von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 07.07.2011 | Kommentare: 0

Matthew Aslett, Analyst in der Abteilung „Commercial Adoption of Open Source (CAOS) Research Service“ in „The 451 Group“, hat eine illustre Entdeckung gemacht: Ihm ist aufgefallen, dass viele Firmen, die sich zumindest einst dem Open-Source-Spektrum, dem Open-Source-Spektrum zurechneten, heute den Terminus Open Source nicht mehr an prominenter Stelle in ihrer Öffentlichkeitsarbeit verwenden, nämlich in der Einleitung ihrer Pressemitteilungen. Was steckt dahinter? Immerhin ist die Selbstdarstellung, so Aslett, „ein entscheidender Indikator, wie eine Firma wahrgenommen werden möchte“.

Aslett hatte sich in einer schnellen ersten Durchsicht 14 Unternehmen vorgenommen. Die Hälfte von ihnen hat sich zuletzt vor einem Jahr als Open-Source-Anbieter in ihrem Fachgebiet positioniert, zwei (Jaspersoft und KnowledgeTree) vermeiden schon länger diese Kategorisierung. Ein weiterer Indikator des Interesses an einer Open-Source-Positionierung ist für den Analysten ihre Bemühung um eine Aktualisierung der quelloffenen Version ihrer Hauptsoftware. Groundwork und wieder KnowledgeTree haben schon mehr als 18 Monate kein Update mehr veröffentlicht, drei weitere haben im letzten halben Jahr nichts Neues herausgegeben, drei andere seit mindestens drei Monaten.

Nach diesem Befund fasste Aslett in einer zweiten Analyse nach und nahm sich 14 weitere Firmen vor. Wieder hatten die Hälfte den Begriff Open Source in den letzten zwölf Monaten nicht mehr verwendet. Und in drei Fällen entdeckte er, dass das letzte Update der Open-Source-Version der Kernprodukte mehr als ein Jahr her ist.

Die Befunde wirken, wie die zahlreichen Leserreaktionen zeigen, irritierend. Die Kommentare bieten eine ganze Reihe von Erklärungen. Im krassesten Fall heißt die Interpretation, manche Firmen hätten ohnehin Open Source nur auf das PR-Panier gehoben, um auf einem Trend mitzureiten, sei mithin ein Marketingmittel gewesen, und sie ließen jetzt nur die Maske fallen. Andere meinen, aufgrund besserer Marktbedingungen für Open Source sei die Lizenz kein hervorhebenswertes Merkmal mehr. Das gelte insbesondere, wenn inzwischen ein nicht OS-affines oberes Management angesprochen werde. Es gehe diesen Anbietern darum, das Interesse von der kostenlosen Open-Source-Version ihrer Produkte auf die kommerzielle Variante umzulenken.

Analyst Aslett sieht es allerdings abgeklärter: „Nur weil eine Firma den Begriff Open Source nicht mehr zur Identifikation verwendet, zeigt nicht notwendigerweise an, dass sie sich von Open Source entfernt. Gleichwohl gibt die Tatsache, dass so viele dieser Anbieter den Terminus aus ihrer Selbstdarstellung gestrichen haben, einen Hinweis, dass Open Source weniger als Unterscheidungsmerkmal betrachtet wird, mit dem sie sich identifizieren.“

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