Was ist Crowdsource?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 01.12.2010 | Kommentare: 0

Ein neuer Begriff ist aufgetaucht: Crowdsource. Er wird manchmal gleichgesetzt mit Open Source. Es geht aber um ein fundamental anderes Prinzip. Um den Unterschied zu verstehen, muss zunächst einmal klar sein, was Open Source ausmacht. Die Grundlage dafür sind vier Rechte, nämlich den Sourcecode einer Software benutzen, studieren, verändern und zu einem beliebigen Zweck weiter verteilen zu dürfen. Auf dieser Basis bilden sich Entwickler-Communities von Personen mit gleichen Rechten, die gemeinsame Interessen an einem Produkt haben und seine Entstehung selbst bestimmen.

Crowdsource funktioniert nur zu Beginn ähnlich wie Open Source, nämlich so: Jemand stellt seine Idee zu einer Software ins Web und ruft zur Mitarbeit an der Entwicklung auf. Das waren die Gemeinsamkeiten dann auch schon. Denn die Mitarbeit wird in irgendeiner Weise honoriert, häufig in Form marginaler Geldbeträge in Kombination mit Rechten, die spätere Software selbst kostenfrei nutzen zu dürfen. Mit etwas Glück finden sich tatsächlich Entwickler, um das Produkt zu erstellen.

Die so entstandene Community ist aber eine mit ganz anderen Charakteristika. Am Ende der Entwicklung entscheidet ausschließlich der Initiator eines Projekts, was er aus dem Produkt macht. Er kann damit ein Geschäft aufziehen, nicht die Entwickler. Denn der Initiator gilt als der „Investor“, nicht die Entwickler, die ja zu den vorher bekannten Konditionen honoriert worden sind. Das ist der Unterschied zum vierten Open-Source-Recht, mit dem fertigen Produkt machen zu dürfen, was beliebt.

Das hat sogleich eine weitere Folge: Nicht die Community, sondern der Initiator eines Projekts bestimmt dessen Ziel und Ausprägungen der Software. Die Meinungen der Entwickler sind nicht grundsätzlich gefragt, allenfalls als Anregungen für den Initiator zu verstehen. Ein fundamental demokratisches Prinzip von Open-Source-Communities findet nicht statt. Der beteiligte Programmierer ist im Prinzip genau so rechtlos wie in einem proprietären Entwicklungsprozess.

Trotzdem funktionieren Crowdsource-Projekte. Denn es muss nur für irgendeine Software genug Menschen geben, die genau dieses Programm haben wollen. Und wenn es um nichts anderes geht, als den Mauszeiger je nach Bewegungsrichtung die Farbe wechseln zu lassen. Mit dieser Anmerkung dürfte dann wohl endgültig klar sein, was ich von Crowdsourcing halte.

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