Oracles Strategie und freies Java

von: Elmar Geese | am: 31.08.2011 | Kommentare: 0

Oracle hat seine Lizensierungspolitik weiter geändert. Es wird keine Verteilung des ehemaligen Sun-Java durch Linux Distributionen mehr geben können. Oracle verweist alternativ auf das OpenJDK. Da stellt sich natürlich die Frage: Ist das gut oder schlecht für Java?
Um es kurz zu machen: Ich glaube das es gut ist. In der Zukunft wird es bei vielen Marktteilnehmern ein noch stärkeres Interesse geben, trotz Java Technologieeinsatz nicht alleine von Oracle abhängig zu sein. Daher wird es dazu führen, das die Entwicklung des OpenJDK weiter vorranschreitet, und sich letztlich auch aus dem Oracle Einflussbereich lösen wird.
Für keine Community kann es eine bessere Motivation geben, als die Proprietarisierung und Technologiebeherrschung durch einen Marktführer im Bereich dieser Technologie. Deswegen will Sylvestre Ledru, einer der Debian Maintainer des Pakets (ein weiterer ist übrigens der tarent Mitarbeiter Torsten Werner) auch nicht ein Nachlad- und Installierfunktion für Oracle Java wie bei Flash einbauen. Dazu kommentiert Ledru in seinem Blog:
We could do that but we probably won't. We could either take this opportunity to improve Openjdk.
Permalien 27.08.11 @ 14:52

Java wird so weiter zu einer freien Alternative und Oracle geht gradlinig seinen proprietären Weg, mit ein paar Unberechenbarkeiten, damit es spannend bleibt. Denn das wird nicht das Letzte sein was wir in Bezug auf freies Java von Oracle hören, das zur Zeit ja noch die OpenJDK Entwicklung unterstützt (wie auch die IBM). Wenn Oracle auch das irgendwann beendet, werden wir eine ähnliche Situation wie beim Austieg aus OpenOffice, was zu LibreOffice führte. Nur das es dramatisch mehr Entwickler für Java gibt, als für LibreOffice. Sollte es gelingen, mehr Kontributoren für das OpenJDK zu gewinnen, kann auf Dauer kein proprietärer Anbieter mithalten, wo Wirtschaftlichkeitsaspekte eine Rolle spielen. Im Falle von Oracle sind es aber strategische Gründe und der absehbar unbegrenzte Atem die die eigene Strategie durchzuziehen. In diesem Spiel wird es dennoch keine Verlierer geben, mindestens die Kunden stehen jetzt schon als Gewinner fest, denn sie gewinnen die Freiheit der Wahl. Wer sowieso schon weitreichend Oracle Stacks einsetzt wird davon kaum berührt sein, für alle Anderen gibt es jetzt die Möglichkeit sich besser aufzustellen. Dazu gehört besonders der Mitbewerb von Oracle das gerne von RedHat Führungskräften als Feind No.1 bezeichnet wird. Eine gute Idee wäre, jetzt den Worten Taten folgen zu lassen und sich stark für ein freies Java zu engagieren, schon um den Wert der JBOSS Investition zu schützen.

Android 360: Die ersten Schritte als Plattformarchitekt

von: ckuest | am: 11.05.2011 | Kommentare: 0

Wer sich für Android interessiert und auch jenseits der Applikationsentwicklung mal in einen Erfahrungsbericht über die Portierung von Android auf ein neues Gerät schnuppern will, dem sei Roberts und mein Artikel im bald erscheinenden Android 360 Magazin Ausgabe 2.11 ans Herz gelegt.

Ein kleiner Ausblick in Form des Abstracts:

Androids Erfolg wird nicht ausschließlich von der Menge an Applikationen oder der Fülle von Entwicklern bestimmt. Schlussendlich ist auch die schiere Anzahl verschiedenster Geräte die mit Googles Mobilplattform betreibbar sind, ein Erfolgsfaktor. Doch was gibt Google uns Entwicklern an die Hand, Android auf neue Geräte zu bringen oder es an unsere Wünsche anzupassen?

