Der LinuxTag ist der führende Treffpunkt rund um Linux und Open Source in Europa. 2012 präsentiert sich der 18. LinuxTag vom 23. bis 26. Mai 2012 zum sechsten Mal auf dem Berliner Messegelände.
Wir laden Sie ein, uns auf unserem Stand in Halle 7.2b zu besuchen: Schicken Sie dazu einfach ein E-Mail mit dem Betreff “Linuxtag” an marketing@tarent.de. Wir schicken Ihnen dann Ihren Gutscheincode für die Tageskarte zu (solange der Vorrat reicht).
Und auch das freie Projekt freedroidz ist natürlich wieder mit dabei. Hier wird wieder einmal gezeigt, wie spielend einfach das Programmieren erlernt werden kann.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und vier fantastische Tage auf dem LinuxTag!
Fast zum gleichen Zeitpunkt haben sich kürzlich Risikokapitalanleger bei zwei Open-Source-Unternehmen eingekauft. Vier Millionen Dollar bekam SkySQL in einer ersten Investitionsrunde, 30 Millionen sammelte Eucalyptus ein. Beide Fälle sind recht aufschlussreich. Denn nachdem es in den letzten Jahren einen ständigen Rückgang der Investitionen in Open-Source-Unternehmen gegeben hatte, zeigen sich in diesen Fällen durchaus Muster, die dafür sprechen, dass Investoren Open Source wieder als vorteilhaftes Geschäftsmodell ansehen.
SkySQL gibt es erst seit eineinhalb Jahren, und es ist kein Unternehmen, das Open-Source-Software herstellt. Im wesentlichen macht die Firma ihr Geschäft mit Support und Beratung für die Open-Source-Datenbank MySQL. Die gehört Oracle, und der Datenbankriese hat durch rabiate Preiserhöhungen für Support viele Anwender gegen sich aufgebracht. Die suchen nun nach Alternativen, aber eigentlich gibt es da nur eine, nämlich SkySQL. Nach einer alten Weisheit der Volkswirtschaftslehre ist neben einem Monopolisten am Markt (Oracle) immer Platz für mindestens einen zweiten Anbieter, eben SkySQL.
Deren Investoren setzen anscheinend nicht nur auf die millionenfache Verbreitung von MySQL, was allein schon eine „Business Opportunity“ ist. Risikokapital setzt auf die Zukunft. Das heißt in diesem Fall, dass Kapitalgeber meinen, Oracle werde wie auch schon im Fall OpenOffice und Java nicht den angemessenen Umgang mit Open-Source-Software lernen. Hier sagen die Geldgeber also: Erstens können proprietär aufgestellte Unternehmen nicht Open Source. Zweitens ist das ein Markt mit riesigen Perspektiven.
Parallelen dazu weist das Beispiel Eucalyptus auf. Dieser Anbieter bildet die Programmierschnittstellen des weltweit größten Cloud-Angebots Amazon Web Services (AWS) als Open Source nach. Diese lassen sich dann in der klassischen lokal vorhandenen IT-Infrastruktur (on premise) ebenso nutzen wie für Private Clouds oder eben den Zugang zur Public Cloud AWS. Das ist erstens ein durchgängiges Konzept und birgt zweitens eine Perspektive, Cloud Computing offen zu halten, nicht im Anbieter-Lock-in gefangen zu werden. Nach einigen Irrwegen in den letzten Jahren ist das Unternehmen jetzt wieder auf einen konsequenteren Open-Source-Kurs zurückgekehrt. Die Belohnung war die dritte Investitionsrunde mit 30 Millionen Dollar Einnahmen.
Es scheint also, das lehren die Beispiele Eucalyptus und SkySQL, durchaus institutionelle Investoren zu geben, denen das Vorzeichen „Open“ perspektivisch besser Marktchancen signalisiert. Hier geschieht etwas völlig anderes als in den späten 90er Jahren des letzten Jahrhundert. Jetzt wird nicht mehr jeder halbwegs plausibel klingenden, Internet-basierenden Idee hinterher gerannt.
