Heute ist ein rabenschwarzer Tag. Nicht weil es wieder einmal einer von denen ist, an dem man zu nichts Vernünftigen kommt, weil man die ganze Zeit mit idiotischen Kleinigkeiten beschäftigt ist. Nein, heute hat die EU das ACTA-Abkommen unterzeichnet. ACTA ist das Kürzel für „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“, als Handelsabkommen gegen Produktpiraterie. Aber damit hat ACTA überhaupt nichts zu tun.
ACTA ist kein Handelsabkommen, sondern ein Grundsatzabkommen zur Behandlung von allem Möglichen im Internet, über das die USA, die EU, Japan etc. unter starkem Engagement von Lobbygruppen diverser Industriebranchen seit 2007 verhandelt haben. Es geht auch nicht um gefälschte Produkte, sondern, ACTA ist da sehr ausholend, um Urheberrechte, Warenzeichen, industrielles Design und Patente. Für Vergehen sieht ACTA hohe Strafen und Kompensationen für verlorene Geschäfte vor.
Eine ganze Reihe elementarer demokratischer juristischer Prinzipien hebelt ACTA glatt aus (mehr dazu hier). Darüber hinaus wird nicht der Raubkopierer bestraft, sondern auch der, wer die Mittel zur Verbreitung von Fälschungen bereitstellt. Das bedroht vor allem Internet-Service-Provider, die ebenfalls haftbar gemacht und somit zur Internet-Zensur verpflichtet werden. ACTA ist der schwammig formulierte Rahmen für Dinge wie den US-amerikanischen Gesetzentwurf SOPA (Stop Online Piracy Act).
Die EU-Kommission hat ACTA jetzt unterzeichnet. Das bedeutet, dass als nächstes das EU-Parlament seine Zustimmung geben muss. Dann sind die nationalen Parlamente in der Europäischen Gemeinschaft dran, diese Vorgabe in ihre jeweiligen Gesetze umzusetzen. In Deutschland wird bereits erste Kritik laut, wie die „Computerwoche“ berichtet.
Das lässt dann doch wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist ACTA so schwammig formuliert, scheint sich auf alles zu beziehen. Solche Dokumente haben einen entscheidenden Nachteil: Sie bieten Interpretationsspielraum. Den können die Gesetzgeber ausnutzen. Es kursiert der Verdacht, die EU habe nach ihrem anfänglichen Engagement für ACTA nicht mehr zurückrudern können und in der Folge für Verwässerung gesorgt.
Zweitens ist das Internet so, wie es ACTA vorsieht, einfach nicht mehr einer Kontrolle zu unterwerfen. In den USA hat die ACTA-Umsetzung SOPA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Wikipedia, Craigslist und Dutzende andere wichtige Englisch-sprachige Websites haben sich kürzlich für einen Tag einfach abgemeldet. Inzwischen liegt SOPA auf Eis.
Produktpiraterie einen Riegel vorschieben zu wollen ist völlig richtig. Es kann aber nicht angehen, dazu gleich den Zugang zum Internet, ein mit dem unpfändbaren Fernseher vergleichbares Kommunikationsmedium, zu beschneiden. Schon gar nicht sollten Politiker auf die Idee kommen, Firmen, nämlich Internet-Service-Provider, sollten ersatzweise das machen, was der Staat nicht darf: Zensur ausüben.
Offenbar macht sich bei den bisher vornehmlich proprietär aufgestellten Cloud-Anbietern die Erkenntnis breit, dass sie auf dem Holzweg sind, solange Anwender spüren, dass ihnen ein Vendor Lock-in droht. Der Cloud-Markt ist global weit von dem entfernt, was die Marktanalysten unisono prognostiziert haben, in Deutschland sogar meilenweit. Jeder weiß inzwischen, dass Cloud Computing nicht nur finanziell unschlagbar günstig ist, sondern vor allem mehr Flexibilität und Agilität bringt. Aber die Anwender sind keineswegs bereit, sich für diese Vorteile in die Abhängigkeit von Herstellern zu begeben. Die Anbieter haben es zu spüren bekommen; sie sind zunehmend bereit zu reagieren.
Zuerst war da im April 2009 ein herzlich unverbindliches „Open Cloud Manifesto“, ohne jede konkrete Ansage, wie die angestrebte Offenheit von Clouds erreicht werden soll. Entsprechend lang ist die Liste der Unterzeichner, die nach der Unterschrift wohl gleich wieder zum Tagesgeschäft wie gehabt übergegangen sind.
Zwei Jahre später, vor gerade neun Monaten, ist dann der angesehenen, aber behäbigen Standardisierungsgremium Institute of Electrical and Electronical Engineers (IEEE) der Kragen geplatzt. „Ohne ein flexibles, gemeinsames Rahmenwerk für Interoperabilität, könnte Innovation aufgehalten werden und uns ein System von Silos hinterlassen.“ Deswegen startete die Organisation eine „Cloud Computing Initiative“, die in zwei „Working Groups“ an Standards für Cloud-Portabilität und Interoperabilität arbeitet.
