Offene Dokumentenformate beim Bund: Kanzleramt allen voran

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 04.08.2010 | Kommentare: 0

Es dauert, bis sich der Amtsschimmel in Bewegung setzt. Die alte Erfahrung hat die Free Software Foundation Europe (FSFE) bestätigt bekommen. Die hatte wissen wollen, ob Behörden dem Rat der IT-Beauftragten nachkommen, der Anfang dieses Jahres von staatlichen Dienststellen verlangt hatte, dass sie das Open Document Format (ODF) unterstützen. Denn wenn sie dieses Format nicht lesen und schreiben können, schließen sie seine Nutzer von der Kommunikation mit Behörden aus.

Also verschickte die FSFE Briefe an 87 Ministerien und ihnen direkt zugeordnete Ämter. Darin forderte die FSFE sie auf, ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen, indem sie eine Antwort im OD-Format zurückschicken sollten. Nur sieben Behörden antworteten. Nur zwei machten es wie gewünscht per ODF-Datei: Das Bundeskanzleramt und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Ein Lob also an Angela Merkels IT-Beauftragten im Bundeskanzleramt, Johannes Geismann, und seine DV-Spezialisten sowie an die IT-Verantwortlichen im BMELV.

Fünf weitere Behörden antworteten, verwendeten dabei aber nicht ODF; das Julius-Kühn-Institut (JKI, ein Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen), das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, das Bundesministerium des Inneren, das Bundespräsidialamt sowie der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Alle fünf betonten immerhin in ihren Antworten, dass sie Offene Standards wichtig nähmen.

Enttäuschend ist, dass 80 Behörden nicht auf die Anfrage reagierten. Das müssen sie zwar nicht, aber ein Zeugnis von Bürgernähe ist solch ein Verhalten nicht gerade. Richtig ärgerlich ist, dass einige Ministerien nicht auf die Anfrage antworteten, obwohl ihre IT-Beauftragten im Rat der IT-Beauftragten sitzen und die ODF-Forderung beschlossen haben.

„Obwohl die Bundespolitik vernünftigerweise auf Offene Standards für Interoperabilität, Barrierefreiheit und Sicherheit setzt, wird deutlich, dass die meisten Behörden immer noch ineffiziente proprietäre Formate einsetzen“, kommentiert FSFE-Präsident Karsten Gerloff. „Insgesamt ist es eindeutig noch ein weiter Weg, bevor die Praxis der Richtlinie für ODF im öffentlichen Sektor entspricht.“

So ist das mit dem Amtsschimmel: Er braucht, um in Bewegung zu kommen. Aber schließlich bewegt er sich doch.

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