Vielmehr haben einige Investoren wohl erkannt, dass ganz viel von dem, worauf die Anwender heutzutage setzen, sich unter dem Begriff Offenheit zusammenfassen lässt. Open Standards, Open Source, Open Cloud, Open Data, Open Innovation… Die Zukunft liegt auf der Hand. Ob allerdings die Ziele entsprechend aufgestellter Unternehmen so „open“ bleiben, ist nicht unbedingt gesagt. Die Kapitalgeber wollen nur eins: „Return on Investment“. Deren Maxime Kapitalvermehrung steht über dem der Offenheit als Business-Orientierung. Deswegen werden sehr viele Open-Source-Unternehmen vor Risikokapital zurückschrecken und – trotz der Meldungen von SkySQL und Eucalyptus – an diesem Markt weiterhin eine marginale Rolle spielen.
In einem überraschenden Manöver hat Microsoft eine zu 100 Prozent beherrschte Tochtergesellschaft namens Microsoft Open Technologies Inc. (MSOT) gegründet. Die soll alle Aktivitäten der Muttergesellschaft in Sachen Open Source übernehmen. Sie besteht im Kern aus dem bisherigen Team für „Interoperability Strategy“; das sind, wie zwischenzeitlich zu erfahren war, weltweit so 50 bis 70 Personen. Auch wenn das ein Fliegenschiss auf der Payroll von Microsoft ist, handelt es sich um mehr als eine Eintagsfliege.
Der Chef der MSOT ist Jean Paoli, den nur kennt, der in internationalen Standardisierungsgremien engagiert ist. Da tummelt der sich schon lange herum, unter anderem gehört er zu denen, welche die erste XML-Spezifikation unterbreiteten. Es wundert nicht, dass Paoli in seiner Bekanntgabe des neuen Tochterunternehmens die Zusammenfassung der Microsoft-Arbeiten in Standardisierungsgremien als oberste konkrete Aufgabe benannte. Es folgte das Bekenntnis zur Mitarbeit in weiteren Open-Source-Initiativen wie der Apache Software Foundation und der von Microsoft belebten Outercurve Foundation. Die HeiseOpen-Behauptung, dass die MSOT „nichts an dem Vorgehen ändern soll, wie Microsoft bislang mit Open Source Communities … sowie Komitees für offene Standards … verfährt“, lässt sich aus dem Blog-Entry von Paoli nicht erkennen.
Bisher hat Microsoft in Richtung Open Source mit Vorliebe den Begriff „Interoperability“ verwendet. Die neue Company aber ist laut Paoli eine „Investition in Offenheit – einschließlich Interoperabilität, offene Standards und Open Source“. Das ist eine Akzentverschiebung. Vermutlich ist das für die Microsoft-internen Sprachregeln wichtiger als für den Rest der Welt. Denn man muss akzeptieren, dass in einem Unternehmen, welches von proprietären Lizenzen (fürstlich) lebt, modernere, alternative Trends auf massiven Widerstand treffen müssen. Vor allem von oben. Folglich ist diese Gründung ein Hinweis auf strategische Dissonanzen im MS-Topmanagement.
Grünes Licht zur Gründung der Tochtergesellschaft hat es wohl vor allem gegeben, weil sie es ermöglicht, einfacher und schneller Open Source-Software zu veröffentlichen und anderen Quellcode zu akzeptieren. Jedenfalls betont Paoli diese Aspekte in seiner Erklärung. Und er fügt gleich an, die Kunden hätten mit ihren heterogenen Umgebungen durch diese Brückenfunktion der neuen Firma mehr Auswahlmöglichkeiten aus der Microsoft- und der Open-Source-Welt.
Mit einer selbständigen Tochter ist Microsoft da rechtlich erst einmal aus der Schusslinie, jedenfalls aus der vordersten. Angesichts der aktuellen Patentkriege ist das nicht unwichtig. Interessant ist eher, dass Microsoft früher gern behauptet hat, Open Source verletzte Hunderte eigener Patente. Im Zweifelsfall könnte man immer noch auf Open Source schießen und dabei die Tochtergesellschaft notfalls opfern.
