von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.04.2012 | Kommentare: 0

Es sind kaum mehr als drei Wochen, dann versammelt sich in Berlin wieder die Open-Source-Gemeinde, genauer gesagt vom 23. bis 26. Mai auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm zum LinuxTag. Jetzt liegt auch das Vortragsprogramm vor. Und demnach schaut es so aus, als stehe uns eine Veranstaltung mit neuen Themen und brisanten Präsentationen bevor.

Hochkarätige Schirmherrschaft ist beim LinuxTag üblich. In diesem Jahr trägt das Ehrenamt die Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe. Die Eröffnungsrede wird Andreas Statzkowsky halten, Staatssekretär für Inneres und Sport in Berlin sowie CDU-Repräsentant. Gleich danach kann die politische Konkurrenz zu den Themen Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Open Source, Open Data und Netzpolitik ihre Positionen erläutern. Angesagt haben sich Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD), Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) und Alexander Morlang (Piratenpartei).

Am ersten und zweiten Tag der Kongressmesse dominiert der Behörden- und Business-Kongress mit zwei parallelen Vortragsreihen. Am ersten Tag referiert Heinz-M. Graesing von der Stadt Treuchtlingen über „Zehn Jahre Open Source in einer kommunalen Verwaltung“. Das Thema lässt eine selbstkritische Reflektion ebenso erwarten wie der folgende Beitrag von Peter Hofmann aus der Stadtverwaltung München: „Wie wird Linux am Desktop business-tauglich?“ Da fehlt nur das Wörtchen „endlich“.

Der Hammer folgt Tags darauf, denn erstmals tritt ein Vertreter von Microsoft auf dem LinuxTag auf. Es ist James Utzschneider, General Manager Open Source bei Microsoft, der die Open-Source-Strategie seines Unternehmens erläutern soll. Nachdem dieser Softwareriese kürzlich höchst ungewöhnlich ein eigenes Tochterunternehmen für alles gegründet hat, was mit Open Source und Standards zu tun hat, ist zu erwarten, dass er viele Fragen eines nicht unbedingt höflich lauschenden Publikums zu erwarten hat.

Am Freitag geht es vor allem um das Thema Cloud Computing. Dass dieses Thema von der Open-Source-Gemeinde inzwischen offensiv angegangen wird, zeigt sich schon am Eröffnungsvortrag von Univention-Chef Peter Ganten: „Die Rolle von Open Source und Open Standards im Cloud-Zeitalter“. Ganten ist auch Vorsitzender der Open Source Business Alliance, in der es eine Arbeitsgruppe „Deutsche Wolke“ gibt. Am Samstag hat noch einmal die Piratenpartei ein Forum. Philip Brechler von ihrer Berliner Landtagsfraktion hat sich ein Thema vorgenommen, dass so klar auf dem LinuxTag noch nicht gestellt wurde: „Wie Open Source der Politik helfen kann“.

Im letzten Jahr war es nur eine Diskussionsrunde am Rande des LinuxTags, in diesem Jahr ist es in der Open Source Arena am 24.Mai gleich ein Themenblock: „Open Minds Economy“, auch das ist ein Anstoß der Open Source Business Alliance. Dabei geht es um Definition, Bedingungen, Erfolgsfaktoren und Hemmnisse einer offenen Zusammenarbeit in Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft. Die Themen Bildung und freier Zugang zu Lernmaterialen stehen dabei im Vordergrund.

Schon am Eröffnungstag stellt sich „open valley berlin“ vor. Deutschlands Hauptstadt möchte ja erklärtermaßen das Silicon Valley Europas werden. Wie es in der Wirklichkeit ausschaut, sollen Fallbeispiele aus der Region aufzeigen. Themen sind beispielsweise das „Berlin Open Data Portal“ oder die Arbeiten von Berliner Open-Source-Unternehmen.

Wie seit vielen Jahren wird natürlich auch die tarent wieder auf dem LinuxTag dabei sein. Und tarent ist dort nachgerade berühmt für eine alles andere als konventionelle Präsentation. Man darf auch 2012 gespannt sein. Dieser LinuxTag wird bunter, verspricht mehr kontroverse Diskussionen denn je.

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