Microsoft: Shit happens

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 18.07.2012 | Kommentare: 0

Microsoft reagierte schnell und sprach von einem „technischen Fehler“, einem „Problem“ dem man „sofort begegnet“ sei, das „wir zutiefst bedauern“ und wofür „wir uns entschuldigen“. Die Erklärung klingt ganz zerknirscht und etwas achselzuckend: Shit happens. Was war passiert?

Das Microsoft-Betriebssystem Windows 7 enthielt im Service Pack 1 nicht mehr den „Browser Choice Screen“ (BCS). Die Anwender bekamen den Internet Explorer ungefragt installiert und die Alternativen Firefox, Google Chrome, Opera oder Apple Safari nicht mehr angeboten. Genau dazu hat sich Microsoft in einem Abkommen mit der EU aus dem Jahr 2009 verpflichtet. Prompt trat EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia auf den Plan und drohte dem Softwareriesen weitere Sanktionen an. Mehr Details hier.

Davon hat nun allerdings auch Microsoft genug. Zu insgesamt 1,6 Milliarden Euro Strafe ist Microsoft in EU-Kartellverfahren verdonnert worden. Zu mehr als der Hälfte, nämlich 860 Millionen Euro, erst vor wenigen Wochen. Bei solchen Summen reicht auch bei einem derartig großen und profitablen Unternehmen die Portokasse nicht mehr.

Jene, die den BCS vergessen haben, dürften vor dem Ende ihrer Karriere bei Microsoft stehen. Das vermag allerdings nicht zu verbergen, wie anscheinend viele Köpfe bei Microsoft ticken: Erst wir, und der Rest der Welt ist nicht so wichtig! Auf dem diesjährigen LinuxTag hat Microsofts oberster Open-Source-Stratege James Utzschneider in seiner Keynote-Rede erklärt: „We have changed as a company and have become more open.“ Er hätte besser eine weniger vollmundige Erklärung gewählt. Microsoft ist ein Dickschiff, das nicht so leicht auf einen neuen Kurs zu bringen ist, selbst wenn man das Ruder noch so hart umlegt. Bei IBM hat das in der zweiten Hälfte der 90er Jahre Louis Gerstner gebracht. Aber der war 1993 zu diesem Zweck ins Unternehmen geholt worden. Schon deswegen war er ein anderes Kaliber als Steve Ballmer.

Microsoft gründet Open-Source-Tochter

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 25.04.2012 | Kommentare: 0

In einem überraschenden Manöver hat Microsoft eine zu 100 Prozent beherrschte Tochtergesellschaft namens Microsoft Open Technologies Inc. (MSOT) gegründet. Die soll alle Aktivitäten der Muttergesellschaft in Sachen Open Source übernehmen. Sie besteht im Kern aus dem bisherigen Team für „Interoperability Strategy“; das sind, wie zwischenzeitlich zu erfahren war, weltweit so 50 bis 70 Personen. Auch wenn das ein Fliegenschiss auf der Payroll von Microsoft ist, handelt es sich um mehr als eine Eintagsfliege.

Der Chef der MSOT ist Jean Paoli, den nur kennt, der in internationalen Standardisierungsgremien engagiert ist. Da tummelt der sich schon lange herum, unter anderem gehört er zu denen, welche die erste XML-Spezifikation unterbreiteten. Es wundert nicht, dass Paoli in seiner Bekanntgabe des neuen Tochterunternehmens die Zusammenfassung der Microsoft-Arbeiten in Standardisierungsgremien als oberste konkrete Aufgabe benannte. Es folgte das Bekenntnis zur Mitarbeit in weiteren Open-Source-Initiativen wie der Apache Software Foundation und der von Microsoft belebten Outercurve Foundation. Die HeiseOpen-Behauptung, dass die MSOT „nichts an dem Vorgehen ändern soll, wie Microsoft bislang mit Open Source Communities … sowie Komitees für offene Standards … verfährt“, lässt sich aus dem Blog-Entry von Paoli nicht erkennen.

