Die Apple-Cloud – Das Gegenteil von offen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.06.2011 | Kommentare: 0

Alle Analysten sind sich einig: Die Einstellung der professionelle Anwender zum Cloud Computing haben sich in mehrfacher Hinsicht verschoben. Zum einen hat sich die anfangs verbreitete Distanz gegenüber dem neuen Konzept zum Bezug von IT-Services ins Gegenteil verkehrt. Das Publikum ist sehr an Clouds interessiert. Zum anderen haben sich die Bedenken verändert. Nicht mehr Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten machen die Hauptsorgen aus, sondern die drohende Abhängigkeit von einem Cloud-Service-Provider, das „Vendor Lock-in“.

Eben wegen dieser Bedenken zeigen sich die Cloud-Anbieter inzwischen bemüht, technische Rahmenbedingungen für Interoperabilität ihrer Services zu schaffen. Es gibt dazu außerdem zwei IEEE-Projekte. Doch Apple scheint das nicht zu interessieren. Mit der Zensur von iPhone-Apps hat Apple Erfahrungen in Sachen Entmündigung der Anwender gewonnen, die jetzt eine neue Dimension erreicht.

Auf der Entwicklerkonferenz Anfang Juni hat Steve Jobs den Cloud-Service „iCloud“ angekündigt. Dieser wird tief in das künftige Betriebssystem „Mac OS X Lion“ integriert sein. Die wichtigste Eigenschaft wird darin bestehen, dass alle Informationen, Dokumente, Audio- und Video-Dateien automatisch über die iCloud synchronisiert werden. Egal wo und womit man arbeitet, die iCloud sorgt mittels der Apple-ID dafür, dass alle Systeme eines Anwenders, also der Mac-PC, das Notebook und das Tablet auf dem gleichen aktuellen Stand sind. Ein Time-Machine-Mechanismus wird es außerdem möglich machen, dass sich ältere Versionen einer Datei, beispielsweise ein Brief, sofort erkennen und gegebenenfalls wieder herstellen lassen.

Weil das alles mit dem Apple-typischen Komfort gehen wird, darf man davon ausgehen, dass insbesondere viele Privatanwender diesen Cloud-Service intensiv nutzen werden. Sie haben keinen Aufwand mehr, die Datenbestände auf ihren Systemen synchron zu halten. Sie sind immer auf dem aktuellen Stand, überall auf der Welt.

Doch genau darin besteht die Falle. Von Apple gibt es keinerlei Informationen, wie man seine Daten wieder aus der iCloud herausbekommen könnte. Es ist also davon auszugehen, dass man sie mühsam per Copy&Paste auf USB-Speicher bewegen muss, bevor man sie in eine andere Systemumgebung bringen kann. Das wird schon bei durchschnittlicher Privat-PC-Nutzung kaum jemand machen wollen. Die Falle schlägt zu, der Anwender ist im Vendor Lock-in gefangen. Einmal iCloud, immer Apple.

Diese Perspektive verschlechtert noch einmal die ohnehin geringen Aussichten, dass Linux und Open-Source-Applikationen auf Privat-PCs jemals eine relevante Rolle spielen könnten. Statt der Befreiung der Anwender aus der Microsoft-Gefangenschaft folgt eine noch üblere Zeit bei Apple. Es ist überaus bedauerlich, dass es keine Open Cloud gibt. Weit und breit zeichnet sich in der Open-Source-Welt nichts ab, das sich als freie und offene Alternative zu Apple’s iCloud präsentieren ließe.

KNN : Was ist da mit Apple los?

von: Nina Haering | am: 20.01.2011 | Kommentare: 0

Kaotic Nerd News berichtet heute über Apple. Steve Jobs ist krank und was das mit sich bringt, erfahren sie hier.

Android bei App-Entwicklern immer beliebter

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.09.2010 | Kommentare: 0

Das Google-Betriebssystem Android für mobile Geräte hat offenbar sehr gute Perspektiven, denn bei den Entwicklern von mobilen Applikationen hat es mit enormer Geschwindigkeit Sympathien gewonnen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die IDC und Appcelerator Mitte September durchgeführt haben. Appcelerator aus dem kalifornischen Mountain View ist Hersteller von „Titanium“, einer Entwicklungsumgebung für mobile Applikationen, die unter der Apache-Lizenz 2.0 steht.