Das IEEE erklärte damals, es wolle „Fragmentierung minimieren und sicherstellen, dass Cloud Computing sein gesamtes Potenzial erschließt“. Offenbar macht sich auch unter den Cloud-Anbietern langsam die Erkenntnis breit, dass sie sich mit ihren bisherigen Versuchen, Anwender in ein Cloud-Vendor Lock-in zu verlocken, auf Dauer den Erfolg verbauen.
So eine Cloud-Anbieter-Gemeinschaft hat die Welt noch nicht gesehen: 3M, ASG Software (die Visionapp-Muttergesellschaft), CA Technologies, Capgemini, Cisco, Citrix, EMC, Gale Technologies, IBM, Jericho Systems, Morphlabs, NetApp, PwC, Red Hat, SAP, Software AG, Telus, Virtunomic und WS02. Die alle stehen nun hinter einer Initiative der OASIS, der Organization for the Advancement of Structured Information Standards. Unter dem Namen „Topology and Orchestration Specification for Cloud Applications, kurz Tosca, wollen sie Interoperabilitätsstandards erarbeiten, auf dessen Basis sich Cloud-Applikationen zwischen verschiedenen Providern verschieben lassen.
Nun weiß jeder IT-historisch erfahrener Beobachter, besonders ein Kenner der Unix-Geschichte, dass das mit den offenen Standards so eine Sache ist. Standards sind Papierdokumente, und man muss nicht einmal böswillig sein, um die Texte ein wenig anders zu lesen. Jeder hat anschließend das „Open“-Label auf der Software, aber keiner ist es – solange es keine Referenzimplementierung mit einsichtbarem Sourcecode gibt (deswegen ist Open Source so wichtig).
Genau mit der altbackenen Taktik könnten es die genannten Hersteller natürlich auch jetzt wieder probieren. Aber dann werden sie ihr Problem nicht lösen, weil die Anwender seit Unix-Zeiten sensibler geworden sind. Finten verfangen nicht mehr so gut. Deswegen ist eher anzunehmen, dass sie die Sache ernst angehen. Wenn sie es tun, werden es die Anwender honorieren.
Dann werden einige namhafte Anbieter wie Amazon, Google, Microsoft und Oracle, die jetzt noch nicht bei der Tosca-Initiative dabei sind, auch die Zeichen der Zeit erkennen: Vendor Lock-in hat für alle Zeit in der IT keine Zukunft mehr.
Unter dem Motto: “Programmieren lernen ist kinderleicht” findet am 26.04.2012 in der Bonner und in der Berliner Niederlassung der tarent der Girls Day statt.
Wir freuen uns, dass immer mehr Mädchen Interesse an IT-Berufen haben und bieten ihnen am Girls Day mit einem freedroidz Workshop den Einstieg in die Software-Welt.
Als Basis kommen Lego Mindstorms NXT Roboter zum Einsatz, welche in der Programmiersprache Java programmiert werden. Mit den Robotern wird dann Schritt für Schritt erarbeitet, was eine Programmiersprache ist und wie man eine Entwicklungsumgebung bedienen muss. Am Ende des Tages kennt jede Teilnehmerin die wichtigsten Grundlagen von Anwendungsentwicklung.
Wenn Du also lernen willst, wie Du den kleinen Roboter einen Kreis fahren lassen kannst, Du wissen willst, was das Wort „frei“ im Zusammenhang mit Software bedeutet oder Dich interessiert was alles hinter Programmierung steht, dann meld Dich bei uns für den Girls’ Day an! Hier gehts zur Anmeldung.
freedroidz ist ein Nonprofit-Projekt, dass 2007 von der tarent solutions GmbH gegründet wurde, welche dem Projekt die Hardware und die Mitarbeiter bereitstellt, damit Workshops mit Schülern und Schülerinnen erst möglich werden.
Offener Sourcecode ist zwar ein Argument, wird aber keinem Anwender für eine Kaufentscheidung reichen. Es liegt auf der Hand, dass Open-Source-Software mehr braucht, um am Markt anzukommen. Und das geht weit über Produkt-Features hinaus. Dies hat Florian Weikert durch eine Internet-Umfrage für seine Bachelor-Arbeit „Product Features in Commercial Open Source Software“ in Erfahrung gebracht. Sie lässt sich als PDF downloaden von der Website der Open Source Research Group von Professor Dirk Riehle an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg.
Leider war die Teilnahme an der Umfrage sehr schwach. Von den 37 Antworten ließen sich etliche nicht auswerten, weil sie sehr unvollständig waren. Es blieben eigentlich nur die Erklärungen von Softwarehersteller, weil es von Service-Providern und Distributoren zu wenig Feedback gab.
