Im März 2001 wurde die erste Schwesterorganisation der FSF gegründet.
In diesem Monat feiert die FSFE ihr zehnjähriges Bestehen. Anlässlich ihres Geburtstags wird die als gemeinnützig anerkannte Organisation auf ihrer Website auf wichtige Ereignisse in diesem Zeitraum zurückblicken. Zwei besondere Auszeichnungen hat die FSFE schon im letzten Jahr erhalten. Im Frühjahr 2010 bekam ihr erster und langjähriger Präsident Georg Greve das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Fast gleichzeitig wurde der FSFE als „zukunftsweisende Organisation“ die Theodor Heuss Medaille für ihr außergewöhnliches Engagement für die gleiche und gerechte Teilhabe an der Informationsgesellschaft verliehen.
In den vergangenen Jahren hat sich die europaweit aktive FSFE einen Namen für ihr Engagement gemacht. Sie verbreitet in der Öffentlichkeit die Idee freier Software und kämpft gegen deren Benachteiligung. Die Organisation streitet insbesondere für offene Standards, gegen Softwarepatente und gegen Digital Rights Management. Ein immer wichtigeres Tätigkeitsfeld ist die Beratung von Unternehmen und vor allem Behörden über die Nachteile proprietärer und die Vorteile freier Software.
Der amtierende FSFE-President Karsten Gerloff bedankte sich bei allen Mitstreitern. „Wir haben einen langen Weg gemacht und sind sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.“ Gleichwohl geben es noch viel mehr zu tun, weshalb er zu engagierter Mitarbeit in der FSFE aufrief.
Die Free Software Foundation (FSF) hat sich mit einem nicht zu übersehenden Problem der Bewegung für freie Software befasst: Nur ganz wenige Frauen sind in ihr aktiv, in hervorgehobenen Positionen sind äußerst wenige zu finden. Daran möchte die FSF etwas ändern. Jetzt hat sie Empfehlungen vorgestellt. Und wer macht die per Mail in aller Welt bekannt? Ein Mann. Siehste!
Grundsätzlich scheint mir das kein spezifisches Problem von Open Source zu sein. Eher eins der Informatik? Die wenigen Frauen, die ich in der IT kenne, haben einen anderen Hintergrund. Sie kommen aus der Mathematik. Jetzt bin ich als Journalist seit 23 Jahren in der IT-Branche und erinnere mich nur an eine Ausnahme, die studierte Informatikerin Adele Goldberg. Die hat 1988 den Smalltalk-Spezialisten Parcplace gestartet, eine Ausgründung aus dem Palo Alto Research Center, dem legendären PARC von Xerox. Sie war gleichzeitig eine der ganz wenigen Frauen in einer Führungsposition, die ich kennengelernt habe, nämlich Geschäftsführerin. Alle anderen waren im Marketing, in der PR. Und da war „bella figura“ karrierefördernd.
Nun hat ja die Open-Source-Szene nicht ganz die übliche Business-Attitude. Etwas alternativ, querdenkender gefällt man sich hier schon, was aber ganz und gar nicht politisch links heißen muss. Ist es da anders? Mir laufen ständig Männer über den Weg. Die einzige Ausnahme, die mir jetzt einfällt, ist Jacqueline Rahemipour, eine treibende Kraft im deutschen Segment von OpenOffice.org. Alle anderen Frauen haben die klassischen Aufgaben: Marketing und PR. Immerhin gilt es zu konstatieren, dass deutsche Open-Source-Anbieter offenbar die körperliche Erscheinung nicht zum K.O.-Kriterium bei der Anstellung machen. Wenigstens etwas.
Immerhin hat die FSF das Thema Frauen in der Free-Software-Entwicklung im Spätsommer letzten Jahres zum Thema eines kleinen Kongresses gemacht. Aus dem ging ein Frauenkomitee hervor, das sich eingehender mit der Diskrepanz beschäftigt und nun Vorschläge zur Verbesserung der Situation, vorgelegt hat, die sich an Frauen, Männer, Open-Source-Projekte und -Firmen gleichermaßen richten.
Die Analyse der Barrieren für Frauen ist ein selbstkritischer Befund: Die Bewegung für freie Software werde als „Boys’ Club“ wahrgenommen, der Frauen keine Rolle in ihr zubillige und keine Fehler erlaube. Die von Frauen trotzdem wahrgenommenen Rollen jenseits der Programmierung würden unterbewertet; die wenigen aktiven Frauen fühlten sich isoliert. Finanzielle Engpässe würden bei Frauen eher zu einem Hinderungsgrund für Aktivitäten als bei Männern. Das Gute an dieser Analyse ist, das sich in ihr die üblichen Klischees nicht finden.
