Die Zukunft der IT – aus Sicht der Softwareentwickler

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.11.2011 | Kommentare: 0

Im Sommer eines jeden Jahres befragt IBM die Softwareentwickler, die sich auf der Web-Plattform „developerWorks“ registriert haben. Diesmal hatte Big Blue vier Themen vorgegeben, die sie in den nächsten zwei Jahren am meisten beschäftigen könnten: Business Analytics, Mobile Computing, Cloud Computing und Social Business. Mehr als 4000 IT-Fachkräfte haben sich beteiligt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor (kostenloser und registrierungsfreier PDF-Download hier).

Business Analytics ist demnach der Bereich mit der schon jetzt am besten angenommen ist. 42 Prozent erklärten, Lösungen seien gefragt. Das Thema wird auch weiterhin eine große Rolle spielen meinen sogar 90 Prozent. Auffallend ist dabei, dass 87 Prozent der Ansicht sind, Open-Source-Plattformen wie Apache Hadoop und Linux in diesem Kontext eine Schlüsselrolle zukommen werde. Fast die Hälfte der Befragten äußerte die Ansicht, Business Analytics führe zu mehr Automatisierung in der IT und zu schlankeren Prozessen. Allerdings berichten auch zwei Drittel der Befragten von Problemen: Die Integration komplexer Analysesoftware in vorhandene IT-Umgebungen bereite Probleme. Und es sei aufwendig, die Anwender so zu schulen, dass sie auch die theoretisch möglichen Resultate aus den Systemen gewinnen könnten.

In Sachen Mobile Computing haben sich die Gewichtungen massiv verschoben. Blackberrys waren vor wenigen Jahren noch ein wichtiges Thema in allen IT-Stäben, heute interessiert das nur noch jeden Vierten. Aber auch Apple’s iPhones sind nicht mehr der Hammer, nur noch die Hälfte der Entwickler hat sie im Auge. Dagegen ist Google’s Android für 70 Prozent das Zukunftsthema. Windows 7 Mobile bringt es immerhin mit 35 Prozent auf Platz 3.

Drei von vier Entwicklern erklären, sie müssten sich gerade mit Mobile Computing befassen, und sogar 85 Prozent erwarten das in zwei Jahren. Jeweils rund ein Drittel der Entwickler arbeitet an neuen mobilen Business-Applikationen oder der Erweiterung bestehender für mobile Devices. Die größten Sorgen gelten bei knapp mehr als der Hälfte der Befragten Sicherheit/Privatsphäre und die Kosten der Entwicklung für die unterschiedlichen Mobil-Plattformen.

Cloud Computing ist im IT-Alltag noch ein junges Gebiet, mit dem sich nur 40 Prozent herumzuschlagen haben. Aber drei Viertel der Entwickler nehmen an, dass sie in zwei Jahren damit zu tun bekommen werden. Als Vorteile von Clouds nennen 58 Prozent Flexibilität und Skalierbarkeit. Zwischen 40 und 45 Prozent erwähnen niedrigere IT-Kosten, höhere Effizienz und geringere Kapitalaufwendungen.

Jeder vierte der Entwickler (die höchste Rate) erklärte, ihr Unternehmen entwickle Applikationen für die Cloud. Bei fast ebenso vielen ging es um Virtualisierung und Storage. Interessanterweise nannte 22 Prozent die Private Cloud als Ziel des Computings in der Wolke, während die Public Cloud nur bei 13 Prozent das Ziel ist. Da wird sogar noch die Community Cloud, vor allem für öffentliche Verwaltungen ein Thema, mit 16 Prozent als wichtiger eingeschätzt.