Auf solche Überlegungen – und noch mehr – ist auch Simon Phipps, der einstige Open-Source-Chef von Sun und heutiger Vertreter in diversen Open-Source-Gremien, in seinem Blog für die „Computerworld UK“ gekommen. Vielleicht war es ein Schnellschuss; jedenfalls hält sich der Rest der bekannten Beobachter der Szene auffallend zurück. Lasst Taten sprechen, scheint der „Oberbau“ Microsoft zu signalisieren. Der „Unterbau“ (um einmal in der 68er-Sprache zu bleiben) verlangt ebenfalls zum Beispiel in den Kommentaren auf dem Paoli-Blog ebenfalls mehr Taten, zum Beispiel Richtung WebGL. Im Übrigen ist hier die Skepsis größer, wobei immer wieder in Erinnerung gebracht wird, was Microsoft in den letzten Jahren gegen Open Source herausposaunt hat. Jetzt trifft die Gründung von Microsoft Open Technologies nicht etwa auf Zustimmung, sondern auf größte Skepsis. Geschichte hat etwas Übles und Gutes: Sie ist klebrig. IT-Anwender werden gut daran tun, die IT-Geschichte niemals aus den Augen zu verlieren, auch nicht ihre Sprücheklopfereien und Kapriolen.
In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts war in der IT der öffentlichen Verwaltungen vor allem ein Thema heiß im Gespräch: der Einsatz von Linux und Open-Source-Anwendungen. Einige Kommunen machten damit Schlagzeilen: Schwäbisch Hall, München, Freiburg, Leonberg, Jena, um ein paar herauszuheben. Inzwischen aber ist es doch verdächtig still geworden um den Umbruch in der IT der öffentlichen Verwaltungen.
Zwar gab es zuletzt aus dem „Leuchtturmprojekt“ München gleich zwei sehr positive Meldungen (1, 2). Ansonsten wird eher auf kleiner Flamme gekocht, nicht mehr so öffentlichkeitswirksam gearbeitet. Und manchmal ist der Grund auch noch betrüblicher. In Freiburg steht im Rahmen einer Untersuchung der gesamten IT-Struktur die Fortsetzung der Migration auf OpenOffice in Frage. Leonberg soll sich bereits zur Rückkehr zu MS Office entschieden haben. Besonders bekannt aber ist der Abbruch der Linux-Desktop-Migration in Wien und in der Schweizer Kantonshauptstadt Solothurn.
Dafür hat sich ein anderes Thema in den Vordergrund geschoben: Open Data. Auch hier sind einige Städte schon vorgeprescht, zum Beispiel Berlin und vor allem München, aber auch kleinere Städte wie Lauf bei Nürnberg. Die Bundesregierung war bisher recht verhalten. Aber nach einer Meldung von HeiseOpen soll es jetzt auf einmal ganz, ganz schnell gehen: Bis 2013 will die Bundesregierung Dokumente als Open Data öffentlich machen. Dabei herrscht bezüglich der Nutzungsrechte und Lizenzen bei vielen Bundesministerien offenbar Unklarheit vor.
Gleichwohl sind die IT-Verantwortlichen in deutschen Behörden sicherlich gut beraten, gar nicht erst in solchen Problemen Ausflüchte zu suchen. Sie könnten schnell als „Ewig Gestrige“ ins Abseits geraten. Open Data kommt so oder so. Dafür werden notfalls die EU-Behörden in Brüssel sorgen, und die haben in dieser Hinsicht eben nicht Berlin, sondern vor allem London und Paris als Leuchttürme vor Augen. Denn was in Deutschland in Sachen Open Data bisher geschehen ist, darf sich nicht einmal vergleichen lassen mit dem, was inzwischen in Großbritannien und Frankreich, zwei ebenfalls von konservativen Parteien regierten Ländern, gang und gäbe ist.
