Interaktiver Funkstreifenwagen der Polizei Brandenburg

von: Nina Haering | am: 29.10.2010 | Kommentare: 0

Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes „Polizeilicher Interaktiver Funkstreifenwagen der Polizei des Landes Brandenburg“ (PiaF), welches die Ausstattung von Überwachungs- und Streifenwagen der Polizei Brandenburg mit moderner EDV-Technologie zum Ziel hat, wurde von der tarent GmbH der MultiPC entwickelt.

Der MultiPC besteht aus einem Softwarerahmenwerk welches beliebig viele Komponenten intergrieren kann. Über eine grafische Benutzerschnittstelle der Bedieneinheit wird ein intuitiver Zugriff auf die einzelnen Fachanwendungen gewährleistet, wobei die Bedienung vollständig über einen Touchscreen erfolgt.
Die Fachanwendungen umfassen aktuell eine zentrale Steuereinheit für die Geräteverwaltung, eine Videokomponente, eine Komponenten zur Auftragsverwaltung und eine Navigationskomponente.
Momentan sind bei der Polizei Brandenburg bereits vier Fahrzeuge im Echtbetrieb mit dem MultiPC ausgestattet.
Mehr zu dem Thema können Sie gerne dem Artikel der aktuellen Ausgabe der LINUXUSER entnehmen, welchen Sie hier finden.

Ein Beitrag von Thomas Haase, Projektleiter “Interaktiver Funkstreifenwagen”

Ein Trend geht um in Europa

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 0

Nicht nur im deutschen IT-Alltag ist Open Source eine feste Größe. Auch andernorts in Europa tut sich einiges, wie der Blick auf ein paar Meldungen aus diesem Monat zeigt. Dabei schien der Monat wenig Gutes zu verheißen. Schließlich hatte die Schweizer Kantonalsverwaltung Solothurn gerade ein lange Jahre von Querelen geplagtes Projekt zur Migration auf Linux-Desktops gestoppt und die Rückkehr zu Microsoft, genauer Windows 7, beschlossen.

Damit verschafften sich die Eidgenossen aber keineswegs Ruhe. Gleich Anfang Oktober riefen die Swiss Open Systems User Group /ch/open und eine Reihe von Herstellern das Bundesgericht an. Sie fordern die Revision einer Entscheidung des Bundesverwaltungsamts. Das hatte zuvor befunden, die freihändige Vergabe eines dreijährigen Vertrags mit Microsoft in Höhe von 42 Millionen Franken (ca. 31 Milllionen Euro) durch das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) sei rechtens. Die Begründung lautete, es gehe nur um ein Update bestehender Microsoft-Systeme.

Damit sind die Beschwerdeführer aber nicht zufrieden. Denn das liefe darauf hinaus, dass öffentliche Verwaltungen bestehende Softwareumgebungen nach Belieben und auf unbegrenzte Zeit ausbauen können, was dauerhaft auf Konkurrenzausschluss hinausliefe. Wenn das dem BBL gestattet würde, hätte es grundlegende Bedeutung für die gesamte öffentliche Beschaffung in der Schweiz und würde nicht nur die IT oder Open Source betreffen. Jetzt ist des Bundesgericht, die höchste juristische Instanz der Schweiz dran.

Vor wenigen Tagen meldete die Londoner Börse (LSE) sie werde in Kürze ihr neues digitales Handelssystem MillenniumIT in Betrieb nehmen. Gleichzeitig wird dann ein auf Microsoft .Net basierendes System ausgeschaltet, das wegen seiner Langsamkeit und Ausfallträchtigkeit für so viel Ärger gesorgt hatte, dass es der verantwortlichen IT-Leiterin der Börse den Job kostete. Das neue System basiert auf Linux. Weltweit setzt dann nur noch die Börse in Johannesburg auf ein Microsoft-System.

Das nun brachte ein paar Kommentatoren im Internet zum Aufstöhnen, andere zum Lachen. Denn ausgerechnet das als kommunistisch verleumdete Linux wird damit zum Kernstück des Kapitalismus. Seine Transaktionsgeschwindigkeit und Ausfallsicherheit sollen dafür sorgen, dass riskante Börsengeschäfte zumindest elektronisch gelingen. Einen Tag später kam es für Kommentatoren mit ideologisch empfindlichen Nerven noch dicker; denn ein unfreies Gesellschaftssystem macht sich ein freies Betriebssystem zunutze:

Die russisches Regierung will ein eigenes Linux entwickeln. Zu diesem Zweck hat sie einen Etat von 490 Millionen Rubel (11,5 Millionen Euro) für die nächsten drei Jahre freigegeben, schon im nächsten Jahr stehen 161 Millionen Rubel (3,8 Millionen Euro) zur Verfügung. Das geplante Linux entsteht auf Basis der russischen Distribution Alt Linux und soll für eine Umstellung diverser staatlicher Stellen auf Open Source erweitert werden. Zum Projekt gehört auch der Aufbau mehrerer Kompetenzzentren, die später die Anwender unterstützen sollen. Übrigens läuft bereits an den staatlichen Schulen eine Migration auf Linux. Erklärte Absicht der russischen Regierung ist es, mit offenen Systemen IT-Investitionen zu sparen und die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren.