Der Fragenkomplex Social Business umfasst die technischen Grundlagen für die Beziehungen zwischen einer Firma und ihren Kunden beziehungsweise Geschäftspartnern. Wer dafür programmieren muss, hat wohl einen undankbaren Job. Denn fast jeder zweite Entwickler bekundete, derlei käme weder bei den Angestellten noch bei den Kunden gut an. Soziale Netze wie Facebook sind überhaupt nicht gern gesehen; sie spielen nur bei jedem Fünften überhaupt eine Rolle. 43 Prozent der Firmen betrieben vorzugsweise hausinterne Entwicklung, um ihre Angestellten besser zu adressieren. Für die Ansprache der Geschäftspartner haben anscheinend externe Entwicklungsfirmen das bessere Renommee. Auf sie setzen 41 Prozent der Firmen. Ergo: Die Erscheinung nach außen ist wichtiger als die interne Kommunikation.

Die runden Geburtstage

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.09.2011 | Kommentare: 0

Es ist gerade Zeit der großen Jahrestage: 20 Jahre Linux (25.8.) und 30 Jahre Chaos Computer Club (12.9.). Solche Daten sind den Redaktionen (zumal im Sommerloch) eine beliebte Gelegenheit, tief in der Geschichte zu wühlen. Das war in diesen Fällen nicht anders, weswegen hier darauf verzichtet werden soll, dem Berg der Erinnerungen noch zwei hinzuzufügen. Einige Beiträge waren wirklich lesenswert. Deswegen hier ein paar Empfehlungen.

Zur Geschichte von Linux:

Sehr lesenswert und gut komprimiert ist der Rückblick von Oliver Diedrich auf HeiseOpen:

http://www.heise.de/open/artikel/Die-Geschichte-von-Linux-1329997.html

Zur Geschichte des Chaos Computer Clubs (CCC):
„Der Spiegel“ hat den CCC seit langem sehr freundlich begleitet und aus Anlass des Geburtstags gleich zwei ausführliche Beiträge veröffentlicht:

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/23185/mit_dem_hacken_davongekommen.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,785442,00.html

Ein paar andere, aber sehr interessante Aspekte der Geschichte beleuchtet Detlef Borchers in einem Beitrag für HeiseOpen:

http://www.heise.de/open/meldung/30-Jahre-CCC-Am-Anfang-war-das-Chaos-1340792.html

Okay, alle diese Artikel haben einen begrenzten Umfang; Studien von akademischer Ausführlichkeit sind es nicht. Sie halten die zur Lektüre notwendige Zeit in vertretbarem Rahmen. Bestens, um schnell einen Einstieg oder einen das Gedächtnis auffrischenden Überblick zu diesen Themen zu bekommen. Das reicht locker, um im Kollegenkreis mitreden zu können.

FiaSCO – Auch eine „unendliche Geschichte“ hat ein Ende

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.09.2011 | Kommentare: 1

So gefällt mir die Rückkehr aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz: „Die unendliche Geschichte“ (heiseOpen) ist jetzt nun wohl doch vorbei. Leider denke ich schon. Seit fast zehn Jahren hat nicht nur mich SCO amüsiert mit immer neuen – und bizarreren, blamableren – Versuchen, nachzuweisen, das Linux von Unix abgekupfert wurde. Früh war zu erkennen, dass es nichts als ein groß angelegter Bluff war, großen IT-Firmen Millionen aus den Taschen zu ziehen.

Zu solchen Berichten habe ich gern Willy (Mink) Deville gehört: Demasiado Corazon, zu viel Mut. Das Stück ist so gut, dass man damit schon mal den Ärger vergessen konnte, dass SCO mit seinen Klagen auch Anwender überzogen hat. Vergeblich, wie sich bald zeigte. Aber die Firma hat tausende Linux-interessierte Organisationen erst einmal zurückschrecken lassen. Seit Jahren ist davon nichts mehr zu spüren. Die IT-Geschichte ist über SCO hinweggegangen. Und einer der aggressivsten Versuche, „intellectual property“ großzügig zu Kohle zu machen, ist in einem FiaSCO geendet.