Aktuell ist in Frankreich das Thema Open Source sogar Argument im Wahlkampf geworden. Präsident Nicolas Sarkozy hat erklärt, 15 Prozent des staatlichen IT-Budgets würde für Programmierung, Support und Pflege von Open-Source-Anwendungen aufgebracht. Jährlich würde diese Budgetsumme um 30 Prozent steigen. Er verteidigte diese Politik als „strategisch für die Entwicklung des französischen IT-Sektors“. Auch sein Herausforderer im Wahlkampf, François Hollande, betont, diese politische Orientierung müsse noch verstärkt werden.
In Deutschland scheint diesbezüglich alles etwas langsamer zu gehen. Aber es wird klar, dass letztlich Open Source und Open Data nur zwei Seiten einer Medaille sind. Auf deren Rand steht Offenheit.
Smartphones und Tablets gibt es noch nicht so lang, aber schon sind sie der Alptraum der IT-Verantwortlichen. Ihre Nutzung lässt sich nicht einschränken. In den zahllosen Internet-Foren zu Cloud Computing sind mobile Endgeräte das Hauptthema – und vor allem das Kürzel BYOD, was für „Bring Your Own Device“ steht. Kurz: Die Anwender dürfen ihre favorisierten mobilen Geräte für Firmenzwecke nutzen. Das erspart den Firmen Hardware-Investitionen, aber es hebt prompt alle Sicherheitsmängel privater IT auf die Unternehmensebene.
In den Internet-Foren gibt es eine eindeutige Mehrheit der IT-Spezialisten gegen das Konzept BYOD. Aber sehr oft bringen sie klar ihre Hilflosigkeit zur Sprache: Vorstand, Topmanager, Abteilungsleiter wollen auf die coolen Geräte nicht verzichten und setzen die IT unter Druck. Diesem wird sie sich auf Dauer nicht entziehen können.
In Sorge um die Sicherheit ihrer IT-Umgebungen meinen alle IT-Verantwortlichen, rigide Policies durchsetzen zu müssen. Die können zum Beispiel vorschreiben, dass bestimmte unsichere Zugangswege wie UMTS generell ausgeschlossen sind. Sie können aber auch so weit gehen, dass eine Kontrolle der Endgeräte erfolgt. Ein spezieller Virenschutzmechanismus kann beispielsweise dafür sorgen, dass befallene Geräte sofort keinen Zugang mehr zur Private Cloud haben. Solche Schutzmaßnahmen müssen eine weitere Dimension umfassen, seit bekannt ist, dass Smartphone-Apps Daten an unbekannte Server schicken. Nur das beschwört schon einen Konflikt mit dem Datenschutzrecht herauf.
Policies erscheinen völlig logisch, haben aber einen Haken: Sie werden immer als Einschränkung verstanden, und folglich könnte es bald unterschwelligen Widerstand gegen die IT als „Controllettis“ und „Reglementierer“ geben. Dieser Widerstand käme „von oben“ – just während gleichzeitig die IT versucht, mit der Erschließung verschiedener Formen von Cloud Computing sich selbst und (!) den Anwendern mehr Flexibilität und Entscheidungsfreiheit zu verschaffen.
Nun könnte man statt von Policies – das klingt eh nach Polizei – von „Hygiene-Regeln“ sprechen. Hygiene klingt positiv, man muss recht wenig machen, um sich nicht anzustecken. Aber sprachliche Vernebelung wird nicht viel helfen.
Wirkungsvoller wäre wohl eine andere Positionierung. Die IT sollte nicht einschränkende Vorschriften machen, sondern etwas anbieten: Wir unterstützen bestimmte Standards, zum Beispiel HTML5, IMAP, LDAP, ODF, PDF etc. Alle Geräte, die damit arbeiten können, sind zugelassen. Das macht die notwendige Kontrolle über den Sicherheitslevel der privaten Devices eher akzeptabel.
Aus München kommen erstmals betriebswirtschaftliche Zahlen zu den Kosten und Ersparnissen der Migration von Microsoft auf Open Source. Die hat Oberbürgermeister Christian Ude hat in einer Antwort auf eine Anfrage der CSU im Stadtrat vorgelegt. Und sie könnten andere Kommunen ermuntern, sich ebenfalls von Windows und MS-Office abzuwenden – zumindest aber eignen sie sich bestens als Druckmittel in Lizenzverhandlungen mit Microsoft.
