Vortragsprogramm für den LinuxTag 2011 steht

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.03.2011 | Kommentare: 0

 

Aufgepasst, „Gewohnheitstiere“! In diesem Jahr findet der LinuxTag nicht im Juni statt, sondern schon vom 11. bis 14. Mai. Nichts geändert hat sich am Ort, das Messegelände Berlin unter dem Funkturm. Inzwischen steht das Programm der rund 150 Vorträge und Workshops. Wie immer steht die Veranstaltung unter dem Slogan „Where .com meets .org“, der Schwerpunkt der Redebeiträge liegt aber wie üblich stärker bei .org, was eher ein technisch interessiertes Publikum anspricht.

Gleichwohl gibt es zu Beginn der Veranstaltung, am Mittwoch und Donnerstag, eine Reihe Vorträge, die auf ein Business-orientiertes Publikum zielen. Dabei geht es insbesondere um Open-Source-Geschäftsmodelle, Cloud Computing und Business-Apps. Doch parallel laufen auch schon deutlich technischer geprägte Tracks zu DataCenter, Java, Development, Hochverfügbarkeit und Adminstrationspraxis. Am Freitag und Samstag stehen ausschließlich technische Themen auf dem Programm.

Tarent wird wie immer mit einem großen Stand auf dem LinuxTag präsent sein. Das Unternehmen ist darüber hinaus mit Vorträgen dabei. Am Mittwoch (17 – 18 Uhr) spricht Jan Erhardt über „Behaviour Driven Development – testgetriebene Entwicklung richtig gemacht“. Am Freitag präsentiert er dann: „Pluginsysteme für Webanwendungen entwickeln mit OSGi“ (10 – 11 Uhr).

Michael Kleinhenz tritt gleich dreimal an: Am Donnerstag (12 – 13 Uhr) sind „Cloud-Anwendungen mit Java“ sein Thema. Am Samstag (16 – 16:30 Uhr) berichtet er über seinen Job: „Ein Tag als Softwarearchitekt“. Diesen Vortrag hält er noch einmal am Samstag (11:30 – 12 Uhr).

Tagesschau.de für den Einsatz Offener Standards ausgezeichnet

von: Nina Keller | am: | Kommentare: 0

Tagesschau.de, die Internetplattform der ARD, wird heute anlässlich des “Document Freedom Day” für den Einsatz Offener Standards ausgezeichnet. Die Auszeichnung verleihen die Free Software Foundation Europe (FSFE)  und der Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. (FFII) dafür, dass die angebotenen Sendungen zusätzlich im offenen Videoformat “Ogg Theora” verfügbar sind.

In Berlin überreichen FSFE und FFII eine Urkunde sowie eine Torte mit der Aufschrift “rOgg On!” an Sven Bruns, Leiter der Technik von tagesschau.de. In Hamburg nimmt die stellvertretende Redaktionsleiterin von  tagesschau.de Sabine Klein die DFD-Torte für die Redaktion entgegen.

“In einer Zeit, in der unfreie Videoformate noch dominieren, ist tagesschau.de ein Vorbild für andere Rundfunkanstalten, wie Nutzer ungehindert Zugang zu ihren Medien bekommen”, sagt Matthias Kirschner, Deutschland- Koordinator der FSFE.

Ogg Theora ist ein offenes Videoformat, das, im Gegensatz zu patentierten Videoformaten, jeder Software-Hersteller einfach und ohne Lizenzpflicht unterstützen darf. So ist es auch für die Software-Nutzer möglich, ohne die Abhängigkeit von einem Hersteller auf den unterschiedlichsten Geräten Ogg Theora abzuspielen.

Stephan Uhlmann vom FFII Vorstand: “Aus Bequemlichkeit kann man einfach das gerade dominierende Format unterstützen, statt auf Offene Standards zu setzen. Diese Dominanz kommt jedoch mit Patenten daher, deren exklusive Kontrolle lternative Software-Lösungen und spätere Innovationen blockieren. Mit Offenen Standards dagegen können Anwender ihre Software frei wählen. Ganz gleich ob Apple, Microsoft oder GNU/Linux: die  Videos von tagesschau.de werden immer abspielbar sein.”

Ogg Theora wird von allen Abspielprogrammen in gängigen GNU/Linux-Distributionen unterstützt. Durch den VLC-Player können Ogg-Dateien auch unter Microsoft Windows und Apples Mac OS X abgespielt werden. Des Weiteren unterstützen viele moderne Webbrowser das Format direkt.
Auf tagesschau.de gibt es alle regulären Video-Beiträge als Ogg Theora. Auf tagesschau24 wird das Video mit dem neuen Web-Standard HTML5 direkt eingebunden. An anderen Stellen muss noch manuell auf “Download der Videodatei” und dann Format “Mittel (Ogg)” geklickt werden.

