von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.12.2010 | Kommentare: 0

Man mag zu Wikileaks stehen, wie man will. Die Versuche, die Internet-Enthüllungsquelle für geheime Dokumente abzuschalten, sind grandios gescheitert. Laut „Spiegel Online“ haben am 6.12.2010 schon 500 Sites Wikileaks ebenfalls vorgehalten. Im Internet bewirken Verbote schon mal das genaue Gegenteil. Das Verbotene, das geheim zu Haltende verbreitet sich nur breiter und schneller. Das hat anarchistische Züge. Politische Motive sind dabei unverkennbar.

Anarchistisch wirkt das Ganze, weil das Internet ein Netz ohne Regeln zu sein scheint. Im Prinzip kann da jeder machen, was beliebt. Die einzigen Grenzen sind die nationalen staatlichen Regeln an dem Ort, wo ein Internetnutzer lebt. Andernorts sehen die anders aus. Prompt ist die Wirkung nationalen Rechts ziemlich begrenzt, weil das Internet als globales Medium nicht in Grenzen zu fassen ist. Das Internet sprengt Grenzen; es steht für Offenheit.

Nicht nur die zahlreichen Mirrorsites von Wikileaks zeigen, dass es völlig aussichtslos, eine dumme Zeit- und Geldverschwendung ist, dem Internet Zügel verpassen zu wollen. Der größte Pressezar der Welt, Rupert Murdoch, wollte das Rad der Geschichte umdrehen. Er verschloss die Internet-News der Londoner „Times“ hinter einem Bezahlportal. Heute ist die renommierte Zeitung ihre Leserschaft los, ihr Online-Werbemarktwert dürfte auf Teppichhöhe liegen.

Internet und Abschottung passen nicht zusammen. Das Netz war immer schon (tatsächlich seit seinen militärischen Arpanet-Ursprüngen) ein Mittel, Informationen unter allen Umständen von einem Punkt zum anderen zu bringen. In seiner heutigen zivilen Ausprägung hat es eine breitere technische Basis, es funktioniert also noch zuverlässiger als Transportmedium. Vor allem aber basiert es auf offenen Standards, die es der Kontrolle von Interessengruppen entziehen.

Der Fall Wikileaks dokumentiert, wie sehr Technik eine Gesellschaft beeinflussen kann. Die Affäre belegt, dass Offenheit nicht eine Parole von „IT-Hippies“ ist. Offene Informationen, offene Schnittstellen, offene Standards und – jawohl – offene Software. Das ist angesagt, nicht verschlossene Systeme. Die Murdochs, Microsofts, Oracles dieser Welt schmeißen nur ihr Geld zum Fenster heraus. In Zukunft lässt sich nur noch mit offenen Systemen gewinnen – ideell und finanziell.

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