von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.06.2011 | Kommentare: 0

Furztrocken meldet HeiseOpen die Vorstellung des neuen Nokia-Smartphones N9. Überraschend daran sind nicht nur einige tolle technische Eigenschaften, sondern dass vom finnischen Handyhersteller überhaupt ein Gerät mit dem Linux-basierenden Betriebssystem MeeGo auf den Markt kommen soll. Immerhin hat sich Nokia eigentlich von MeeGo, einer Vereinigung der Linux basierenden Systemen „Maemo“ aus eigener Entwicklung und Intels „Moblin“, zurückgezogen. Nokias derzeitiger, bei Microsoft groß gewordener Chef, Stephen Elop, hat die einst strikt Microsoft-feindlichen Finnen auf den neuen Kurs gebracht: Symbian für einfache Handys, Windows Phone für Smartphones.

Warum nun doch noch ein MeeGo-Smartphone? Diverse Quellen im Internet vermuten, Nokia habe vertragliche Verpflichtungen gegenüber Intel erfüllen müssen; nun sei die Firma quasi „aus dem Schneider“ und könne sich ganz auf Windows konzentrieren. Ich glaube: Die Moblin-Entwicklung bei Nokia war schon verdammt weit. Die Linux/MeeGo-orientierten Entwickler haben es der Microsoft-orientierten Chefetage regelrecht zeigen wollen, was sie drauf haben. Eine Jobempfehlung haben sie dabei ohnehin abgegeben; denn dieses N9 hat wirklich tolle Features.

Andere Smartphone-Hersteller könnten sich für Nokias ehemalige MeeGo-Mannschaft ziemlich interessieren. Apple ist ein „walled garden“, ein unzugänglicher Park, Microsoft ist mit starken Restriktionen und hohen Lizenzgebühren verbunden, Google-Android steht unter dem Feuer diverser Patentklagen. Unter diesen Umständen könnte MeeGo, eigentlich viel zu spät gereift für den Smartphone-Markt, doch wieder eine Geschäftsmöglichkeit eröffnen. Das macht die Entwickler attraktiv.

Nokia aber wird mit MeeGo überhaupt nichts weiter am Hut haben wollen. Deswegen ist das N9 ein Alibi-Smartphone, eine Totgeburt. Ob es überhaupt je auf den europäischen Märkten erscheinen wird, hat Nokia ja auch nicht einmal zugesichert. Die Käufer durften sich ohnehin nicht sonderlich für ein System interessieren, dem der Hersteller keine Zukunft gibt.

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