“Wir hoffen, dass zeitbald alle weiteren Multimediainhalte — insbesondere die Mediathek und Live-Streams — auch in einem Freien Format verfügbar seien werden.  Außerdem würden wir uns über Ogg-Theora- oder  WebM-Videos in den besseren Qualitätsstufen freuen”, meint Matthias Kirschner.

Pressebilder der Preisübergabe werden am 30. März ab 14 Uhr auf http://wiki.fsfe.org/DFD-2011-Berlin-Hamburg-Bilder verfügbar sein.

Über den Document Freedom Day

Der Document Freedom Day (DFD) ist ein weltweiter Aktionstag für freie
Dokumtenformate und offene Standards. Er findet seit 2008 jährlich am
letzten Mittwoch im März statt. In den vergangenen Jahren haben über
200 Teams von Freiwilligen in über 60 Ländern anderen Menschen den
Wert von offenen Dokumentenformaten und offenen Standards vermittelt.
Dieses Jahr wird die Städtepatenschaft für Berlin von der tarent AG
und in Hamburg von inmedias.it GmbH übernommen.

Pressekontakte

Free Software Foundation Europe (FSFE)
Matthias Kirschner
mk@fsfe.org
Linienstraße 141, 10115 Berlin
Telefon: +49-30-275 95 290
Mobil:  +49-1577-178 000 3

FFII Geschäftsstelle Berlin
Stephan Uhlmann
uhlmann@ffii.org
Malmöer Str. 6, 10439 Berlin
Telefon: +49-170-4225008

Nichts für Sesselfurzer

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 1

Eins steht fest: Open Source ist definitiv nichts für Ruhebedürftige. Vermutlich werden eines Tages Wellness-Center die letzten Orte sein, wo Microsoft-Admins in aller Ruhe eine Maus schupsen – pardon, massieren – dürfen. Open Source lebt sich anders. Ein Aufreger jagt den anderen, mal eine positive Meldung, mal eine negative, mindestens wöchentlich. Und während proprietäre Firmen wie Microsoft eher Amüsement verursachen, fühlen sich ausgerechnet Firmen aus der Open-Source-Ecke für Aufregung zuständig. No trouble no fun, oder so.

So eine Firma ist Google. Die hat nicht nur ein Open-Source-Fähnchen aus dem Hinterzimmer hängen. Der Laden versäumt keine Gelegenheit, Open Source in seinem Marketing-Blabla zu erwähnen. Und nächste Woche macht sie etwas, das die ganze Open-Source-Community im Achteck springen lässt. Oder durch die Decke gehen, bis man weiß, dass die Satellitenbilder von Google Maps völlig veraltete Knipsereien sind.

Google hat wirklich ein irrsinnig „glückliches Händchen“, die Community gegen sich aufzubringen. Erinnert sei daran, wie die Firma einst mit dem Chrome-Browser auf Firefox, damals eins der wenigen erfolgreichen Open-Source-Produkte, losgehen zu wollen – nicht dementierte. Und danach: immer wieder für Verärgerung sorgen. Alleingänge statt Contributions zum Linux-Kernel. Google ist für die Community das Unternehmen nach Microsoft, das die meisten proprietären Ambitionen hat. Die Open-Source-Gemeinde fragt sich schon, ob die Einordnung auf den zweiten Platz gerechtfertigt ist.

Jetzt haben die Shooting-Stars wieder einen Schuss losgelassen, der nach hinten losgeht. Die erste Version von Android 3.0 („Honeycomb“ für Tablets) gibt es nicht für alle, sondern nur für ein paar große PC-Hersteller. Es gibt auch keinen Source Code. Wird nachgereicht, das System sei noch nicht recht fertig, rechtfertigt sich Google. Macht man so Werbung für Android-Tablets? Schafft man so einen fairen Marktzugang für alle Anbieter? Hat nicht Open Source das Prinzip „Release often, release early“? Gibt es überhaupt fertige Software?

Die Ausflüchte von Google klingen schon so, als wäre man sich schon bewusst, dass die Firma diesmal etwas ganz und gar Unmögliches gemacht hat. Android basiert auf Open-Source-Lizenzen, die allesamt verlangen, dass jeder veränderte Code sofort wieder öffentlich zu machen ist. Google hat klipp und klar Lizenzbestimmungen verletzt, welche die sensibelste Grundlage jeder Open-Source-Entwicklung sind.

Der Google-Schritt macht es momentan unmöglich, Android im Namen der Freiheit Apple entgegen zu stellen. Das gilt für Smartphones und Tablets. Umso wichtiger ist, dass die Open-Source-Alternative MeeGo am Leben bleibt. Google braucht genauso Konkurrenz wie Microsoft oder Apple. Doch die Perspektiven von MeeGo lassen einen auch nicht gerade beruhigt ins Bett gehen. Wie war das mit den Mäusen und der Wellness? Die Open-Source-Welt kann manchmal wirklich gemein sein. Nur gut, dass – vermutlich schon morgen – eine andere Meldung die Stimmung wieder einloten wird.

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