Bisher hat Microsoft in Richtung Open Source mit Vorliebe den Begriff „Interoperability“ verwendet. Die neue Company aber ist laut Paoli eine „Investition in Offenheit – einschließlich Interoperabilität, offene Standards und Open Source“. Das ist eine Akzentverschiebung. Vermutlich ist das für die Microsoft-internen Sprachregeln wichtiger als für den Rest der Welt. Denn man muss akzeptieren, dass in einem Unternehmen, welches von proprietären Lizenzen (fürstlich) lebt, modernere, alternative Trends auf massiven Widerstand treffen müssen. Vor allem von oben. Folglich ist diese Gründung ein Hinweis auf strategische Dissonanzen im MS-Topmanagement.

Grünes Licht zur Gründung der Tochtergesellschaft hat es wohl vor allem gegeben, weil sie es ermöglicht, einfacher und schneller Open Source-Software zu veröffentlichen und anderen Quellcode zu akzeptieren. Jedenfalls betont Paoli diese Aspekte in seiner Erklärung. Und er fügt gleich an, die Kunden hätten mit ihren heterogenen Umgebungen durch diese Brückenfunktion der neuen Firma mehr Auswahlmöglichkeiten aus der Microsoft- und der Open-Source-Welt.

Mit einer selbständigen Tochter ist Microsoft da rechtlich erst einmal aus der Schusslinie, jedenfalls aus der vordersten. Angesichts der aktuellen Patentkriege ist das nicht unwichtig. Interessant ist eher, dass Microsoft früher gern behauptet hat, Open Source verletzte Hunderte eigener Patente. Im Zweifelsfall könnte man immer noch auf Open Source schießen und dabei die Tochtergesellschaft notfalls opfern.

Auf solche Überlegungen – und noch mehr – ist auch Simon Phipps, der einstige Open-Source-Chef von Sun und heutiger Vertreter in diversen Open-Source-Gremien, in seinem Blog für die „Computerworld UK“ gekommen. Vielleicht war es ein Schnellschuss; jedenfalls hält sich der Rest der bekannten Beobachter der Szene auffallend zurück. Lasst Taten sprechen, scheint der „Oberbau“ Microsoft zu signalisieren. Der „Unterbau“ (um einmal in der 68er-Sprache zu bleiben) verlangt ebenfalls zum Beispiel in den Kommentaren auf dem Paoli-Blog ebenfalls mehr Taten, zum Beispiel Richtung WebGL. Im Übrigen ist hier die Skepsis größer, wobei immer wieder in Erinnerung gebracht wird, was Microsoft in den letzten Jahren gegen Open Source herausposaunt hat. Jetzt trifft die Gründung von Microsoft Open Technologies nicht etwa auf Zustimmung, sondern auf größte Skepsis. Geschichte hat etwas Übles und Gutes: Sie ist klebrig. IT-Anwender werden gut daran tun, die IT-Geschichte niemals aus den Augen zu verlieren, auch nicht ihre Sprücheklopfereien und Kapriolen.

Neue Microsoft-Parole: Offen nur an der Oberfläche

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 03.08.2011 | Kommentare: 0

Offenbar hat sich Microsoft einen neuen Slogan für die Auseinandersetzung mit der Open-Source-Welt ausgedacht: „Open Surface“. Diesen Begriff hat Gianugo Rabellino, Senior Director Open Source Communities bei Microsoft, in seinem Vortrag auf der Open Source Convention OSCON 2011 in Portland, Oregon, eingeführt.