Hersteller von Open-Source-Software schätzen Maintenance, Updates, Garantieerklärungen zur Funktionalität, Features, einfachen Support, Anwenderschulung vor Ort, Installation und Konfiguration sowie Integration als besonders wichtige Produkteigenschaften ein. Als weitgehend irrelevant gelten Non-copyleft-Anwendungsrechte, „Indemnification“ (zum Schutz vor Klagen Dritter), die Zertifizierung von Entwicklung und Prozessen sowie Hosting. Auch beim Gegenchecking, der Analyse, welche Kombinationen von Produkteigenschaften die meisten der Befragten favorisierten, fand sich im Prinzip das gleiche Ergebnis.
Die Basis der Untersuchung ist allerdings zu schmal, um als wirklich fundierte Auskunft gelten zu können. Die Ergebnisse entsprechen dem, was wohl jeder erwarten würde, der ein paar Jahre das Open-Source-Business beobachtet. Der Autor Weikert sieht in seiner Studie auch prompt nicht mehr als eine Grundlage für intensivere Analysen. Immerhin: Der methodische Anfang ist gemacht.
„Während es in der letzten Dekade um Open Source ging, wird es in der nächsten um offene APIs gehen.“ Mit diesem Satz beginnt ein Blog-Eintrag von Matt Asay auf „The Register“. Kompliment, auf diese krasse Art sollte ein Beitrag beginnen,der Verfasser buhlt ja schließlich um Leser. Und dass Asay gut schreiben und reden kann, hat er schon als Manager bei Novell, Alfresco und Canonical gezeigt. Der hat kein Problem damit, sich immer wieder weit aus dem Fenster zu hängen.
Diese Art als Self-Marketing abzutun wäre allerdings doch zu simpel. Denn Asay hat gute Gründe vorzuführen. Er hat es nicht schwer, reihenweise Analysten und andere Marktkenner zu zitieren, dass erstens zunehmend Services die IT beschäftigen. So neu ist das nicht. Wie lange dreht sich die IT-Welt schon um Service Management und die IT Infrastructure Library ITIL? Zweitens bedeuten aber Services etwas anderes als Software; denn sie werden über Anwendungsprogrammier-Schnittstellen, über APIs, bezogen.
APIs sind es, die Services zugänglich machen. Es nimmt nicht Wunder, dass seit etlichen Jahren Firmen, die ihrer IT eine Service-Orientierung geben, massiv an APIs arbeiten. Devise: Nicht Applikationen voraussetzen, nicht alle Anwendungen an all die verschiedenen Geräte anpassen, sondern den Geräten über APIs Zugang zu Softwareservices geben. Asay: „Minimaler Aufwand, maximale Produktivität.“ Das gilt nicht nur für den unternehmensinternen IT-Betrieb, sondern auch für die Integration von Partnern und Kunden.
Funktionieren wird eine solche Orientierung nur, wenn auf offene APIs gesetzt wird. Geschlossene Welten schließen immer andere aus – was dem Service-Ansatz Tiefe nimmt. Es bedarf also einer Standardisierung der APIs. Das ist erst recht wichtig, wenn man über einigermaßen überschaubare Systeme, beispielsweise eines Unternehmens, hinaus an Cloud Computing denkt.
Clouds sind dominiert von proprietären APIs. Ein paar Ansätze zu Offenheit gibt es. Die noch junge Open Cloud Initiative verlangt offene APIs. Auf dem Weg in die Richtung ist das Softwareprojekt OpenStack, in dem auf Anregung von Rackspace und Nasa unter anderem AMD, Citrix, Dell, HP und Intel dabei sind. Es soll eine Open-Source-Alternative zu den proprietären APIs der verschiedenen Cloud-Anbieter schaffen, wobei offenbar insbesondere das Google-Angebot und die Amazon Web Services (AWS) in Richtung größerer Offenheit gedrängt werden sollen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die heute fast durch die Bank mit proprietären APIs daherkommenden Cloud-Anbietern sich öffnen werden, wenn erst die Anfangsinvestitionen eingenommen sind. Offenheit wird das entscheidende Marketing-Argument im Cloud-Computing. Bis dahin aber wird es noch etwas dauern. Auch mit der Bestätigung für die Asay-These, offene APIs würden wichtiger als Open Source.
Cloud Computing ist sind gerade erst aus seiner infantilen, von viel Euphorie begleiteten, ersten Phase herausgewachsen. Im Gartner Hype-Cycle hat es den Hype-Peak hinter sich und beginnt nun den steilen Rutsch abwärts in das „Tal der Desillusionierung“. Nach einiger Zeit unten angekommen wird Cloud Computing langsam einer normaler Teil der IT-Welt. Diese Talsohle und dieser Wendepunkt wird markiert von einem Begriff: Open APIs. Vielleicht auch Open Cloud.
Aber erstens wird bis dahin Open Source ohnehin die Entwicklung der IT prägen, und zwar noch stärker als bisher. Zweitens wird auch danach das Fundament des Cloud Computing das sein, was es heute schon ist: Open Source. Diese zwei Aspekte hat Asay übersehen. Kann passieren.
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