Daraus leitet das Frauenkomitee Empfehlungen ab: Hebt Frauen in ihrer Arbeit hervor, wobei sie insbesondere weitere Beteiligte rekrutieren könnten. Unterstützt ihre Arbeit durch Mentoren sowie Mailing-Lists und andere Events, die nur Frauen offen sind. Jeder Form von Beitrag zu Bewegung gebührt Anerkennung, auch wenn es nicht um Code geht. Kooperation geht vor Wettbewerb. Und schafft für Frauen mehr Möglichkeiten, ohne finanzielle Zusatzbelastungen an Events und einer besseren Kommunikation teilzunehmen.
Soweit nur der grobe Überblick; die Vorschläge sind viel detaillierter, beziehen sich zum Teil aber eher auf die Situation in den USA. Vieles aber ließe sich auf hiesige Verhältnisse übernehmen. Die Frage ist nur, ob es – wieder einmal – bei netten Vorschlägen bleibt.
28.5.2010 – Apple hat gestern ein Programm aus seinem App Store entfernt, nachdem die Free Software Foundation das Unternehmen darüber informiert hat, dass dessen Source Code unter der GNU GPL, Version 3, steht. Diese Lizenz sieht die Freiheit zur Weitergabe und Modifikation von Software vor. Die App-Store-Geschäftsbedingungen verbieten derlei fast durchweg. Die Reaktion, mehr dazu hier, von Apple war also zu erwarten.
Doch was hat die FSF zu der ungewöhnlichen Maßnahme getrieben, nicht den Programmanbieter, sondern Apple anzuschreiben? Auch eine zweite Erklärung der FSF gibt kaum eine Erklärung. Im ersten Statement aber finden sich zumindest zu Spekulationen einladende Aussagen. So beharrt die FSF darauf, dass die Anwender „das Recht haben sollten, ihre Computer so zu benutzen, wie es ihnen gefällt“. Das ist schon eine ziemliche Attacke gegen eine Firma, die sich in letzter Zeit eher als Regulierer und Zensor aller Dinge gefällt, die User mit Notebooks, Handys und Tablets anstellen könnten.
Deutlicher wird das Ansinnen der FSF in der Formulierung, wenn Apple eine GNU-lizenzierte Software verbreite, dürfe das Unternehmen „anderen nicht durch seine Terms of Services untersagen, das Gleiche zu tun“. Also: Apple soll seine Geschäftsbedingungen entsprechend ändern. Das Ansinnen wiederholt eine andere FSF-Aussage: „Wir wären glücklich, wenn Apple diese Programme unter den Bedingungen der GPL vertreiben würde.“
Im letzten Satz steckt ein auffälliger Plural: „Programme“. Möglicherweise deutet die FSF hiermit an, dass auch weitere Apps in Apples Software-Store GNU-lizenzierte Bestandteile enthalten. Das würde Apple in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Das Unternehmen könnte nur noch von sämtlichen Apps-Entwicklern eine Erklärung verlangen, dass ihre Programme nicht den „GPL-Virus“ haben. Das Ergebnis solch einer Auslese dürfte sein, dass Apples App Store anschließend weit weniger famos ausschaut als bisher.
Das berührt aber Apple-Geschäftsinteressen. Diese könnten durchaus im Kalkül der FSF liegen. Die Verbreitung von Apps mit GPL-lizenzierten Programmteilen könnte Apple zum Einlenken zwingen. Das betrifft auch, künftig auf Drohungen gegen Open-Source- und Freie Software zu verzichten. Eine massive Reaktion von Apple gegen die FSF würde dem Unternehmen in jedem Fall weiteren Imageschaden zufügen.
Was immer die Intentionen der FSF bei diesem Manöver waren: Die Organisation geht ein nicht geringes Risiko ein, indem die sich mit einem Unternehmen anlegt, das vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und dies bisher ohne Rücksicht auf öffentliche Reaktionen auch demonstriert. Apple ist unberechenbar, gewiss aber kein guter Freund von Freier Software. Liegt eine rabiate Reaktion von Apple im Kalkül der FSF? So etwas könnte nämlich die ohnehin schon aufmerksam gewordenen Kartellbehörden in den USA endgültig in Alarmstimmung versetzen.
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