Anwendern ist Qualität wichtiger als der Preisvorteil von Open Source

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.08.2010 | Kommentare: 1

Die Gründe für die Nutzung von Open-Source-Software verschieben sich offenbar. Ihr Preisvorteil ist nicht mehr das Hauptargument. Wichtiger sind den Anwendern Qualität, Verlässlichkeit und schnelle Beseitigung von Schwachstellen. Das ist der Befund zweier Anwenderbefragungen.

Das Marktforschungsunternehmen Accenture hat 300 große Organisationen aus der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung in den USA, England und Irland befragt. Es zeigte sich, dass die Verwendung von Open Source selbstverständlich wird: Die Hälfte der Befragten ist grundsätzlich für quelloffene Software, während nur noch 28 Prozent solche Programme testen. Zwei Drittel haben ihre Open-Source-Strategie schriftlich fixiert, der Rest arbeitet daran. Neun von zehn Organisationen werden in diesem Jahr ihre Investitionen in quelloffene Programme gegenüber 2009 vergrößern, 38 Prozent migrieren „mission-critical“ Anwendungen auf Open Source.

„Sowohl bei unserer Forschungsarbeit als auch in den Gesprächen mit unseren Kunden, sehen wir eine zunehmende Nachfrage nach Open Source. Diese basiert auf Qualität, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit – und nicht nur auf der Möglichkeit Kosten zu sparen“, merkt Paul Daugherty, Chief Technology Architect bei Accenture, an. Denn auf die Frage nach den wichtigsten Vorteilen von Open-Source-Software hatten mehr als drei von vier Antwortender (76 Prozent) ihre Qualität angekreuzt, 71 Prozent Zuverlässigkeit sowie 70 Prozent bessere Beseitigung von Bugs und Schwachstellen.

Genau die Hälfte befand, Open Source reduziere die Total Costs of Ownership. Die größten Kostenvorteile bringt Open Source nach Ansicht von 71 Prozent bei Softwarepflege, ferner (für je 33 Prozent) beim Zeitaufwand und bei den Kosten für Softwareentwicklung. 2009 flossen vielleicht deshalb schon 20 Prozent der Entwicklungsaufwendungen in quelloffene Programme. Accenture erwartet, dieser Anteil werde 2010 auf 23 und 2013 auf 27 Prozent steigen. Allerdings war nur weniger als ein Drittel der Organisationen bereit, ihre Arbeiten wiederum der Community zugutekommen zu lassen.

Von einigen ähnlichen Ergebnisse berichtet der Monitoring- und Systemmanagement-Spezialist Zenoss nach seiner vierten jährlichen Befragung von fast 1000 Administratoren. Weil darunter auch Kunden des Open-Source-Anbieters sind, fallen hier die Ergebnisse noch krasser aus. So verwenden nur zwei Prozent der Unternehmen keine quelloffenen Programme. 2009 erklärten 71 Prozent, Open-Source-Software sei einfacher in Betrieb zu nehmen, als proprietäre Programme. 2006 sagten das 26 Prozent, 2007 waren es 38 Prozent, und 2008 dann 48 Prozent. Drei Viertel der Admins verwenden Open Source, wann immer das möglich ist.

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