Open Source Goes Politics

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.06.2012 | Kommentare: 0

Früher hatte die Open-Source-Gemeinde mit Politik nichts am Hut, jedenfalls nicht mit einem Teil: „Lobby-Arbeit“ war ein Unwort. Das ist heute auch noch so, aber die Scheu, sich mit den Repräsentanten der Politik direkt auseinander zu setzen, ist geringer geworden. Es ist offensiver von „Interessenvertretung“ die Rede. So benannte die Open Source Business Alliance (OSBA) in einer Pressemitteilung aus dem November 2011 „Mitwirkung an der Schaffung und Sicherung guter Rahmenbedingungen für Hersteller und Anwender“ als ihr Ziel.

Auf dem diesjährigen LinuxTag war schon klar zu erkennen, dass es nicht mehr nur um offenen Quellcode, offene Standards und Schnittstellen geht. Unter dem Titel „Open Minds Economy“ veranstaltete die OSBA eine ganztägige Vortragsreihe, die „den Wert offener Denkkultur in Industrie, Politik und Gesellschaft“ belegen sollte. Sie sollte, so hieß es in einer Vorankündigung, „die nachhaltige Wertschöpfung durch offene Formen der Zusammenarbeit“ herausarbeiten. Die Vorträge und die Diskussion sollten „die Diskussion über Definition, Bedingungen, Erfolgsfaktoren und Hemmnisse offener Zusammenarbeit in Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft voranbringen“. Das gelang allerdings nicht in jeder Hinsicht.

Als Themen waren vorab Open Collaboration von Herstellern proprietärer und Open-Source-Software auf der Basis von Industriestandards sowie von Herstellern und Anwendern, Open Innovation, Open Data im öffentlichen Sektor sowie Open Access im Bildungsbereich genannt worden. Tatsächlich waren manche Vorträge im Rahmen der Berliner Veranstaltung deutlich produktbezogen oder betonten (wie im Fall IBM) nur die Zuneigung einer Firma zu Open-Source-Software, blieben also im Softwarerahmen, statt über diesen Tellerrand hinauszublicken.

Unter mehreren gleichwohl guten Beiträgen gelang Dirk Riehle von der Universität Erlangen-Nürnberg eine bemerkenswerte Ausnahme mit seinen Erläuterungen über „Erfolgsmethoden zur Erstellung offener Lehrmaterialien“, die Deutschlands einziger Open-Source-Professor „Open Education Ressources“ nennt. Souverän erläuterte er, warum er im Gegensatz zu der überwältigenden Mehrheit seiner Professorenkollegen, seine Lehrmaterialien nicht mit Copyright-Vermerken vor Weitergabe schützt, sondern sie offen herausgibt, um für Verbreitung zu sorgen. Sein Hauptargument: „Das Feedback ist besser“, Offenheit rege die wissenschaftliche Diskussion an.

Der OSBA-Initiative auf dem LinuxTag folgte kurz darauf eine weitere bemerkenswerte Ankündigung. Der ITK-Branchenverband Bitkom wird am 26. Juni in Berlin ein Open-Source-Forum mit dem etwas merkwürdigen Titel „Von Android bis Zuse“ veranstalten. Sponsoren der Veranstaltung sind nicht nur die OSBA und ihre Arbeitsgruppe Deutsche Wolke, sondern auch Vereinsmitglieder wie Red Hat, Science + Computing, Suse, tarent AG, Univention und Zarafa. tarent AG- Vorstand Elmar Geese wird auf dieser Veranstaltung einen Vortrag halten und an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Die OSBA wird also massiv im Bitkom aktiv.

So etwas wäre in Open-Source-Kreisen vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar gewesen. Der Bitkom war verrufen als Lobby-Veranstaltung der proprietären Softwarehersteller. Jetzt stellt die Open-Source-Gemeinde in genau diesem Verband etwas dagegen, nämlich einen eigenen Open-Source-Arbeitskreis. So nach dem Motto: „Yes, we can also!“

In dem Arbeitskreis ist übrigens in Person von Andreas Urban Microsoft vertreten – auch ein Sponsor der Bitkom-Veranstaltung. Man trifft sich, zwar noch längst nicht auf Augenhöhe, aber man trifft sich auf einem Level, auf dem Open Source vor wenigen Jahren noch nicht zu sehen war. Liegt es jetzt am Erfolg der Piratenpartei, dass IT plötzlich ein Thema der Politik geworden ist? Keine Ahnung, aber eins steht fest: Open Source, offene Standards, NoPatents und alle diese Themen, welche die Community seit Jahren umtreibt, haben politische Wahrnehmung gewonnen.

Netzpolitik.org : Ein Interview mit freedroidz

von: Nina Keller | am: 12.06.2012 | Kommentare: 0

Das Open Source Projekt freedroidz, was sich zum Ziel gemacht hat Kindern das Programmieren von Software näher zu bringen, wurde auf dem diesjährigen LinuxTag von dem bekannten Blog “Netzpolitik.org” interviewt. Den kompletten Artikel und das Video vom Interview findet Ihr HIER.

Die tarent AG unterstützt freedroidz finanziell und ermöglicht so das Angebot von kostenfreien freedroidz Workshops. In den Workshops lernen Kinder und Jugendliche erste Schritte der Softwareentwicklung. Mehr über freedroidz erfahrt ihr im freedroidz Wiki.

 

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