Stadt Bonn als IT-Standort – Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zu Gast in der tarent AG

von: Nina Haering | am: 12.12.2012 | Kommentare: 0

Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister der Stadt Bonn, besuchte in der vergangen Woche die tarent AG in Bonn. Unter dem Fokus Bonn als IT-Standort diskutierte Herr Nimptsch gemeinsam mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat der tarent. Dabei ging es in erster Linie um die Weiterentwicklung der IT-Branche in Bonn und um Konzepte zur Unterstützung der Innovationsentwicklung.

Auch die Start-up und Gründerszene Bonns war Thema in dem Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Viel mehr müsse in die Jungunternehmer investiert werden, so Herr Nimptsch. Auch der Vorstand, sowie der Vorsitzende des Aufsichtsrats der tarent AG schlossen sich Herrn Nimptsch an; Start-ups und Jungunternehmer, die frisch von der Universität kommen sollten von erfahrenen Wirtschaftsunternehmen begleitet und unterstützt werden.
Die tarent AG bedankt sich für die Zeit von Herrn Nimptsch und freut sich auf die weitere gemeinsame Zusammenarbeit.

Britische Regierung macht offene Standards zur (Beinahe-)Pflicht

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 09.03.2011 | Kommentare: 0

Zwei konservative europäische Regierungen, doch zwei deutlich unterschiedliche IT-politische Ausrichtungen. In Deutschland verkommt die jahrelange Orientierung auf „offene Standards“ zur Beliebigkeit – man erinnere sich an die Debatte über „Marktstandards“. In Großbritannien schreibt die Regierung der öffentlichen Verwaltung bei der Auftragsvergabe den Einsatz offener Standards vor. Britische Behörden müssen nunmehr „in ihren Beschaffungsvorgaben wo immer möglich auf offene Standards setzen“.

Was „offene Standards“ sind, ist auch genau definiert – enger als es die EU in der neuen Version des European Interoperability Framework (EIF) getan hat, von bundesdeutschen Interpretationen ganz zu schweigen. Solche Standards müssen nämlich nach britischer Vorgabe (ausführlicher hier) Ergebnis eines „offenen, unabhängigen Prozesses“, in eine Norm eingeflossen, vollständig dokumentiert sowie kostenlos oder zu geringen Kosten verfügbar sein. Dabei muss sich das mit Standards verbundene geistige Eigentum „unwiderruflich und lizenzkostenfrei“ nutzen lassen.

Von Open-Source-Software ist nicht die Rede, aber es scheint sie fördern zu wollen. Ganz so ist dem allerdings doch nicht. Denn die Regierungsvorgabe enthält ein Hintertürchen, nämlich eine Ausnahme für den Fall, dass „klare Geschäftsgründe“ ihre Einhaltung nicht möglich machen. Solche Ausreden werden sich finden lassen. Die Marketing-Abteilungen proprietärer Anbieter werden die Argumente hübsch zu formulieren wissen.

Doch die Business Software Alliance (BSA), die internationale Lobby der proprietären Softwarehersteller, hat sogleich erkannt, dass ein Verlangen nach offenen Standards nicht diesen, sondern den Open-Source-Anbietern entgegen kommt. Weshalb sie sich sogleich „zutiefst besorgt“ über die Regierungsvorschrift äußerte. Die Begründung entsprach 1 : 1 der alten Argumentation gegen Open Source. Früher erklärte die BSA über diese, heute über die Vorgabe offener Standards, „sie vermindert unausweichlich das Angebot, behindert Innovation und erhöht die Kosten von E-Government.“ Der britische IT-Journalist Glyn Moody kommentiert: „More Fun with Anti-Open Source FUD“

tarent auf dem LinuxTag 2010

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 15.06.2010 | Kommentare: 0

Zufrieden dürfte das tarent-Team den LinuxTag 2010 bilanzieren. Wieder einmal war ihr Stand mit 81 Quadratmetern Fläche der größte aller Aussteller. Tarent bekräftigte damit seine unveränderte Unterstützung des LinuxTag e.V. Die Berliner Kongressmesse kam insgesamt auf 25 Prozent mehr Ausstellungsfläche und verzeichnete einen leichten Besucheranstieg von 10.700 auf 11.600.

Wie immer lud der Stand vor allem ein junges Publikum zur spielerischen Annäherung an IT und Open Source ein. Dies widerspiegelt eine zentrale personalpolitische Orientierung des Anbieter, wie Michael Kleinhenz, Chefarchitekt bei tarent, erklärt: „Uns kommt es weniger auf Spitzenprogrammierer an als auf Kreativität und Teamfähigkeit.“ Tarent sucht weitere Mitarbeiter für das Mutterhaus in Bonn und die Niederlassung in Berlin.
Mit der Gründung und dem schnellen Ausbau der Berliner Filiale hat Tarent auf die immer noch starke Nachfrage nach Open-Source-basierenden Lösungen in den Behörden der Bundeshauptstadt reagiert. „Ein Großteil der IT-Projekte der öffentlichen Hand sind Open-Source-Projekte“, berichtete Kleinhenz als Vertreter des LinuxTag e.V. auf der Eröffnungspressekonferenz der Kongressmesse. „Behörden sind Open-Source-freundlicher als Unternehmen.“ In einigen Fällen hätten die IT-Abteilungen von Firmen Linux-Projekten bereits zugestimmt, die dann doch an lizenzrechtlichen Unsicherheiten scheiterten. Kleinhenz: Open Source hat gerade in Rechtsabteilungen der Großunternehmen einen schweren Stand.“

Daher will tarent künftig verstärkt Unternehmen ansprechen. Dazu könnte das Unternehmen unter anderem Entwicklungen aus Projekten vermehrt in allgemeiner verwendbare Produkte umsetzen. Jedenfalls empfahl Kleinhenz dieses als Mittel für Open-Source-Unternehmen, um über die verbreiteten Geschäftsmodelle hinauszugehen, die auf Programmierung, vor allem aber auf Service und Support basieren.
Der LinuxTag ist eine einmalige Gelegenheit Community-Projekte und andere kleine Open-Source-Unternehmen kennenzulernen. Dabei lässt sich vieles entdecken, das man sonst nicht so leicht finden würde.

