Oracle beweist ein geradezu unglaubliches Geschick darin, die Open-Source-Gemeinde gegen sich aufzubringen. Der jüngste Fall ist die Erklärung, künftig keine kommerzielle OpenOffice-Version zu wollen. Die Bürosoftware solle ein von der Community verwaltetes Projekt werden. Besonders letzteres kling zunächst ganz gut. Aber sonst klingt gar nichts gut an der Verlautbarung von Oracle.
Denn das Unternehmen lässt sämtliche Fragen in diesem Zusammenhang unbeantwortet. Vor allem: Wird Oracle die Weiterentwicklung von OpenOffice finanziell unterstützen? Es schaut nicht so aus, denn die Firma erklärt lediglich, das Open Document Format (ODF) unterstützen zu wollen. Das könnte auch heißen, dass Oracle die in Hamburg angesiedelten Entwicklerkapazitäten, die ehemaligen StarOffice-Truppe, nicht mehr zur Verfügung stellt.
Offenbar sieht Oracle keine Möglichkeit, mit OpenOffice Geld zu verdienen. Und das ist bei der Firma nun einmal die Maxime. Das Image, eine Geldmaschine zu sein, kommt nicht von ungefähr. Das präzise Gegenteil einer Wohlfahrtsorganisation. Oracle erklärt, Linux und MySQL hätten einen breiten Zuspruch bei kommerziellen und behördlichen Kunden gewonnen. OpenOffice erwähnt die Firma nicht. Sie erklärt aber an anderer Stelle, es gebe ein breites Interesse an kostenlosen Anwendungen. Daran kann man eben nichts verdienen.
Also schmeißt Oracle der Community OpenOffice quasi vor die Füße und flucht: Dann seht halt selbst zu, wie ihr das Projekt weiterentwickelt kriegt. Damit ist OpenOffice allerdings nicht am Ende – auch wenn sich die Document Foundation genötigt sah, gleich zu bekräftigen, man werden den Fork LibreOffice wie geplant weiterentwickeln. Tatsächlich bietet sich die Document Foundation als Verwalterin von OpenOffice an. Beide Zweige könnten wieder zusammenwachsen. Als von Oracle unabhängige Einrichtung träfe sie sicher auf Firmen, die anders als Oracle ein Interesse an einer Alternative zu MS Office haben.
Oracle aber hat sich selbst ins Bein geschossen. Es geht nicht nur darum, dass die Firma wieder einmal in der Open-Source-Community für Verwirrung und Verärgerung gesorgt hat. In einer IT-Welt, in der Open Source immer stärker an Gewicht gewinnt, ist Oracle auch für andere Unternehmen suspekt. Eine Firma, die nur auf das eigene Interesse bedacht ist und dabei sprunghaft agiert, ist kein verlässlicher Partner.