von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.07.2011 | Kommentare: 0

Auf der Open Source Convention (OSCON) 2011 in Portland, Oregon, hat sich die Open Cloud Initiative (OCI) konstituiert. Sie bezeichnet sich als „gemeinnütziger Advocat von Open Cloud Computing“. Ihr Ziel ist es, in einer offenen Diskussion aller Interessenten für das Cloud Computing Bedingungen zu schaffen, welche die Freiheiten der Anwender wahren, ohne das Geschäft der Anbieter zu behindern. Unter welchen Bedingungen das möglich sein könnte, hat die Organisation in „Open Source Principles“ (OCP) beschrieben. Dieses Basisdokument der OCI steht nun 30 Tage zur öffentlichen Diskussion.

Die Prinzipien erklären eingangs, dass Interoperabilität – im Sinne der Fähigkeit, Informationen auszutauschen und zu nutzen – zwischen Cloud-Produkten und -Services notwendig ist für einen freien Wettbewerb zwischen den Anbietern und freie Wahl der Anwender. Letztere müssten ungehindert Zugang zu Clouds haben und diese wieder verlassen können, ohne Rücksicht darauf, wer sie sind und welche Systeme sie verwenden. Anwender müssten daher für Standards kooperieren, bestehende implementieren und in einem offenen Prozess dort Standards entwickeln, wo noch keine bestehen.

Die OCI definiert eine Offene Cloud über zwei Anforderungen: Erstens offene Formate: Alle Anwenderdaten und Metadaten müssen in offenen Standardformaten vorliegen. Zweitens offene Schnittstellen: Alle Funktionalitäten einer Cloud müssen über offene Standard-Interfaces angesprochen werden.

Den Begriff Offener Standard definiert die OCI über vier Anforderungen:

* Der Standard muss in allen Details dokumentiert, veröffentlicht sowie zugänglich und kostenlos nutzbar sein.

* Alle in einem Standard vorhandenen Patente müssen unwiderruflich lizenzkostenfrei zur Nutzung verfügbar sein.

* Alle Markenrechte dürfen ausschließlich einer nicht-diskriminierenden Bestätigung der Compliance dienen.

* Die Client- und Server-seitige Implementierungen müssen gewissenhaft und interoperabel sein und unter einer von der Open Source Initiative (OSI) anerkannten Lizenz stehen oder Public Domain sein.

Die OCI wird geleitet von einem Direktorenteam, das nach OCI-Satzung zwischen fünf und 21 Personen umfasst. Sam Johnston, ein Australier der schon vor mehr als zwei Jahren eine Open Cloud Initiative zu starten versucht hatte, ist jetzt Präsident der neuen Gründung. Nachdem am 1. April 2009 zahlreiche Cloud-Anbieter ein „Open Cloud Manifesto“ verabschiedet hatten, dessen Forderungen aber letztlich unverbindlich waren, reagierte Johnston mit einem „Open Letter to the Community“, in dem er erstmals Grundlagen für eine Cloud nach Open-Source-Prinzipien aufstellte. (Mehr zu diesen Zusammenhängen hier)

Dem ersten Direktorium der OCI gehören neben Sam Johnston neun Personen an. Der berühmteste ist Sam Ramji, ehemals oberster Open-Source-Stratege bei Microsoft. Bekannter sind ferner Rick Clark, Principal Engineer für Cloud Computing bei Cisco, Noirin Plunkett, Executive Vice President der Apache Software Foundation, und Marc Fleichmann, Chef von Rising Tide Systems. Ein in der deutschen Open-Source-Szene bestens bekannter ist auch dabei: Thomas Uhl, Vorstand der Linux Solutions Group (Lisog) und Gründer der Cloud-Initiative Deutsche Wolke.

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