Die Zukunft der IT – aus Sicht der Softwareentwickler

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.11.2011 | Kommentare: 0

Im Sommer eines jeden Jahres befragt IBM die Softwareentwickler, die sich auf der Web-Plattform „developerWorks“ registriert haben. Diesmal hatte Big Blue vier Themen vorgegeben, die sie in den nächsten zwei Jahren am meisten beschäftigen könnten: Business Analytics, Mobile Computing, Cloud Computing und Social Business. Mehr als 4000 IT-Fachkräfte haben sich beteiligt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor (kostenloser und registrierungsfreier PDF-Download hier).

Business Analytics ist demnach der Bereich mit der schon jetzt am besten angenommen ist. 42 Prozent erklärten, Lösungen seien gefragt. Das Thema wird auch weiterhin eine große Rolle spielen meinen sogar 90 Prozent. Auffallend ist dabei, dass 87 Prozent der Ansicht sind, Open-Source-Plattformen wie Apache Hadoop und Linux in diesem Kontext eine Schlüsselrolle zukommen werde. Fast die Hälfte der Befragten äußerte die Ansicht, Business Analytics führe zu mehr Automatisierung in der IT und zu schlankeren Prozessen. Allerdings berichten auch zwei Drittel der Befragten von Problemen: Die Integration komplexer Analysesoftware in vorhandene IT-Umgebungen bereite Probleme. Und es sei aufwendig, die Anwender so zu schulen, dass sie auch die theoretisch möglichen Resultate aus den Systemen gewinnen könnten.

In Sachen Mobile Computing haben sich die Gewichtungen massiv verschoben. Blackberrys waren vor wenigen Jahren noch ein wichtiges Thema in allen IT-Stäben, heute interessiert das nur noch jeden Vierten. Aber auch Apple’s iPhones sind nicht mehr der Hammer, nur noch die Hälfte der Entwickler hat sie im Auge. Dagegen ist Google’s Android für 70 Prozent das Zukunftsthema. Windows 7 Mobile bringt es immerhin mit 35 Prozent auf Platz 3.

Drei von vier Entwicklern erklären, sie müssten sich gerade mit Mobile Computing befassen, und sogar 85 Prozent erwarten das in zwei Jahren. Jeweils rund ein Drittel der Entwickler arbeitet an neuen mobilen Business-Applikationen oder der Erweiterung bestehender für mobile Devices. Die größten Sorgen gelten bei knapp mehr als der Hälfte der Befragten Sicherheit/Privatsphäre und die Kosten der Entwicklung für die unterschiedlichen Mobil-Plattformen.

Cloud Computing ist im IT-Alltag noch ein junges Gebiet, mit dem sich nur 40 Prozent herumzuschlagen haben. Aber drei Viertel der Entwickler nehmen an, dass sie in zwei Jahren damit zu tun bekommen werden. Als Vorteile von Clouds nennen 58 Prozent Flexibilität und Skalierbarkeit. Zwischen 40 und 45 Prozent erwähnen niedrigere IT-Kosten, höhere Effizienz und geringere Kapitalaufwendungen.

Jeder vierte der Entwickler (die höchste Rate) erklärte, ihr Unternehmen entwickle Applikationen für die Cloud. Bei fast ebenso vielen ging es um Virtualisierung und Storage. Interessanterweise nannte 22 Prozent die Private Cloud als Ziel des Computings in der Wolke, während die Public Cloud nur bei 13 Prozent das Ziel ist. Da wird sogar noch die Community Cloud, vor allem für öffentliche Verwaltungen ein Thema, mit 16 Prozent als wichtiger eingeschätzt.

Der Fragenkomplex Social Business umfasst die technischen Grundlagen für die Beziehungen zwischen einer Firma und ihren Kunden beziehungsweise Geschäftspartnern. Wer dafür programmieren muss, hat wohl einen undankbaren Job. Denn fast jeder zweite Entwickler bekundete, derlei käme weder bei den Angestellten noch bei den Kunden gut an. Soziale Netze wie Facebook sind überhaupt nicht gern gesehen; sie spielen nur bei jedem Fünften überhaupt eine Rolle. 43 Prozent der Firmen betrieben vorzugsweise hausinterne Entwicklung, um ihre Angestellten besser zu adressieren. Für die Ansprache der Geschäftspartner haben anscheinend externe Entwicklungsfirmen das bessere Renommee. Auf sie setzen 41 Prozent der Firmen. Ergo: Die Erscheinung nach außen ist wichtiger als die interne Kommunikation.