Das exakte Gegenteil passiert gegenwärtig ausgerechnet da, wo der Staat finanziell besonders in der Bredouille steckt, in Portugal. So hat die portugiesische Vereinigung für freie Software (Associacão Nacional para o Software Livre, Ansol) angeprangert, fünf portugiesische Behörden hätte 2009 ohne öffentliche Ausschreibung proprietäre Betriebssysteme und Office-Pakete im Wert von 120 Millionen Euro gekauft. Dies ist laut Ansol eine klare Verletzung der portugiesischen Ausschreibungsregeln, weshalb der Verband nun fordert, den Behörden das Budget für Softwarelizenzen auf Null zu setzen und das gesparte Geld für einen Wechsel zu freier Software einzusetzen. Eine solche Forderung ist dann doch wohl arg praxisfern. Kuriosum am Rande: Die gleiche portugiesische Regierung betreibt ein ambitioniertes Programm, um Schulen landesweit auf Linux und Open-Source-Anwendungen umzustellen. Hier lautet die Begründung: Einsparungen und Reduzierung von Abhängigkeiten.

Die Meldung zum Monatsende: Malta möchte künftig offene Standards nutzen und schrittweise freie Software einführen. Das hat die Regierung beschlossen und die Malta Information Technology Agency (MITA) in einem Whitepaper genauer beschrieben. Demnach gilt Open Source als ausgereift, um in den nächsten zehn Jahren Herstellerabhängigkeiten aufzulösen und Kosteneinsparungen zu realisieren. Freie Software soll bei Ausschreibungen künftig gleichberechtigt Berücksichtigung finden. Grundsätzlich will die Regierung gegenüber Open Source einen „konstruktiven Standpunkt“ einnehmen. Das Nebeneinander offener und proprietärer Lösungen sei wegen der Kosten, diese interoperabel zu machen, nicht mehr akzeptabel.

Open Source treibt IT-Branche voran

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.10.2010 | Kommentare: 0

Wo in der IT-Branche der Zug abgeht, zeigt deutlich die gestern begonnene Messe IT & Business in Stuttgart. Der gestrige Eröffnungstag dürfte für die Messegesellschaft und die meisten Aussteller eine herbe Enttäuschung gewesen sein und lässt für die verbleibenden zwei Tage nichts Gutes erwarten. Das Personal stand sich die meiste Zeit unbeschäftigt die Füße platt; es gab mehr als reichlich Gelegenheit für Pausen.

Deutlich anders ging es in der Ecke des Open-Source-Schwerpunkts zu, den die Linux Solutions Group (LiSoG) organisiert hatte. Hier waren die Demopoints gut besucht. Bei einigen dieser Aussteller brauchte es schon Glück, um eine Produktdemonstration zu bekommen. Die IT & Business war eine „Abstimmung mit den Füßen“: Die Anwender interessieren sich vor allem für Open-Source-Lösungen.

Freedroidz in action

von: Nina Haering | am: 25.10.2010 | Kommentare: 0

tarent zeigte auf der Jahresveranstaltung “Projekt Zukunft” in Berlin das Projekt Freedroidz

300 Gäste aus der IT- und Kreativwirtschaft, aus der Wissenschaft, Politik und
Kultur erlebten in der letzten Woche eine spannende Show auf der Bühne des
Radialsystems V in Berlin mit spektakulären Projekten aus der ITK- und
Kreativwirtschaft.

Torsten Wylegala (tarent GmbH) präsentierte im Interview mit dem Radioreporter
Freedroidz und gab souverän Auskunft über tarent, die Hintergründe von
Freedroidz@School und programmierte den Lego-Roboter so, dass sehr schnell
klar wurde, was mit Open-Source-Software machbar sein kann. Beim
anschliessenden Get-Together erntete er dafür durchweg positives Feedback.
Eine Aufnahme des Vortrags finden Sie hier (einfach in der Box auf der rechten Seite “Freedroidz” auswählen).