Bildquelle (mit freundlicher Genehmigung): www.android360.de

FOSDEM: Freies Java ist wichtiger denn je !

von: Nina Keller | am: 09.02.2011 | Kommentare: 1

Im Rahmen der am letzten Wochenende veranstalteten Open Source  Entwicklerkonferenz FOSDEM fand ein Java Workshop statt, der von Interesse der Entwickler fast überrollt wurde. Nicht selten waren deutlich mehr Interessenten als Sitzplätze vorhanden.  Der Workshop wurde durch die tarent als Hauptsponsor unterstützt, Elmar Geese, Gründer des führenden Open Source Lösungsanbieters: “Wir freuen uns sehr über das Interesse, das freies Java heute erfährt. Nach unserer Meinung sollte man sich nicht einfach darauf verlassen, das große IT Industrieunternehmen Java herstellen und verteilen. Open Source funktioniert nur dann wirklich, wenn sie in Kollaboration hergestellt wird.” Insoweit sei die jetzige Situation nach dem Erwerb von SUN durch Oracle dazu geeignet das sich auch andere Unternehmen oder Communities mehr als bisher in die Java Entwicklung einbringen.
Auf der FOSDEM hatte auch Oracle’s JDK7-Projektleiter Mark Reinhold zum Thema der zukünftigen OpenJDK-Governance referiert. Geese dazu: “Wir müssen sehen, was da passiert. Wir setzen auf Kooperation, aber wir sind auch vorsichtig. Java ist zu groß und zu wichtig um schleichend reproprietarisiert zu werden.”

Oracle beweist: Open Source ist unsterblich

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 01.07.2010 | Kommentare: 0

Seit der Übernahme von Sun durch Oracle hat es immer sorgenvolle Stimmen gegeben, was nun wohl aus den Open-Source-Produkten und -Projekten werde, die Sun einst unterstützte. Mehr als ein Jahr nach dem überraschenden Coup von Oracle lässt sich eine Bilanz immer noch nicht ziehen. Unverändert sind Beobachter auf Stimmen einzelner Oracle-Manager angewiesen, die aber bisher verbreitete Befürchtungen letztlich nicht haben ausräumen können.

Aus der Sicht der Besitzer von Oracle-Aktien könnte das Unternehmen mit der Übernahme alles richtig gemacht haben. Nach Oracle-Angaben wird die Sun-Übernahme mehr zum Gesamtumsatz beitragen als die Käufe von BEA, Peoplesoft und Siebel zusammen. Aber es gibt noch andere Personen, die quasi einen Anteil an Oracle haben, nämlich jene, die Code für einst von Sun unterstützte Open-Source-Produkte beigetragen haben. Für diese Leute sieht es nicht so schön aus, was Oracle macht.

In der jüngsten Ausgabe des hauseigenen „Oracle Magazine“ hat sich der Chief Corporate Architect Edward Screven soeben über „the importance of open source and open standards“ interviewen lassen. Dabei geht er auf die von Sun übernommenen Open-Source-Produkte MySQL, Java und OpenOffice ein.

MySQL solle erstens in Sachen Features, Durchsatz und Qualität ein besseres Produkt werden, zweitens besseren Support erhalten und drittens besser mit anderen Oracle-Produkten verknüpft werden. Unverändert fehlt jedoch eine Angabe, wie Oracle das preislich attraktive Open-Source-Produkt in Relation zur Hausdatenbank am Markt positioniert. Ferner laufen die Aussagen zum dritten Aspekt der Integration darauf hinaus, dass in mancherlei Hinsicht nicht MySQL verbessert wird, sondern die Anwender Verbesserungen nur dann erleben werden, wenn sie andere Oracle-Produkte kaufen.

Es fällt auf, dass Screven nichts darüber sagt, wie Oracle die Entwicklung von MySQL gestalten möchte. Die Datenbank wurde seit frühen Entstehungszeiten ausschließlich von der Firma MySQL entwickelt. Die Rolle der „Community“ beschränkte sich auf eine ziemlich passive Anwenderrolle, nämlich auf Fehlersuche, Verbesserung der Dokumentation und Anregungen für die weitere Entwicklung. Wird das unter Oracle-Ägide so weiter gehen? Welches Motiv sollten die Anwender haben, mit ihrer Beteiligung die Profite von Oracle zu mehren, wenn sie nicht belohnt werden? Oracle bleibt die Antworten schuldig.