Rabellino hob, wie unter anderem ZDnet berichtet, in seiner Rede darauf ab, dass die Open-Source-Definition in der Cloud nicht zu erfüllen ist, weil dort den Anwendern der Quellcode nicht vorliegt. „Die Cloud verändert eine Menge Dinge“, erklärte der Italiener. „Unsere bisherigen Maßstäbe gibt es dort nicht mehr.“ Damit wolle er nicht gesagt haben, dass Offenheit in der Cloud keine Rolle spiele. „Nein, Offenheit ist äußerst wichtig. Aber ich sage, dem Sourcecode entsprechen in der Cloud die Nutzungsbedingungen und die Service Level Agreements.“

Den Anwender sei es völlig egal, so Rabellino weiter, ob proprietäre oder Open-Source-Software hinter den Cloud-Diensten stehen. „Die Kunden kümmern sich nicht um die zugrunde liegende Plattform, solange Schnittstellen, Protokolle und Standards in der Cloud offen sind.“ Und diese Ebene nannte Rabellino „Open Surface“.

Ob den Anwendern fundamentale rechtliche Eigenschaften der von ihnen genutzten Basissoftware schnuppe sind, ist zumindest zweifelhaft. Sie haben gelernt, dass proprietäre Umgebungen immer die Gefahr eines Vendor Lock-in mit sich bringen. Rabellino versucht, vom grundsätzlichen Antagonismus proprietär versus Open Source abzulenken und den Charakter von Open Source, nämlich Anwendern die Kontrolle über ihre Software und damit Freiheit zu geben, vergessen zu lassen.

Rabellinos Rede hat die OSCON-Teilnehmer kaum beeindruckt. So merkt der US-amerikanische Open-Source-Journalist Brian Proffitt an, er habe während des Vortrags mit einigen Branchenkennern getuschelt und die Augen verdreht. Man sei einig gewesen, dass das Konzept Open Surface sei nur eine neu verpackte Variante der alten Microsoft-Strategie „Shared Source“. Das Label Open Surface solle nur den von Anwendern nicht mehr als irrelevant angesehenen proprietären Charakter von Cloud-Angeboten und Software im Allgemeinen verbergen.

Rabellino beteuerte, Microsoft habe nur gute Absichten. „Unsere Firma hat sich geändert. Wir sind offener geworden.“ Aber nicht im Kern, allenfalls an der Oberfläche. Eben Open Surface. Hat Microsoft etwa das Open Cloud Manifesto unterzeichnet? Nein, obwohl das Manifest nicht mehr vorsieht als das, was Rabellino proklamiert: offene Schnittstellen, Protokolle und Standards.

Die Apple-Cloud – Das Gegenteil von offen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.06.2011 | Kommentare: 0

Alle Analysten sind sich einig: Die Einstellung der professionelle Anwender zum Cloud Computing haben sich in mehrfacher Hinsicht verschoben. Zum einen hat sich die anfangs verbreitete Distanz gegenüber dem neuen Konzept zum Bezug von IT-Services ins Gegenteil verkehrt. Das Publikum ist sehr an Clouds interessiert. Zum anderen haben sich die Bedenken verändert. Nicht mehr Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten machen die Hauptsorgen aus, sondern die drohende Abhängigkeit von einem Cloud-Service-Provider, das „Vendor Lock-in“.

Eben wegen dieser Bedenken zeigen sich die Cloud-Anbieter inzwischen bemüht, technische Rahmenbedingungen für Interoperabilität ihrer Services zu schaffen. Es gibt dazu außerdem zwei IEEE-Projekte. Doch Apple scheint das nicht zu interessieren. Mit der Zensur von iPhone-Apps hat Apple Erfahrungen in Sachen Entmündigung der Anwender gewonnen, die jetzt eine neue Dimension erreicht.

Auf der Entwicklerkonferenz Anfang Juni hat Steve Jobs den Cloud-Service „iCloud“ angekündigt. Dieser wird tief in das künftige Betriebssystem „Mac OS X Lion“ integriert sein. Die wichtigste Eigenschaft wird darin bestehen, dass alle Informationen, Dokumente, Audio- und Video-Dateien automatisch über die iCloud synchronisiert werden. Egal wo und womit man arbeitet, die iCloud sorgt mittels der Apple-ID dafür, dass alle Systeme eines Anwenders, also der Mac-PC, das Notebook und das Tablet auf dem gleichen aktuellen Stand sind. Ein Time-Machine-Mechanismus wird es außerdem möglich machen, dass sich ältere Versionen einer Datei, beispielsweise ein Brief, sofort erkennen und gegebenenfalls wieder herstellen lassen.