Nach elfundneunzig Verfahren hat nun ein Berufungsgericht festgestellt, dass das Copyright an Unix Novell gehört. SCO könnte nur noch beim US Supreme Court Klage erheben. Der Oberste Gerichtshof dürfte diese aber kaum zur Verhandlung annehmen. Also entfallen für SCO nun die Grundlagen für die Klagen gegen IBM, Red Hat und andere. Außerdem muss die Firma gut 2,5 Millionen Dollar an Novell, heute Attachmate, zahlen.

Dazu dürfte es kaum mehr kommen. SCO hat keine nennenswerten Einnahmen mehr. Die Anwender des einst legendären SCO-Unix sind längst zu anderen Unix-Derivaten, vor allem aber zum Hauptgegner Linux gewechselt. SCO hat nichts mehr. Nicht einmal mehr Entwickler, nur noch ein paar Manager. Die werden künftig nicht einmal mehr zur Beauftragung von Anwälten für Klagen gebraucht. Game over.

Supercomputer sind Linux-Land

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 20.06.2011 | Kommentare: 1

Schon mal einen Supercomputer gesehen? Nicht auf einem Foto, sondern richtig. Nur mal unbedacht die hübsche runde, rote Sitzbank im Münchner Deutschen Museum der Technik zum Ausruhen genutzt? Das war eine Cray I. Der Anfang des Supercomputings. Deren Rechenpower dürften die PCs in meiner Wohnung insgesamt auch schaffen. High Performance Computing sieht heute anders aus: eine Fabrikhalle voller Schränke. Erst wenn man sie öffnet, sieht man die Server darin. Aber vorher sollte man den Gehörschutz über die Ohren ziehen; denn es wird infernalisch laut. Und etwas mulmig wird einem angesichts der vielen Schilder mit Warnungen: Im Brandfall warnt eine Sirene, dass man in 30 Sekunden die Halle verlassen haben muss, bevor der schlagartig sämtlicher Sauerstoff entzogen wird.

Ich habe vor wenigen Jahren gleich drei Supercomputer in einer einzigen Halle des Forschungszentrums Jülich gesehen. Zwei der Schrankwände waren in der Liste der zehn schnellsten Rechner der Welt. Heute sind sie noch in der zu finden, aber eher unter „ferner liefen“. Denn die neue „Top 500“ des High Performance Computings ist erschienen. Auch wenn die Jülicher Rechner nicht mehr in den Top Ten stehen, Deutschland hat eine beachtliche Menge Supercomputer in dieser Liste und steht in der Länderbilanz sogar auf Platz Zwei hinter den deutlich dominierenden USA.

Da frage ich mich schon, warum ich immer noch keinen endgültigen Einkommenssteuerbescheid für das Jahr 2009 habe. Oder warum Politiker in allen möglichen Ecken und Nischen ihrer Etatplanungen ganz überraschende Lücken entdecken. Vielleicht sollte man die Superrechner doch nicht so schnell in die Museen stellen? Nein, ich warte lieber weiter auf das Finanzamt.

Denn die alten „Number-Cruncher“ haben auch noch was anderes in Massen gefressen: Strom. Die heutige Nummer Eins der Rechenmonster verbraucht zehn Megawatt. Da hätte man früher gleich ein Atomkraftwerk daneben gebaut. Der Stromverbrauch der Top-500-Systeme ist zwar rasant gestiegen, ihre Effizienz aber auch: Pro Watt bringen sie jetzt eine Leistung von 464 Mflops (Millionen Gleitkomma-Berechnungen) – vor nur sechs Monaten waren es 268 Mflops. Wenn es nicht so wäre, wäre Supercomputing bald unbezahlbar.

Das wäre es ohnehin wahrscheinlich schon, gäbe es nicht einen weiteren Sparansatz: Linux. Für eine Cray oder eine SGI musste man einst alljährlich einige Millionen Lizenzgelder locker machen. Heute zahlen die Supercomputeranwender den Support quasi aus der Portokasse. Das war ein Grund für den Sturm von Linux durch die High-Perfomance-Klasse. Der andere: Die Anwender können das Betriebssystem selbst tunen – und im Supercomputing findet man eigentlich nur Tuner. Muss noch einmal erwähnt werden, dass Linux überaus stabil läuft?

