von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.02.2011 | Kommentare: 2

Hardware-Entwickler haben eine Definition für Open-Source-Hardware veröffentlicht. Sie orientieren sich dabei an der einst nur für Software formulierten Open-Source-Definition der Open Source Initiative (OSI). Open-Source-Hardware hat ein offenes Design und soll es möglich machen, ein physikalisches Produkt nachzubauen, zu verändern und wieder zu verbreiten. So heißt es in den Prinzipien:

„Open source hardware is hardware whose design is made publicly available so that anyone can study, modify, distribute, make, and sell the design or hardware based on that design. The hardware’s source, the design from which it is made, is available in the preferred format for making modifications to it. Ideally, open source hardware uses readily-available components and materials, standard processes, open infrastructure, unrestricted content, and open-source design tools to maximize the ability of individuals to make and use hardware. Open source hardware gives people the freedom to control their technology while sharing knowledge and encouraging commerce through the open exchange of designs.“

Klingt wie eine Erinnerung an meine Gymnasiastentage. Da gab es nämlich einen kleinen Kreis von Elektrobastlern, die darum wetteiferten, Radioempfänger und -sender in immer kompaktere Formen zu bekommen. Schaltpläne und Verpackungstricks wurden bereitwillig untereinander ausgetauscht, um immer bessere und kleinere Geräte zu bekommen. Das ultimative Mogelmittel haben wir nie fertig bekommen; denn es fand sich immer noch eine Verbesserung. Und genau das ist das Problem mit der Open-Source-Hardware.

Denn Hardware muss tatsächlich irgendwann gebaut werden, was meistens länger dauert als bei Software. In der Zeit Fertigungsvorstufe bis erster Produktion sind keine Verbesserungen möglich. Es sind danach auch nicht ständig Nachbesserungen möglich. Release early, release often, die Maximen der Open-Source-Software-Entwicklung, sind bei Hardware unmöglich. Updates gibt es nicht, Bugfixes natürlich auch nicht. Daraus hat Eric Raymond, der Verfasser von „The Cathedral and the Bazaar“ und einer der Vordenker der Open-Source-Bewegung, einmal den Schluss gezogen, Open Source sei nur bei Software möglich.

Das Verdikt ist schon länger etlichen von Open Source faszinierten Leuten herzlich schnuppe gewesen. Vor allem in Ostasien gibt es sehr rege Gruppen, die Radiosender und -empfänger, Verstärker, Fernseher oder Walky-Talkys bauen. In Deutschland gab es mal eine Gruppe, die ein Open Source Car bauen wollte. Das OSCar erhielt für sein Design sogar einen Preis, gebaut wurde es nie. Jüngeren Datums sind die Initiativen Openmoko (ein Handy) und OpenPandora (eine Spielekonsole). Einen Taschencomputer namens NanoNote hat es tatsächlich mal gegeben. Aber letztlich ist aus allen Open-Source-Hardware-Initiativen nicht viel geworden.

Trotzdem gibt es offenbar genug Leute, die von dem Gedanken freier Hardware nicht lassen mögen. Vielleicht bringt ja die Formulierung von Open-Source-Hardware-Prinzipien weiter, obwohl meines Erachtens die Probleme wie oben erwähnt andere Ursachen haben. Doch deswegen sollte man solche Initiativen nicht als Zeitverschwendung missachten. Zumindest werden die Beteiligten an solchen Projekten eine Menge lernen, sowohl über die Technik wie auch über die Schwierigkeiten der Fertigung. Ein ziemlich praxisnahes Studium.

Das Erfreulichste ist allerdings, dass sich offenbar der Open-Source-Gedanke immer tiefer in den Köpfen, in dieser Gesellschaft verankert, dass mit Open Source neues probiert wird, dass nichts abschreckt, weil man allenfalls nicht alleine auf die Schnauze fällt. Anstrengungen in Richtung Open-Source-Hardware sind Ausdruck von Optimismus. Und vielleicht klappt es ja plötzlich doch mit diesem oder jenem Gerät. Der Versuch ist es wert.

Kommentare

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Arthur und sein schwarzes Outdoor Marihuana Gras…

ch lese häufig Ihr Blog und finde es immer sehr interessant. Dachte, es sei an der Zeit, ich lasse Sie wissen, halten Sie die großartige Arbeit…

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