Linux-Vereine vereinen sich: LIVE + Lisog = Open Source Business Alliance

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.07.2011 | Kommentare: 0

Auf diese Nachricht haben viele in der deutschen Open-Source-Szene gewartet: Am 20. Juli war es die Mitgliederversammlung der Linux Solutions Group (Lisog), Tags darauf folgte die MV des Linux-Verbands (LIVE). Mit großen Stimmenmehrheiten stimmten sie zu, die Vereine zu verschmelzen. Die neue Organisation wird den Namen Open Source Business Alliance tragen. Er besteht dann aus 103 Mitgliedern des 1997 gegründeten Linux-Verbands und 124 Mitgliedern der 2005 gegründete Lisog.

Damit zeichnet sich in der deutschen Szene für freie und Open-Source-Software eine Konsolidierung ab. Die Zersplitterung in drei Organisationen dürfte sie alle letztlich Durchsetzungsvermögen und Sichtbarkeit gekostet haben. Daher waren die Vorstände von LIVE und Lisog durch Mitgliederbeschlüsse seit fast zwei Jahren ermächtigt, Verhandlungen zu einer Vereinigung zu führen. Die haben nun zum Erfolg geführt.

„Die Bündelung der Kräfte in der Open Source Business Alliance wird der Open-Source-Szene in Deutschland ein größeres Gewicht gegenüber Politik, öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft verschaffen und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit verbessern“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der fusionierenden Organisation. „Die größere Zahl an Mitgliedern bietet mehr personelle und finanzielle Ressourcen für Aktivitäten der Open Source Business Alliance.“

Die in den intensiven Vereinigungsverhandlungen festgelegten Arbeitsschwerpunkte sind: Interoperabilität, Offene Standards, Freie und Open-Source-Software sowie heterogene Lösungen, Business Development, Open Stack und Open Cloud. Angesichts der Betonung des Schwerpunkts Interoperabilität ist es nicht verwunderlich, dass in der Open Source Business Alliance auch proprietäre IT-Anbieter Mitglied des Vereins werden können. Außerdem können im neuen Verein auch Privatpersonen als „Fördermitglieder“ aufgenommen werden.

Es gibt zwei Hinweise, dass die Open Source Business Alliance eine weitere Konsolidierung der deutschen Open-Source-Organisationen anstrebt. Das würde sich auf die Open Source Business Foundation beziehen. So zitiert die Pressemitteilung zur Vereinigung den Lisog-Vorsitzenden, Dr. Karl-Heinz Strassemeyer von IBM: „Die Lisog-Live-Fusion folgt dem Motto ‘Einigkeit macht stark’, und die effektivste Implementierung von Einigkeit ist eine gemeinsame Organisation. Die Zustimmung von LIVE und Lisog zur Verschmelzung ist eine deutliche Demonstration dieser Gemeinsamkeit.“ Und Elmar Geese, Tarent-Chef und bisher Vorsitzender des LIVE Linux-Verbands, äußert sich in ähnlicher Weise: „Die Konsolidierung der Vereinslandschaft in der deutschen Open-Source-Bewegung ist unumgänglich.“

Open Source Integration Initiative gestartet – tarent ist dabei

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 25.05.2011 | Kommentare: 0

Seit Jahren verbreitet sich Open-Source-Software immer schneller, aber vielerorts handelt es sich um eng umgrenzte, punktuelle Lösungen. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen scheuen einen breiteren Einsatz von quelloffener Software, obwohl es konkurrenzlos günstige und passende Lösungen gibt.

Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens würde ein breiterer Einsatz voraussetzen, dass mehrere Open-Source-Lösungen zu integrieren sind, was die Implementierungskosten steigen lässt. Zweitens bekäme es der Anwender mit mehreren Anbietern zu tun. Er möchte aber lieber eine Gesamtlösung aus einer Hand.

An diesen Hemmnissen für eine schnellere Verbreitung von Open Source könnte sich recht bald einiges tun. Denn um das Problem der Isolierung der quelloffenen Lösungen von einander anzugehen, hat die Open Source Integration Initiative (OSII) die Arbeit aufgenommen. Dies ist ein neues Projekt von 20 Open-Source-Anbietern und dem Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof, das die Linux Solutions Group (LiSoG) vorantreibt. Es wird außerdem unterstützt vom Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Das Ziel der OSII besteht darin, einen großen modularen Baukasten von Open-Source-Lösungen anzubieten, aus dem sich Anwender flexible auch für größere Projekte bedienen können, ohne sich damit Integrationsprobleme einzuhandeln. Im Zentrum steht ein quelloffener Enterprise Service Bus von Sopera, an denen sich verschiedene Linux-Varianten, Middleware und Applikationen von Datenbanken über Speicher- und Archivierungslösungen bis hin zu Groupware und ERP anflanschen lassen. Dafür wird es normierte Schnittstellen geben, die offen sind und alle Programme gleichermaßen nutzen.

Technisch ist die Umsetzung dieses Vorhabens gar nicht so schwer. Trotzdem ist eine schon einige Jahre alte Initiative der LiSoG in gleicher Richtung bisher nicht recht vorangekommen. Das alte Problem scheint nun behoben zu sein. Denn in der OSII existiert eine Organisationsstruktur mit drei Arbeitsgruppen für die technische Integration, für Zertifizierung und für Vermarktung. Der neue Elan, der die OSII-Beteiligten ergriffen hat, zeigt sich schon darin, dass erst auf der CeBIT dieses Jahres erste informelle Kontakte geknüpft wurden. Auf dem LinuxTag in diesem Monat war dann der Gemeinschaftsstand von Linux-Verband (LIVE) und LiSoG der Ort konkreter Absprachen.

Hinter der Organisation der Initiative steht die Mittelstandsförderungs-Gesellschaft Baden-Württemberg (MFG), die auch die LiSoG unterstützt. Sie wird künftig auch das Marketing vorantreiben und der zentrale Ansprechpartner für Anwender des Open-Source-Baukastens sein.

Open-Source-Verbände gemeinsam aktiv

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 09.04.2010 | Kommentare: 0

Die in Deutschland und in der EU drohende Aufweichung offener Standards sorgt in Open-Source-Kreisen für Unruhe. Der deutsche IT-Staatsvertrag empfiehlt die „vorrangige Verwendung bestehender Marktstandards“ in der öffentlichen Verwaltung. Der EU-Entwurf eines „European Interoperability Framework“ definiert Offenheit so unbestimmt, dass sich alles offen nennen darf. Solche bedenklichen Entwicklungen haben dafür gesorgt, dass der LIVE Linux-Verband und die Linux Solutions Group (LiSoG) erstmals in ihrer Geschichte eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlicht haben.

In dieser bringen die Open-Source-Protagonisten zum einen ihre Sorge über die schleichende Abkehr von offenen Standards zum Ausdruck. Zum anderen schlagen sie eine Definition von Offenheit vor, die Interoperabilität der IT-Systeme der Behörden gewährleistet und den Bürgern den elektronischen Datenaustausch mit Ämtern ermöglicht, ohne die Verwendung bestimmter Systeme zur Voraussetzung zu machen.

Die Veröffentlichung einer ersten gemeinsamen Pressemitteilung zeigt, wie groß die Sorgen über eine falsche IT-Politik auf europäischer Ebene und in der Bundesrepublik inzwischen sind. Bisher agierten LIVE und LiSoG weitgehend unkoordiniert, obwohl einige deutsche Open-Source-Anbieter Mitglied in beiden Verbänden sind.

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