FiaSCO – Auch eine „unendliche Geschichte“ hat ein Ende

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.09.2011 | Kommentare: 1

So gefällt mir die Rückkehr aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz: „Die unendliche Geschichte“ (heiseOpen) ist jetzt nun wohl doch vorbei. Leider denke ich schon. Seit fast zehn Jahren hat nicht nur mich SCO amüsiert mit immer neuen – und bizarreren, blamableren – Versuchen, nachzuweisen, das Linux von Unix abgekupfert wurde. Früh war zu erkennen, dass es nichts als ein groß angelegter Bluff war, großen IT-Firmen Millionen aus den Taschen zu ziehen.

Zu solchen Berichten habe ich gern Willy (Mink) Deville gehört: Demasiado Corazon, zu viel Mut. Das Stück ist so gut, dass man damit schon mal den Ärger vergessen konnte, dass SCO mit seinen Klagen auch Anwender überzogen hat. Vergeblich, wie sich bald zeigte. Aber die Firma hat tausende Linux-interessierte Organisationen erst einmal zurückschrecken lassen. Seit Jahren ist davon nichts mehr zu spüren. Die IT-Geschichte ist über SCO hinweggegangen. Und einer der aggressivsten Versuche, „intellectual property“ großzügig zu Kohle zu machen, ist in einem FiaSCO geendet.

Nach elfundneunzig Verfahren hat nun ein Berufungsgericht festgestellt, dass das Copyright an Unix Novell gehört. SCO könnte nur noch beim US Supreme Court Klage erheben. Der Oberste Gerichtshof dürfte diese aber kaum zur Verhandlung annehmen. Also entfallen für SCO nun die Grundlagen für die Klagen gegen IBM, Red Hat und andere. Außerdem muss die Firma gut 2,5 Millionen Dollar an Novell, heute Attachmate, zahlen.

Dazu dürfte es kaum mehr kommen. SCO hat keine nennenswerten Einnahmen mehr. Die Anwender des einst legendären SCO-Unix sind längst zu anderen Unix-Derivaten, vor allem aber zum Hauptgegner Linux gewechselt. SCO hat nichts mehr. Nicht einmal mehr Entwickler, nur noch ein paar Manager. Die werden künftig nicht einmal mehr zur Beauftragung von Anwälten für Klagen gebraucht. Game over.

Hintergründe zu Oracle’s OpenOffice-Geschenk an die Apache Foundation

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 06.06.2011 | Kommentare: 0

Zahlreiche Open-Source-Produkte sind für Großunternehmen aus der IT-Branche unverzichtbar. Das ist die wichtigste Lehre aus aktuellen Vorgängen. Oracle interessiert sich zwar ausschließlich für Linux und (ein wenig) für MySQL. IBM aber hat umfassendere Ambitionen und scheut sich nicht, dafür tief in die Tasche zu greifen. Als Oracle das Interesse an dem mit der Übernahme von Sun erhaltenen OpenOffice verlor, weil es sich nicht so einfach zu einer Gelddruckmaschine machen ließ, sprang IBM ein, denn das Büropaket hat für Big Blue strategische Bedeutung.

Offenbar hat IBM in den letzten Wochen intensiv mit Oracle verhandelt und das Unternehmen mit sanftem Druck zu einer akzeptablen Lösung eines Problems bewegt. Oracle übergab am 1.6. OpenOffice.org (OOo) samt aller damit verbundenen Rechte an die Apache Software Foundation (ASF). Dort durchläuft dieses sehr verbreitete Produkt einen aufwändigen Evaluierungs- und Organisationsprozess (Incubator, ausführlicher hier). Mit größeren Problemen ist dabei nicht zu rechnen, so dass die Software eines Tages unter der Apache License 2 stehen wird und vielleicht den Namen Apache OpenOffce tragen wird.

Wie stark IBM in die Aktion involviert war, zeigte eine Pressemitteilung, die das Unternehmen am gleichen Tag veröffentlichte. Es versprach eine „aktive, unterstützende Rolle in der neuen OpenOffice.org“, man werde die weitere Entwicklung auch durch personelle Ressourcen unterstützen – offenbar beendet Oracle alle Entwicklungsarbeiten an OpenOffice. IBM braucht ein lebendiges OpenOffice-Projekt mit hohem Ansehen, was beides in der Oracle Zeit gelitten hat. Denn IBMs Bürosoftware-Suite Lotus Symphony basiert in weiten Teilen auf OpenOffice.

