von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 11.02.2011 | Kommentare: 1

Ein moderner Satz der Nationalökonomie lautet: Wenn Nokia hustet, kriegt Finnland die Grippe. Inzwischen ist das Krankheitsbild von Nokia wohl eher als schwere Bronchitis zu bezeichnen, und die Wirtschaftswissenschaftler dürfen sich einen neuen Spruch einfallen lassen. In den USA hat Microsoft infolge von Übergewicht derart Atemnot, dass die Aktie seit Jahren kaum mehr die 30-Dollar-Marke schafft. Die Siegertypen von einst ringen heute verzweifelt um Luft.

In der neuen Disziplin der ITK, Mobility Computing, können sie gegenüber den Newcomern längst nicht mehr mithalten. Dabei war Nokia hier mit Abstand Meister aller Klassen, und Microsoft hat hunderte Millionen Dollar dafür ausgegeben, wenigstens auf Platz zwei zu kommen. Vergeblich.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys war Nokia im 4. Quartal 2009 mit 44 Prozent Marktanteil noch klar marktdominant. Ein Jahr später waren es nur noch 31 Prozent. Platz Zwei hinter Google, dass es im gleichen Zeitraum von neun auf 33 Prozent gebracht hat. Apple hat den zweiten Platz von 2009 verloren, unverändert 16 Prozent Marktanteil reichten im vierten Quartal 2010 nur noch für Platz Drei. Research in Motion ist von 20 auf 14 Prozent abgestürzt. Microsoft hat die Underperformance von 2009 (sieben Prozent) mit zuletzt drei Prozent glatt noch einmal unterboten.

Es gibt also drei Verlierer im Smartphone-Markt: RIM -36, Nokia: -30 und Microsoft -20 Prozent. Und die letzten beiden tun sich jetzt zusammen. Besser gesagt: Nokia versucht zu retten, was zu retten ist, indem es sich Microsoft anschließt. Die Finnen wollen Windows Phone 7 zu ihrer zentralen Smartphone-Plattform machen. Man könnte spotten: Augenstarre Richtung Redmond sind die Spätfolgen jahrelanger Topjobs bei Microsoft. Denn die hatte Stephen Elop, bevor er Nokia-Chef wurde. Dass aus seinem Ziel, ausgerechnet mit dem erfolglosen Windows Phone 7 „die Marktführerschaft bei Smartphones“ zurückerobern zu wollen, nichts wird, ist absehbar.

Der traurige Aspekt dieses Bündnisses ist, dass dabei die Mobile-Linux-Umgebung MeeGo einen wichtigen Unterstützer verliert. Bisher galt diese Gemeinschaftsinitiative mit Intel erklärtermaßen als Nokias Zukunft. Seit einiger Zeit steht die MeeGo-Entwicklung unter Leitung der Linux Foundation. Der ist es gelungen, eine Menge Firmen für das Projekt zu gewinnen. Jetzt wird dieses Bündnis seine Fähigkeiten und seine Entschlossenheit unter Beweis stellen müssen. Der Gewinner des Tages ist aber erst einmal die andere Open-Source-Linie im Smartphone-Business: Google mit Android.

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