Nach Apple nun Open Source: Android stürmt den Handy-Markt

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 06.08.2010 | Kommentare: 0

Nach dem iPhone läuft schon die nächste Welle durch den Handy-Markt. Täglich werden 200.000 Smartphones mit dem Betriebssystem Android verkauft. Das hat jedenfalls Google-Chef Eric Schmid behauptet. Und das wären – schon sagenhaft – doppelt so viel wie vor zwei Monaten oder sechs Millionen Geräte in diesem August.

Google bietet selbst kein eigenes Smartphone mehr an, aber die Firma verdient am Android-Boom prächtig. Schließlich vermehren diese mobilen Systeme die Suchanfragen, und Google lebt von den Anzeigen auf seiner Suchmaschine. Es verwundert folglich nicht, dass Schmid bekundet, die Einkünfte durch das von Google zur Verfügung gestellte System Android seien weit höher als die Kosten für dessen Entwicklung und Pflege. Android könnte das erfolgreichste Business-Modell für Open Source werden.

Sechs Millionen Android-Smartphones dürften dem Paradeaufsteiger im Handymarkt, Apple, ziemlich zu schaffen machen. Das iPhone 4 verkauft sich vor allem in den USA zwar ganz gut, drei Millionen Geräte sind bisher weltweit insgesamt über die Ladentheken gegangen. Der Zahlenvergleich mit Android deutet aber auch auf ein Image-Problem für Apple hin: „Antennagate“ – wer das Gerät unglücklich in der Hand hat, reduziert die Empfangs- und Sendeleistung bis zum Gesprächsabbruch. Außerdem ist Apple mit einem Wettbewerbsproblem konfrontiert. Immer mehr Handyhersteller überfluten den Markt mit preislich günstigeren Android-Geräten.

Der Smartphone-Markt explodiert geradezu, alles spricht dafür, dass der Google-Chef kein Märchen erzählt hat. Nach einer Analyse des britischen Marktforschungs-Unternehmens Canalys wuchs der Smartphone-Umsatz nach Stückzahlen im zweiten Quartal 2010 um 64 Prozent. Das sind fast fünfmal mehr als der Handymarkt insgesamt. Oder anders ausgedrückt: Normale Handys laufen nur noch wie bisher, alle Hersteller suchen ihr Heil in Smartphones.

Apple brachte es im letzten Quartal im Vergleich zum vorhergehenden nach Stückzahlen auf ein Plus von 61 Prozent. Research in Motion (Blackberry) und Marktführer Nokia waren mit plus 61 beziehungsweise 41 Prozent klar auf die Plätze verwiesen. Das sind immer noch fantastische Zahlen, wie sie die ITK-Branche wohl zuletzt in den 80er Jahren erlebt hat.

Der Hammer aber ist Android. Smartphones mit diesem Betriebssystem haben in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres um 886 Prozent zugelegt. Das ist ziemlich genau eine Verzehnfachung des Geräteumsatzes und nicht einfach Folge einer niedrigen Basiszahl am Start. Der Android-Weltmarktanteil beträgt laut Canalys jetzt 17 Prozent, mehr als das iPhone macht. In den USA sind es sogar 34 Prozent Marktanteil. Da kann nicht einmal der einstige Marktführer RIM mithalten.

Fazit: Unternehmen, die im IT-Softwaremarkt unterwegs sind, müssen sich erstens zügig auf einen starken Trend zu mobilen Anwendungen einstellen. Zweitens müssen sie sich auf Android einrichten. Und drittens auf MeeGo. Smartphones mit diesem Open-Source-System wird eine Phalanx von Herstellern im 4. Quartal dieses Jahres herausbringen. Das wird diesen Markt ein weiteres Mal umkrempeln. Dabei dürfte MeeGo zusätzlichen Schwung bekommen, weil es sich als Kern künftiger Infotainment-Systeme in Autos abzeichnet. Aus diesen Punkten folgert viertens: Wer für die Mobility-Märkte der Zukunft nicht eher über kurz als über lang auf Open Source setzt, kann seinen Laden bald dichtmachen.

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