Aufschlussreich sind auch die danach erschienenen Statements führender IBM-Mitarbeiter in dieser Sache. Denen ging es vor allem darum, zu erklären, dass Apache und sein OpenOffice-Projekt trotz des Engagements von IBM unabhängig sei. Ed Brill, Director Lotus Software bei IBM, schrieb in seinem Blog: „In der Apache-Welt bewegen sich Projekte nach dem Willen von Individuen, nicht nach dem von Firmen.“ Bob Sutor, der für die Open-Source-Orientierung zuständige IBM-Vice-President, entwickelte auf seinem Blog zwar einige Ideen für die Zukunft von OpenOffice, versicherte aber, damit der Apache-Stiftung nicht hereinreden zu wollen.

Ein IBM-Mitarbeiter wird im künftigen OpenOffice-Projekt eine hervorgehobene Rolle spielen. Denn die Apache Software Foundation berief Rob Weir in das Leitungsgremium des Projekts. Weir vertritt IBM in diversen internationalen Standardisierungsgremien und spielte eine maßgebliche Rolle bei der Verabschiedung des Office-Standards Open Document Format (ODF). Jetzt betonte er, sich für „die Meritokratie des Apache-Prozesses“ stark machen zu wollen. „OpenOffice muss Vielfalt zeigen… Zu viel IBM- und/oder Oracle-Einfluss werden OO.org nicht helfen.“ Er rief IT-Unternehmen und Einzelentwickler auf, sich an der OpenOffice-Programmierung in dem Apache-Projekt zu beteiligen und beschrieb gleich detailliert die Arbeitsweise.

Wie wichtig die Apache-Stiftung das OpenOffice-Projekt nimmt, zeigt sich auch daran, dass Jim Jagielski, President der ASF, sein Mentor im Aufnahmeverfahren ist. Der brachte gleich ein weiteres Ziel der Organisation zur Sprache: Er habe bereits Kontakt zur LibreOffice-Organisation The Document Foundation aufgenommen und „hoffe, dass wir zusammenarbeiten können“. Die Schirmherrschaft von Apache nährt Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung von Open- und LibreOffice. IBMs Bob Sutor: „Ich hoffe, dass OpenOffice in Apache betrachtet wird als ein Weg, einige Stränge zusammenzubringen, die sich von der Hauptprojektlinie in den letzten Jahren getrennt haben.“

Doch die Document Foundation hat bisher verhalten reagiert. Italio Vignoli, Mitglied in ihrem Steering Committee, bekundete zwar eine generelle Gesprächsbereitschaft, zeigt sich ansonsten aber eher zurückhaltend. Zuerst müssten diverse lizenzrechtliche Probleme um LibreOffice-eigene Entwicklungen aus dem Weg geräumt werden.

CIOs: Linux vereinfacht Innovation

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 23.08.2010 | Kommentare: 0

Kürzlich präsentierte Jean Staten Healy, IBM-Direktor für Worldwide Linux Strategy, auf der LinuxCon einen Beitrag, warum sich IT-Chefs immer stärker Linux zuwenden. Er stützte sich dabei auf nicht veröffentlichte Ergebnisse der letztjährigen Studie „The New Voice of the CIO“, für die IBM mehr als 2500 IT-Leiter aus 78 Ländern befragt hat. Demnach verbringen CIOs im Durchschnitt 55 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Aktivitäten, welche die Innovation in ihren IT-Abteilungen voranbringen sollen. Der Rest der Zeit, also eine recht beträchtliche Anzahl Stunden, geht für das Management der bestehenden IT-Strukturen drauf, bringt die IT ihrer Firmen also nicht wirklich voran.

Eins der wichtigsten Ziele, die mit Innovation verfolgt werden, ist Kosteneffektivität der IT. Dieser Aspekt sorgte in den vergangenen Jahren dafür, dass Linux zunehmend auf die Agenda der CIOs kam. Inzwischen sei dem nicht mehr so, erklärte Healy auf der LinuxCon: Die IT-Chefs wählen Linux aus strategischen Gründen. Es helfe ihnen, mit den Anforderungen mitzuhalten, flexibel und agil zu sein. Es bringe schneller Ergebnisse und Innovation. Das spreche inzwischen mehr für Linux als der Kostenaspekt.