Die Stadt hat durchgerechnet, was das LiMux-Projekt gekostet hat und was ein weiterer Betrieb mit Windows gekostet hätte. Das LiMux-Projekt ist bis Ende Dezember 2011 11,7 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Wäre es bei Windows-Systemen geblieben, hätte das 11,8 Millionen Euro gekostet. Diese Berechnung berücksichtigt allerdings nur 7500 Windows-Lizenzen, die vor zwei Jahren als ersetzbar angesehen wurden. Zum Ende letzten Jahres waren allerdings schon 9600 PCs auf Linux umgestellt (inzwischen sind es sogar 10.000, wie hier gemeldet). Daher muss man noch 1,65 Millionen Euro zu den Windows-Kosten hinzuaddieren. Außerdem wurde das LiMux-Projekt um ein in Windows-Zeiten nicht vorhandenes Anforderungs- und Testmanagement erweitert, das 2,08 Millionen Euro gekostet hat.
Insgesamt hätte München für ein Weitermachen mit Windows 15,52 Millionen Euro berappen müssen. Die Linux-Migration hat also rund 25 Prozent Kosten erspart, obwohl jede Umstellung per se ins Kontor haut. Das ist aber noch nicht alles. Im Microsoft-Szenario wären alle drei bis vier Jahre Updates von Windows und Office notwendig gewesen. Bei rund 10.000 PCs wären dafür 2,8 Millionen Euro fällig gewesen. Bei Linux und anderen Open-Source-Produkten entstehen solche Kosten nicht.
Interessanterweise ging Münchens OB Ude auch auf Anwenderprobleme ein, deren Zunahme die CSU-Fraktion im Stadtrat in ihrer Anfrage vermutete. Nichts dergleichen ist zu erkennen. Es lässt sich nicht verfolgen, welche Anfragen beim Helpdesk sich darauf bezogen, dass die User mit ihrer neuen Umgebung trotz diverser Schulungen nicht zurechtkamen. Denn hier schlagen auch die Incidents und Events durch andere Störungen (Server, Netz, Datenbanken, externe Kommunikationsverbindungen etc.) auf.
Allerdings deutet einiges darauf hin, dass die Zunahme der LiMux-Arbeitsplätze sogar mit einer Abnahme der Incidents einhergeht. Denn die Zahl der Störungsmeldungen ist von maximal 70 pro Monat auf 46 gesunken. Und das, obwohl gleichzeitig die Zahl der Linux-Desktops immer mehr zugenommen hat.
Auch die Zahl der monatlichen Störungsmeldungen pro LiMux-Arbeitsplatz nimmt stetig ab. Die Zahl der monatlichen Tickets pro 1000 Linux-PC lag Anfang 2009 noch bei 46, seit September 2010 sind es fast regelmäßig weniger als fünf. Und das trotz einer schnellen Zunahme der Linux-Desktops. In einer vergleichenden Grafik von Zahl der Linux-PCs und Fehlermeldungen musste die Zahl der Tickets zehnfach erhöht werden, um überhaupt noch über der Nulllinie erkennbar zu sein.
OB Ude konnte es sich in seiner Antwort an die CSU leisten, die finanziellen Ergebnisse nicht einmal zu bewerten. Sie sind ohnehin eine klare Klatsche. Zum zweiten Aspekt lobte er „eine stetig wachsende Qualität des LiMux-Arbeitsplatzes“ und den Service der städtischen IT-Organisation.
In Sachen Open Data sind uns die USA und sehr viele europäische Länder, vor allem England und Frankreich, wahnsinnig weit voraus. Es scheint in deutschen Amtsstuben eine Mischung aus Rat- und Mutlosigkeit zu herrschen. Wo sich Kommunen denn etwas aus der Deckung trauen, sind es allesamt Alleingänge, die folglich auch nicht eine breite Öffnung zur Folge haben. Das wurde hier schon bei der Open Government-Initiative von Berlin kritisiert. Und in München, wo man sich im letzten Jahr ebenfalls öffentlichkeitswirksam aus dem Fenster gelehnt hat, schaut es nicht besser aus.
