Die Patentklage von Oracle gegen Google’s Open-Source-Smartphone-Betriebssystem Android hat einen Sturm der Entrüstung in der Community ausgelöst, wie ihn diese schon lange nicht mehr erlebt hat. In den Blogs kursiert die Analogie zum Fall SCO. Diese einstige Marktgröße in Sachen PC-Unix und Distributor der Linux-Variante Caldera meinte vor sieben Jahren, das dicke Geschäft durch Patentklagen gegen Red Hat, Novell, IBM, und eine erlesene Auswahl von Anwendern machen zu können. Linux verletze Unix-Rechte von SCO.
SCO Unix und Caldera sind längst vergessen, die Firma steht unter Bankrottverwaltung, probiert es vor Gericht, obwohl die Sache längst abgeschmettert ist. Dass sie darüber ihr Business verloren hat, ihr Unix- und ihr Linux-Geschäft vor die Hunde gingen, dafür haben SCO-Aktionäre mit einem bodenlosen Kurssturz bezahlt. Genau genommen haben weniger als fünf Jahre gereicht, eine florierende Firma durch einen Angriff auf Open Source in den Ruin zu treiben.
Das scheint keine Lehre gewesen zu sein, jedenfalls nicht für Oracle-Chef Larry Ellison. Die SCO-Lektion war eine einfache: Wer mit Patentklagen den Open-Source-Trend niederzukämpfen versucht, verliert mehrfach. Er bekommt es nicht nur mit einem Heer inzwischen mächtiger Firmen zu tun, deren Business auf Open Source aufbaut. Vielmehr verliert er Anwender, die auf quelloffene Software setzen. Und noch wichtiger: Die Entwickler-Community, diese Gruppe besonders erfahrener Anwender, wendet sich ab; die Protagonisten und Propagandisten verduften.
Open-Source-Software hat etwas Bemerkenswertes bewirkt. Patentklagen gegen sie überlebt kein Produkt. Deswegen ist auf allen Blogs inzwischen von SCOracle die Rede. Den ganzen Irrsinn der Versuche, sich die Open-Source-Konkurrenz per Patentklagen vom Hals zu schaffen, hat Marc Shuttleworth, Spiritus Rector und Financier von Ubuntu, in seiner Antwort auf eine Anfrage des US-News-Kanals ZDnet formuliert. Hier die Übersetzung in den wichtigsten Auszügen:
„Oracle hat seine Beziehungen zur Open-Source- und Entwickler-Gemeinde signifikant untergraben. Das … wird echte Herausforderungen für die Adaption wichtiger Oracle-Technologien stellen, wie Java und MySQL… Entwickler waren die Treiber zur Verbreitung von Open-Source-Plattformen, und sie werden Plattformen vermeiden, die wie Patentfallen aussehen.“
„Größere Softwarehäuser waren historisch Promoter von Softwarepatenten. Sie haben erklärt, dass Patente ihnen helfen werden, ihre Einkünfte zu verteidigen und die ihnen zustehende Position in lukrativen Märkten zu verteidigen. Microsoft hat beispielsweise einen großen Teil des letzten Jahrzehnts darauf verwendet, Linux außen vorzuhalten und zu versuchen, Einkünfte aus seinem Patentportfolio zu generieren. Wenn man sich aber die Zahlen anschaut, wird offensichtlich, dass Patentklagen die größten Softwarefirmen am meisten kosten … sie sind besonders verletzlich durch Patenklagen. Sich auf die Verteidigung bestehender Märkte zu konzentrieren ist inzwischen ein Rezept, die nächsten Gelegenheiten zu verpassen. Microsoft spürt das heute sehr schmerzhaft.“
„In der Tat treten die größten Softwarefirmen heute dafür ein, von einer verminderten Patentwirkung in der Softwareindustrie zu profitieren. Oracle dürfte wohl der Letzte sein, der das realisiert.“
Henning Sprang (am 22. August 2010 um 18:05 Uhr)
Ich finde leider die Quelle auf die Schnelle nicht mehr, aber ich habe die Tage gelesen, dass die von Oracle betrauten Anwälte dieselben sind, die den SCO Prozess gemacht haben – die Ähnlichkeit kommt also weniger von ungefähr, als man so denkt…