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Mann beißt Hund! Open Source behindert Innovation

Patente verhindern Innovationen. Das wird in den Open-Source-Community fast jeder unterschreiben. Außerdem: Urheberschutz ist okay und ausreichend. Dabei bin ich mir nicht so sicher, eher in der Phase der Meinungsbildung. Zweifel habe ich da schon, aber nicht in Sachen Patente. Und während ich das Thema surfender Weise auf dem Radar habe, entdecke ich eine Variante dessen, was auf allen Journalistenschulen als ultimative Schlagzeile (weil Umkehrung des Alltags) gelehrt wird: Mann beißt Hund. Hier die Variante: „Why Open Source Stalls Innovation and Patents Advance It“

Naja, arg holprig formuliert, bei Springer würde man diesen akademischen Stil nicht einmal einem Volontär durchgehen lassen. Aber für einen, der Uni-Sprech kennt und sich Open Source verbunden fühlt, ist das schon die Faust auf’s Auge. Also das andere auf und lesen, weil jetzt kann ja nur etwas vom Stil der „Titanic“ kommen oder jemand lässt die Hosen runter. Es ist Letzteres, und dieser Jemand ist der US-Patentanwalt Gene Quinn, President und Gründer der IPWatchdog Inc.

Der will richtig lang über Open Source und die Patentfrage nachgedacht haben, bis ihn dann angeblich eine E-Mail mit einer schon unterirdisch dämlichen Position in die Tastatur langen ließ. Die Dämlichkeit der E-Mail muss gleichzeitig Klebrigkeit gehabt haben. Anwalt Quinn lässt einfach nichts aus. Streckenweise habe ich gedacht, eine US-amerikanische Schwesterpublikation der „Titanic“ habe eine Fake-Site aufgemacht.

In Open Source stecke eine „anarchistische Vision“. „Im Laufe der Jahre habe ich viel Flakfeuer auf mich gezogen, weil ich gesagt habe, dass jene, die Open Source zu ihrer Sache machen, schlicht kopieren wollen und wahrscheinlich nie innovieren werden. Zugegebener Weise ist diese Erklärung etwas zu spitz, aber nicht zu sehr.“ Sun Microsystems habe sich auf die Open-Source-Seite geschlagen und sei deswegen vor die Hunde gegangen. Quinns Warnung: „Etwas anderes muss getan werden – und zwar bald!“

Nein, Quinn meint nicht irgendeinen „dritten Weg“, sondern das alte proprietäre System mit seinen Patenten. Genau das System, was Sun eben nicht vor dem Untergang gewahrt hat – und Microsofts Aufstieg vor der Linux-Welle zu einem Abstieg gemacht hat. Ich kann Quinn nur empfehlen. Wer hat, nehme sich die Zeit. Um zu erleben, wie die andere Seite argumentiert, und um zu verstehen, wie sie tickt. In dieser Beziehung, seiner ganzen Beschränktheit, komplexe ökonomische und gesellschaftliche Prozesse überhaupt zu begreifen, ist Quinn ein Lehrmeister.

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