Besonders heben die CIOs laut Healy die Virtualisierungsfähigkeiten von Linux und die ihm eigene Flexibilität hervor. Das erleichtere es, aus den IT-Investitionen mehr zu machen. Die CIOs stellten sich heute andere Fragen als noch vor wenigen Jahren, nämlich: Wie bringe ich etwas schnell zum Laufen? Wird es mit den Veränderungen des Business wachsen? Kann ich geschultes Personal für die Plattform bekommen?

Die Ausführungen von Healy stimmen überein mit den Befunden einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Accenture unter 300 sehr großen Anwenderunternehmen in den USA, England und Irland. Wie hier berichtet, sind den Anwendern nicht mehr Kostenvorteile das wichtigste Argument für Open Source. Vielmehr haben mehr als drei von vier Antwortenden (76 Prozent) ihre Qualität genannt, 71 Prozent Zuverlässigkeit sowie 70 Prozent bessere Beseitigung von Bugs und Schwachstellen. Genau die Hälfte befand, Open Source reduziere die Total Costs of Ownership.

Zehn Jahre Linux auf IBM-Mainframes

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 17.05.2010 | Kommentare: 1

17.5.2010 – Am heutigen Tag jährt sich ein Ereignis, das von großer Bedeutung für die Entwicklung von Linux wurde: IBM veröffentlichte am 17. Mai 2000 einen Linux-Kernel für seine Mainframes.

Im schwäbischen Böblingen wird gefeiert. Denn hier, im Entwicklungszentrum der IBM, hat ein Team es geschafft, den Linux-Kernel an die blauen Großrechner anzupassen. Die Gruppe arbeitete fast zwei Jahre lang völlig im Geheimen (mehr dazu unter www.open-source-presse.de). Das Projekt wäre in der IBM nicht zugelassen worden, obwohl CEO Louis Gerstner und sein Adlatus Sam Palmisano die in ihrer geschlossenen Großrechnerwelt verhaftete und in eine ernste Krise geratene Firma behutsam öffneten. Ein Vice President soll gesagt haben: „Lasst eure Hände von Linux. Das ist Programmieren für Kommunisten.“

Doch zur CeBIT 1999 kam der erste Coup: Parallel erklärten IBM und SAP, künftig Linux auf x86 Servern zu unterstützen. Dem folgten sogleich Oracle, Informix, Sybase und die Software AG. Dieser Vorgang war wie ein Ritterschlag für Linux. Die Erklärung der Branchengrößen war der erste wichtige Schritt, der Linux das Vertrauen der Business-Anwender verschaffte.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Im Januar 2000 versprach Palmisano, IBM werde eine Milliarde Dollar in die Entwicklung von Linux und entsprechend angepasster Software stecken. Im Mai des gleichen Jahres folgte Linux für IBM-Mainframes. Für Linux war das die Erhebung in der IT-Hochadel. Für IBM war es die Rettung der Mainframes, die jetzt plötzlich das gute Image der Offenheit bekamen. In den Jahren 1999 und 2000 wurden die Grundlagen dafür gelegt, dass Linux im neuen Jahrtausend ein massiver Trend wurde.

Dieser Trend hat für völlig neue IT-Strukturen bei den Anwendern gesorgt, die Ende der 90er Jahre niemand erwartet hätte. Er hat der IT-Anbieterseite ein neues Gesicht gegeben. Durch ihn ist eine ganz neue ökonomische Kraft entstanden: die Open-Source-Software-Anbieter und -Dienstleister.

Am Beispiel von IBMs Mainframe-Linux lässt sich gut nachvollziehen, wie die Anwender eine Evolution im Umgang mit Linux durchlebt haben. Im Jahr 2003 gingen 70 Prozent der Workloads für einfache Web-, Applikations-, File- und Print-Services drauf sowie 20 Prozent für DB2-Datenbankprozesse. Der erste Bereich macht heute nur noch zehn Prozent aus, auf die Datenbankoperationen entfallen 35 Prozent, 30 Prozent sind bereits konsolidierte Infrastruktur-Prozesse und 25 Prozent zählen die Anwender zu ihren „mission-critical“ Applikationen.

