FiaSCO – Auch eine „unendliche Geschichte“ hat ein Ende

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.09.2011 | Kommentare: 0

So gefällt mir die Rückkehr aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz: „Die unendliche Geschichte“ (heiseOpen) ist jetzt nun wohl doch vorbei. Leider denke ich schon. Seit fast zehn Jahren hat nicht nur mich SCO amüsiert mit immer neuen – und bizarreren, blamableren – Versuchen, nachzuweisen, das Linux von Unix abgekupfert wurde. Früh war zu erkennen, dass es nichts als ein groß angelegter Bluff war, großen IT-Firmen Millionen aus den Taschen zu ziehen.

Zu solchen Berichten habe ich gern Willy (Mink) Deville gehört: Demasiado Corazon, zu viel Mut. Das Stück ist so gut, dass man damit schon mal den Ärger vergessen konnte, dass SCO mit seinen Klagen auch Anwender überzogen hat. Vergeblich, wie sich bald zeigte. Aber die Firma hat tausende Linux-interessierte Organisationen erst einmal zurückschrecken lassen. Seit Jahren ist davon nichts mehr zu spüren. Die IT-Geschichte ist über SCO hinweggegangen. Und einer der aggressivsten Versuche, „intellectual property“ großzügig zu Kohle zu machen, ist in einem FiaSCO geendet.

Nach elfundneunzig Verfahren hat nun ein Berufungsgericht festgestellt, dass das Copyright an Unix Novell gehört. SCO könnte nur noch beim US Supreme Court Klage erheben. Der Oberste Gerichtshof dürfte diese aber kaum zur Verhandlung annehmen. Also entfallen für SCO nun die Grundlagen für die Klagen gegen IBM, Red Hat und andere. Außerdem muss die Firma gut 2,5 Millionen Dollar an Novell, heute Attachmate, zahlen.

Dazu dürfte es kaum mehr kommen. SCO hat keine nennenswerten Einnahmen mehr. Die Anwender des einst legendären SCO-Unix sind längst zu anderen Unix-Derivaten, vor allem aber zum Hauptgegner Linux gewechselt. SCO hat nichts mehr. Nicht einmal mehr Entwickler, nur noch ein paar Manager. Die werden künftig nicht einmal mehr zur Beauftragung von Anwälten für Klagen gebraucht. Game over.

Meego-Konferenz: durchwachsener Optimismus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 27.05.2011 | Kommentare: 0

Eins musste ja sein: Rechtzeitig zur jährlichen MeeGo Conference in San Francisco hat die Linux Foundation (LF) die Version 1.2 des Linux-Betriebssystems für kleine mobile Geräte vorgestellt. Das System gibt es als Core Software Platform, als Netbook UX für Netbooks und als IVI UX, was für In-Vehicle Infotainment oder Auto-Informationssysteme steht. Hinzu kommt ein MeeGo SDK für Anwendungsentwickler. Downloads hier. Alle Varianten eignen sich für Geräte aus der Basis des Atom-Prozessors von Intel und der ARMv7-Architektur.

Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Für Tablets gibt es unverändert nur eine Preview-Version für Entwickler. MeeGo-Geräte gibt es am Markt so gut wie nicht, und sehr bescheiden sieht es bei den Apps aus. Der Abschied von Nokia aus dem Projekt, das deren Maemo-System mit Intels Moblin verschmelzen sollte, hat die einstige Entwicklungsdynamik eingeschränkt. Vor allem Intel pumpt Millionen Dollar in die MeeGo-Entwicklung, um Google nicht das Feld zu überlassen und um in einem Zukunftsmarkt kein neues Monopol entstehen zu lassen. Eine sehr nüchterne Bestandsaufnahme findet sich in der „Financial Times Deutschland“.

Prompt musste auch noch ein zweites sein: Jim Zemlin, Vorsitzender der Linux Foundation munterte die 300 Besucher der Konferenz in seiner Eröffnungsrede auf. „Meego wird eine unaufhaltsame Kraft werden.“ Denn MeeGo biete im Gegensatz zu den Systemen von Google, Apple, Research in Motion und Microsoft/Nokia drei Vorteile: Offenheit, ein großes Potenzial für App-Entwicklungen und verschwindend geringe Kosten.

