Nutzt Open-Core-Business nur Open Source aus?
Publiziert: 26. Juli 2010, Verfasst von: Ludger Schmitz (freier Journalist), Tags:MySQL,Open Core,Open Source,Sun Microsystems
Begonnen hat es ganz unscheinbar. Es schien eine akademische Diskussion zu sein. Hierzulande fand sie nicht statt, sondern ist unverändert auf den englischsprachigen Raum beschränkt. Anfangs schien es so, als habe Simon Phipps, der ehemalige Open-Source-Chef von Sun Microsystems, seinem Ärger einmal richtig Luft gemacht. Doch offenbar hat seine Attacke gesessen. Denn inzwischen beschäftigt das Thema höchste Open-Source-Kreise. Selbst die Open Source Initiative (OSI), zuständig für Open-Source-Definition und -Lizenzbewilligungen, ist inzwischen involviert.
Es geht um Open Core. Der Ausdruck bezeichnet ein Business-Modell, nachdem es die Grundversion eines Programms als Open Source gibt, Business-relevante Software-Erweiterungen aber Closed Source sind. Viele, vor allem US-amerikanische Firmen arbeiten mit diesem Prinzip, und es fällt auf, dass diese Anbieter allesamt von Venture-Kapital finanziert sind. Bekannte Beispiele sind SugarCRM, Alfresco oder Compiere.
Simon Phipps hat kritisiert, dass Anwender solcher Programme letztlich die so genannten Enterprise-Version verwenden. Das heißt sie arbeiten mit proprietären Software-Elementen, was bedeutet, dass sie nicht Eigentümer des Source Codes sind. Also können sie nicht im Zweifelsfall oder beim Untergang des Softwareanbieters auf eigene Rechnung an dem Programm weiterarbeiten. Sie können den Code dieser Erweiterungen nicht einsehen, dürfen ihn auch nicht verändern, geschweige denn weitergeben. All das sind eindeutige Verletzungen der Open-Source-Bestimmungen.
Gegen diese Argumentation haben sich andere Vertreter der Branche zur Wehr gesetzt. Einer der prominenteste Vertreter dieser Seite sind Marten Mikos, einst Marketing-Chef von MySQL und heute in der gleichen Rolle beim Cloud-Anbieter Eucalyptus, Larry Augustin, Chef und Großinvestor bei SugarCRM. Inzwischen haben sich in der englischsprachigen Open-Source-Szene etliche zu Wort gemeldet, die dort durchaus Ansehen haben. Und es eben so weit gekommen, dass es in der OSI Überlegungen gibt, diesem Geschäftsmodell den Garaus zu machen, indem man den Firmen die Verwendung des Begriffs Open Source untersagt.
Die Diskussion ist inzwischen so breit und vielfältig, dass nur die Skizzierung der wichtigsten Positionen hier zu umfangreich wäre. Wer die Debatte genauer verfolgen möchte, kann das glücklicherweise über einen einzigen Link machen. Denn Simon Phipps verlinkt auf seinem Blog, den ich hier zum wiederholten Male lobend erwähne, auch auf die Diskussionsbeiträge von Open-Core-Vertretern.