Weil das alles mit dem Apple-typischen Komfort gehen wird, darf man davon ausgehen, dass insbesondere viele Privatanwender diesen Cloud-Service intensiv nutzen werden. Sie haben keinen Aufwand mehr, die Datenbestände auf ihren Systemen synchron zu halten. Sie sind immer auf dem aktuellen Stand, überall auf der Welt.

Doch genau darin besteht die Falle. Von Apple gibt es keinerlei Informationen, wie man seine Daten wieder aus der iCloud herausbekommen könnte. Es ist also davon auszugehen, dass man sie mühsam per Copy&Paste auf USB-Speicher bewegen muss, bevor man sie in eine andere Systemumgebung bringen kann. Das wird schon bei durchschnittlicher Privat-PC-Nutzung kaum jemand machen wollen. Die Falle schlägt zu, der Anwender ist im Vendor Lock-in gefangen. Einmal iCloud, immer Apple.

Diese Perspektive verschlechtert noch einmal die ohnehin geringen Aussichten, dass Linux und Open-Source-Applikationen auf Privat-PCs jemals eine relevante Rolle spielen könnten. Statt der Befreiung der Anwender aus der Microsoft-Gefangenschaft folgt eine noch üblere Zeit bei Apple. Es ist überaus bedauerlich, dass es keine Open Cloud gibt. Weit und breit zeichnet sich in der Open-Source-Welt nichts ab, das sich als freie und offene Alternative zu Apple’s iCloud präsentieren ließe.

Vorwärts in die Vergangenheit

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.04.2011 | Kommentare: 0

Nokia hat erklärt, das Handy-Betriebssystem sei nicht mehr Open Source. Zuvor schon hatten die Finnen sich so gut wie komplett aus der Entwicklung der Open-Source-Alternative MeeGo zurückgezogen und an dessen Stelle Windows Phone 7 (WP7) zu dem System erkoren, dem die Zukunft des Hauses gehören soll. Nachdem mit Stephen Elop ein Topmanager von Microsoft Chef bei Nokia geworden war und Microsoft dem finnischen Unternehmen die Orientierung auf WP7 mit einer Milliarde Dollar honoriert hat, wundert die Wende nicht mehr so sehr.

Erstaunlich ist sie aber doch. Nokia hat einst Microsoft gescheut wie der Teufel das Weihwasser und früh sehr viel unterstützt, was alternativ war und viel versprach. Zum Beispiel Qt und den MeeGo-Vorgänger Maego. Damit lag das Unternehmen im Branchentrend, sich immer mehr Open-Source-Produkten zu öffnen. Als Ende der 90er Jahre IBM und SAP verkündeten, nunmehr auch Linux zu unterstützen, war das noch eine Sensation. Heute sind Bekenntnisse zu Open Source nichts Besonderes mehr. Der Kurswechsel von Nokia ist es allerdings. Ein Menetekel?

Stehen nun Open Source schlechte Zeiten ins Haus? Ist Nokia nur der Anführer einer Retrowelle? Man kennt das ja: Miniröcke sind auch alle paar Jahre abwechselnd in oder out. Mallorca war jahrelang überhaupt nicht angesagt, jetzt darf man sich da wieder sehen lassen. Dafür ist die DomRep gerade ganz und gar unmöglich. Wie Jeans mit Schlag. Aber das kommt auch wieder. Zwar kennt die IT Moden (iPad), aber keine wiederkehrenden. Mainframes waren nur nach Meinung einiger Marktanalysten einmal out. IT ist immer eine Vorwärtsentwicklung, keine Wiederholung.

