Heute fällt Meego, morgen QT

von: Elmar Geese | am: 11.02.2011 | Kommentare: 1

Jetzt ist es so gekommen wie wir alle längst erwartet haben: Die sinkenden Schiffe im Smartphone Markt, Nokia und Microsoft, haben aneinander festgemacht. Vermutlich glaubt Nokia, damit das rettende Ufer erreicht zu haben. Aber es ist ein Deal von dem nur Microsoft profitieren kann.
Der Kollateralschaden ist nicht nur im Verlust einiger Arbeitsplätze in Finnland zu suchen, um die dort jetzt besonders gezittert werden dürfte, es gibt auch weitere naheliegende Opfer. Als nächstes dürfte es Trolltech und damit die kommerzielle Entwicklung der QT Plattform treffen. Denn nach der neuen Strategie hat Nokia schlicht und einfach keinerlei Verwendung mehr für QT, denn Meego ist damit für Nokia erledigt, und damit Trolltech als Unternehmen und QT als Technologie.
Was wird nun passieren? Es wird sich vielleicht eine mitfühlende Hand finden, die sich Trolltech annimmt, und die bestehenden Verträge zuende führt. Neues Geschäft mit QT Technologie wird es schwer haben, zumal der mobile Markt nun zugemauert ist. QT ist dort nicht auf Windows neuestem Betriebssystem verfügbar, und “nebenbei” auch nicht auf Android, nicht mal unter Symbian. Desktopprodukte macht Nokia nicht, warum sollte es also weiterhin Geld in das Unternehmen stecken? Und auch dort ist QT nicht mehr auf dem Stand der Zeit, so wird unter Windows auch nach etlichen Jahren Verfügbarkeit .NET immer noch nicht unterstützt, da ist man noch bei ActiveX. Irgendwie erscheint das alles morsch und brüchig.
Intel kann sich jetzt mit Meego alleine vergnügen, was auf Dauer auch nichts bringt. Und was auch immer Intel tut, QT kann es dabei sowieso nicht gebrauchen. Es wird eng für Trolltech werden. Im weitestgehend nicht-kommerziellen Bereich gibt es ja noch KDE, und das braucht die Technologie wenigstens noch unter Linux. Vielleicht stellt sich ein heilsamer Schock ein, und die Community übernimmt die QT Entwicklung, das wäre eine Lösung. In den nächsten Jahren wird QT im Mobilbereich jedoch keine Rolle spielen, weder auf Smartphones, noch auf Tablets. Einen Großsponsor wie Nokia wird es nicht mehr haben, und ein neuer ist nicht in Sicht. Das Thema “unabhängige Plattform” hat sich für QT jedenfalls erledigt. Und die Open Source Community lernt nach der Oracle/Java Geschichte die nächste Lektion: kommerziell getriebene Open Source Projekte haben Probleme mit der Nachhaltigkeit. Bei Basistechnologien wie Meego oder QT kann das besonders wehtun.

1 Kranker + 1 Kranker = 2 Gesunde?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 1

Ein moderner Satz der Nationalökonomie lautet: Wenn Nokia hustet, kriegt Finnland die Grippe. Inzwischen ist das Krankheitsbild von Nokia wohl eher als schwere Bronchitis zu bezeichnen, und die Wirtschaftswissenschaftler dürfen sich einen neuen Spruch einfallen lassen. In den USA hat Microsoft infolge von Übergewicht derart Atemnot, dass die Aktie seit Jahren kaum mehr die 30-Dollar-Marke schafft. Die Siegertypen von einst ringen heute verzweifelt um Luft.

In der neuen Disziplin der ITK, Mobility Computing, können sie gegenüber den Newcomern längst nicht mehr mithalten. Dabei war Nokia hier mit Abstand Meister aller Klassen, und Microsoft hat hunderte Millionen Dollar dafür ausgegeben, wenigstens auf Platz zwei zu kommen. Vergeblich.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys war Nokia im 4. Quartal 2009 mit 44 Prozent Marktanteil noch klar marktdominant. Ein Jahr später waren es nur noch 31 Prozent. Platz Zwei hinter Google, dass es im gleichen Zeitraum von neun auf 33 Prozent gebracht hat. Apple hat den zweiten Platz von 2009 verloren, unverändert 16 Prozent Marktanteil reichten im vierten Quartal 2010 nur noch für Platz Drei. Research in Motion ist von 20 auf 14 Prozent abgestürzt. Microsoft hat die Underperformance von 2009 (sieben Prozent) mit zuletzt drei Prozent glatt noch einmal unterboten.