Von einer Kooperation der Städte im bundesdeutschen Raum ist nichts zu vernehmen. Die Verantwortlichen laufen sich bestenfalls gelegentlich über den Weg, aber sie unternehmen nichts gemeinsam. Dabei gibt es Überlegungen in Richtung Open Government und Open Data in vielen deutschen Städten, insbesondere den großen. Aber anscheinend haben die Verantwortlichen nicht recht die Traute, die auch zu in die Praxis umzusetzen. Den Mut braucht es auf zwei Seiten, bei den IT-Verantwortlichen, wie bei den Lokalpolitikern.
Beiden könnte das „Open Data Handbook“ helfen, dessen erste Version die Open Knowledge Foundation gerade veröffentlicht hat. Dieser Leitfaden gibt öffentlichen Verwaltungen vor allem Praxisempfehlungen zur Umsetzung einer Open-Data-Politk. Er behandelt Fragen wie die nach den empfehlenswerten Lizenzen und Datenformaten, der Öffentlichkeitsarbeit und der Integration der Bürger. Momentan gibt es das Handbuch zum Download noch nur in englischer Sprache, eine deutsche Version ist in Vorbereitung.
In den Gesprächen von Arbeitgebern und Jobbewerbern dürfte in sehr naher Zukunft ein neues Zeugnis eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen: Das Linux Professional Institute (LPI) bietet ab Juni dieses Jahres die Zertifizierung „Linux Essentials“ an. Sie bestätigt die erfolgreiche Absolvierung einer Prüfung, in der Grundkenntnisse über Linux und andere Open-Source-Programme nachgewiesen wurden.
Das Zeugnis bestätigt Wissen in fünf Themenkomplexen: Linux-Systeme und Open-Source-Anwendungen mit ihren Lizenzformen, allgemeine Orientierung in einem Linux-System (Arbeiten mit Dateien, Verzeichnissen und Protokolldateien), Nutzung der Kommandozeile und Skripte, Wahl von Betriebssystem, Hardware, Storage und Netzwerk sowie Sicherheit und Dateiberechtigungen. Im Detail ist das nicht ohne Anspruch, aber mit etwas Einsatz durchaus zu schaffen (ausführlicher hier).
Besonderen Zuspruch für dieses Zertifikat verspricht sich das LPI unter Berufsschülern, die mit ihm ihre Chancen auf eine Karriere in ihren Jobs deutlich verbessern könnten, erklärt Klaus Behrla, LPI-Geschäftsführer in Zentra-Europa. Aber auch andere Quereinsteiger, die nicht Informatik studiert haben, aber mehr Wissen über Linux benötigen und bestätigt wissen wollen, sollen damit angesprochen werden, zum Beispiel Entscheidungsträger in der Wirtschaft, Mitarbeiter in den öffentlichen Verwaltungen, Journalisten und Geschäftsleute. Damit adressiert das LPI ein deutlich niedrigeres Level als mit seinen Linux-Prüfungen C-1 bis C-3. Die setzen eingehende Linux- und Programmierkenntnisse voraus, was man schon daran ablesen kann, dass weltweit in bisher insgesamt 300.000 Prüfungen nur jeder dritte Kandidat bestanden hat.
Das LPI definiert traditionell nur die Prüfungsanforderungen für das Essentials-Programm. Für die Ausbildung muss der Interessent selbst sorgen. Dafür gibt es in Deutschland etliche Dutzend private Schulungsinstitutionen, deren Kurse aber so um die 1000 Euro kosten. Da ist für die meisten Jugendlichen doch der Führerschein, das Auto, die Wohnung oder die Disco wichtiger. Viel günstiger geht es über Kurse an staatlichen Schulungszentren, im Berufsschulunterricht oder im Selbststudium.