Gewiss wird uns Open-Source-Software, wie wir sie heute kennen, in nicht allzu ferner Zukunft als „altmodischer Kram“ erscheinen. Aber nur weil wir dann bessere Open-Source-Programme für bessere Rechner haben. Ziemlich sicher werden wir dann auch ein noch besseres Software-Entwicklungsmodell kennen. Gewiss ist zugleich, dass es keine Rückkehr zu den Entwicklungsverfahren von einst geben wird.

Microsoft ist die einzige IT-Größe, die versucht, das eigene Geschäft durch Ignorierung und Bekämpfung von Trends zu retten. Nokias überlanges Festhalten am überladenen und veralteten Symbian ähnelt dem. Insgesamt haben beide also Ähnlichkeiten.

Beide haben übrigens durchaus ein gewisses Interesse an Open Source. Microsofts Codeplex-Softwaresammlung ist inzwischen nicht zu verachten. Und auch Nokia mag von Open Source nicht lassen. Da gibt es eine Managerin mit dem Titel „Head of Open Source, Symbian Smartphones“, die verkündet: „We are open!“ Da ist von „open and direct“ die Rede, was explizit „open for business“ heißen soll. Welcher Selbständige ist das nicht?

Nokias Marketing hat erkannt, dass man heutzutage das Wort „open“ ohne Ende strapazieren muss, damit einem nicht gleich die Türen vor der Nase zugeschlagen werden. Es ist nur Fassade. Und die zerbröselt, wenn der Kern erodiert.

Microsoft heißt: eine halbe Billion Dollar pro Jahr verschwendet

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.03.2011 | Kommentare: 0

Microsoft und sein Ecosystem haben im letzten Jahr weltweit 580 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Das schätzt IDC in einer neuen Studie. Derzufolge waren es 2009 noch 537 und 2007 gar „nur“ 475 Milliarden Dollar. Woraus ein IDC-Manager folgert: „Microsoft und seine Partner haben eine signifikante Wirkung auf die globale Wirtschaft.“

Der britische IT-Journalist Glyn Moody ist in seinem Computerworld-EN-Blog zu einer ganz anderen Folgerung gekommen. Er bringt in Erinnerung, was der Red-Hat-CEO Jim Whitehurst über Softwarekosten gesagt hat: Wollte sein Unternehmen fünf Milliarden Umsatz machen, müsste es Software ersetzen, mit der momentan noch andere, proprietäre Softwarehäuser 50 Milliarden Umsatz schaffen. Nach dieser Rechnung beträgt das Kostenverhältnis zwischen Open- und Closed-Source-Software 1:10. Zum Nachteil derer, die dafür bezahlen, nämlich die Anwender.

Nun ist dieses Geld nicht einfach weg, sondern verbleibt im Wirtschaftskreislauf. Aber sinnvoll ist das zumindest aus deren Sicht kaum, welche die Rechnungen für die Microsoft-Welt bezahlen. Wenn die Anwender nur ein Zehntel berappen müssten, weil sie Open-Source- statt Microsoft-Software verwenden, hätten sie 90 Prozent dieser Kosten für andere Investitionen frei. Das gesparte Geld könnten sie also anderswo investieren. Eine „signifikante Wirkung für die globale Wirtschaft“ gäbe es also nicht, eine negative schon gar nicht.

Wenn die Anwender nicht 580 Milliarden Dollar in die Kassen von Microsoft und Co spülen würden, sondern ein Zehntel der Summe, 58 Milliarden Dollar, für die gleichwertige Produkte aus der Open-Source-Welt ausgeben würden, heißt das eins: Jährlichen kosten Microsoft und Gefolgschaft die Welt rund eine halbe Billion Dollar.

