Viele Apps verletzen Open-Source-Lizenzen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 10.03.2011 | Kommentare: 0

Apps stellen ihre Entwickler vor ein Problem: Wenn sich die Minianwendungen nur extrem preiswert verkaufen lassen, gleichzeitig aber die Chance gering ist, über Absatzzahlen zu einem rentablen Geschäft zu kommen, muss die Entwicklung der Apps eben schnell vonstattengehen. Da liegt die Versuchung nahe, sich an schon vorhandenen Codezeilen zu bedienen. Was natürlich nur da geht, wo der Code vorliegt, bei Open-Source-Software also. Genau ist offenbar sehr verbreitet.

Der US-amerikanische Open-Source-Provider OpenLogic hat 635 der beliebtesten Apps für Android und iOS in Google’s Adroid Market beziehungsweise Apple’s App Store analysiert. Für einen Vergleich der Software brauchte es nicht mehr als das Tool „OSS Deep Discovery“. Die damit entdeckten Übereinstimmungen prüfte OpenLogic, um sicher zu gehen, dann noch einmal per Hand. In insgesamt 68 Programmen, also bei rund elf Prozent der analysierten Apps, fand sich Code unter einer Open-Source-Lizenz. Dabei handelte es sich 52 Mal um die Apache-Lizenz und 12 Mal um die GNU General Public License GPL.

Beide Lizenzen schreiben Weiterverwertern von Code unter anderem vor, auf die Ursprungslizenz hinzuweisen und den gesamten Quellcode offen verfügbar zu machen. Doch 47 Apps mit Open-Source-Elementen entsprachen diesen Anforderungen nicht. Missachtung der Lizenzbedingungen also in mehr als zwei Drittel der Fälle, 69 Prozent. Es geht sogar noch dreister: Für einige dieser Apps beanspruchten ihre Entwickler für sich trotzdem in vollem Umfang das Copyright.

OpenLogic hat nicht bekannt gegeben, um welche Programme es sich handelt. Aber die Anbieter dieser Apps werden sich nun nicht nur beeilen müssen, ihre Entwicklungen so zu ändern, dass sie den Bedingungen der Open-Source-Lizenzen entsprechen. Andernfalls drohen juristische Folgen. Deren Folge ist üblicherweise, dass Gerichte den ursprünglichen Entwicklern Anrecht auf einen Teil der Einnahmen zusprechen.

Gleichwohl hat die Open-Source-Gemeinde die Gepflogenheit, nur jenen „Copycats“ mit Klagen zu drohen, die sich uneinsichtig zeigen und nicht nachbessern. So nennt Karsten Gerloff, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) die Raubkopiererei bei Apps „ein ernst zu nehmendes Problem“. Aber er hält es wie OpenLogic auch für möglich, dass es Lizenzverstöße unbeabsichtigt oder aus Nachlässigkeit gegeben hat. Es kommt jetzt also auf die Reaktion der Codekopierer an. Denen droht darüber hinaus eine weitere Strafe: der Ausschluss aus App-Stores.

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