Neue Microsoft-Parole: Offen nur an der Oberfläche

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 03.08.2011 | Kommentare: 0

Offenbar hat sich Microsoft einen neuen Slogan für die Auseinandersetzung mit der Open-Source-Welt ausgedacht: „Open Surface“. Diesen Begriff hat Gianugo Rabellino, Senior Director Open Source Communities bei Microsoft, in seinem Vortrag auf der Open Source Convention OSCON 2011 in Portland, Oregon, eingeführt.

Rabellino hob, wie unter anderem ZDnet berichtet, in seiner Rede darauf ab, dass die Open-Source-Definition in der Cloud nicht zu erfüllen ist, weil dort den Anwendern der Quellcode nicht vorliegt. „Die Cloud verändert eine Menge Dinge“, erklärte der Italiener. „Unsere bisherigen Maßstäbe gibt es dort nicht mehr.“ Damit wolle er nicht gesagt haben, dass Offenheit in der Cloud keine Rolle spiele. „Nein, Offenheit ist äußerst wichtig. Aber ich sage, dem Sourcecode entsprechen in der Cloud die Nutzungsbedingungen und die Service Level Agreements.“

Den Anwender sei es völlig egal, so Rabellino weiter, ob proprietäre oder Open-Source-Software hinter den Cloud-Diensten stehen. „Die Kunden kümmern sich nicht um die zugrunde liegende Plattform, solange Schnittstellen, Protokolle und Standards in der Cloud offen sind.“ Und diese Ebene nannte Rabellino „Open Surface“.

Ob den Anwendern fundamentale rechtliche Eigenschaften der von ihnen genutzten Basissoftware schnuppe sind, ist zumindest zweifelhaft. Sie haben gelernt, dass proprietäre Umgebungen immer die Gefahr eines Vendor Lock-in mit sich bringen. Rabellino versucht, vom grundsätzlichen Antagonismus proprietär versus Open Source abzulenken und den Charakter von Open Source, nämlich Anwendern die Kontrolle über ihre Software und damit Freiheit zu geben, vergessen zu lassen.

Rabellinos Rede hat die OSCON-Teilnehmer kaum beeindruckt. So merkt der US-amerikanische Open-Source-Journalist Brian Proffitt an, er habe während des Vortrags mit einigen Branchenkennern getuschelt und die Augen verdreht. Man sei einig gewesen, dass das Konzept Open Surface sei nur eine neu verpackte Variante der alten Microsoft-Strategie „Shared Source“. Das Label Open Surface solle nur den von Anwendern nicht mehr als irrelevant angesehenen proprietären Charakter von Cloud-Angeboten und Software im Allgemeinen verbergen.

Rabellino beteuerte, Microsoft habe nur gute Absichten. „Unsere Firma hat sich geändert. Wir sind offener geworden.“ Aber nicht im Kern, allenfalls an der Oberfläche. Eben Open Surface. Hat Microsoft etwa das Open Cloud Manifesto unterzeichnet? Nein, obwohl das Manifest nicht mehr vorsieht als das, was Rabellino proklamiert: offene Schnittstellen, Protokolle und Standards.

Die Apple-Cloud – Das Gegenteil von offen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.06.2011 | Kommentare: 0

Alle Analysten sind sich einig: Die Einstellung der professionelle Anwender zum Cloud Computing haben sich in mehrfacher Hinsicht verschoben. Zum einen hat sich die anfangs verbreitete Distanz gegenüber dem neuen Konzept zum Bezug von IT-Services ins Gegenteil verkehrt. Das Publikum ist sehr an Clouds interessiert. Zum anderen haben sich die Bedenken verändert. Nicht mehr Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten machen die Hauptsorgen aus, sondern die drohende Abhängigkeit von einem Cloud-Service-Provider, das „Vendor Lock-in“.

Eben wegen dieser Bedenken zeigen sich die Cloud-Anbieter inzwischen bemüht, technische Rahmenbedingungen für Interoperabilität ihrer Services zu schaffen. Es gibt dazu außerdem zwei IEEE-Projekte. Doch Apple scheint das nicht zu interessieren. Mit der Zensur von iPhone-Apps hat Apple Erfahrungen in Sachen Entmündigung der Anwender gewonnen, die jetzt eine neue Dimension erreicht.

