von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 03.09.2010 | Kommentare: 0

Im Februar 2009 hat der Verlag Heise eine bemerkenswerte „Trendstudie Open Source“ veröffentlicht, basierend auf einer großen Umfrage unter Anwenderunternehmen. Einer der vielen überraschenden Befunde war damals: Je kleiner ein Unternehmen, desto eher ist es bereit, Open-Source-Software (OSS) auch in Bereichen einzusetzen, wo diese eher die Ausnahme sind: Office-Suiten, Desktop-Betriebssystem, Groupware, ERP und CRM. Rund eineinhalb Jahre danach hat jetzt das Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) die Ergebnisse einer neuen Umfrage veröffentlicht, die dann doch auch Open-Source-Enthusiasten ziemlich überraschen dürften.

An der NEG-Umfrage haben sich zwischen Mai und August 130 Unternehmen beteiligt, mehr als die Hälfte davon haben weniger als 50 Mitarbeiter. Das ist keine statistisch starke Basis, und Open-Source-engagierte Unternehmen könnten auch fleißiger geantwortet haben. Aber interessant sind die Ergebnisse schon, weil sie einen Bereich betreffen, den auch Insider noch als problematisch für Open Source betrachten: betriebswirtschaftliche Anwendungen, also ERP. Hier gibt es einige Produkte und Community-Projekte, aber bisher schien der Open-Source-Zug bei ERP nicht recht Fahrt aufzunehmen.

Dank NEG aber wissen wir jetzt: Schon ein Drittel der befragten Unternehmen setzen Open-Source-Software für ERP ein. 43 Prozent können sich derlei vorstellen, 13 Prozent sind unentschlossen, nur vier Prozent sind kategorisch dagegen. Und sie sind damit ganz zufrieden. Die erwarteten Kostenvorteile und die höhere Flexibilität durch die Verfügung über den Quellcode sieht die Mehrheit der OSS-ERP-Anwender als erfüllt.

Interessant ist auch die Erwartungshaltung gegenüber Open-Source-ERP. Fast alle Befragten (98,4 Prozent) stellen Flexibilität der Software, die Möglichkeit sie an die spezifischen Bedürfnisse anpassen zu können, an die erste Stelle. Von Lizenzkostenvorteilen sind 89,4 Prozent überzeugt. Unabhängigkeit von einem Hersteller erwarten 87,7 Prozent. Schon eher erstaunlich ist, dass nur 77,2 Prozent den offenen Quellcode erwähnen.

Doch mit der Unabhängigkeit von einem Hersteller ist es in der Praxis dann doch so eine Sache. Nur 22 Prozent der OSS-ERP-Anwender fanden ihre Erwartungen in dieser Hinsicht voll erfüllt. Das überrascht eigentlich auch nicht sonderlich. Denn die häufigen steuerrechtlichen Änderungen müssen unverzüglich in ERP-Lösungen einfließen. Dass aber kann kaum ein Anwenderunternehmen, schon gar kein KMU, selbst leisten. Die Firmen sind diesbezüglich auf spezialisierte Dienstleistungsunternehmen angewiesen, also abhängig.

Genau in diesem Open-Source-ERP-Segment liegt eigentlich eine riesige Chance für VARs. Sie sind ohnehin in der Regel auf regionale Märkte oder auf bestimmte Branchen spezialisiert sowie hosten und pflegen häufig die ERP-Systeme ihrer KMU-Kunden. Mit Open-Source-ERP-Angeboten könnten sie ihr Preis/Leistungsverhältnis deutlich verbessern. Entsprechende Lösungen gibt es genug. Besonders bekannt sind Compiere, Adempiere und OpenBravo. Inzwischen aber gibt es da neue Player. Besonders interessant ist ein Newcomer: Nuclos von NovaBit. Das ist ein regelrechter Baukasten, aus dem sich Anwender genau die ERP-Lösung bauen können, die ihren Anforderungen entspricht.

  • Twitter
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Blogplay
  • MisterWong
  • RSS

Kommentare

Kommentar schreiben

Über Dich

Dein Kommentar