von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 23.04.2012 | Kommentare: 0

In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts war in der IT der öffentlichen Verwaltungen vor allem ein Thema heiß im Gespräch: der Einsatz von Linux und Open-Source-Anwendungen. Einige Kommunen machten damit Schlagzeilen: Schwäbisch Hall, München, Freiburg, Leonberg, Jena, um ein paar herauszuheben. Inzwischen aber ist es doch verdächtig still geworden um den Umbruch in der IT der öffentlichen Verwaltungen.

Zwar gab es zuletzt aus dem „Leuchtturmprojekt“ München gleich zwei sehr positive Meldungen (1, 2). Ansonsten wird eher auf kleiner Flamme gekocht, nicht mehr so öffentlichkeitswirksam gearbeitet. Und manchmal ist der Grund auch noch betrüblicher. In Freiburg steht im Rahmen einer Untersuchung der gesamten IT-Struktur die Fortsetzung der Migration auf OpenOffice in Frage. Leonberg soll sich bereits zur Rückkehr zu MS Office entschieden haben. Besonders bekannt aber ist der Abbruch der Linux-Desktop-Migration in Wien und in der Schweizer Kantonshauptstadt Solothurn.

Dafür hat sich ein anderes Thema in den Vordergrund geschoben: Open Data. Auch hier sind einige Städte schon vorgeprescht, zum Beispiel Berlin und vor allem München, aber auch kleinere Städte wie Lauf bei Nürnberg. Die Bundesregierung war bisher recht verhalten. Aber nach einer Meldung von HeiseOpen soll es jetzt auf einmal ganz, ganz schnell gehen: Bis 2013 will die Bundesregierung Dokumente als Open Data öffentlich machen. Dabei herrscht bezüglich der Nutzungsrechte und Lizenzen bei vielen Bundesministerien offenbar Unklarheit vor.

Gleichwohl sind die IT-Verantwortlichen in deutschen Behörden sicherlich gut beraten, gar nicht erst in solchen Problemen Ausflüchte zu suchen. Sie könnten schnell als „Ewig Gestrige“ ins Abseits geraten. Open Data kommt so oder so. Dafür werden notfalls die EU-Behörden in Brüssel sorgen, und die haben in dieser Hinsicht eben nicht Berlin, sondern vor allem London und Paris als Leuchttürme vor Augen. Denn was in Deutschland in Sachen Open Data bisher geschehen ist, darf sich nicht einmal vergleichen lassen mit dem, was inzwischen in Großbritannien und Frankreich, zwei ebenfalls von konservativen Parteien regierten Ländern, gang und gäbe ist.

Aktuell ist in Frankreich das Thema Open Source sogar Argument im Wahlkampf geworden. Präsident Nicolas Sarkozy hat erklärt, 15 Prozent des staatlichen IT-Budgets würde für Programmierung, Support und Pflege von Open-Source-Anwendungen aufgebracht. Jährlich würde diese Budgetsumme um 30 Prozent steigen. Er verteidigte diese Politik als „strategisch für die Entwicklung des französischen IT-Sektors“. Auch sein Herausforderer im Wahlkampf, François Hollande, betont, diese politische Orientierung müsse noch verstärkt werden.

In Deutschland scheint diesbezüglich alles etwas langsamer zu gehen. Aber es wird klar, dass letztlich Open Source und Open Data nur zwei Seiten einer Medaille sind. Auf deren Rand steht Offenheit.

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