Auf der Entwicklerkonferenz Anfang Juni hat Steve Jobs den Cloud-Service „iCloud“ angekündigt. Dieser wird tief in das künftige Betriebssystem „Mac OS X Lion“ integriert sein. Die wichtigste Eigenschaft wird darin bestehen, dass alle Informationen, Dokumente, Audio- und Video-Dateien automatisch über die iCloud synchronisiert werden. Egal wo und womit man arbeitet, die iCloud sorgt mittels der Apple-ID dafür, dass alle Systeme eines Anwenders, also der Mac-PC, das Notebook und das Tablet auf dem gleichen aktuellen Stand sind. Ein Time-Machine-Mechanismus wird es außerdem möglich machen, dass sich ältere Versionen einer Datei, beispielsweise ein Brief, sofort erkennen und gegebenenfalls wieder herstellen lassen.

Weil das alles mit dem Apple-typischen Komfort gehen wird, darf man davon ausgehen, dass insbesondere viele Privatanwender diesen Cloud-Service intensiv nutzen werden. Sie haben keinen Aufwand mehr, die Datenbestände auf ihren Systemen synchron zu halten. Sie sind immer auf dem aktuellen Stand, überall auf der Welt.

Doch genau darin besteht die Falle. Von Apple gibt es keinerlei Informationen, wie man seine Daten wieder aus der iCloud herausbekommen könnte. Es ist also davon auszugehen, dass man sie mühsam per Copy&Paste auf USB-Speicher bewegen muss, bevor man sie in eine andere Systemumgebung bringen kann. Das wird schon bei durchschnittlicher Privat-PC-Nutzung kaum jemand machen wollen. Die Falle schlägt zu, der Anwender ist im Vendor Lock-in gefangen. Einmal iCloud, immer Apple.

Diese Perspektive verschlechtert noch einmal die ohnehin geringen Aussichten, dass Linux und Open-Source-Applikationen auf Privat-PCs jemals eine relevante Rolle spielen könnten. Statt der Befreiung der Anwender aus der Microsoft-Gefangenschaft folgt eine noch üblere Zeit bei Apple. Es ist überaus bedauerlich, dass es keine Open Cloud gibt. Weit und breit zeichnet sich in der Open-Source-Welt nichts ab, das sich als freie und offene Alternative zu Apple’s iCloud präsentieren ließe.

Was alles mit einem Windows Phone 7 nicht geht

von: Elmar Geese | am: 16.02.2011 | Kommentare: 0

Das ist wirklich erstaunlich, was man im Discussion Board des Nokia Forum lesen kann, im Thread Symbian C++ to WP7 migration questions (Danke Jens). Dort stellt ein Entwickler fest, was mit dem neuen Windows Phone Betriebssystem alles nicht geht, und seine Annahmen überstehen ein ausführlichen Thread dazu. Auch wenn es teilweise absurd klingt, hier ein paar Auzüge:

* Users may not set custom ringtones (our app exports ringtones :( )
* No OpenGL-ES
* There is no support for third-party C/C++ on WP7 [...]
* WP7 does not support third-party multitasking or background tasks.
* Third-party apps can not open network socket connections
* No support in browser for any streaming – i.e. no HTML5, no Silverlight, no Flash.
* Publishers are limited to a maximum of 5 free apps …

Das sieht einfach nicht gut aus, und bedeutet:

  • Alles was für andere Plattformen gemacht wurde kann man wegwerfen, keine Chance für Wiederwertung. Bei Null anfangen
  • Geringe Attraktivität für App Entwicklung durch die offensichtlichen Restriktionen
  • Erwartungshaltung der Anwender werden nicht bedient, weil zeitgemäße Features fehlen