Blogger Moody möchte solche Zahlenspiele nicht allzu ernst genommen sehen, hält aber an einer Feststellung fest: „Je größer das angenommene Volumen des Microsoft-Ecosystem ist, desto größer ist das Sparpotenzial durch einen Wechsel zu Open Source – und umso mehr Geld würde für andere Dinge als Einsen und Nullen zur Verfügung stehen.“

Die CeBIT lässt den Aufschwung spüren

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 07.03.2011 | Kommentare: 0

Es ist geschafft. Die Monstershow der IT-Branche hat geschlossen; das Standpersonal der Aussteller hat Hannover verlassen und könnte jetzt einige Tage Erholung gut brauchen. Aber daraus wird wohl bei den wenigsten etwas. Denn jetzt kommt dass, was den Messeauftritt erst vollendet, nämlich die Nachbereitung, ergo die Auswertung und Verfolgung der Leads. Davon gibt es in diesem Jahr meistens reichlich, bei vielen Ausstellern mehr als jemals zuvor.

Das Ausstellerpersonal konnte etwas erleben, was es in diesem Ausmaß seit ein paar Jahren nicht mehr gab: Gedrängel bis zum Stillstand in den Gängen, belagerte Demopoints, gestresste Besucher. Und das, obwohl in diesem Jahr nicht so arg viele minderjährige “Beuteltiere” auf Betteltour waren. Zumindest ging es so in den Hallen 2 bis 7 zu, mehr hat sich der Beobachter nicht zumuten mögen.

Da ist schon absehbar, welche Themen die alljährliche Debatte zwischen Ausstellern und Messegesellschaft nun bekommen wird: Könnten die Gänge zwischen den Ständen bitte verbreitert werden? War es clever, die Ausstellung Cloud Computing World hinter die Stände von Microsoft und Deutsche Telekom zu platzieren? So erforderte der Besuch des Messeschwerpunkts einen zeitraubenden Hindernislauf.

Gleichwohl dürften die meisten Aussteller sehr zufrieden sein. Immer wieder war von mehr Standbesuchern als in den Vorjahren und als erwartet die Rede. Anders, als man es seit Jahren kennt, war der erste Messetag nicht verhalten besucht. Es ging gleich richtig zur Sache.

Besonders im „Open-Source-Viertel“ der Halle 2 war noch einmal mehr los als in den auch schon sehr guten Vorjahren. Angemessen Zeit zu Gesprächen mit Kunden, Interessierten und Geschäftspartnern gab es eigentlich nicht. Wer keine Termine vereinbart hatte, musste sehr viel Glück haben oder warten. Am besten waren die Chancen noch zur Mittagszeit. Alle Befragten berichteten von zahlreicheren Leads sowie hochkarätigeren und mehr versprechenden Besucherkontakten als jemals zuvor.

Jetzt kommt es auf die professionelle Nachbereitung der Messe an. Der Verlauf der CeBIT 2011 gibt vor allem den Ausstellern aus der Open-Source-Branche allen Anlass, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Das Open-Source-Business brummt.

Die sind gar nicht so blöd bei Microsoft. Nur von Zeit zu Zeit.

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 21.02.2011 | Kommentare: 0

Gute Güte, sind die in Redmond aber schreckhaft! Wie hier dargestellt, hat Microsoft seinem App-Shop Windows Phone Marketplace Regeln verpasst. Zu deren Restriktionen zählte auch das Verbot so gut wie jeder Open-Source-App – worunter auch Apps von Nokia und die unter der Microsoft-eigenen MS Reciprocal License (RL) und der MS Public License (PL) gefallen wären. Kaum haben deswegen ein paar dutzend Journalisten sämtliche erreichbaren Spottkübel ausgekippt, schon werden etliche Mannwochen Arbeit auf den Müll geworfen.

Kommando zurück, es wird neue Regeln geben, und die sollen ausdrücklich auch Open-Source-Software gestatten. Den Rückzieher erklärte ein Microsoft-Sprecher: „Anhand von Rückmeldungen von Kunden und Entwicklern überarbeiten wir unser Application Provider Agreement von Zeit zu Zeit, und wir untersuchen die Möglichkeit, eine künftige Version für weitere Open-Source-Anwendungen anzupassen.“ Diesmal dauerte von Zeit zu Zeit drei Tage von Entdeckung der Einschränkung bis zu ihrer Rücknahme. Sage niemand, große Firmen seien lahme Enten.

