IT-„Prinzipien“ der EU: Millionen verheizt

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.12.2010 | Kommentare: 0

Manchmal nimmt es die EU-Kommission nicht so genau mit ihren eigenen Beschlüssen. In dieser Woche hat das zuständige Generaldirektorat für Informatik der EU einen sechsjährigen Rahmenvertrag mit der niederländischen Firma PC Ware Information Technologies abgeschlossen. Die erhält 189 Millionen Euro, um Software zu beschaffen, welche die EU zu benötigen meint. Es sind 120 verschiedene Produkte, und nur zwei davon lassen sich als Open Source bezeichnen, nämlich Red Hat Linux und das Content-Management-System Alfresco.

Auf den Vorgang ist die Free Software Foundation Europe aufmerksam geworden. Deren Präsident Karsten Gerloff kritisierte: „Statt eine Strategie zu entwickeln, die die Vorteile Freier Software nutzt und Unabhängigkeit von Anbietern schafft, hat sich die Kommission noch fester an die Hersteller gebunden.“ Weiter erklärte er: „Die europäischen Bürger erwarten von der Kommission, die Kosten gering zu halten, Steuergelder so auszugeben, dass sie die Entwicklung Europas fördern, und sich an ihre eigenen Regeln zu halten.“

Erst im Mai dieses Jahres hatte sie die „Digital Agenda“ vorgestellt, nach der IT-Produkte und Services „offen und interoperabel“ sein müssen. Die Deklarationen der EU-Mitglieder aus den Versammlungen von Malmö und Granada aus den Jahren 2009 beziehungsweise 2010 fordern die EU auf, „besondere Aufmerksamkeit den Vorteilen zu widmen, die sich aus der Verwendung offener Spezifikationen ergeben“ und verlangen im Speziellen „die systematische Förderung offener Standards und interoperabler Systeme“.

So ist das im Leben: Zwischen Absichtserklärungen und der Praxis sind im alltäglichen Leben ziemliche Abstände. In der Politik sind die noch um einiges größer. Aber die Deklarationen der EU zeigen den Weg an, und der geht insgesamt in die richtige Richtung.

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