Wenn nicht so viele Arbeitsplätze dran hingen, wäre das ganz großes Kino. Jetzt will eine Gruppe mit dem Namen Nokia Plan B sich ins Board von Nokia wählen lassen. Dort soll Elop rausgeworfen, aber keine radikale Anti Microsoft Strategie gefahren werden. Auf dem US Markt könne man es ja mal versuchen, und wenn das Modell erfolgreich ist auch weiter ausdehnen. Aber bis dahin solle Nokia auf MeeGo und Qt setzen. Denn wie es den vormaligen strategischen Partnern ergangen ist, ist nur einen Link entfernt nachzulesen. Um es kurz zu machen: Natürlich schlecht.
Wird es diesmal anders sein? Wie lange wird es bei MS/Nokia dauern, bis Technik und Strategie so ausgerichtet sind, das konkurrenzfähige Geräte produziert werden können. Wie will man die Lücke zu den riesigen Android und iPhone Marktplätzen schliessen?
Das Plan B tatsächlich erfolgreich sein kann erscheint heute eher unwahrscheinlich, auch wenn zur Zeit der Nokia Kurs bis auf Übernahmeniveau abstürzt, obwohl sie immer noch Weltmarktführer sind. Es ist eine verrückte Welt, in der uns nichts mehr wundert. Auch nicht das Elop keine Lust auf Google als Partner hatte, ohne das irgendwie schlüssig begründen zu können. Nokia hätte von der Zusammenarbeit mit Google sicherlich profitiert, der Kurs stünde heute anders da. Jetzt warten wir zusammen auf das Ende von Nokia. Schade, ich habe die Geräte immer gemocht.

Google sperrt intern Windows aus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 02.06.2010 | Kommentare: 1

2.6.2010 – Einer der größten IT-Anwender und -Anbieter der Welt will nicht mehr mit Windows arbeiten. Nach einem Bericht der „Financial Times“ (FT) werden alle neuen Mitarbeiter im Unternehmen nur noch die Wahl zwischen Apple OS X und Linux haben. Bisherige Windows-Anwender sind demnach aufgefordert ebenfalls auf diese Betriebssysteme zu wechseln. Wer noch Windows verwenden will muss eine enorme Hürde nehmen: Er braucht die Genehmigung vom Google-CIO.

Der Grund sei ein „Sicherheitserfordernis“, soll ein Google-Informant der FT gesteckt haben. Der Hintergrund liege in den Angriffen, die Google aus China erlebt habe. Das Unternehmen habe Sicherheitslücken in Windows als das damalige Einfallstor erkannt. „Mit Microsoft fühlen wir uns nicht so wohl, mit Linux schon eher“, wird der Informant zitiert. Viele hätten sich schon nach diesen Ereignisse zum Apple-Betriebssystem geflüchtet.

Die Begründung verdient Zweifel. Denn das Apple-System basiert zwar auf Open Source, ist per se aber closed, nicht einsehbar. Außerdem darf Apple, wie Tests gezeigt haben, im Vergleich zu Windows nicht generell als sicherer gelten. Last, not least, ist man bei Apple wie bei Windows auf das Belieben der Anbieter angewiesen, wann sie Hotfixes herausbringen möchten. Apple unterscheidet sich nicht grundsätzlich von Microsoft – oder wie ein Kommentator auf heiseopen es formuliert: Man kommt damit „vom Regen in die Traufe“.

Über den Grund der Pubilicity-trächtigen Vorgabe von Google darf frei spekuliert werden; denn das Bild passt nicht so recht: Zwar mag Microsoft der Hauptkonkurrent in Sachen Suchmaschinen sein, aber das Feld ist nicht, wo Google hin möchte. Die Firma knüppelt viel mehr in Sachen Smartphone. Bei denen geht es nicht nur um die Dominanz im Markt der mobilen Geräte, sondern vielmehr um die mit ihnen verbundenen Services. In beiderlei Hinsicht ist Apple der Hauptkonkurrent für Google. Und Apple-Chef Steve Jobs sieht es umgekehrt genau so.

Google sollte aus verständlichen Gründen seine Mitarbeiter auf das eigene Linux-Betriebssystem Chrome OS samt Google-Applikationen bringen wollen. Dass den Leuten aber (vorerst?) auch Apple erlaubt bleibt, lässt einen Gegenschluss zu: Noch ist Chrome OS nicht das Gelbe vom Ei. Google-intern scheint es Widerstände zu geben. Was wiederum heißen würde, dass der Ausschluss von Microsoft dem Chrome-Team nicht „von oben“, sondern aus der eigenen Belegschaft, von Kollegen mächtig Druck macht, die Sache zu verbessern. Und genau das scheint dem internen Stil des Hauses zu entsprechen.

