Oracle befreit sich vom OpenOffice-“Ballast“

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 21.04.2011 | Kommentare: 0

Oracle beweist ein geradezu unglaubliches Geschick darin, die Open-Source-Gemeinde gegen sich aufzubringen. Der jüngste Fall ist die Erklärung, künftig keine kommerzielle OpenOffice-Version zu wollen. Die Bürosoftware solle ein von der Community verwaltetes Projekt werden. Besonders letzteres kling zunächst ganz gut. Aber sonst klingt gar nichts gut an der Verlautbarung von Oracle.

Denn das Unternehmen lässt sämtliche Fragen in diesem Zusammenhang unbeantwortet. Vor allem: Wird Oracle die Weiterentwicklung von OpenOffice finanziell unterstützen? Es schaut nicht so aus, denn die Firma erklärt lediglich, das Open Document Format (ODF) unterstützen zu wollen. Das könnte auch heißen, dass Oracle die in Hamburg angesiedelten Entwicklerkapazitäten, die ehemaligen StarOffice-Truppe, nicht mehr zur Verfügung stellt.

Offenbar sieht Oracle keine Möglichkeit, mit OpenOffice Geld zu verdienen. Und das ist bei der Firma nun einmal die Maxime. Das Image, eine Geldmaschine zu sein, kommt nicht von ungefähr. Das präzise Gegenteil einer Wohlfahrtsorganisation. Oracle erklärt, Linux und MySQL hätten einen breiten Zuspruch bei kommerziellen und behördlichen Kunden gewonnen. OpenOffice erwähnt die Firma nicht. Sie erklärt aber an anderer Stelle, es gebe ein breites Interesse an kostenlosen Anwendungen. Daran kann man eben nichts verdienen.

Also schmeißt Oracle der Community OpenOffice quasi vor die Füße und flucht: Dann seht halt selbst zu, wie ihr das Projekt weiterentwickelt kriegt. Damit ist OpenOffice allerdings nicht am Ende – auch wenn sich die Document Foundation genötigt sah, gleich zu bekräftigen, man werden den Fork LibreOffice wie geplant weiterentwickeln. Tatsächlich bietet sich die Document Foundation als Verwalterin von OpenOffice an. Beide Zweige könnten wieder zusammenwachsen. Als von Oracle unabhängige Einrichtung träfe sie sicher auf Firmen, die anders als Oracle ein Interesse an einer Alternative zu MS Office haben.

Oracle aber hat sich selbst ins Bein geschossen. Es geht nicht nur darum, dass die Firma wieder einmal in der Open-Source-Community für Verwirrung und Verärgerung gesorgt hat. In einer IT-Welt, in der Open Source immer stärker an Gewicht gewinnt, ist Oracle auch für andere Unternehmen suspekt. Eine Firma, die nur auf das eigene Interesse bedacht ist und dabei sprunghaft agiert, ist kein verlässlicher Partner.

Oracle lehnt LibreOffice ab

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.10.2010 | Kommentare: 0

Oracle will nicht Mitglied der neuen Document Foundation werden. Diese hatte sich aus dem Projekt OpenOffice.org abgespalten und will mit LibreOffice eine Alternative, also einen Fork, zur verbreiteten Open-Source-Bürosuite entwickeln. Die Stiftung hatte Oracle eingeladen Mitglied zu werden und ihr die Namensrechte an OpenOffice zu übertragen.

Doch Oracle teilte mit, man werde sich nicht von OpenOffice.org trennen, rufe die Community zu Mitarbeit an dem Projekt auf und wünsche der Document Foundation „alles Gute“. Damit ist die Trennung besiegelt, und jetzt wird es spannend, ob die Document Foundation genug Unterstützung bekommt, um ihren Fork LibreOffice zu Erfolg zu verhelfen.

Die Gründungsmitglieder der Abspaltung kommen nur zu einem kleineren Teil aus der Entwicklergemeinde; denn OpenOffice wird im Kern von einer einst zu StarOffice gehörenden, mehr als hundertköpfigen Mannschaft in Hamburg programmiert. Was diese Leute machen, entscheidet Oracle. Die Mehrheit der Document-Foundation-Gründer war mit Marketing und Sprachanpassung für OpenOffice befasst. Allerdings haben Red Hat, Novell und Canonical auch personellen Support für LibreOffice zugesagt.

