von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 04.05.2012 | Kommentare: 0

Fast zum gleichen Zeitpunkt haben sich kürzlich Risikokapitalanleger bei zwei Open-Source-Unternehmen eingekauft. Vier Millionen Dollar bekam SkySQL in einer ersten Investitionsrunde, 30 Millionen sammelte Eucalyptus ein. Beide Fälle sind recht aufschlussreich. Denn nachdem es in den letzten Jahren einen ständigen Rückgang der Investitionen in Open-Source-Unternehmen gegeben hatte, zeigen sich in diesen Fällen durchaus Muster, die dafür sprechen, dass Investoren Open Source wieder als vorteilhaftes Geschäftsmodell ansehen.

SkySQL gibt es erst seit eineinhalb Jahren, und es ist kein Unternehmen, das Open-Source-Software herstellt. Im wesentlichen macht die Firma ihr Geschäft mit Support und Beratung für die Open-Source-Datenbank MySQL. Die gehört Oracle, und der Datenbankriese hat durch rabiate Preiserhöhungen für Support viele Anwender gegen sich aufgebracht. Die suchen nun nach Alternativen, aber eigentlich gibt es da nur eine, nämlich SkySQL. Nach einer alten Weisheit der Volkswirtschaftslehre ist neben einem Monopolisten am Markt (Oracle) immer Platz für mindestens einen zweiten Anbieter, eben SkySQL.

Deren Investoren setzen anscheinend nicht nur auf die millionenfache Verbreitung von MySQL, was allein schon eine „Business Opportunity“ ist. Risikokapital setzt auf die Zukunft. Das heißt in diesem Fall, dass Kapitalgeber meinen, Oracle werde wie auch schon im Fall OpenOffice und Java nicht den angemessenen Umgang mit Open-Source-Software lernen. Hier sagen die Geldgeber also: Erstens können proprietär aufgestellte Unternehmen nicht Open Source. Zweitens ist das ein Markt mit riesigen Perspektiven.

Parallelen dazu weist das Beispiel Eucalyptus auf. Dieser Anbieter bildet die Programmierschnittstellen des weltweit größten Cloud-Angebots Amazon Web Services (AWS) als Open Source nach. Diese lassen sich dann in der klassischen lokal vorhandenen IT-Infrastruktur (on premise) ebenso nutzen wie für Private Clouds oder eben den Zugang zur Public Cloud AWS. Das ist erstens ein durchgängiges Konzept und birgt zweitens eine Perspektive, Cloud Computing offen zu halten, nicht im Anbieter-Lock-in gefangen zu werden. Nach einigen Irrwegen in den letzten Jahren ist das Unternehmen jetzt wieder auf einen konsequenteren Open-Source-Kurs zurückgekehrt. Die Belohnung war die dritte Investitionsrunde mit 30 Millionen Dollar Einnahmen.

Es scheint also, das lehren die Beispiele Eucalyptus und SkySQL, durchaus institutionelle Investoren zu geben, denen das Vorzeichen „Open“ perspektivisch besser Marktchancen signalisiert. Hier geschieht etwas völlig anderes als in den späten 90er Jahren des letzten Jahrhundert. Jetzt wird nicht mehr jeder halbwegs plausibel klingenden, Internet-basierenden Idee hinterher gerannt.

Vielmehr haben einige Investoren wohl erkannt, dass ganz viel von dem, worauf die Anwender heutzutage setzen, sich unter dem Begriff Offenheit zusammenfassen lässt. Open Standards, Open Source, Open Cloud, Open Data, Open Innovation… Die Zukunft liegt auf der Hand. Ob allerdings die Ziele entsprechend aufgestellter Unternehmen so „open“ bleiben, ist nicht unbedingt gesagt. Die Kapitalgeber wollen nur eins: „Return on Investment“. Deren Maxime Kapitalvermehrung steht über dem der Offenheit als Business-Orientierung. Deswegen werden sehr viele Open-Source-Unternehmen vor Risikokapital zurückschrecken und – trotz der Meldungen von SkySQL und Eucalyptus – an diesem Markt weiterhin eine marginale Rolle spielen.

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