Rund 2400 Appcelerator-Anwender haben sich an der Umfrage beteiligt. 72 Prozent stimmten zu, Android sei „am besten aufgestellt, um eine große Zahl von unterschiedlichen Devices in der Zukunft zu betreiben“. Apple’s iOS kam da nur auf 25 Prozent. Dieser technische Aspekt ist aber nicht der einzig wichtige Faktor für den Markterfolg. Entsprechend favorisieren 59 Prozent langfristig Android, während 35 Prozent für iOS votieren. Die Kluft zwischen beiden hat sich seit einer ähnlichen Umfrage im Juni dieses Jahres um zehn Prozent zum Vorteil von Android vergrößert.

Wenn es aber darum geht, mit Mobile-Apps Geld zu verdienen, hat Apple weiterhin die Nase vorn. Denn hier finden rund neun von zehn Entwicklern Apple interessant, bei Android sind es acht von zehn. Besonders großes Interesse bekunden 44 Prozent an Google TV, knapp vor 40 Prozent für Apple TV. Bei den Tablets interessieren sich 62 Prozent für Android-basierende Geräte; die iPads liegen mit 58 Prozent auf Augenhöhe. WebOS- und Blackberry-Tablets finden nur jeweils 16 Prozent interessant.

Die größten Bedenken gegenüber Android haben drei Viertel der Entwickler hinsichtlich einer Fragmentierung des Systems. Das Apple-iOS gilt durch die Bank als fragmentierungssicher. Das mögen im Falle Android nur elf Prozent behaupten.

Google sperrt intern Windows aus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 02.06.2010 | Kommentare: 1

2.6.2010 – Einer der größten IT-Anwender und -Anbieter der Welt will nicht mehr mit Windows arbeiten. Nach einem Bericht der „Financial Times“ (FT) werden alle neuen Mitarbeiter im Unternehmen nur noch die Wahl zwischen Apple OS X und Linux haben. Bisherige Windows-Anwender sind demnach aufgefordert ebenfalls auf diese Betriebssysteme zu wechseln. Wer noch Windows verwenden will muss eine enorme Hürde nehmen: Er braucht die Genehmigung vom Google-CIO.

Der Grund sei ein „Sicherheitserfordernis“, soll ein Google-Informant der FT gesteckt haben. Der Hintergrund liege in den Angriffen, die Google aus China erlebt habe. Das Unternehmen habe Sicherheitslücken in Windows als das damalige Einfallstor erkannt. „Mit Microsoft fühlen wir uns nicht so wohl, mit Linux schon eher“, wird der Informant zitiert. Viele hätten sich schon nach diesen Ereignisse zum Apple-Betriebssystem geflüchtet.

Die Begründung verdient Zweifel. Denn das Apple-System basiert zwar auf Open Source, ist per se aber closed, nicht einsehbar. Außerdem darf Apple, wie Tests gezeigt haben, im Vergleich zu Windows nicht generell als sicherer gelten. Last, not least, ist man bei Apple wie bei Windows auf das Belieben der Anbieter angewiesen, wann sie Hotfixes herausbringen möchten. Apple unterscheidet sich nicht grundsätzlich von Microsoft – oder wie ein Kommentator auf heiseopen es formuliert: Man kommt damit „vom Regen in die Traufe“.

Über den Grund der Pubilicity-trächtigen Vorgabe von Google darf frei spekuliert werden; denn das Bild passt nicht so recht: Zwar mag Microsoft der Hauptkonkurrent in Sachen Suchmaschinen sein, aber das Feld ist nicht, wo Google hin möchte. Die Firma knüppelt viel mehr in Sachen Smartphone. Bei denen geht es nicht nur um die Dominanz im Markt der mobilen Geräte, sondern vielmehr um die mit ihnen verbundenen Services. In beiderlei Hinsicht ist Apple der Hauptkonkurrent für Google. Und Apple-Chef Steve Jobs sieht es umgekehrt genau so.

