Community oder Kontrolle?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 04.12.2010 | Kommentare: 0

Das Marktforschungsunternehmen The 451 Group, genauer deren Zweig Commercial Adaption of Open Source Research Service (CAOS), hat seinen immer mit Spannung erwarteten Jahresbericht herausgegeben. Der kostet 3750 Dollar, ist für den Schreiber dieser Zeilen also unbezahlbar, aber glücklicherweise haben einige bekannte Blogger der Open-Source-Szene Freiexemplare ergattert und ein paar Informationen öffentlich gemacht. CAOS besteht im Wesentlichen aus den Analysten Matthew Aslett und Jay Lyman; beide sind dafür bekannt, ihre Thesen mit massiven Zahlenwerken zu untermauern. Der Report könnte für Firmen durchaus interessant sein.

Der diesjährige Bericht hat den Titel „Control and Community“ und basiert auf einer Analyse von rund 300 Open-Source-orientierten IT-Anbietern. Die CAOS-Analysten beginnen mit einer Einteilung der Open-Source-Geschichte in vier Etappen: Zunächst war sie geprägt von einer Softwareentwicklung durch Communities. Dann beteiligten sich IT-Anbieter an diesen Communities. Darauf folgte eine Phase Anbieter-dominierter Open-Source-Entwicklung und Distributionsprojekte. Und schließlich prägten sich kommerziell aufgestellte Entwickler-Communities mit starkem Firmenengagement aus. Die Analysten glauben, wir befinden uns im Beginn dieser Phase.

Ausführlich beschäftigt sich der Report, daher sein Titel, mit dem Modell firmenkontrollierter Open-Source-Entwicklung, die sich beispielsweise in der Open-Core-Strategie von Anbietern wie SugarCRM oder Alfresco niedergeschlagen hat. Noch vor wenigen Jahren galt derlei als das Open-Source-Erfolgsmodell überhaupt und zog enorme Investitionen von Risikokapital an. So aufgestellte Startups entstanden vor allem ab 2001 und erreichten ihren Höhepunkt im Jahr 2005. Seither werden es weniger.

Nur den Kern eines Programms Open Source zu stellen, alle eigentlich unverzichtbaren Erweiterungen aber proprietär geschlossen zu halten und die Code-Entwicklung nur firmenintern zu betreiben gilt nicht mehr als wegweisend. Insbesondere die Beziehungen zu den Vertriebskanälen und die Entwicklungsrechte der Partner sind problematisch, wenn eine Firma eine Open-Source-Software kontrolliert. Klassische, sich selbst leitende Community-Projekte haben sich als weniger problemanfällig erwiesen, so die Analyse von Aslett und Lyman.

Die Autoren machen einen seit 2006 feststellbaren neuen Trend aus: Open-Source-orientierte Firmen engagieren sich in Community-Projekten, ohne sie zu dominieren. Meist beteiligen sich mehrere IT-Anbieter an solchen kooperativen Projekten, was sie groß macht und die Produktentwicklung beschleunigt. Beispiele sind Eclipse, Apache oder Drupal. Auf dieser Basis starten seit 2009 mehr Open-Source-Anbieter als mit irgendeinem anderen Business-Modell.

Die CAOS-Autoren schließen mit einer Empfehlung: „Der Single-Vendor-Ansatz wird nicht aussterben. Aber Anbieter, die Open-Source-Projekte kontrollieren, benötigen einen Übergang zu einer kollaborativeren Entwicklung.“ Tatsächlich glauben die Analysten dies schon als Trend erkennen zu können. Bei 25 Prozent der firmenkontrollierten Open-Source-Projekte glauben sie eine Öffnung zur „Basar-Entwicklung“ und zu einer stärkeren Community-Orientierung ausmachen zu können. So sei Monty Programm weniger abgekapselt als deren Ursprungsfirma MySQL.

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