Wie sich Open-Source-Engagement geschäftlich auszahlt

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 03.12.2010 | Kommentare: 0

Einen beachtenswerten Blog schreibt Henrik Ingo. Der war einst einer der Topentwickler bei MySQL, warf nach der Übernahme durch Oracle hin, stieg beim Fork MariaDB ein und alsbald wieder aus, weil ihm dort die Behandlung der Community durch die beherrschende Firma Monty Program missfiel. Nun hat er die Zeit gehabt, sich über Erfolgsfaktoren für Open-Source-Projekte Gedanken zu machen. Zu seinen bemerkenswerten Befunden gehören Empfehlungen für Unternehmen, wie sich Engagement in Open-Source-Projekten in Business-Erfolge überleiten lassen.

Ingo hat die neun, mit Abstand größten Open-Source-Projekte identifiziert: Linux, KDE, Apache, Eclipse, Perl mit CPAN, Mozilla samt Add-ons, Gnome, Drupal und GNU. Sie sind nach Zahl der Entwickler und Commits pro Tag mehr als zehn Mal größer als alles, was danach kommt. Kein einziges dieser von Ingo „XtraLarge“ genannten Projekte steht unter der Kontrolle einer Firma. Es sind alles Non-Profit-Organisationen oder Stiftungen. Daraus leitet Ingo ab, dass firmengeführte Projekte wie MySQL, Qt, Open Office, Mono und JBoss ein Wachstums-Limit haben.

Ganz anders sieht es aus, wenn Firmen sich an unabhängigen Projekten beteiligen. Red Hat trägt nach neuesten Zahlen zwölf Prozent zur Entwicklung des Linux-Kernels bei. Gleichzeitig hat die Firma im Distributionsgeschäft einen weltweiten Marktanteil von 62 Prozent, also etwa fünfmal mehr als die Investition. Novells Suse-Mannschaft trägt acht Prozent zur Linux-Kernel-Entwicklung bei, Marktanteil 29 Prozent, oder ein Verhältnis von 1:3,5. Schlussfolgerung: Je mehr Engagement, desto mehr Gewicht am Markt.

Dem gegenüber ist der Erfolg firmengeführter Projekte deutlich bescheidener. Ohne die Community-Leistung käme ein allein von Red Hat entwickelter Linux-Kernel nach der Kalkulation von Ingo auf gut zehn Prozent seines jetzigen Stands. Das Betriebssystem hätte niemals seine heutige Verbreitung – und Red Hat erheblich weniger Geschäft. Für Ingo ist das ein weiterer Hinweis, dass firmengeführte Projekte allenfalls ein Zehntel Marktrelevanz im Vergleich zu den XL-Community-Projekten bekommen.

Daraus folgert Ingo, dass firmengeführte Open-Source-Projekte, die sich beispielsweise auf das Open-Core-Modell (SugarCRM etc.) stützen, letztlich keine Erfolgsmodelle sind. Sie schöpfen ihr Marktpotential nur zu einem Zehntel aus. Erfolgversprechender ist es demnach, sich massiv an einem Non-Profit-Projekt zu beteiligen oder eine Open-Source-Idee in eine Stiftung einzubringen.

Denn das macht die Beteiligung externer Entwickler, von denen ein erheblicher Teil auf Unabhängigkeit bedacht ist, wahrscheinlicher. Was zunächst der Verbreitung einer Software förderlich ist und letztlich einer Firma dadurch größere Möglichkeiten verschafft, auf dieser Basis ein Business zu entfalten.

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