Wer Code zu einem Open-Source-Project beisteuern will, muss immer öfter zunächst einmal ein „CLA“ ausfüllen und unterzeichnen, ein Contributor License Agreement. In den Projekten der Apache Software Foundation ist das beispielsweise üblich. Wer nur wenig Code beiträgt, vielleicht nur an einem Bugfix mitarbeitet, mag das als ziemlich lästig empfinden. Vielleicht wird er keine Lust auf den Aufwand haben und die Lösung für sich behalten. Trotzdem sind CLAs wichtig und richtig. Detailreichere Informationen dazu hier.
Jeder denkt sich, die Sache sei einfach: Wer Code in ein Open-Source-Projekt einbringt, liefert Open Source. Das heißt nicht nur, dass der Code quelloffen ist, sondern auch, dass andere mit diesen Programmierzeilen später machen können, was sie wollen. Sie dürfen ihn jederzeit verwenden, verändern, wieder ganz aus dem Programm schmeißen etc.
Ein Fall von Denkste, denn rechtlich ist dem nicht so. Der Code ist mit etwas behaftet, das nach deutschem Recht (nicht nach US-amerikanischem) sogar unabtretbar ist: Urheberrecht. Es können noch andere Dinge dazu kommen: Code kann Patente und Markenrechte enthalten. Wie ist die Lage, wenn der Autor seinen Code später in einem anderen Kontext verwenden möchte, gar in einer proprietären Entwicklung?
Kurz und gut: Was geschieht, wenn ein Programmierer seinen Code später nicht mehr als Teil eines Open-Source-Produkts betrachtet wissen möchte. Muss das Projekt den Code entfernen? Gründe gibt es genug, dass ein Code-Autor seine Meinung ändert. Open-Source-Projekte sind kein Streichelzoo, und es geht in ihnen auch mal derbe zur Sache.
Damit Open-Source-Projekte nicht ständig dem Risiko ausgesetzt sind, dass ihnen plötzlich Code abhandenkommt, gibt es Contributor License Agreements. Sie haben unterschiedliche Formen und decken häufig ein sehr breites Spektrum ab: A priori sind sie Voraussetzung, dass jemand überhaupt Code zu einem Projekt beitragen kann. Das sorgt im Projekt für einen ziemlich bürokratischen Aufwand, um diese Rechte zu verwalten.
Wer die CLA unterzeichnet, erteilt dem Projekt eine Menge Ermächtigungen. Das kann darauf hinauslaufen, dass faktisch das deutsche Urheberrecht ausgehebelt wird. Ob derlei im Zweifelsfall vor einem deutschen Gericht durchginge, ist fraglich. Soweit Marken- und Patentrechte in dem Codebeitrag betroffen sind, werden CLAs den Projekten das Recht übertragen, diese unwiderruflich und kostenlos nutzen zu dürfen. Ferner gibt es Absätze zu Codebeiträgen von Minderjährigen, die ja noch nicht in vollem Umfang rechtsfähig sind.