Gleichwohl hat auch Zemlin erkannt, dass MeeGo kein Selbstläufer wird, der im Sturm den Markt erobert: „Wir sind in den ersten fünf Minuten eines sehr, sehr langen Spiels“, zitiert ihn das News-Portal Pro-Linux. Über Nacht werde sich kein Erfolg einstellen. Vielmehr sagt Zemlin voraus, so wie sich Linux langsam auf Servern seine heute große Bedeutung erobert habe, so werde auf Dauer auch MeeGo „eine unaufhaltsame Kraft“.

Die ersten Erfolge werden sich wohl erst einstellen, wenn MeeGo-Geräte auf den Markt kommen. Denn ohne die kann sich auch keine Nachfrage entwickeln. Bisher erschienene erste Geräte wie ein Tablet von 4tiitoo mit der MeeGo-Variante Wetab waren allerdings viel zu schwach, um einen ersten Nachfrageschub auszulösen.

Betriebssysteme: Linux in der Spitzengruppe

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 29.04.2011 | Kommentare: 0

29.4.2011 – Das Marktforschungsinstitut Gartner hat die Machtverhältnisse am Betriebssysteme-Markt unter die Lupe genommen, und zwar nach Umsätzen der verschiedenen Anbieter im Jahre 2010. Zunächst aber ist insgesamt festzustellen, dass Systeme für Server um 5,7 Prozent zugelegt haben, verhaltener als das Client-Segment mit 9,3 Prozent. Dies führt Gartner darauf zurück, dass nach dem Abflauen der Wirtschaftskrise im Desktop-Segment ein besonders hoher Bedarf an neuen PCs besteht.

Auf der Client-Seite führt natürlich Microsoft mit einem Umsatz von fast 24 Milliarden Dollar, was einem Marktanteil bei Betriebssystemen insgesamt von 78,6 Prozent entspricht. Das ist noch einmal ein leichtes Plus gegenüber 2009 und erklärt sich laut Gartner vor allem dadurch, dass sich Windows 7 als Nachfolger von Vista und XP durchsetzt. Der nächstfolgende Wettbewerber hat zwar gegenüber dem Vorjahr um 15,8 Prozent kräftig zugelegt, ist aber weit abgeschlagen: Apple kommt mit einem Umsatz von 520 Millionen Dollar auf einen Marktanteil von 1,7 Prozent.

Auf der Server-Seite sind die Gartner-Zahlen weniger aussagekräftig, weil die Analysten nicht hinreichend differenziert haben. IBM war 2010 mit 2,3 Milliarden Dollar deutlich der umsatzstärkste Anbieter, Marktanteil 7,5 Prozent. Auf Platz Zwei steht HP mit 1,1 Milliarden Umsatz (3,7 Prozent). Durch die Übernahme von Sun springt Oracle auf den dritten Platz im Server-OS-Geschäft und erreicht 780 Millionen Dollar (2,6 Prozent). Ein großer Teil dieser Umsätze dürfte im Unix-Geschäft zu verorten sein. Allerdings macht IBM bedeutende Umsätze mit Mainframe-Systemen, während alle Server-Player auch noch ein Linux-Business haben.

Welche Ausmaße das Linux-Geschäft hat, ist den Gartner-Angaben nicht zu entnehmen. Es gibt jedoch einen Hinweis auf die zunehmende Bedeutung des Open-Source-Systems: Red Hat hat gegenüber 2009 um 18 Prozent zugelegt, das größte Wachstum aller Betriebssystem-Anbieter überhaupt. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 610 Millionen Dollar, was Platz Vier im Markt für Server-OS bedeutet. Novell-Suse ist in der Gartner-Aufstellung nicht mehr erfasst.

Pamela Jones schließt Groklaw

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.04.2011 | Kommentare: 1

Eine der wichtigsten Website in der Geschichte von Linux und Open Source stellt den aktiven Betrieb ein. Ab dem 16. Mai dieses Jahres, genau acht Jahre nach der Gründung, wird „Groklaw“ nicht mehr mit Artikeln und Prozessdokumenten von juristischen Auseinandersetzungen um Open Source berichten. Das hat die Rechtsanwaltsgehilfin Pamela Jones, Gründerin und Betreiberin der Website, erklärt. Nur das bisher veröffentlichte wird weiterhin verfügbar sein.