Die große Hoffnung der Foundation, auch IBM für sich gewinnen zu können, hat sich bisher nicht erfüllt. Bob Sutor, bei Big Blue Vice President of Open Systems and Linux, hat erklärt, seine Firma wolle die Entwicklung neutral beobachten. Im Übrigen dürfte IBMs Zurückhaltung auch damit zu tun haben, dass die Firma mit Lotus Symphony ein eigenes Office-Paket am Markt zu platzieren versucht.

Im Internet begreifen viele Kommentatoren LibreOffice nicht einfach als Fork des für seine langsame Entwicklungsfortschritte kritisierten OpenOffice. LibreOffice könnte eine ganz andere Alternative werden: schneller bei der Entwicklung von Features, deutlich modularer im Aufbau und Cloud-fähig.

LibreOffice – OpenOffice-Fork sagt sich von Oracle los

von: Nina Haering | am: 29.09.2010 | Kommentare: 0

Oracle’s Probleme mit der Open-Source-Community reißen nicht ab; die Kluft wird vielmehr immer größer. Jetzt haben sich 21 wichtige Personen aus dem Projekt OpenOffice.org abgesetzt und die „Document Foundation“ gegründet. Diese will die in „LibreOffice“ umbenannte Open-Source-Bürosuite OpenOffice.org frei von Rechten irgendwelcher Firmen weiterentwickeln und vertreiben. Leiten soll die Entwicklung ein Steuerungskomitee der Stiftung.

Wieder einmal hat Oracle es geschafft, eine Open-Source-Community abzuschrecken. Zwar hatte die Firma OpenOffice als strategisches Produkt bezeichnet, ansonsten aber nichts zu dessen Zukunft verlauten lassen, keine Release-Zeitpunkte, keine angestrebten Features, keine Roadmap. Stattdessen gibt es ein Konkurrenzprodukt: Oracle Open Office. Die Document Foundation darf auch den am Markt bekannt Titel OpenOffice nicht verwenden, weil die Namensrechte mit dem Kauf von Sun auf Oracle übergegangen sind. Die Stiftung hat Oracle aufgerufen, Mitglied zu werden und ihr die Namensrechte zu übertragen. Worauf sie sehr hofft, denn LibreOffice ist erklärtermaßen nur ein Platzhalter.

Der Bruch mit Oracle birgt sowohl für den Softwareriesen als auch für das neue Community-Projekt einige Risiken. Denn in der Document Foundation sind einige Leiter des OpenOffice-Projekts, was Europa betrifft auch die Verantwortlichen für Sprachanpassungen und Marketing in den wichtigsten Märkten. Auf der anderen Seite fehlen dem LibreOffice-Projekt die mehr als 100 bei Oracle angestellten Mitarbeiter, die in Hamburg StarOffice und das Parallelprodukt OpenOffice entwickeln. Immerhin steht schon die Infrastruktur für Entwickler von LibreOffice.

Die Entscheidung zur Trennung von Oracle dürfte also nicht leicht gefallen sein. Allerdings war sie offenbar gut vorbereitet. Denn unmittelbar nach der Gründung der Foundation sicherten Red Hat und Novell zu, mehr als ein Dutzend Leute für die Entwicklung von LibreOffice abzustellen. Ubuntu dürfte auch mitziehen, denn Firmengründer Mark Shuttleworth kündige an, den Fork in die Distribution aufzunehmen. Ohnehin kann man davon ausgehen, dass Debian-basierende Distributionen zu LibreOffice wechseln werden. Google erklärte sich zum Unterstützer der Document Foundation und kündigte seine Beteiligung an dem Projekt an. Ermunternde Erklärungen bekam die Stiftung von der Open Source Initiative, der Gnome Foundation, der Standardisierungsorganisation OASIS und von der Free Software Foundation.

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