Linux ist in der IT allgegenwärtig geworden. Seine Präsenz reicht vom Handy bis zu Superrechnern. Seine hohe Qualität haben ein Entwicklungsverfahren populär gemacht: Open Source. Auch diese Art Software ist inzwischen omnipräsent und überzeugt immer mehr professionelle Anwender. IBMs Verdienst ist es, dieser Entwicklung bedeutende Anstöße gegeben zu haben.

Lehren aus der Kritik an IBM

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 15.04.2010 | Kommentare: 0

15.04.2010 – Es war ein kurzer, aber heftiger Sturm. Im Wasserglas, wie sich bald zeigen sollte, aber durchaus erinnerungswürdig, weil lehrreich. IBM hat im Konflikt mit dem französischen Hersteller Hercules eine Liste von Patenten vorgelegt, die Big Blue durch dessen Mainframe-Emulator „OpenHercules“ verletzt sieht. Darunter finden sich zwei Patente, die IBM 2005 im „Non-Assertation Pledge“ (dem so genannten 500-Patente-Geschenk) für Open-Source-Produkte zur kostenlosen Nutzung freigegeben hatte, die unter einer damals von der OSI akzeptierten Lizenz stehen. OpenHercules fällt darunter, denn es steht unter der Qt Public License (QPL) von 1999.

Sofort ging ein Sturm der Entrüstung durch Open-Source-bedachte Online-Medien und Blog-Rolls. Er legte sich aber, nachdem sich bald IBMs oberster Chef für Open-Source-Fragen, Dan Frye (Vice President Open Systems Development), mit einer Klarstellung gemeldet hatte. Frye schrieb unter anderem: „IBM steht heute zu ihrer 2005 gegebenen Non-Assertation Pledge genau so fest wie damals. IBM wird nicht wegen der Verletzung irgendeines dieser 500 Patente durch irgendeine Open-Source-Software klagen.“ Eine ausführliche, deutschsprachige Darstellung des Vorgangs und der Hintergründe findet sich hier.)

Aus den Geschehnissen lassen sich einige Lehren ziehen:

* Nicht nur Firmen und Organisationen, sondern auch Einzelpersonen bilden die Kraft der Open-Source-Community. Die Kritik an IBM äußerte sich fast ausschließlich in individuellen Stimmen.

* Die Kritik hat die Fragwürdigkeit von Softwarepatenten wieder ins Rampenlicht gestellt. Die Aufmerksamkeit auf die Bewegung gegen solche Patente hat sich erhöht.

* Die IBM-kritischen Positionen waren, selbst wenn man die zunehmenden Kommentare von Trolls abzieht, in weiten Teilen überzogen und Panikmache. Es gibt aber gleichzeitig genug Zeitgenossen, die seit langer Zeit die Open-Source-Entwicklung beobachten oder aktiv gestalten und aus ihren Erfahrungen zu besonnenen Positionen kommen.

* Besonnene Kräfte warnen die Open-Source-Szene auch vor Leichtfertigkeit, Übermut und Missbrauch ihrer Rechte. Exemplarisch ist die Aussage von cnet-Blogger und Ubuntu-COO Matt Asay: „Nur weil OpenHercules Open Source ist, ist das keine Lizenz zum Stehlen.“ Ähnlich mahnend hat sich Paula Hunter von Groklaw gemeldet und IBM verteidigt.

* Die Kritik wurde in kürzester Zeit so massiv, dass sie IBM unter Druck setzte, einen Rückzieher zu machen und das Fortbestehen des Patentgeschenks bekräftigen musste. Open Source ist eine mächtige und selbstbewusste Kraft in der IT-Branche.

* Daraus folgt, dass es Firmen sehr schwer fallen dürfte, einmal eingenommene Open-Source-Positionen zurückzunehmen. Open Source ist klebrig und keine Frage von Zeitgeist.

* Dies wird hoffentlich zur Folge haben, dass Firmen nicht mehr so leichtfertig von ihrer Open-Source-Orientierung schwabulieren. Und das ist gut so. Denn in letzter Zeit ist es geradezu chic geworden, sich gelegentlich das modische Open-Source-Mäntelchen überzuhängen, um sich als modern, offen, gut und zukunftsgerichtet darzustellen. Open-Source-Orientierung zeigt sich nicht am Etikett, sondern am Engagement.

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