Am Beispiel Großbritannien: Ökonomie-Lehrstück Open Source

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.05.2010 | Kommentare: 0

27.5.2010 – Wer bundesdeutsche politische Verhältnisse gewohnt ist, hat in den letzten zehn Jahren einige denkwürdige Wandlungen von Parteipositionen erlebt. Mit Blick auf Großbritannien reibt man sich aber verwundert die Augen, weil dort die Politik das exakte Gegenteil dessen vollzieht, was hierzulande zu erwarten wäre. In Großbritannien hat die neue konservativ-liberale Regierung unter David Cameron und Nick Clegg eine Koalitionsvereinbarung (PDF hier) geschlossen, deren Inhalte sehr überraschen. Denn sie zielt darauf, Bürgerrechte wieder herzustellen und aus einem Überwachungsstaat auszusteigen, den ausgerechnet die sozialdemokratischen Vorgängerregierungen systematisch aufgebaut hatten.

Großbritannien galt bisher als der Big-Brother-Staat par excellence im Westen. Nirgendwo war die Überwachung der Bürger mit Videotechnik und IT-Systemen so perfektioniert. Die meisten von Labour-Regierungen eingeführten Maßnahmen wollen Torries und Liberale nun wieder abschaffen. Andere vorgesehen Pläne werden nicht weiter verfolgt. Genaueres findet sich dazu hier.

Doch die konservativ-liberale britische Regierung geht in ihren Plänen noch darüber hinaus. Zum einen verstärkt sie eine in Ansätzen schon unter Labour erkennbare Orientierung auf Open Source. So heißt es in der Koalitionsvereinbarung: „Wir werden Open-Source-Software gleiche Chancen einräumen und große ITK-Projekte in kleinere Komponenten aufteilen.“ Zum Vergleich: In Deutschland läuft gerade ein Vorhaben an, die IT- von Bundesämtern in riesigen Rechenzentren zusammenzufassen..

Zum anderen bezieht die neue britische Regierung eine weitere bemerkenswerte Position zu Datenaustauschformaten: „Wir werden sicherstellen, dass die öffentlichen Einrichtungen Daten nur noch in offenen und standardisierten Formaten veröffentlichen, sodass Dritte sie leicht und mit minimalen Kosten nutzen können.“ In Deutschland ist das exakte Gegenteil vorgesehen: Öffentliche Verwaltungen sollen sich in der IT an „bestehenden Marktstandards“ orientieren.

Nun bleibt natürlich erst einmal abzuwarten, was aus ihrer Koalitionsvereinbarung die konservativ-liberale britische Regierung tatsächlich umsetzen wird. Dass es Abstriche geben wird, entspricht politischer Erfahrung. Die Generalorientierung aber ist bemerkenswert. Die Frage ist, was ihre Ursachen sind?

Es ist keineswegs so, dass sich in Großbritannien Konservative und Liberale quasi links von Sozialdemokraten positionieren. Es ist lediglich eine Frage der Ökonomie. Die ganzen Überwachungsmaßnahmen haben nicht mehr Sicherheit gebracht, sondern nur Unmengen Geld gekostet. Und das hat der britische Staat, der wie andere Länder Europas knapp an der Klippe zum finanziellen Absturz steht nicht mehr. Aus dem gleichen Grund erfahren Open Source und offene Standardformate eine Aufwertung. Diesbezüglich zählte Großbritannien in Europa bisher eher zu den Schlusslichtern. Jetzt hat sich dort bis auf die Ebene politische Entscheidungsträger zumindest die Erwartung verbreitet, dass Open Source und offene Standards probate Mittel sein könnten, um IT-Ausgaben zu sparen.

In Deutschland ist die IT-politische Orientierung bisher eine andere, weil der finanzpolitische Leidensdruck noch nicht britische Ausmaße hat. Der vorhandene Zwang zu sparen führt hier bisher nur zu der durchaus naheliegenden Idee der Konsolidierung. Die abenteuerlichsten Sparvorschläge werden hierzulande diskutiert, vor allem natürlich wieder Maßnahmen, die auf Kosten der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft gehen würden.

Dabei gäbe es noch ein gewaltiges Sparpotenzial, würde die IT der öffentlichen Verwaltung, wo immer es geht, konsequent auf Open Source und offene Standards setzen. Wenn die Politik diese beiden Aspekte auch zu Maximen staatlicher Konjunkturprogramme erheben würde, ließe sich noch mehr erreichen: Weniger Steuergelder würden nicht in die Kassen amerikanischer IT-Konzerne abfließen, um die Konjunktur in den USA anzukurbeln, sondern stärker deutschen mittelständischen IT-Anbietern zugutekommen. Hierzulande gibt es Open-Source-Kompetenz, die im internationalen Vergleich einen hervorragenden Ruf hat. Nicht nur diese Position ließe sich ausbauen. Auch Arbeitsplätze würden geschaffen, Hightech-Wissen im Lande gehalten. Von den Steuereinnahmen, die jeder Arbeitsplatz direkt und indirekt über den Konsum nach sich zieht, ganz zu schweigen. Das wäre eine zukunftsorientierte Konjunkturpolitik.

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