Java war nach Äußerungen von Oracle ein Hauptmotiv der Sun-Übernahme. Das Unternehmen hebt immer wieder die strategische Bedeutung der Programmiersprache hervor. Aber wie steht es um sie, wenn ihr Erfinder, James Gosling, das Handtuch wirft und bei Oracle kündigt? Seine Aussage zu dem Vorgang: „Warum ich gegangen bin, ist schwer zu sagen: So ziemlich alles, was ich dazu akkurat und ehrlich sagen könnte, würde mehr Schaden als Gutes bewirken.“ Was immer da vorgefallen ist, dieser Abgang und diese Aussage hinterlassen ein mulmiges Gefühl.

OpenOffice kommt in Oracle-Statements herzlich wenig vor. Die Bürosuite nimmt sich selbst in Oracle’s Gemischtwarenladen an wie ein Fremdkörper, es passt zu nichts rechts und links. Deswegen bildet sie bei Oracle auch eine selbständige Global Business Unit, mit eigenem Entwicklungs- und Verkaufsteam, mit eigenständiger Organisation. Deswegen hat mein Kollege Glyn Moody vorausgesagt, Open Office werde „wahrscheinlich weitestgehend vom Oracle-Topmanagement ignoriert“. Ich bin nicht sicher, ob ich das für eher besser oder eher schlechter halten soll.

Glyn Moody findet es übrigens besonders bemerkenswert, dass Oracle-Manager Screven in einem Beitrag über die Wichtigkeit von Open Source und Offenen Standards nicht auf OpenSolaris eingeht. In meinen Augen ist das ein klares Zeichen, dass Oracle mit dem Sun-Betriebssystem auch nach mehr als einem Jahr nicht recht etwas anzufangen weiß. Dabei wäre die nächstliegende Idee, endlich die erfolglose Red-Hat-Kopie „Unbreakable Linux“ aufzugeben und durch OpenSolaris zu ersetzen.

Oracle ist aber keine Betriebssystem-Company und bräuchte die erfahrenen „Deckhands“ aus Sun-Zeiten. Von denen sind aber etliche von Bord gegangen und haben anderswo angeheuert. Einer von ihnen ist besonders interessant und zeigt den Weg an: Simon Phipps, einst unter Kapitän Jonathan Schwartz der Sun-Steuermann in Open-Source-Gewässern. Heute ist er (hier sein fabelhafter „Webmink“-Blog) der Chefstratege des norwegischen Open-Source-Unternehmens ForgeRock.

ForgeRock hat zum Einstand gleich einmal eine lehrreiche Aktion hingelegt: Es veröffentlichte das Produkt OpenAM, das ein kaum überarbeiteter Fork des Open-Source-Produkts OpenSSO von Sun ist. Kurz zuvor hatte Oracle von seinen Websites die Download-Möglichkeit für diese Single-Sign-on-Lösung beseitigt. Dabei war OpenSSO unter Sun-Aufsicht noch gedacht als Kern eines umfassenderen Open-Source-Pakets für Authentifizierung und Rechteverwaltung. Genau diese Ausbaupläne verfolgt nun ForgeRock weiter.

Dies ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass Open-Source-Produkte – anders als bei proprietären Lösungen – nicht einfach in Folge einer Firmenübernahme verschwinden, weil der neue Besitzer ihren Wert nicht erkennt oder sie ihm nicht ins Konzept passen. Für MySQL stünde der Nachfolger Maria DB schon bereit. Für Anwender ist es beruhigend zu wissen, dass Open-Source-Software auch dann unsterblich ist, wenn sie selbst mit dem Sourcecode nichts anzufangen wissen.

Die Open-Source-Community reagiert schnell, wenn ein Produkt in Gefahr ist, das viel versprechend angelegt ist, verbreitet ist und/oder benötigt wird. Sie agiert sogar prophylaktisch. Beispiele sind Adempiere, als das ERP- und CRM-Projekt Compiere ins Schlingern kam, oder Icinga, als es bei Nagios nicht mehr recht weiter ging.

Oracle scheint kein Verständnis für Open-Source-Entwickler- und Anwender-Communities zu haben. Und das könnte für den Softwaregiganten fatal enden. Wenn es dem Unternehmen nicht gelingt, Communities um seine Open-Source-Produkte zu bilden und an sie zu binden, wird es mit diesen Lösungen bald alleine stehen. Communities sind schneller ruiniert als aufgebaut. Ohne sie gibt es die Open-Source-Produkte nicht mehr, wohl aber Forks, Ableitungen von den alten Code-Grundlagen. Daraus muss Oracle kluge Lehren ziehen – nicht die Anwender.

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