Microsoft in der Klemme

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 01.06.2010 | Kommentare: 0

1.6.2010 – „Von unten“ haben zuerst Netbooks, endgültig dann Smartphones von der Konkurrenz Microsoft das zukunftsträchtige Low-end-Geschäft mit den Massenmärkten im Mobile Computing verdorben – momentan sind hier Google mit Android und Apple die Platzhirsche. Nach oben geht es aber auch nicht weiter.

Einst hat Windows NT die zerstrittenen Unix-Anbieter aus dem Mittelstandsmarkt verdrängt. Seit einiger Zeit aber nimmt Linux im klassischen Mid-Level-Segment Microsoft die Kunden weg. Auf NT folgte sehr oft nicht Windows Server xy, sondern ein Linux-Derivat. Noch eine Stufe höher hat IBM mit Linux den Mainframes zu einem höchst vitalen zweiten Leben verholfen. Ganz, ganz oben, bei den Supercomputern hat Microsoft sich auch versucht. Dies wurde unter Business-Aspekten ein vollkommenes Desaster. Wieder hat Linux den Durchmarsch nach oben verhindert.

In der aktuellen Liste der Top500-Supercomputer finden sich fünf Systeme mit Windows Server HPC 2008, Marktanteil also ein Prozent. Da schneidet sogar noch Unix mit vier Prozent besser ab. Linux aber läuft auf 455 der schnellsten Rechner der Welt. Das sind 91 Prozent dieser Superrechner. Glyn Moody, Redakteur der britischen „Computerworld“, erkennt „die Verzweiflung“ des Microsoft-Teams für Supercomputing schon in einer „Erfolgsmeldung aus dem Jahr 2008. Der Wortlaut:

„Um den neuen und sich ausweitenden Bedürfnissen seiner akademischen und industriellen Anwender zu entsprechen, muss das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der Universität Illinois, die Plattform unterstützen, die ihren Anwendern bekannt ist, was heißt, mehr als nur Linux-basierende High-Performance-Ressourcen anzubieten. Das NCSA erreichte dieses Ziel, indem es Window HPC Server 2008 auf seinem 1200-Node-Cluster installierte. Windows HPC Server 2008 hilft mit seinen bekannten Tools und Schnittstellen, High-Performance-Computing den durchschnittlichen Anwendern zugänglicher zu machen.“

Nein, das sollte niemals heißen, dass Frau Mustermann ihre astrologische Tagesprognose nicht mehr vom PC holt, sondern genau so einfach, nur halt schneller und differenzierter vom Supercomputer. Nein, nein, es sollte natürlich auch nicht heißen, dass Naturwissenschaftler, die Supercomputer benötigen, solche Fachidioten sind, dass sie vor solchen Großrechnern zu Mausschupsern schrumpfen. Nein, nein, nein! Es sollte nur heißen, dass Microsofts einziges Marketing-Argument Plattformen sind, „die ihren Anbietern bekannt sind“.

Linux hat ein besseres Argument: Es skaliert. Bekannter als Windows ist es in High-end-Kreisen allemal.

How Google changes IE into Chrome

von: Elmar Geese | am: 14.11.2009 | Kommentare: 0

What a nice strategy in the endless browser war. Google developed a WebKit Plugin for IE which make IE use the WebKit Plattform instead of its own to show webpages. Reasons for that are many.

  • Google Wave needs a fast JavaScript Engine which IE fails to offer
  • Google Wave needs HTML5 which IE fails to support

The funny thing is that IE Users will in fact use a chrome browser when they think its an IE. No doubt Microsoft tries to do anything to let Chrome not into IE, but there is no more than FUD what they have to offer.And even more funny: the Chrome/IE Version is 10 times faster than the pure Microsoft one.

As soon as Google wave is out for public use, it will be adopted widely by businesses and communities. I think microsoft has lost the next battle in browse wars even before it has really begun.

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