Freedroidz selbst erleben und kennen lernen, können Sie auf den folgenden Veranstaltungen :

Open Rhein Ruhr, 13. und 14.11.2010 in Oberhausen
Vortrag bei Open Rhein Ruhr, 14.11.2010, 11Uhr
Lego Fanwelt, 18. – 21.11.2010 in Köln

Wo Sie die tarent finden, können Sie übrigens hier nachlesen!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch

Hinter den Kulissen von Wikipedia

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 0

Medienrechtler der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder haben die Website „Wiki Watch“ eingerichtet, die Hintergrundinformationen zur Online-Enzyklopädie Wikipedia gewährt. Auf der Website lässt sich jeweils aktuell erfahren, welche Artikel besonders häufig aufgerufen werden, welche gelöscht wurden, wer besonders fleißig schreibt und an welchen Texten besonders viel korrigiert wird. Letzteres ist dann ein Hinweis auf die bei Wikipedia zum Teil heftigen Streitigkeiten um Inhalte, die sogenannten Edit-Wars.

Auch die Verlässlichkeit der Wikipedia-Beiträge möchte die Uni-Initiative prüfen. Die inzwischen 1,1 Millionen deutschsprachigen werden nach ihren Informationen täglich 25 bis 35 Millionen Mal abgerufen. „Da ist es für jeden Nutzer, aber auch für die Gesellschaft wichtig zu wissen, welcher Artikel nicht der Qualität entspricht, die wir insgesamt von Wikipedia gewohnt sind“, erklären die Wiki-Watcher Wolfgang Stock und Johannes Weberling von der Viadrina-Universität.

Zum Start ihres Projekts haben die Initiatoren eine Umfrage unter den 281 „Pförtnern“ der deutschen Wikipedia veröffentlicht. 20 Prozent dieser Leute, die über die Qualität der Beiträge wachen sollen, haben sich daran beteiligt. Demnach sind neun von zehn männlich und durchschnittlich 40 Jahre alt. Der Bildungsstand ist sehr hoch: Fast jeder Zweite hat ein Staatsexamen oder ein Diplom, 13 Prozent sind promoviert. Weniger überraschend ist, dass sie sich politisch als linksliberal bis grün aufgestellt sehen.

Die ehrenamtlich tätigen sind überaus engagiert; täglich arbeiten sie durchschnittlich 140 Minuten an der Enzyklopädie. Ihr Motiv: die Qualitätssicherung. Doch auch der Frust sitzt offenbar tief. Mehr als zwei Drittel sind mit der Arbeit unzufrieden, besonders nervt sie eine miserable Diskussionskultur und die Edit-Wars. 28 Prozent spielen mit dem Gedanken, das Amt aufzugeben.

Neues aus der Sparte “Unfug”

von: Nina Haering | am: | Kommentare: 0

Heute früh gibt es zum zweiten Mal neues aus unserem Blog “Kaotic Nerd News”.
Journalist Anselm Neft hat Neuigkeiten für uns und schießt scharfe Pfeile Richtung Mathematik. Spaß auf hohem Niveau gibt es hier. Vorbeischauen lohnt sich.

Innovativstes eGovernment-Architekturprojekt

von: Nina Haering | am: 22.10.2010 | Kommentare: 0

Was für eine schöne Nachricht!

Das Berlin-Portal an dem die tarent mitwirken durfte hat im diesjährigen E-Government-Wettbewerb den 1.Preis für das “Innovativste eGovernment-Architekturprojekt” gewonnen.
Siehe auch hier . Herzlichen Glückwunsch!

Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin

Die Senatsverwaltung Berlin wird für ihre IT-Umsetzung der
EU-Dienstleistungsrichtlinie ausgezeichnet. Der Berliner Ansatz zeichnet
sich insbesondere durch eine innovative Architektur-Lösung aus. Durch
die ganzheitliche elektronische Umsetzung werden Prozesse für Bürger und
Ämter transparent und effizient abgewickelt, Behördenbesuche und
Post-Transportwege minimiert.”

Microsofts Cloud-Angebot Office365 – Mehr Fragen als Antworten

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 0

Vorgestern hat Microsoft sein künftiges Cloud-Angebot in Sachen Office-Anwendungen vorgestellt. Es heißt „Microsoft Office 365“ und richtet sich an Unternehmen jedweder Größe. Unter dem Titel vereint der Redmonder Softwareriese MS Office, Sharepoint Online, Exchange Online und Lync Online.

Die Cloud-Services werden im nächsten Jahr in 40 Ländern und Regionen verfügbar sein. Wann genau, hat Microsoft noch nicht bekannt gegeben. Zunächst will das Unternehmen sein Angebot mit ausgewählten Anwenderunternehmen in 13 Ländern und Regionen testen, darunter ist neben den USA, Großbritannien, Mexiko, Hongkong und Frankreich auch Deutschland.