Viele werden Groklaw vermissen. Schon der Website-Name war Programm, der Slangausdruck „grok“ bedeutet „durchblicken“. Bei der Gründung von Groklaw 2003 ging es Pamela Jones darum, den gerichtlichen Klagen von SCO gegen Linux, die härteste jemals gefahrene Attacke gegen das Open-Source-Betriebssystem, zu dokumentieren, auf Widersprüche und fragwürdige Manöver hinzuweisen und die Verteidigung aufzubauen. Dabei standen ihr alsbald eine ganze Reihe von Mitgliedern der Community zur Seite. Das Ergebnis ist bekannt, in den Worten von Pamela Jones: „Die Krise, die SCO über Linux gebracht hat, ist vorbei, und Linux hat gewonnen. Die SCO von einst gibt es nicht mehr.“

Mit ihrer Arbeit haben Pamela Jones und ihre Mitstreiter Geschichte geschrieben. Sie hat in unzähligen Fällen Journalisten, die über den Kampf von SCO gegen Linux berichteten, das Material geliefert. Bald erschienen die Behauptungen von SCO unglaubwürdig, zunehmend wurden die Drohungen lächerlich, die Manöver grotesk. Das Medienecho fiel entsprechend aus. Das wiederum trug dazu bei, dass sich an Linux interessierte Anwender nicht mehr abschrecken ließen. SCO scheiterte mit dem Business-Modell, Patentrechte zu beanspruchen und darauf aufbauend Schadensersatzforderungen von Wettbewerbern wie Anwendern zu fordern.

Dieses fragwürdige Business-Modell besteht jedoch weiter, wird intensiver denn je verfolgt. „IP-Claims“ und Patentklagen sind dermaßen verbreitet, dass sie inzwischen die Innovationskraft der IT-Industrie einschränken – sogar das gesamte Patentsystem fragwürdig machen. Groklaw hat entsprechend in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt hierauf verlagert, war zuletzt auf diesem Schlachtfeld eine große Hilfe.

Aber Pamela Jones zieht einen Schlussstrich. Ihren Abschiedsworten ist Erschöpfung anzumerken. Sie erklärte, sie möchte ihre Zeit und Energie wieder anderen Dingen zuwenden. Und das könne sie jetzt tun, weil sich die Umstände geändert haben. Als sie nämlich Groklaw gründete, gab es nichts, um Linux zu verteidigen, nur die Einsatzbereitschaft einer Community. Heutzutage aber geht es um Patentklagen, die sich gegen Großunternehmen wie Google richten. Google ist reich genug und hat genügend industrielle Verbündete, um sich selbst zu verteidigen.

Das stimmt. Open Source ist kein fragiles Etwas mehr. Open Source ist gereift zu einem integralen und unverzichtbaren Teil der IT-Wirtschaft. Ein ungemein dynamischer und innovativer obendrein.

Google sperrt intern Windows aus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 02.06.2010 | Kommentare: 1

2.6.2010 – Einer der größten IT-Anwender und -Anbieter der Welt will nicht mehr mit Windows arbeiten. Nach einem Bericht der „Financial Times“ (FT) werden alle neuen Mitarbeiter im Unternehmen nur noch die Wahl zwischen Apple OS X und Linux haben. Bisherige Windows-Anwender sind demnach aufgefordert ebenfalls auf diese Betriebssysteme zu wechseln. Wer noch Windows verwenden will muss eine enorme Hürde nehmen: Er braucht die Genehmigung vom Google-CIO.

Der Grund sei ein „Sicherheitserfordernis“, soll ein Google-Informant der FT gesteckt haben. Der Hintergrund liege in den Angriffen, die Google aus China erlebt habe. Das Unternehmen habe Sicherheitslücken in Windows als das damalige Einfallstor erkannt. „Mit Microsoft fühlen wir uns nicht so wohl, mit Linux schon eher“, wird der Informant zitiert. Viele hätten sich schon nach diesen Ereignisse zum Apple-Betriebssystem geflüchtet.

Die Begründung verdient Zweifel. Denn das Apple-System basiert zwar auf Open Source, ist per se aber closed, nicht einsehbar. Außerdem darf Apple, wie Tests gezeigt haben, im Vergleich zu Windows nicht generell als sicherer gelten. Last, not least, ist man bei Apple wie bei Windows auf das Belieben der Anbieter angewiesen, wann sie Hotfixes herausbringen möchten. Apple unterscheidet sich nicht grundsätzlich von Microsoft – oder wie ein Kommentator auf heiseopen es formuliert: Man kommt damit „vom Regen in die Traufe“.

