von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.03.2011 | Kommentare: 1

Eins steht fest: Open Source ist definitiv nichts für Ruhebedürftige. Vermutlich werden eines Tages Wellness-Center die letzten Orte sein, wo Microsoft-Admins in aller Ruhe eine Maus schupsen – pardon, massieren – dürfen. Open Source lebt sich anders. Ein Aufreger jagt den anderen, mal eine positive Meldung, mal eine negative, mindestens wöchentlich. Und während proprietäre Firmen wie Microsoft eher Amüsement verursachen, fühlen sich ausgerechnet Firmen aus der Open-Source-Ecke für Aufregung zuständig. No trouble no fun, oder so.

So eine Firma ist Google. Die hat nicht nur ein Open-Source-Fähnchen aus dem Hinterzimmer hängen. Der Laden versäumt keine Gelegenheit, Open Source in seinem Marketing-Blabla zu erwähnen. Und nächste Woche macht sie etwas, das die ganze Open-Source-Community im Achteck springen lässt. Oder durch die Decke gehen, bis man weiß, dass die Satellitenbilder von Google Maps völlig veraltete Knipsereien sind.

Google hat wirklich ein irrsinnig „glückliches Händchen“, die Community gegen sich aufzubringen. Erinnert sei daran, wie die Firma einst mit dem Chrome-Browser auf Firefox, damals eins der wenigen erfolgreichen Open-Source-Produkte, losgehen zu wollen – nicht dementierte. Und danach: immer wieder für Verärgerung sorgen. Alleingänge statt Contributions zum Linux-Kernel. Google ist für die Community das Unternehmen nach Microsoft, das die meisten proprietären Ambitionen hat. Die Open-Source-Gemeinde fragt sich schon, ob die Einordnung auf den zweiten Platz gerechtfertigt ist.

Jetzt haben die Shooting-Stars wieder einen Schuss losgelassen, der nach hinten losgeht. Die erste Version von Android 3.0 („Honeycomb“ für Tablets) gibt es nicht für alle, sondern nur für ein paar große PC-Hersteller. Es gibt auch keinen Source Code. Wird nachgereicht, das System sei noch nicht recht fertig, rechtfertigt sich Google. Macht man so Werbung für Android-Tablets? Schafft man so einen fairen Marktzugang für alle Anbieter? Hat nicht Open Source das Prinzip „Release often, release early“? Gibt es überhaupt fertige Software?

Die Ausflüchte von Google klingen schon so, als wäre man sich schon bewusst, dass die Firma diesmal etwas ganz und gar Unmögliches gemacht hat. Android basiert auf Open-Source-Lizenzen, die allesamt verlangen, dass jeder veränderte Code sofort wieder öffentlich zu machen ist. Google hat klipp und klar Lizenzbestimmungen verletzt, welche die sensibelste Grundlage jeder Open-Source-Entwicklung sind.

Der Google-Schritt macht es momentan unmöglich, Android im Namen der Freiheit Apple entgegen zu stellen. Das gilt für Smartphones und Tablets. Umso wichtiger ist, dass die Open-Source-Alternative MeeGo am Leben bleibt. Google braucht genauso Konkurrenz wie Microsoft oder Apple. Doch die Perspektiven von MeeGo lassen einen auch nicht gerade beruhigt ins Bett gehen. Wie war das mit den Mäusen und der Wellness? Die Open-Source-Welt kann manchmal wirklich gemein sein. Nur gut, dass – vermutlich schon morgen – eine andere Meldung die Stimmung wieder einloten wird.

Kommentare

Naja, Microsoft ist nicht Nummer 1, sondern Nummer 3. Apple führt
noch vor Google die Hitliste der Proprietors an.

Ansonsten… wer „frei“ will nimmt eh’ nicht Android (Googles firmen-
internen Mastertree) sondern AOSP (Android Open Source Project).
Da gab’s mksh auch schon Monate vorher ;-)

Kommentar schreiben

Über Dich

Dein Kommentar

*