Die Preise stehen hingegen schon fest. Firmen mit weniger als 25 Usern kostet das Paket 5,25 Euro pro Arbeitsplatz und Monat. Das wären beispielsweise für ein Unternehmen mit 20 Arbeitsplätzen in der Microsoft-Cloud 1260 Euro pro Jahr. Größere Unternehmen ab 25 Usern und alle öffentlichen Verwaltungen kommen noch besser weg; sie zahlen 1,75 Euro pro Monat und User. Damit ist das Cloud-Angebot geradezu spottbillig im Vergleich zu den regulären Lizenzkosten der im Leistungspaket enthaltenen Produkte.

Im Prinzip demonstriert dieser Kostenaspekt, welche Vorteile Cloud-Computing zu bieten vermag. Vermutlich deshalb ist Microsoft in diesem Punkt auch so auskunftsfreudig. Diese PR-trächtigen Informationen kaschieren, dass es zu anderen zentralen Fragen des Cloud-Angebots keinerlei Aussagen gibt. Ungeklärt sind jene Punkte, die für Cloud-interessierte Anwender mindestens genau so wichtig sind wie der Preis:

Wo werden die Informationen verarbeitet und die Daten gespeichert? Dies ist von größter Wichtigkeit; denn deutsche Gesetze sind sehr restriktiv, was den Umgang mit so genannten personenbezogenen Daten angeht, die in Office-Umgebungen zwangsweise und geradezu massenhaft anfallen. Solche Daten dürfen im Prinzip nur in der EU verarbeitet und gespeichert werden, und auch dann nur, wenn im Ausland strikte EU-Richtlinien eingehalten werden.

Wie kann der Anwender wieder an seine Daten gelangen? Dieser Aspekt hat zwei Aspekte: Zum einen müssen Unternehmen und Privatpersonen alle finanz- und steuerrechtlich relevanten Daten jederzeit vorweisen können, quasi physikalisch vor Ort. In der Praxis ist das eine juristische Grauzone seit es Outsourcing gibt. Zum anderen ist die Frage, ob Anwender ihre Daten (Input und Output) jederzeit ungehemmt in einer les- und verarbeitbaren Form vom Cloud-Anbieter wieder abziehen können. Das ist immer dann relevant, wenn ein Anwender die DV wieder in die eigene Hand nehmen oder zu einem anderen Anbieter wechseln möchte. Dem folgt sogleich die Frage, welche Kosten dafür anfallen.

Microsoft verspricht Cloud-Computing „in a highly secure way“. Das die Anwender glauben zu machen dürfte die größte Herausforderung werden. Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass beim Outsourcing-Spezialist Danger (nomen est omen), einer Microsoft-Tochter, massenhaft Daten von Kunden verloren gingen. Vor allem aber wegen der irritierenden, wiederholten Verzögerungen bei der Behebung bekannter Sicherheitslücken in Microsoft-Produkten, dürfte die Firma für viele Anwender nicht gerade eine Adresse sein, unter der man sich kuschelig geborgen fühlt.

Fazit: Ein preislich attraktives Angebot reicht nicht. Es müssen alle Fragen beantwortet werden, alle Sorgen potenzieller Cloud-Anwender angesprochen und behoben werden, bevor Cloud Computing – ein theoretisch zukunftsweisendes Modell – vom Hype zur Realität wird. Ein offener Umgang mit den Sorgen der Anwender ist nach aller Erfahrung noch am ehesten von Open-Source-orientierten IT-Anbietern zu erwarten. Es wäre daher wünschenswert, wenn erste Cloud-Initiativen aus dem Open-Source-Segment der Branche, wie der Open Source Cloud Stack der LiSoG, Wirklichkeit werden.

From Zero to Froyo

von: ckuest | am: 20.10.2010 | Kommentare: 0

The Bug Platform — an open source hardware project developed by the New York City based company buglabs — is working on the their next generation Bug 2.0 which includes bleeding edge hardware based on the TI OMAP3 platform.

If you follow the Embedded-Linux-Systems market in any way, you will know that there’s a special kind of Linux distribution out, which is especially developed for those tiny embedded systems: Android by Google. Since buglabs was very interested to see Android running on their Bug 2.0, guess which company popped into their minds when they thought about bleeding edge software running on bleeding edge hardware? … Yes, you are right!

We are very proud to announce that Android (Frozen Yoghurt) is now running on the Bug 2.0 hardware and it world premiered at the Verizon Developer Conference 2010! Expect some more information and porting documentation which will appear on the official buglabs community site.

