GUI-Framework Qt wird Community-Projekt

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 10.05.2011 | Kommentare: 0

10.5.2011 – Als Nokia zu Beginn dieses Jahres ins Straucheln geriet, machte sich die Open-Source-Gemeinde einige Sorgen. Tatsächlich verlor MeeGo, das Open-Source-System für mobile Geräte, bald seinen Status als strategische Plattform, Microsoft stieg ein und seither soll Windows Phone 7 die Zukunft sein. Da bestand mehr als hinreichend Anlass, sich Gedanken um die zweite große Open-Source-Plattform bei Nokia zu machen, um Qt, die Entwicklungsumgebung für grafische Benutzeroberflächen.

Um die war es ohnehin schon verdächtig still geworden. Die aktuelle Version von Qt ist ein Release 4 aus dem Jahre 2005, also aus Zeiten, zu denen es ein Produkt von Trolltech war. Diese norwegischen Firma hat Nokia 2008 übernommen. Und dieses Ereignis war auch schon so ziemlich das aufregendste, was seither über Qt zu vernehmen war. Es bestand also durchaus Anlass zur Befürchtung, Nokia könne Qt in aller Stille beerdigen. Immerhin: Qt ist seit 2009 Open Source, was ein Fortbestehen ermöglicht hätte.

Jetzt jedoch dürften auch verbliebene Bedenken aus dem Weg geräumt sein. Denn Lars Knoll, Forschungs- und Entwicklungschef bei Nokia, hat sich ausführlich zu Qt geäußert (Zusammenfassung technischer Details hier, noch ausführlicher in einem PDF). Die technischen Pläne sollen hier nicht erläutert werden. Wichtiger ist, dass es wieder eine zukunftsweisende Roadmap für Qt gibt.

Der gesamte Entwicklungsprozess von Qt wird geöffnet. Während früher jede Programmierzeile von Trolltech oder Nokia kam, können externe Entwickler künftig ebenfalls teilnehmen – und zwar gleichberechtigt. Schon gegen Ende dieses Jahres soll eine Beta-Version von Qt 5 erscheinen. Ein finales Release wäre für 2012 möglich. Es kommt also ziemlich Bewegung in die Sache, obwohl die technischen Ziele ganz schön hoch gesteckt sind.

Gleichwohl ist noch nicht alles eitel Sonnenschein. Einige Fragen sind nicht beantwortet: Wie geht Nokia mit eigenen Rechten um, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Qt eingeflossen sind? Wie laufen Entscheidungen im Entwicklungsprozess ab? Wäre es nicht sinnvoll, Qt in die Verantwortung einer Stiftung (Foundation) zu übergeben? Wird Nokia die Qt-Entwicklung künftig finanziell und personell unterstützen? Oder hat Nokia einer Community „die Brocken vor die Füße geworfen“?

Oracle lässt grüßen. Aber erstens hat Nokia in Open-Source-Kreisen eine bessere Reputation. Zweitens wird die Community auch die Brocken gern aufnehmen.

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