Google sollte aus verständlichen Gründen seine Mitarbeiter auf das eigene Linux-Betriebssystem Chrome OS samt Google-Applikationen bringen wollen. Dass den Leuten aber (vorerst?) auch Apple erlaubt bleibt, lässt einen Gegenschluss zu: Noch ist Chrome OS nicht das Gelbe vom Ei. Google-intern scheint es Widerstände zu geben. Was wiederum heißen würde, dass der Ausschluss von Microsoft dem Chrome-Team nicht „von oben“, sondern aus der eigenen Belegschaft, von Kollegen mächtig Druck macht, die Sache zu verbessern. Und genau das scheint dem internen Stil des Hauses zu entsprechen.

Free Software Foundation legt sich mit Apple an

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.05.2010 | Kommentare: 0

28.5.2010 – Apple hat gestern ein Programm aus seinem App Store entfernt, nachdem die Free Software Foundation das Unternehmen darüber informiert hat, dass dessen Source Code unter der GNU GPL, Version 3, steht. Diese Lizenz sieht die Freiheit zur Weitergabe und Modifikation von Software vor. Die App-Store-Geschäftsbedingungen verbieten derlei fast durchweg. Die Reaktion, mehr dazu hier, von Apple war also zu erwarten.

Doch was hat die FSF zu der ungewöhnlichen Maßnahme getrieben, nicht den Programmanbieter, sondern Apple anzuschreiben? Auch eine zweite Erklärung der FSF gibt kaum eine Erklärung. Im ersten Statement aber finden sich zumindest zu Spekulationen einladende Aussagen. So beharrt die FSF darauf, dass die Anwender „das Recht haben sollten, ihre Computer so zu benutzen, wie es ihnen gefällt“. Das ist schon eine ziemliche Attacke gegen eine Firma, die sich in letzter Zeit eher als Regulierer und Zensor aller Dinge gefällt, die User mit Notebooks, Handys und Tablets anstellen könnten.

Deutlicher wird das Ansinnen der FSF in der Formulierung, wenn Apple eine GNU-lizenzierte Software verbreite, dürfe das Unternehmen „anderen nicht durch seine Terms of Services untersagen, das Gleiche zu tun“. Also: Apple soll seine Geschäftsbedingungen entsprechend ändern. Das Ansinnen wiederholt eine andere FSF-Aussage: „Wir wären glücklich, wenn Apple diese Programme unter den Bedingungen der GPL vertreiben würde.“

Im letzten Satz steckt ein auffälliger Plural: „Programme“. Möglicherweise deutet die FSF hiermit an, dass auch weitere Apps in Apples Software-Store GNU-lizenzierte Bestandteile enthalten. Das würde Apple in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Das Unternehmen könnte nur noch von sämtlichen Apps-Entwicklern eine Erklärung verlangen, dass ihre Programme nicht den „GPL-Virus“ haben. Das Ergebnis solch einer Auslese dürfte sein, dass Apples App Store anschließend weit weniger famos ausschaut als bisher.

Das berührt aber Apple-Geschäftsinteressen. Diese könnten durchaus im Kalkül der FSF liegen. Die Verbreitung von Apps mit GPL-lizenzierten Programmteilen könnte Apple zum Einlenken zwingen. Das betrifft auch, künftig auf Drohungen gegen Open-Source- und Freie Software zu verzichten. Eine massive Reaktion von Apple gegen die FSF würde dem Unternehmen in jedem Fall weiteren Imageschaden zufügen.

Was immer die Intentionen der FSF bei diesem Manöver waren: Die Organisation geht ein nicht geringes Risiko ein, indem die sich mit einem Unternehmen anlegt, das vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und dies bisher ohne Rücksicht auf öffentliche Reaktionen auch demonstriert. Apple ist unberechenbar, gewiss aber kein guter Freund von Freier Software. Liegt eine rabiate Reaktion von Apple im Kalkül der FSF? So etwas könnte nämlich die ohnehin schon aufmerksam gewordenen Kartellbehörden in den USA endgültig in Alarmstimmung versetzen.

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