All das zusammen hat die Supercomputer-Landschaft eingehend umgestaltet. Nicht mehr die Crays bestimmen das Bild, sondern Cluster aus kostengünstigeren IA64-Servern. Und auf denen läuft Linux – inzwischen auf 91 Prozent aller Top-500-Superrechner.

Meego-Konferenz: durchwachsener Optimismus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.05.2011 | Kommentare: 0

Eins musste ja sein: Rechtzeitig zur jährlichen MeeGo Conference in San Francisco hat die Linux Foundation (LF) die Version 1.2 des Linux-Betriebssystems für kleine mobile Geräte vorgestellt. Das System gibt es als Core Software Platform, als Netbook UX für Netbooks und als IVI UX, was für In-Vehicle Infotainment oder Auto-Informationssysteme steht. Hinzu kommt ein MeeGo SDK für Anwendungsentwickler. Downloads hier. Alle Varianten eignen sich für Geräte aus der Basis des Atom-Prozessors von Intel und der ARMv7-Architektur.

Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Für Tablets gibt es unverändert nur eine Preview-Version für Entwickler. MeeGo-Geräte gibt es am Markt so gut wie nicht, und sehr bescheiden sieht es bei den Apps aus. Der Abschied von Nokia aus dem Projekt, das deren Maemo-System mit Intels Moblin verschmelzen sollte, hat die einstige Entwicklungsdynamik eingeschränkt. Vor allem Intel pumpt Millionen Dollar in die MeeGo-Entwicklung, um Google nicht das Feld zu überlassen und um in einem Zukunftsmarkt kein neues Monopol entstehen zu lassen. Eine sehr nüchterne Bestandsaufnahme findet sich in der „Financial Times Deutschland“.

Prompt musste auch noch ein zweites sein: Jim Zemlin, Vorsitzender der Linux Foundation munterte die 300 Besucher der Konferenz in seiner Eröffnungsrede auf. „Meego wird eine unaufhaltsame Kraft werden.“ Denn MeeGo biete im Gegensatz zu den Systemen von Google, Apple, Research in Motion und Microsoft/Nokia drei Vorteile: Offenheit, ein großes Potenzial für App-Entwicklungen und verschwindend geringe Kosten.

Gleichwohl hat auch Zemlin erkannt, dass MeeGo kein Selbstläufer wird, der im Sturm den Markt erobert: „Wir sind in den ersten fünf Minuten eines sehr, sehr langen Spiels“, zitiert ihn das News-Portal Pro-Linux. Über Nacht werde sich kein Erfolg einstellen. Vielmehr sagt Zemlin voraus, so wie sich Linux langsam auf Servern seine heute große Bedeutung erobert habe, so werde auf Dauer auch MeeGo „eine unaufhaltsame Kraft“.

Die ersten Erfolge werden sich wohl erst einstellen, wenn MeeGo-Geräte auf den Markt kommen. Denn ohne die kann sich auch keine Nachfrage entwickeln. Bisher erschienene erste Geräte wie ein Tablet von 4tiitoo mit der MeeGo-Variante Wetab waren allerdings viel zu schwach, um einen ersten Nachfrageschub auszulösen.

Betriebssysteme: Linux in der Spitzengruppe

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 29.04.2011 | Kommentare: 0

29.4.2011 – Das Marktforschungsinstitut Gartner hat die Machtverhältnisse am Betriebssysteme-Markt unter die Lupe genommen, und zwar nach Umsätzen der verschiedenen Anbieter im Jahre 2010. Zunächst aber ist insgesamt festzustellen, dass Systeme für Server um 5,7 Prozent zugelegt haben, verhaltener als das Client-Segment mit 9,3 Prozent. Dies führt Gartner darauf zurück, dass nach dem Abflauen der Wirtschaftskrise im Desktop-Segment ein besonders hoher Bedarf an neuen PCs besteht.

