus der Regierungsantwort und der bürgerlichen Mehrheit im Parlament ist derart haarsträubend, dass sie unter journalistische Chronistenpflicht fällt. Hier nur die wichtigsten Punkte, eine ausführlichere Darstellung findet sich hier.

„Die Förderung des Einsatzes von FLOSS oder der Umstellung auf FLOSS bei öffentlichen Einrichtungen auf Landesebene ist derzeit nicht vorgesehen.“ So und ähnlich lautet der Bescheid der Landesregierung in ihrer Antwort. Folglich sind Machbarkeitsstudien „derzeit nicht in Planung“. Die Begründung: Open Source brächte keine Kostenvorteile – weil Microsoft-Produkte „klare Sicherheitsvorteile“ hätten!

Jawohl, denn in Sicherheitsfragen für MS-Software stehe „deutlich mehr für das jeweiligen System detailliert geschultes Personal“ bereit.„Für die genutzte Microsoft-Produktkette stehen mehr und breiter erprobte Sicherheitssoftwaresysteme zur Auswahl als bei FLOSS-Produkten. Durch die höhere Auswahl gibt es mehr Konkurrenz- und Kostendruck unter den Anbietern, was zu einer höheren Qualität bei geringeren Kosten führt.“ Open-Source-Software ist einfach nicht unsicher genug, weswegen es dort keinen so breiten Markt für Sicherheitsprodukte gibt. IT-Politik auf Sächsisch verlangt unsichere Software, weil die gut für nachgeordnete Märkte ist. Und da kann Sachsen dann sparen.

Warum dem aber so sein soll, ist ebenso wenig nachvollziehbar. Denn der Regierung sind „gezielte externe Angriffe (auf Landes-IT-Systeme) die zusätzliche, finanziell aufwendige Abwehrmaßnahmen erforderten, nicht bekannt“. Sachsen schmeißt also Geld für Sicherungsmaßnahmen raus, die das Land eigentlich gar nicht bräuchte? Und warum überhaupt, denn Microsoft ist doch toll, wie der FDP-Abgeordnete Carsten Biesok meinte: „Da habe ich mehr Vertrauen dazu, von einem internationalen Konzern jeweils aktuelle Updates zu bekommen, um die Sicherheit zu gewährleisten.“

Merkwürdigerweise empfiehlt die Regierung der Wirtschaft ihres Freistaats: „Durch den Einsatz von Open-Source-Software kann auch die Wettbewerbsfähigkeit der einsetzenden Unternehmen erhöht werden. Dies zeigt sich gerade im Bereich der kleineren und mittleren Unternehmen.“ Nützt Open Source nur „Krautern“, nicht aber einer hohen Regierung? Andererseits aber mag diese dann doch nicht: „Den Einsatz von FLOSS zum Bestandteil von Fördervoraussetzungen bei der Förderung des sächsischen Mittelstand zu machen, wäre ein direkter Eingriff in den Wettbewerb. Die Staatsregierung lehnt diesen Schritt ab.“

Staatliche Wirtschaftspolitik? Bewahre Gott! Nun ja, kleine Sünden sind erlaubt; letztendlich ist der Freistaat ja gegen seinen Willen ein Auftraggeber, der dabei allerdings schon Sorge tragen muss, dass die Investitionen auch im Sinne des Landes laufen. Im Verkehrs- und Gesundheitswesen, bei der Telekommunikation, nun gut, wir wollen nicht ausschweifen. Aber in der IT wird nicht in den Wettbewerb eingeschritten.

Es sei denn, der Bund schreibt das vor. So erklärte Staatsminister Jürgen Martens (FDP) vor dem Landtag in Dresden: „Bei der Bund-Länder-Koordinierung für die IT-Entwicklung sollen gerade auch Marktstandards berücksichtigt werden. Das spricht nicht gegen, sondern gerade für einen Einsatz auch von Produkten etablierter Anbieter.“ Damit ist klar, wohin es gehen wird mit den Fördermitteln, die auch in Sachsen als Konjunkturspritze verteilt werden: Der IT-Anteil daran fließt in die USA. Microsoft könnte ja auch nicht mehr so toll mit seinen Updates und Patches kommen, wenn die US-Regierung wegen der Ölpest im Golf von Mexiko ihre IT-Aufträge kürzen müsste.

Hat jemand Gegenargumente? Na klar, der übliche Verdächtige, Elmar Geese, Tarent-Chef und Vorsitzender der LIVE-Linux-Verbands: „Was sollen Konjunkturprogramme, wenn sie nicht der regionalen Wirtschaftsförderung dienen? Es geht nicht um eine Förderung von Open Source, sondern um eine vernünftige und erwägenswerte IT-Strategie. Entscheidend sind die Vorteile für den Beschaffer, gesamtwirtschaftliche Impulse und die Regionalität der Erlöse. Der Ist-Zustand, dass weite Teile der IT-Budgets durch Lizenzverpflichtungen gebunden sind, lässt immer weniger Handlungsspielraum zu. Zu welchen Anteilen soll Geld – und damit auch Kapital für Investitionen in Wissen – verteilt werden auf die Region, das Land, die Nation, Europa den Rest der Welt?“

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