Android, MeeGo, Symbian, iPhone6

von: Elmar Geese | am: 30.08.2010 | Kommentare: 0

Wenn man Business Software entwickelt, hat man einen anderen Blick auf die Landschaft mobiler Endgeräte. Die Plattformunabhängigkeit, die ein wesentlicher Innovationstreiber bei der klassischen Anwendungsentwicklung ist, ist im mobilen Bereich kein Thema. Denn dort tobt der Kampf der Plattformen unvermindert. Nach und nach kristallisiert sich sich jedoch ein Sieger heraus: Android wird das Rennen machen. Warum schafft es der Newcomer gegen die eingessenen Platzhirsche ?
1. iPhone ist als geschlossene Plattform businessuntauglich. Der App Markt ist gesättigt. Businessanwendungen gehen gar nicht. Die Zukunft der Geräteklasse iPhone ist ungewiss. Die 1rst Mover Vorteile von Apple sind aufgezehrt, und auch der Coolness Faktor sinkt. Es kann zwar noch eine ganze Weile erhebliche Zuwachsraten geben, aber das Rennen ist dennoch schon verloren.
2. MeeGo hätte technisch das Zeug zum Matchwinner, aber Nokia geht den Weg nicht konsequent. Daher: Nur ein einziger verfügbarer Gerätetyp, noch dazu ausschließlich im Luxussegment, das wird leider nichts. Ich mag mein N900 sehr, aber an Nokia glaube ich nicht. Die indifferente Strategie mit dem kaputten Symbian tut ein übriges. Das wird auch nichts.
3. Auch wenn es noch an vielen fehlt und die Gefahr durch Fragmentierung besteht: Android macht das Rennen, da bin ich mir 100% sicher. Viele verschiedene Geräte, gleichzeitig für den Massenkonsumenten wie für Spezialeinsätze geeignet, Open Source, das sollte genügen.

Vielleicht mag das bei den iPhone Fans wenig Begeisterung hervorrufen, und auch keine Zustimmung. Aber das das iPhone seinen Zenit überschritten hat kann man nicht ignorieren. Und Nokia kann sich langsam auf ein Leben ohne Marktführerschaft vorbereiten.

Patente und Klagen: Die Software-Industrie macht sich handlungsunfähig

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 0

Der Unsinn der Softwarepatente wird immer deutlicher. Jeder legt sich mit jedem an. Die Entwicklung und Vermarktung von Produkten ist ein Geschäft, das manchem ein zu hohes Risiko sein könnte. Denn wo sich Erfolg einstellt, sind Patentklagen nicht weit. Inzwischen blockiert sich die US-amerikanische Softwarebranche selbst.

Das jüngste Beispiel liefert Microsoft-Mitbegründer Paul Allen. Der hat einst mit seinem gewaltigen Vermögen 1992 einen reinen „Brain-Tank“ gegründet, Interval Research Corp. Diese Firma ist längst pleite, ihre rund 300 Patente aber gingen über an Allens Firma Interval Licensing. Ihr einziges Geschäft sind also Lizenzeinnahmen. Die hat nun Google, Facebook, Ebay, YouTube, AOL, Yahoo, Apple sowie die Bürohandelsketten Office Depot, OfficeMax und Staples verklagt. Diese sollen, so die Klage, vier Interval-Patente über „grundlegende“ Techniken von Suchmaschinen verletzt haben. Eine Schadenssumme nennt Interval nicht. Aber die Beklagten sollen die Patente nicht weiter verletzen oder Lizenzgebühren zahlen.

Es ist das alte Lied. SCO verklagt IBM, Red Hat sowie Novell und versucht es auch nach deftigen Niederlagen bis heute immer wieder. Eolas verklagt Microsoft, erstreitet 565 Millionen Dollar und reicht gleich die nächste Klage ein, diesmal gegen Adobe, Apple, Google, eine Fast-Food-Kette, eine Bank und ein Kaufhaus. Und jetzt eben Interval gegen die Internetgrößen.

Das ist Alltag in den USA und ernährt Patentanwälte prächtig. Denn es geht nicht nur Klein gegen Groß. Apple drohte Sun mit Patenten, worauf Sun zurückdrohte. Patt. Apple und Adobe überziehen sich mit Klagen. Oracle verklagt SAP, dann Google. Die US-amerikanische Software-Industrie macht nicht weniger durch Patentklagen von sich reden als durch innovative Produkte.

Patentklagen sind die zeitgemäße Form der Erpressung. Jede Klage bindet personelle Mittel, vor allem aber Finanzen. Die Verteidigung gegen selbst hirnrissige Beschuldigungen verschlingt gleich in der ersten Instanz schon zwei bis fünf Millionen Dollar. Eine kleine Firma kann dann gleich dichtmachen. Deswegen werden Branchengrößen vor Gereicht gezerrt. Die könnten eher geneigt und in der Lage sein, sich mit einigen Dutzend Millionen Dollar die Belästigung vom Hals zu schaffen. Das ist das Business-Modell der Patenttrolle, die nicht mehr haben als einige möglichst schwammig formulierte Patente.

Patente sind eine gewaltige Verschwendung. Hierzulande möchten einige IT-Größen eine Verschärfung des Patentrechts nach US-amerikanischem Vorbild. Sie fühlen sich sicher, weil sie glauben, eigene Patente im Falle einer Klage zur Verteidigung nutzen zu können. Das US-Beispiel zeigt, dass Patente keine Verteidigung sind. Erpressung und Verschwendung taugen eh nicht als Vorbild.

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