Auf der Client-Seite führt natürlich Microsoft mit einem Umsatz von fast 24 Milliarden Dollar, was einem Marktanteil bei Betriebssystemen insgesamt von 78,6 Prozent entspricht. Das ist noch einmal ein leichtes Plus gegenüber 2009 und erklärt sich laut Gartner vor allem dadurch, dass sich Windows 7 als Nachfolger von Vista und XP durchsetzt. Der nächstfolgende Wettbewerber hat zwar gegenüber dem Vorjahr um 15,8 Prozent kräftig zugelegt, ist aber weit abgeschlagen: Apple kommt mit einem Umsatz von 520 Millionen Dollar auf einen Marktanteil von 1,7 Prozent.

Auf der Server-Seite sind die Gartner-Zahlen weniger aussagekräftig, weil die Analysten nicht hinreichend differenziert haben. IBM war 2010 mit 2,3 Milliarden Dollar deutlich der umsatzstärkste Anbieter, Marktanteil 7,5 Prozent. Auf Platz Zwei steht HP mit 1,1 Milliarden Umsatz (3,7 Prozent). Durch die Übernahme von Sun springt Oracle auf den dritten Platz im Server-OS-Geschäft und erreicht 780 Millionen Dollar (2,6 Prozent). Ein großer Teil dieser Umsätze dürfte im Unix-Geschäft zu verorten sein. Allerdings macht IBM bedeutende Umsätze mit Mainframe-Systemen, während alle Server-Player auch noch ein Linux-Business haben.

Welche Ausmaße das Linux-Geschäft hat, ist den Gartner-Angaben nicht zu entnehmen. Es gibt jedoch einen Hinweis auf die zunehmende Bedeutung des Open-Source-Systems: Red Hat hat gegenüber 2009 um 18 Prozent zugelegt, das größte Wachstum aller Betriebssystem-Anbieter überhaupt. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 610 Millionen Dollar, was Platz Vier im Markt für Server-OS bedeutet. Novell-Suse ist in der Gartner-Aufstellung nicht mehr erfasst.

Patentschutz für Open-Source-Software ausgeweitet

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 25.04.2011 | Kommentare: 1

In letzter Zeit erlebt das Open Invention Network (OIN) einen rasanten Aufschwung. Allein im ersten Quartal sind der Organisation mehr als 70 Unternehmen beigetraten. Insgesamt sind jetzt auf einmal schon 334 Unternehmen im OIN dabei. Den Verein haben 2005 Canonical, IBM, NEC, Novell, Red Hat und Sony gegründet, um eine Front gegen patentrechtliche Angriffe auf Linux zu bilden. Zu den neuen Mitgliedern aus den letzten drei Monaten gehören Fujitsu General, Hewlett Packard, Facebook, Symantec, das Projekt Open Stack von Rackspace, Juniper und Mandriva.

Das OIN hat mehrere Ansätze, die allesamt darauf hinaus laufen, Patentklagen gegen Open-Source-Software zu verhindern. So schenken Mitglieder ihre Patentrechte direkt der Organisation, die dadurch inzwischen rund 300 Patente ihr eigen nennt. Außerdem übertragen Mitglieder dem OIN die Wahrnehmung von Patentrechten. Das Netzwerk kassiert also Lizenzgebühren, nicht aber von anderen Mitgliedern; denn für die ist die Nutzung solcher Patente kostenlos.

Voraussetzung für die kostenpflichtige oder kostenlose Nutzung von Patenten ist allerdings die rechtsverbindliche Zusage, künftig darauf zu verzichten, eigene Patentrechte gegen Linux und damit verbundene Software – faktisch gilt das für die gesamte Open-Source-Welt – geltend zu machen. Neumitglieder, die keine Patente einbringen können, verpflichten sich in der Regel, künftig auch keine Patente für sich zu reklamieren.

