von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.05.2011 | Kommentare: 0

Eins musste ja sein: Rechtzeitig zur jährlichen MeeGo Conference in San Francisco hat die Linux Foundation (LF) die Version 1.2 des Linux-Betriebssystems für kleine mobile Geräte vorgestellt. Das System gibt es als Core Software Platform, als Netbook UX für Netbooks und als IVI UX, was für In-Vehicle Infotainment oder Auto-Informationssysteme steht. Hinzu kommt ein MeeGo SDK für Anwendungsentwickler. Downloads hier. Alle Varianten eignen sich für Geräte aus der Basis des Atom-Prozessors von Intel und der ARMv7-Architektur.

Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Für Tablets gibt es unverändert nur eine Preview-Version für Entwickler. MeeGo-Geräte gibt es am Markt so gut wie nicht, und sehr bescheiden sieht es bei den Apps aus. Der Abschied von Nokia aus dem Projekt, das deren Maemo-System mit Intels Moblin verschmelzen sollte, hat die einstige Entwicklungsdynamik eingeschränkt. Vor allem Intel pumpt Millionen Dollar in die MeeGo-Entwicklung, um Google nicht das Feld zu überlassen und um in einem Zukunftsmarkt kein neues Monopol entstehen zu lassen. Eine sehr nüchterne Bestandsaufnahme findet sich in der „Financial Times Deutschland“.

Prompt musste auch noch ein zweites sein: Jim Zemlin, Vorsitzender der Linux Foundation munterte die 300 Besucher der Konferenz in seiner Eröffnungsrede auf. „Meego wird eine unaufhaltsame Kraft werden.“ Denn MeeGo biete im Gegensatz zu den Systemen von Google, Apple, Research in Motion und Microsoft/Nokia drei Vorteile: Offenheit, ein großes Potenzial für App-Entwicklungen und verschwindend geringe Kosten.

Gleichwohl hat auch Zemlin erkannt, dass MeeGo kein Selbstläufer wird, der im Sturm den Markt erobert: „Wir sind in den ersten fünf Minuten eines sehr, sehr langen Spiels“, zitiert ihn das News-Portal Pro-Linux. Über Nacht werde sich kein Erfolg einstellen. Vielmehr sagt Zemlin voraus, so wie sich Linux langsam auf Servern seine heute große Bedeutung erobert habe, so werde auf Dauer auch MeeGo „eine unaufhaltsame Kraft“.

Die ersten Erfolge werden sich wohl erst einstellen, wenn MeeGo-Geräte auf den Markt kommen. Denn ohne die kann sich auch keine Nachfrage entwickeln. Bisher erschienene erste Geräte wie ein Tablet von 4tiitoo mit der MeeGo-Variante Wetab waren allerdings viel zu schwach, um einen ersten Nachfrageschub auszulösen.

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