Es gibt also drei Verlierer im Smartphone-Markt: RIM -36, Nokia: -30 und Microsoft -20 Prozent. Und die letzten beiden tun sich jetzt zusammen. Besser gesagt: Nokia versucht zu retten, was zu retten ist, indem es sich Microsoft anschließt. Die Finnen wollen Windows Phone 7 zu ihrer zentralen Smartphone-Plattform machen. Man könnte spotten: Augenstarre Richtung Redmond sind die Spätfolgen jahrelanger Topjobs bei Microsoft. Denn die hatte Stephen Elop, bevor er Nokia-Chef wurde. Dass aus seinem Ziel, ausgerechnet mit dem erfolglosen Windows Phone 7 „die Marktführerschaft bei Smartphones“ zurückerobern zu wollen, nichts wird, ist absehbar.

Der traurige Aspekt dieses Bündnisses ist, dass dabei die Mobile-Linux-Umgebung MeeGo einen wichtigen Unterstützer verliert. Bisher galt diese Gemeinschaftsinitiative mit Intel erklärtermaßen als Nokias Zukunft. Seit einiger Zeit steht die MeeGo-Entwicklung unter Leitung der Linux Foundation. Der ist es gelungen, eine Menge Firmen für das Projekt zu gewinnen. Jetzt wird dieses Bündnis seine Fähigkeiten und seine Entschlossenheit unter Beweis stellen müssen. Der Gewinner des Tages ist aber erst einmal die andere Open-Source-Linie im Smartphone-Business: Google mit Android.

Open-Source-Zentrum wieder in CeBIT-Halle 2

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 10.02.2011 | Kommentare: 0

Auch tarent ist mit Vorträgen und einem Stand vertreten.

Open Source ist ein Publikumsmagnet. Das hat die Deutsche Messegesellschaft im letzten Jahr erlebt und dem Thema für die CeBIT 2011 prompt wieder die Halle 2 zugewiesen. Diese ist schon deswegen besonders attraktiv, weil sie direkt am Haupteingang liegt sowie in ihr mit Datev, Dell, Fujitsu und vor allem IBM große Stände haben. In diesem Jahr sind die Anbieter aus dem Open-Source-Spektrum noch besser zusammengefasst, nämlich im südöstlichen Viertel der Halle, wo es zu den Hallen 3 und 4 geht.

tarent ist mitten in diesem Open-Source-Areal dabei, nämlich auf einem Gemeinschaftsstand der Initiative open source berlin (osb), an dem auch noch Heinlein und Sernet beteiligt sind. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich die Stände von SEP, Univention und Zarafa sowie der Open-Source-Park, in dem unter anderem Bitbone, Netways, Pentaprise und uib Ausstellungsflächen gebucht haben. Gleich daneben stellen sich unabhängige Community-Projekte in der Open Source Project Lounge vor.

Gegenüber des osb-Standes dürfte das Forum Open Source wieder für einigen Auflauf sorgen. Denn dies ist die Bühne für Vorträge zu vielen verschiedenen Open-Source-Themen, die wieder das Linux-Magazin auf die Beine gestellt hat. Im Vortragsprogramm hat sich deutlich niedergeschlagen, dass das Hauptthema der diesjährigen CeBIT, Cloud Computing, auch im Bereich Open Source angekommen ist.

So wird dort zweimal Michael Kleinhenz, tarent-Entwicklungschef und Mitglied der Geschäftsleitung, Vorträge halten. Am Mittwoch, den 2. März, um 13.45 Uhr und am Samstag, den 5. März um 9.15 spricht er zum Thema „Cloud Computing – ein Einstieg und Überblick“.

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