Damit sinkt insgesamt die Chance, mit Aussicht auf Erfolg gegen Linux und andere Open-Source-Produkte Patentklagen zu führen. Denn der Schaden für die eigene Produktentwicklung könnte schnell unkalkulierbare Ausmaße annehmen. Das schreckt normal agierende Softwareunternehmen von patentrechtlichen Angriffen auf Open Source ab. Es ist allerdings noch kein wirksamer Schutz gegen „Patent-Trolle“, also Unternehmen, deren einziger Geschäftszweck darin besteht, möglichst allgemein bis banal beschriebene Erfinderrechte zu kaufen und als Forderung gegen andere Unternehmen einzusetzen.

Das OIN wurde früher eher belächelt, weil es keine relevanten Patente unter seiner Verwaltung habe. Das ändert sich in jüngster Zeit und dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass momentan so viele Firmen dem OIN beitreten. Denn dann kommen sie kostenlos an Nutzungsrechte für wichtige IT-Technologien.

Die jüngste Aufwertung des OIN geht auf eine Verfügung des US-amerikanischen Justizministeriums (DoJ) zurück, an deren Entstehung anscheinend auch das deutsche Kartellamt mitgewirkt hat. Das DoJ hat nämlich bestimmt, dass im Zuge des Verkaufs von Novell keineswegs, wie ursprünglich vorgesehen, 882 Novell-Patente für 2,2 Milliarden Dollar an die Gesellschaft CPTN übergehen dürfen, um unter deren vier Beteiligten Microsoft, Oracle, EMC und Apple verteilt zu werden.

Die Bestimmungen des DoJ zur Abwicklung von Novell sind komplex, mehr Details hier. Wichtig ist vor allem, dass alle 882 Novell Patente und die GNU General Public License (GPL), Version 2, und die OIN-Lizenz gestellt werden. Damit hat erstens keiner der vier CPTN-Eigner eine Möglichkeit, Linux und zentrale Open-Source-Software mittels der einstigen Novell-Patente anzugreifen.

Bemerkenswert ist die Begründung der weitreichenden Vorschriften durch das US-Justizministerium: „Das ursprünglich geplante Abkommen hätte die Fähigkeit von Open-Source-Software wie Linux gefährdet, weiterhin Neuerungen zu schaffen und zu konkurrieren.“ Die Zeiten als eine Firma wie SCO mit angeblichen Patentrechten Linux-Hersteller und Anwender mit Klagen überziehen konnte sind endgültig vorbei. Open-Source-Software ist quasi per Regierungsdekret zum Wettbewerbshüter erklärt worden. Und zum Korrektiv gegen einen zunehmend auf das Patentrecht ausweichenden Wettbewerb im IT-Markt. Auch in den USA zeichnet sich ein Umdenken in Sachen Softwarepatente ab.

Pamela Jones schließt Groklaw

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.04.2011 | Kommentare: 1

Eine der wichtigsten Website in der Geschichte von Linux und Open Source stellt den aktiven Betrieb ein. Ab dem 16. Mai dieses Jahres, genau acht Jahre nach der Gründung, wird „Groklaw“ nicht mehr mit Artikeln und Prozessdokumenten von juristischen Auseinandersetzungen um Open Source berichten. Das hat die Rechtsanwaltsgehilfin Pamela Jones, Gründerin und Betreiberin der Website, erklärt. Nur das bisher veröffentlichte wird weiterhin verfügbar sein.

Viele werden Groklaw vermissen. Schon der Website-Name war Programm, der Slangausdruck „grok“ bedeutet „durchblicken“. Bei der Gründung von Groklaw 2003 ging es Pamela Jones darum, den gerichtlichen Klagen von SCO gegen Linux, die härteste jemals gefahrene Attacke gegen das Open-Source-Betriebssystem, zu dokumentieren, auf Widersprüche und fragwürdige Manöver hinzuweisen und die Verteidigung aufzubauen. Dabei standen ihr alsbald eine ganze Reihe von Mitgliedern der Community zur Seite. Das Ergebnis ist bekannt, in den Worten von Pamela Jones: „Die Krise, die SCO über Linux gebracht hat, ist vorbei, und Linux hat gewonnen. Die SCO von einst gibt es nicht mehr.“