Die städtische Berufsschule für Informationstechnik in München (www.bsinfo.musin.de) wird ab dem Sommer ein eigenes Unterrichtsskript frei zur Verfügung stellen und auch einen eigenen Lehrgang einrichten. Eine andere Lernunterlage gibt es bereits heute kostenlos als PDF unter einer Creative-Commons-Lizenz von der Linup Front GmbH, Download unter: http://shop.linupfront.de/product/lxes/. Im Verlag Open Source Press wird voraussichtlich im August das Buch „Linux Essentials – Vorbereitung auf die Prüfung des Linux Professional Institute“ von Michael Gisbers und Christian Hesse zu Preis von 19,90 Euro erscheinen.
Kein deutsches Open-Source-Projekt ist so ausdauernd und stark angefeindet worden, wie der Abkehr der Stadt München von Microsoft. Immer wieder haben die Gegner damit argumentiert, dass die ursprünglichen Zeitpläne überschritten wurden, ergo der Stadt die Kosten um die Ohren fliegen. Besser wäre es gewesen, gleich bei Microsoft zu bleiben. Zumal die Firma einst ihren Boss Steve Ballmer persönlich einfliegen ließ, um die Stadtoberen mit besonders günstigen Konditionen auf Linie zu halten. Denn München ist weltweit die erste Millionenmetropole, die von Microsoft auf Open Source wechselt.
Aus dem Fanal schien manchen schon ein Flämmchen zu werden, denn es dauerte und dauerte in München. Dabei war es die alte Microsoft-Landschaft gewesen, in der Abteilungen und einzelne Stadtangestellte in Eigenregie unglaubliche „IT-Kreativität“ entfaltet hatten. Die Projektverantwortlichen entdeckten schon in der ersten Durchsicht 7.000 Makros, Vorlagenobjekte und Formulare (MVF), später zeigte sich, dass es sogar 21.000 davon gab. Es gab also reichlich zu entmisten.
Allein bei den Makros war das Bild schon verheerend. Davon gab es rund 900, Dublikate nicht gerechnet, größtenteils ungesteuert und undokumentiert. Ein Fünftel von ihnen ließ sich schon dadurch einsparen, dass man in Basismakros Funktionen zum personenspezifischen Vorausfüllen von Briefköpfen einführte. Jetzt gibt es noch rund 100 Makros für Fachanwendungen und 38 zentral gepflegte Web-Anwendungen, die allesamt dokumentiert sind und in einem Repository zur Verfügung stehen. Die Office-Vorlagen und -Formularen ließen sich um 40 Prozent zusammenstreichen.
Diese Arbeit ist nun abgeschlossen. Makros, Vorlagenobjekte und Formulare sind auf OpenOffice migriert. Wesentlich für diesen Erfolg war die von den Münchner Projektverantwortlichen selbst erstellt Lösung „Wollmux“. Sie ist Open Source und wird inzwischen auch in anderen deutschen Städten verwendet, die ihre Arbeitsplatzrechner auf Open-Source-Software umstellen.
München ist mit der jetzt abgeschlossenen Makro-Migration seinem Vorhaben einer Ablösung von Microsoft-Betriebssystemen und -Anwendungen einen gehörigen Schritt näher gekommen. Momentan sind 10.000 von 14.000 Desktops in der Münchner Stadtverwaltung (das reicht dann runter bis zu Kindergärten und Sozialorganisationen) auf Linux und Open-Source-Anwendungen umgestellt.
Cloud Computing, so heißt es, wird die IT komplett umgestalten. Nichts soll bleiben von dem, was uns einst und bis heute IT-strategisch so wichtig war und ist. Auch eher zurückhaltende Zeitgenossen reden von einem „Paradigmen-Wechsel“. Jetzt scheint dieser der Open-Source-Szene eine neue Grundsatzdebatte eingebracht zu haben. Ist Open Source künftig noch so wichtig wie in den letzten zehn Jahren, oder werden offene Anwendungsprogrammier-Schnittstellen (APIs) wichtiger?
