Etwas verwirrt wegen der Überschrift? Also die Auflösung: Das Institute of Electrical and Electronical Engineers (IEEE) ist eine alt-ehrwürdige und eher betulich arbeitende internationale Organisation, auf die reichlich viele fundamentale Elektronikstandards zurückgehen. Um Hypes kümmert sich so ein Verein gleich dreimal nicht. Jetzt hat das IEEE zwei Arbeitsgruppen eingerichtet; eine formuliert den allgemeinen Rahmen, die andere die technischen Spezifikationen; so ist das da üblich. Das Ziel beider Gremien: Standards für Cloud Computing (ausführlicher hier).
Diese IEEE-Initiative ist ein sehr starkes Argument gegen Skeptiker, die in Cloud Computing nicht mehr als einen Hype sehen. Das Internet-basierende Modell für IT-Services hat jetzt quasi offiziell internationale Anerkennung. Bemerkenswerterweise hat das Standardisierungsgremium seine Entscheidung damit begründet, dass in den Clouds bisher dermaßen viel schief läuft, dass jetzt Reglementierungen dieses vielversprechende Modell retten müssen.
Die Begründung ist eine Ohrfeige für proprietär orientierte Cloud-Anbieter. „Ohne ein flexibles, gemeinsames Rahmenwerk für Interoperabilität, könnte Innovation aufgehalten werden und uns ein System von Silos hinterlassen“, erklärt Steve Diamond, Vorsitzender der Cloud Computing Initiative des IEEE. Regeln seien unverzichtbar, um „Fragmentierung zu minimieren und sicherzustellen, dass Cloud Computing sein gesamtes Potenzial erschließt“. Klartext: Die bisherigen Versuche der Anbieter, in proprietär geschlossenen Clouds die Anwender an sich zu binden, haben der Sache, einem Fortschritt in der IT, nur geschadet.
Da verwundert es dann schon weniger, dass das IEEE im Standardisierungsverfahren unter anderem „open source references“ einsetzen will. Cloud Computing geht nicht ohne Internet, und das heißt nichts anderes als offene Standards und Open Source. Diese beiden Faktoren hat das IEEE mit seiner neuen Standardisierungsinitiative so nebenbei auch noch gewürdigt. An ihnen scheitern letztlich Versuche, Anwender auf IT-Silos zu beschränken.
Allerdings werden jetzt erst recht hinter den Kulissen der Standardisierungsverfahren hektische Bemühungen der fast durchgängig proprietär aufgestellten Cloud-Anbieter losgehen. Das läuft im komplizierten Standardisierungsverfahren der IEEE üblicherweise so. Am Ende dürfte es für die Industrie immer noch reichlich Gelegenheit geben, Anwender in der scheinbaren Freiheit in den Wolken so an sich zu binden, dass sie aus der nur noch heraus kommen wie Regentropfen, die auf den Boden klatschen. Die Anwender aber zeigen sich bereits gewarnt, sie reagieren bisher auf die Cloud-Offerten verhalten. Dafür, eine Warnung noch einmal laut ausgesprochen zu haben, gebührt dem IEEE auch Dank.
Alles in allem ist Cloud Computing in der – bezeugt vom gewiss nicht vorschnellen IEEE – Realität angekommen. Und die verträgt sich nicht mit Bindung der Anwender an Anbieter. Der IT-Geschichte bewusste Anwender sind diesbezüglich seit den üblen Unix-Erfahrungen der 90er Jahre etwas empfindlich. Scheinbare Offenheit in Form von elfundneunzig Standards ist nicht mehr überzeugend. Dies ist eine Chance für jene, die Offenheit ernst nehmen: Cloud Computing und Open Source sind zwei Seiten einer Medaille.
Die gibt es dann bei „Münzprägern“ wie Tarent. Nicht nur da, schließlich haben wir gerade in Sachen Open-Source-Cloud in Deutschland einiges vorzuweisen. Eine Empfehlung: Da gibt es eine Open-Source-Cloud-Initiative in der Linux Solutions Group (LiSoG). Mehr darüber ein anderes Mal, denn dafür reicht hier der Platz nicht.