Mit ihrer Arbeit haben Pamela Jones und ihre Mitstreiter Geschichte geschrieben. Sie hat in unzähligen Fällen Journalisten, die über den Kampf von SCO gegen Linux berichteten, das Material geliefert. Bald erschienen die Behauptungen von SCO unglaubwürdig, zunehmend wurden die Drohungen lächerlich, die Manöver grotesk. Das Medienecho fiel entsprechend aus. Das wiederum trug dazu bei, dass sich an Linux interessierte Anwender nicht mehr abschrecken ließen. SCO scheiterte mit dem Business-Modell, Patentrechte zu beanspruchen und darauf aufbauend Schadensersatzforderungen von Wettbewerbern wie Anwendern zu fordern.

Dieses fragwürdige Business-Modell besteht jedoch weiter, wird intensiver denn je verfolgt. „IP-Claims“ und Patentklagen sind dermaßen verbreitet, dass sie inzwischen die Innovationskraft der IT-Industrie einschränken – sogar das gesamte Patentsystem fragwürdig machen. Groklaw hat entsprechend in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt hierauf verlagert, war zuletzt auf diesem Schlachtfeld eine große Hilfe.

Aber Pamela Jones zieht einen Schlussstrich. Ihren Abschiedsworten ist Erschöpfung anzumerken. Sie erklärte, sie möchte ihre Zeit und Energie wieder anderen Dingen zuwenden. Und das könne sie jetzt tun, weil sich die Umstände geändert haben. Als sie nämlich Groklaw gründete, gab es nichts, um Linux zu verteidigen, nur die Einsatzbereitschaft einer Community. Heutzutage aber geht es um Patentklagen, die sich gegen Großunternehmen wie Google richten. Google ist reich genug und hat genügend industrielle Verbündete, um sich selbst zu verteidigen.

Das stimmt. Open Source ist kein fragiles Etwas mehr. Open Source ist gereift zu einem integralen und unverzichtbaren Teil der IT-Wirtschaft. Ein ungemein dynamischer und innovativer obendrein.

Neues Open-Source-Infoportal in der Schweiz

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.03.2011 | Kommentare: 0

Der Schweizer Förderverein für Open-Source-Software /ch/open hat ein sehr umfangreiches Informationsportal gestartet. Die Website ist thematisch außerordentlich breit angelegt und inhaltlich vom Start weg sehr umfangreich, immerhin aber gut in acht Bereiche gegliedert. Offenbar trifft das Angebot auf Interesse, denn in den ersten drei Tagen registrierte die Site fast 3.800 Unique Visitors.

Der oberste Bereich heißt „OSS Top News“. Hier gibt es Nachrichten, die Mitglieder von /ch/open redaktionell bearbeitet haben oder direkt von Firmen kommen. Im nächsten Sketor „OSS News Feed“ erscheinen alle 30 Minuten aktualisiert die Nachrichten von bekannten Open-Source-orientierten Web-Publikationen wie HeiseOpen, Pro-Linux, Golem oder t3n.

In der dritten Rubrik „OSS Know how“ finden sich Whitepapers, Fachartikel, Berichte über Anwenderprojekte, Präsentationen etc. Best Practices sollen die Auseinandersetzung um Open-Source-Modell und -Projekte vertiefen. Es folgt die Rubrik „OSS Jobs“, unter der Mitglieder und Sponsoren von /ch/open Mitarbeiter für offene Stellen suchen.

Daran an schließen sich Hinweise auf „OSS Events“ (Berichte von Veranstaltungen) und „OSS Courses“, also Lehrmaterialen und Veranstaltungen zu Open-Source-Produkten. Unter „OSS Videos“ sind Aufzeichnungen von Beiträgen auf Open-Source-Veranstaltungen zu sehen. Abschließend gibt es eine Selbstdarstellung des Fördervereins unter „/ch/open Initiativen“.