„Open APIs Are the New Open Source“, lautet eine Schlagzeile ausgerechnet in der Publikation „LinuxInsider“. Noch überraschender ist, wer sie verfasst hat: Jay Lyman, ein leitender Analyst bei 451 Research. Dort ist er Mitautor eines Blogs „Commercial Adoption of Open Source“ (CAOS) – und in dem bisher ausschließlich aufgefallen durch sehr fundierte Untersuchungen, die immer die Vorteile von Open Source hervorgehoben haben.
Nein, Lyman hat sich nicht vom Paulus zum Saulus gewandelt. „Open Source, offene Standards, Open Clouds und besonders Open Data dienen weiter als Grundlagen moderner IT-Offenheit“, schreibt er. Aber die APIs seien inzwischen ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger. Vor rund zehn Jahren sei Open-Source-Software für die Anwender gut genug geworden. Heute habe alle Software offene APIs, „und ich glaube, wir sind an einem Punkt, wo nicht-offene Software ‘offen genug’ ist“. Als Beispiel führt er die Cloud APIs der Amazon Web Services an. Die sind gut dokumentiert, deshalb einfach zu adressieren, obwohl sie nicht Open Source sind. Die AWS erfreuen sich großer Beliebtheit; die Anwender stimmen mit ihrer Nachfrage ab. Fazit: Offene APIs sind offen genug.
Lymans Artikel war kaum erschienen, da regte sich schon der zu erwartende Widerspruch. Einer der ersten war Brian Proffitt, Redakteur bei „ITWorld“ und ein alter Open-Source-Hase. Er wandte primär ein, offene APIs reduzierten im Gegensatz zu Open Source nicht die Herstellerabhängigkeit, das Vendor Lock-in. Denn über offene APIs bekommen Anwender nur Zugriff auf die Services, die ein Anbieter zu einem bestimmten Zeitpunkt offeriert. Die Services und die finanziellen Konditionen dafür können sich jederzeit ändern, ohne dass ein Anwender unproblematisch zu einem anderen Anbieter wechseln könnte. Seine IT.Struktur ist schließlich auf diese APIs ausgerichtet, was sich nicht so mal eben schnell ändern lässt.
Proffitt stellt dem entgegen: Open Source bedeutet, dass ein Anwender mit seinen Wünschen und mit seinem Engagement einen gewissen Einfluss auf die Entwickler-Community hat. Bei proprietären Cloud-Anbieter, da können die APIs noch so offen sein, haben Anwender keinen Einfluss. Bestenfalls bereichern sie, wenn sie attraktive Applikationen in eine proprietäre Cloud einstellen (Beispiel Apple), das Angebot dieses Anbieters.
Meines Erachtens zeigen sowohl die Einschätzung von Lyman wie auch der Widerspruch von Proffitt, dass weite Teile der Open-Source-Szene sich noch schwer tun mit einer Beurteilung von Cloud Computing. Open Source on premise und Open Cloud in der Wolke zielen im Grunde beide auf eins: Freiheit der Anwender statt proprietärem Lock-in. Diese Freiheit lässt sich nur durch Offenheit erzielen. Offene APIs sind dazu nicht genug.
Es reicht nicht, APIs ausführlich zu beschreiben. Das sind Dokumente, und die sind folglich immer interpretationsfähig, auch ohne bösen Willen wandelbar. Es muss also eine Referenzimplementierung geben, die unumstößliche Prinzipien beschreibt, welche auch bei zukünftigen Änderungen (aufwärtskompatibel) gelten. Dieses System lässt sich glaubhaft nur machen, wenn in den API ausschließlich offene Standards Verwendung finden. Die dürfen nicht lizenzbehaftet sein, um vor künftigen Überraschungen sicher zu sein. Das ist es, was die Open Cloud Initiative und die Initiative Deutsche Wolke wollen (mehr dazu hier und hier).
Eigentlich ist man dann schon sehr nahe dran an Open-Source-APIs. Warum nicht gleich mit Open-Source-APIs arbeiten? Eher früher als später werden die in der Cloud ein ähnlich gutes Verkaufsargument sein, wie es Open Source im On-premise-Computing war und ist.
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