Die Vor- und Nachteile von Open-Source-Lizenzen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.06.2010 | Kommentare: 0

Lizenzrechtliche Unsicherheiten sind inzwischen das größte Hindernis bei der Verbreitung von Open-Source-Software. Verunsicherten Unternehmen, Behörden und Softwareprojekten möchte ein bisher aus deutschen und norwegischen Autoren bestehendes Projekt helfen. Die vom Berliner Jörg Schilling betriebene Website „Open Source Software Collaboration Counseling“ (OSSCC) vergleicht Lizenzen, welche die Open Source Initiative (OSI) zugelassen hat.

Die Autoren haben in einem ersten Arbeitsschritt neun der momentan 66 OSI-zertifizierten Open-Source-Lizenzen verglichen. Dies sind jene neun Lizenzen, die nach einer Erhebung der OSI aus dem Jahr 2007 die größte Verbreitung haben. Dabei differenziert der Überblick zwischen akademischen und wechselseitigen („reciprocal“) Lizenzen.

Erste sind kennzeichnend für die frühen Jahre der Open-Source-Entwicklung und haben universitären Hintergrund. Sie geben die meiste Freiheit. Die analysierten Beispiele sind die BSD-Lizenz, die Apache-Lizenz 2.0 und die MIT-Lizenz. Ihnen gegenüber stehen die wechselseitigen Lizenzen, die per „Copyleft“ ihren rechtlichen Rahmen vererben. Zu dieser Gruppe gehören die CDDL, die Eclipse Public License, die GPL, die LGPL und die Mozilla Public License.

Wie der Name des OSSCC-Projekts erwarten lässt, ist „Collaboration“ eine zentrale Frage der Untersuchung: Erlaubt eine Lizenz die Verlinkung auf oder von Programmteile, beispielsweise Bibliotheken, oder die Nutzung von Code unter anderen Lizenzen? Wechselseitige Lizenzen verlangen meistens, dass abgeleiteter Code wieder unter der gleichen Lizenzform erscheinen muss. Teile aus zwei Programmen mit wechselseitigen Lizenzen zu integrieren, wird kompliziert (weil es Ausnahmen gibt) bis unmöglich.

Außerdem – und das ist für Rechtsabteilungen sehr wichtig – beurteilt die OSSCC-Website die Gefahr von Patentverletzungen. Gestatten die Autoren eines Programms die kostenlose Nutzung eventueller Patente? Und verbietet eine Lizenz möglichen Patentklägern als Antwort die Verwendung dieser Software?
Vor allem unter der Maßgabe, dass bei ihnen der Austausch von Code zwischen Open-Source-Programmen problemlos möglich ist, bewertet die OSSCC-Website die Lizenzen. Demnach ist die Apache-Lizenz unter den universitären die beste, die CDDL unter den wechselseitigen.
Das Projekt sucht Freiwillige, um weitere Lizenzformen analysieren zu können.

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