Zwei Meldungen innerhalb weniger Tage haben für reichlich Aufregung gesorgt: Oracle lässt erstens OpenSolaris, die Open-Source-Version von Solaris, fallen und verklagt zweitens Google wegen angeblicher Patentverletzungen durch das Smartphone-Betriebssystem Andriod. Das waren zwei klare Affronts gegen Open Source.
Mit dem Kauf von Sun sind Oracle einige interessante und wichtige Open-Source-Produkte zugefallen: Glassfish, InnoDB, Java, Java ME (Micro Edition), MySQL, Netbeans, OpenJDK, OpenOffice.org, OpenSolaris und Virtual Box. Aber die Firma scheint mit Open Source nicht viel am Hut zu haben. „Oracle hat nicht wirklich eine Open-Source-spezifische Strategie“, erklärte kürzlich Chief Technology Officer Edward Screven. Oracle sei „open for Business“.
Das ist eine klare Ansage. Es geht ums Geschäft und sonst gar nicht. Das war immer schon Oracle’s Maxime, auch im Umgang mit Open Source. Nur zur Erinnerung: Als MySQL zur lästigen Konkurrenz wurde, kaufte Oracle die finnische Firma Innobase und damit deren InnoDB, das bis dahin die Storage Engine der Open-Source-Datenbank war. Als JBoss sich lieber von Red Hat kaufen ließ als von Oracle, versuchte Oracle kurzerhand gleich den Linux-Distributor zu kaufen. Als das auch nicht klappte, sollte der eben platt gemacht werden, nämlich durch die 1:1-Red-Hat-Kopie „Unbreakable Linux“.
Nun müssen eben die für Sun rausgeworfenen Gelder wieder in die Kassen kommen. Aus all den Open-Source-Produkten soll „Business“ werden. OpenSolaris hätte das proprietäre Solaris-Geschäft untergraben können. Also weg damit. In der Java ME für mobile Geräte stecken einige Patente. Die lassen sich jetzt vielleicht per Patentklage gegen Google versilbern. Damit sorgt Oracle auch gleich dafür, dass Android-Hersteller verunsichert werden und einige wohl vorsorglich Lizenzgebühren zahlen werden.
Was kommt als nächstes dran? Vor allem: Was wird Oracle mit den drei ganz wichtigen Produkten Java, MySQL und OpenOffice machen? Immerhin hat Oracle ihre Fortführung proklamiert. Die Frage ist bloß: wie? Oracle hat es geschafft, nicht nur in der Entwicklergemeinde, sondern auch unter Anwendern Angst, Verunsicherung und Zweifel zu verbreiten. Allein das behindert die Verbreitung von Produkten. Was wiederum bedeutet, dass sich Oracle „in den Fuss geschossen“ haben könnte, wie Oliver Diedrich einen bemerkenswerten Kommentar auf heiseOpen betitelt hat.
Denn wie die Open-Source-Community auf Oracle reagieren könnte, ist klar. Open-Source-Software stirbt eben nicht wie proprietäre Produkte. Offener Quellcode lebt weiter, andere greifen ihn auf, machen auf seiner Basis weiter. Forking nennt man das.
Bei zwei Open-Source-Produkten aus dem Oracle-Bestand gibt es das schon. Aus MySQL ist unter der Leitung dessen einstigen Initiators der Fork MariaDB entstanden. Und mit OpenSolaris macht das Projekt Illumos weiter.