So, thanks everyone involved! You know who you are!

Zehn Jahre OpenOffice – und wie viele noch mehr?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 0

Vor wenigen Tagen ist OpenOffice zehn Jahre alt geworden. Am 16. Oktober 2000 hat sich das Projekt konstituiert. Jetzt ist der runde Geburtstag eines der erfolgreichsten Projekte der Open-Source-Geschichte fast untergegangen im Streit um die Zukunft der einzigen ernsthaften Alternative zu Microsoft Office.

OpenOffice-Besitzer Oracle hat zum Geburtstag das Produkt als strategisch dargestellt und die Entschlossenheit bekräftigt, es fortzuführen – von Kompromissbereitschaft keine Spur. Die Abspaltung „The Document Foundation“, sie arbeitet am OpenOffice-Fork LibreOffice, gedachte ebenfalls des Jahrestags – und wohl auch enttäuscht daran, dass Oracle die Namensrechte an OpenOffice nicht herausrücken will. Weder Oracle noch die Document Foundation erwähnten einander in ihren Erklärungen zum Geburtstag. Die Trennung ist also perfekt.

Forking ist nicht generell schlecht; im Fall MySQL macht Oracle gerade ungute Erfahrungen, wie hier gestern berichtet wurde. Bei Open/LibreOffice ist die Lage etwas anders. Auf der einen Seite schwimmt Oracle, weil größtenteils jene Community abgesprungen ist, die Sprachanpassung und Marketing für OpenOffice gemacht hat. Diese Gruppe steht aber in der Document Foundation, was die Entwicklungsarbeiten an LibreOffice angeht, ziemlich allein da. Die personellen Zusagen von RedHat, Novell (selbst ein Übernahmekandidat) und Ubuntu (eigentlich nur eine allgemeine Zusage der Unterstützung) sind noch kein solider Boden.

Bisher ist die Document Foundation ohnehin vor allem mit dem Aufbau einer Web-Infrastruktur beschäftigt. Es nimmt nicht Wunder, dass die Anwender von und die Interessenten an OpenOffice verunsichert sind. Das ist für eine Open-Source-Bürosuite, egal welchen Titels, nicht gut. Schon gar nicht in Zeiten, zu denen der potenziell größte professionelle Anwenderkreis, die öffentlichen Verwaltungen, Konjunkturfördermittel ziemlich freihändig vergeben dürfen. Unsicherheit spielt Microsoft in die Hände.

Ausgerechnet Microsoft aber hat just zum zehnten OpenOffice-Geburtstag der Konkurrenz einen riesigen Gefallen getan. 90+ Prozent Marktanteil von MS Office müssen sich doch toppen lassen, dachte sich wohl ein Abteilungsleiter in Redmond mit Blick auf seinen Jahresbonus, der selbst bei einer Pleitebank höher ausgefallen wäre. Also ging ein Video in Auftrag, das OpenOffice sehr schlecht aussehen lässt.

Das aber hat Matt Asay, den COO von Ubuntu, schier in Verzückung versetzt. Denn nicht nur Asay erinnert das Video an Microsofts Kampagne „Get the Facts“ gegen Linux vor einigen Jahren. Den Titel dieser Kampagne haben etliche IT-Verantwortliche damals wörtlich genommen. Hatten sie bisher Linux nur vom Hörensagen gekannt, so interessierten sie sich nun stärker für die Alternative zu Windows und Unix. Asay ist der Ansicht, die Microsoft Kampagne Get the Facts habe den Aufschwung von Linux deutlich beschleunigt.

Prompt freut er sich nun, Microsoft könnte – eine historische Analogie – mit dem Video das Interesse an OpenOffice befördern. Das ist allerdings fraglich. Denn das Interesse wäre diesmal nicht auf eine solide Betriebssystementwicklung wie damals Linux gerichtet, sondern auf Querelen zwischen OpenOffice und LibreOffice. Kein gutes Argument für Open Source.

Im Übrigen wundert sich Asay selbst, warum Microsoft sich nicht Google Docs zur Brust genommen hat. Denn dieses Angebot dürfte nach seiner Einschätzung der künftige Hauptkonkurrent von MS Office sein. Das Google-Angebot ist nicht auf die Nutzung auf klassischen Desktops ausgerichtet, sondern auf die nächste Generation, auf mobile Devices wie Smartphones und Tablets und den Bezug der Applikationen als Software-as-a-Service aus dem Internet, aus der Cloud. Da liegt die eigentliche Gefahr für Microsofts profitables Desktop- und Office-Imperium.

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