Diaspora: eine Open-Source-Alternative zu Facebook entsteht

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.09.2010 | Kommentare: 0

Vier New Yorker Studenten haben die Beta-Version von Diaspora, einer Open-Source-Plattform für Social Networking, vorgelegt. In einem Monat soll das erste Alpha-Release erscheinen. Maxwell Salzberg (22), Ilha Zhitomirskiy, Daniel Grippi (21) und Raphael Sofaer (19) hatten sich über die Architektur und User-Einstellungen von Facebook geärgert. Über den Crowd-Funding-Dienst Kickstarter suchten sie 10.000 Dollar, um in den Sommerferien keinem Job nachgehen zu müssen, sondern eine Alternative programmieren zu können. Der Ärger über Facebook muss verbreitet sein, denn in nur zwölf Tagen kamen von 6.500 Unterstützern 200.000 Dollar zusammen, und es bildete sich eine kleine Community.

Dass die Studenten ihr Projekt als Alternative zum marktbeherrschenden Facebook sehen, kommt auch im Namen Diaspora zum Ausdruck. Er bedeutet im Englischen wie im Deutschen laut Duden „Gebiet, in dem die Anhänger einer Konfession in der Minderheit sind, religiöse oder nationale Minderheit“. Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Lizenz für Diaspora, es steht unter der GNU AGPL 3.0.

Diaspora soll die Grundlage bieten, ein „persönlich kontrolliertes Alleskönner-Netzwerk“ aufzubauen, „das die Privatsphäre beachtet“. Die Anwender sollen eigene soziale Peer-to-Peer-Netze aufsetzen, verändern sowie Daten jederzeit und spurlos löschen können. Sie sollen auch fein abstufen können, welche Informationen beispielsweise Arbeitskollegen und welche Daten private Freunde sehen können. Die Entwickler wollen „nicht Facebook hinterher laufen, sondern den Nutzern die Kontrolle zurückgeben“.

Die Plattform ist nicht zentralisiert wie bei Facebook, ebenso wenig die Datenhaltung. Ein Diaspora-Netzt läuft entweder auf den privaten PCs der Anwender oder lässt sich bei Internet-Hostern einrichten. In jedem Fall bleibt die Diaspora-Grundlage des sozialen Netzes unter Kontrolle seiner jeweiligen Nutzer. Technisch halten sich die Diaspora-Entwickler an das freie Nachrichtenprotokoll Status.net, im übrigen an offene Standards. Verschlüsselung soll vor Datenmissbrauch schützen.

Die Entwickler gestehen freimütig ein, dass sie noch nicht alle Features geschafft haben, die ihnen eigentlich für diese erste Version vorschwebten. So gibt es noch keine direkt zugängliche Programmierschnittstelle, und Plug-ins lassen sich auch noch nicht einrichten. Bescheiden heißt es: „Wir legen nur das Fundament.“ Gleichwohl sehen sie für Diaspora Großes vor. So soll zum Beispiel der Austausch von Multimedia-Daten ebenso möglich werden wie die Einrichtung von VoIP.

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