Über den Grund der Pubilicity-trächtigen Vorgabe von Google darf frei spekuliert werden; denn das Bild passt nicht so recht: Zwar mag Microsoft der Hauptkonkurrent in Sachen Suchmaschinen sein, aber das Feld ist nicht, wo Google hin möchte. Die Firma knüppelt viel mehr in Sachen Smartphone. Bei denen geht es nicht nur um die Dominanz im Markt der mobilen Geräte, sondern vielmehr um die mit ihnen verbundenen Services. In beiderlei Hinsicht ist Apple der Hauptkonkurrent für Google. Und Apple-Chef Steve Jobs sieht es umgekehrt genau so.

Google sollte aus verständlichen Gründen seine Mitarbeiter auf das eigene Linux-Betriebssystem Chrome OS samt Google-Applikationen bringen wollen. Dass den Leuten aber (vorerst?) auch Apple erlaubt bleibt, lässt einen Gegenschluss zu: Noch ist Chrome OS nicht das Gelbe vom Ei. Google-intern scheint es Widerstände zu geben. Was wiederum heißen würde, dass der Ausschluss von Microsoft dem Chrome-Team nicht „von oben“, sondern aus der eigenen Belegschaft, von Kollegen mächtig Druck macht, die Sache zu verbessern. Und genau das scheint dem internen Stil des Hauses zu entsprechen.

Microsoft in der Klemme

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 01.06.2010 | Kommentare: 0

1.6.2010 – „Von unten“ haben zuerst Netbooks, endgültig dann Smartphones von der Konkurrenz Microsoft das zukunftsträchtige Low-end-Geschäft mit den Massenmärkten im Mobile Computing verdorben – momentan sind hier Google mit Android und Apple die Platzhirsche. Nach oben geht es aber auch nicht weiter.

Einst hat Windows NT die zerstrittenen Unix-Anbieter aus dem Mittelstandsmarkt verdrängt. Seit einiger Zeit aber nimmt Linux im klassischen Mid-Level-Segment Microsoft die Kunden weg. Auf NT folgte sehr oft nicht Windows Server xy, sondern ein Linux-Derivat. Noch eine Stufe höher hat IBM mit Linux den Mainframes zu einem höchst vitalen zweiten Leben verholfen. Ganz, ganz oben, bei den Supercomputern hat Microsoft sich auch versucht. Dies wurde unter Business-Aspekten ein vollkommenes Desaster. Wieder hat Linux den Durchmarsch nach oben verhindert.

In der aktuellen Liste der Top500-Supercomputer finden sich fünf Systeme mit Windows Server HPC 2008, Marktanteil also ein Prozent. Da schneidet sogar noch Unix mit vier Prozent besser ab. Linux aber läuft auf 455 der schnellsten Rechner der Welt. Das sind 91 Prozent dieser Superrechner. Glyn Moody, Redakteur der britischen „Computerworld“, erkennt „die Verzweiflung“ des Microsoft-Teams für Supercomputing schon in einer „Erfolgsmeldung aus dem Jahr 2008. Der Wortlaut:

„Um den neuen und sich ausweitenden Bedürfnissen seiner akademischen und industriellen Anwender zu entsprechen, muss das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der Universität Illinois, die Plattform unterstützen, die ihren Anwendern bekannt ist, was heißt, mehr als nur Linux-basierende High-Performance-Ressourcen anzubieten. Das NCSA erreichte dieses Ziel, indem es Window HPC Server 2008 auf seinem 1200-Node-Cluster installierte. Windows HPC Server 2008 hilft mit seinen bekannten Tools und Schnittstellen, High-Performance-Computing den durchschnittlichen Anwendern zugänglicher zu machen.“

Nein, das sollte niemals heißen, dass Frau Mustermann ihre astrologische Tagesprognose nicht mehr vom PC holt, sondern genau so einfach, nur halt schneller und differenzierter vom Supercomputer. Nein, nein, es sollte natürlich auch nicht heißen, dass Naturwissenschaftler, die Supercomputer benötigen, solche Fachidioten sind, dass sie vor solchen Großrechnern zu Mausschupsern schrumpfen. Nein, nein, nein! Es sollte nur heißen, dass Microsofts einziges Marketing-Argument Plattformen sind, „die ihren Anbietern bekannt sind“.

Linux hat ein besseres Argument: Es skaliert. Bekannter als Windows ist es in High-end-Kreisen allemal.

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