Die /ch/open will ihr Informationsportal noch in diesem Jahr ausbauen. Version 2.0 von www.opensource.ch soll eine umfassende Marktplattform rund um Open-Source-Software werden. Dazu wird das Verzeichnis OSS Directories integriert, eine Meta-Datenbank mit Informationen zu Open-Source-Projekten sowie mit einer umfassenden Kundenreferenzen-Datenbank.

Die „Deutsche Wolke“ – Open-Source-Cloud auf der CeBIT

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 25.02.2011 | Kommentare: 0

Cloud Computing kommt trotz klarer IT-strategischer, finanzieller und praktischer Vorteile gegenüber dem In-house-Computing nicht recht voran. Die wichtigsten Gründe treten immer deutlicher zutage: Die potenziellen Anwender befürchten ein Anbieter-Lock-in, und deutsche Datenschutzgesetze lassen sich mit den Details der meisten Cloud-Angebote nicht vereinbaren. Diese Situation könnte sich jetzt schnell ändern. Denn nimmt Gestalt an, was seit geraumer Zeit als das beste Argument gilt, um Bedenken der Anwender auszuräumen: ein Open-Source-Cloud-Angebot im geografischen Rahmen nationaler Gesetze.

Seit einiger Zeit schon streben hierzulande Open-Source-orientierte Softwarehäuser und Service-Anbieter ein Cloud-Angebot an. Dabei orientieren sich einige eher in Richtung einer Corporate Cloud, was im Wesentlichen auf Virtualisierung, insbesondere auf virtualisierte Desktops auf Basis der internen IT-Ressourcen eines Unternehmens hinausläuft. Eine andere Ausrichtung versucht sich auch in Richtung Public Cloud, Anwenderunternehmen übergreifenden Services aus der Wolke. So hat die Linux Solutions Group (LiSoG) ihren Fokus auf einen einfach zu implementierenden Referenz-Stack von Open-Source-Lösungen in der letzten Zeit in Richtung eines Open-Source-Cloud-Stack (OSCS) verschoben.

Diese Open-Source-Cloud-Initiative ist sehr breit angelegt und umfasst auf allen Layern von der Linux-Basis bis hinauf zu Business-Anwendungen mehrere Anbieter. Die unter einen Hut zu bringen war wohl nicht so einfach. Denn bisher gibt es dieses technisch heute schon realisierbare Cloud-Angebot nicht. Logische Anbieter wären größere Servicefirmen, insbesondere Internet-Provider. Aber Fehlanzeige.

Nach einigen Monaten Vorarbeiten wird nun auf der CeBIT (an den Ständen von LiSoG in Halle 2/D44 und Equinix in Halle 4/A58) eine neue Gruppe einen Showcase präsentieren. Die Grundlage ist dabei strikt Open Source. Die Hersteller wollen den Anwendern völlige Souveränität über ihre Daten in der Wolke lassen. Und deren Adjektiv „deutsche“ signalisiert, dass alle Daten und Verarbeitungsinstanzen in Deutschland bleiben, was datenschutzrechtliche Probleme vermeidet.

Mit von der Partie sind zehn Beteiligte; nämlich neben Tarent die Boston Server & Storage Solutions Group, der RZ-Betrieber Equinix, Emulex, Rising Tide, Fortinet, OpenQRM, Datenwerk und SEP. Hinzu kommt die LiSoG. Deren Mitgliedschaft deutet an, dass die Gruppe für die Mitarbeit weiterer Unternehmen offen ist.

Im Rahmen des Open Source Forums in Halle 2 auf der CeBIT beschäftigen sich gleich eine Reihe von Vorträgen mit dem Thema Open-Source-Cloud. Unter anderem berichtet tarent-Entwicklungschef Michael Kleinhenz über Grundlagen dieses offenen Computing-Modells und seine Prinzipien.

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