Matthew Aslett vom Marktforschungsunternehmen „the 451 group“ wollte mal prüfen, wie viel Open-Source-Apps denn aktuell im MS-Phone-Shop sind. Das hat auf die Schnelle nicht geklappt. Aber er hat eine andere interessante Information ausgegraben, nämlich über die Lizenzformen auf Microsofts Open-Source-Software-Plattform Codeplex. Erwartungsgemäß steht dort eine deutliche Mehrheit der Software, nämlich 4175 an der Zahl, unter der MS PL. Doch an zweiter Stelle rangiert mit 4315 Fällen die GPLv2. Es folgt die MIT-Lizenz für 2293 Programme. Zwischen 1500 und 1300 Programme stehen jeweils unter der LGPL, der BSD-Lizenz und der Apache Public License.

Es hat Microsoft gedämmert: Den App-Shop gegen Software unter einer Open-Source-Lizenz zu sperren, könnte auch auf der Codeplex-Plattform Schaden anrichten. Vom Spott und der vernichtenden Kritik ganz zu schweigen. Der schnelle Rückzieher sagt schon etwas aus über die Verfassung von Microsoft.

Microsoft verbietet eigene und Nokia-Apps im Windows-Phone-Shop

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 18.02.2011 | Kommentare: 2

Welch eine verrückte Zeit! Nur noch wenige Tage bis zur CeBIT, und das heißt eigentlich Hektik ohne Ende. Davon gibt es auch genug. Aber glücklicherweise auch nicht zu knapp Meldungen, die all den Trubel vergessen machen, die unsereins schallend lachen lassen. Nokia schmeißt sich Microsoft an die Brust, und ich ergötze mich über das Bild wie Nokia-Chef Stephen Elop von einer „brennenden Plattform“ (so nannte er sein Unternehmen) auf eine sinkende (Windows Phone 7) herüberspringt.

Es folgt Schlag auf Schlag: Unser Verteidigungs-Sunnyboy Guttenberg outet sich als txt-Sharer, liefert zur Entschuldigung immer tollere Ausreden für Raubkopierer, entgeht aber der von der BSA geforderten harten Bestrafung für solche Leute, weil er als Plagiator mildernde Umstände kriegt. Kaum geschehen, kommen Dokumente über das Aus für Linux im Auswärtigen Amt ans Licht, welche diese Entscheidung zu einer absurd-schrulligsten der Geschichte der IT in der öffentlichen Verwaltung machen. Liegt das jetzt an der Karnevalzeit?

Kaum ist die Bütt frei, stürzt Microsoft auf die Bühne – und liegt augenblicklich auf den Brettern: Die Firma hat seinem Windows-Phone-App-Shop Regeln verpasst. Nach denen ist im MS-Shop alles nicht zugelassen, was irgendwie der GNU General Public License ähnelt oder Dinge nutzt, die wiederum GPL-lizenziert sind, Libraries zum Beispiel. Open-Source-Apps haben bei auf Windows-Phone-7-Smartphones nichts zu suchen. Und nicht nur die.

Man spendiere Nokias Elop einen finnischen Wodka, um das zu verdauen: Nokia-Apps dürfen in den Microsoft-Shop auch nicht rein. Denn ihre Oberfläche verwendet Qt, eine Plattform unter der GPL. Nicht aus Mitleid, sondern ebenfalls leidend greifen in Redmond MS-Entwickler zur Whiskey-Flasche. Ihre Software, soweit sie unter der MS Reciprocal License oder der MS Public License steht, darf auch nicht in den hauseigenen App-Shop.

Natürlich haben die Microsoft-Anwälte, welche die App-Shop-Regeln verfasst haben, auch diese beiden OSI-akzeptierten Lizenzen geschrieben, aber wer soll bei dem Lizenzchaos bei Microsoft noch durchblicken? Da kann man nicht böse sein, sondern nur dankbar für den schönen Gag. Jetzt müssen die Anwälte wohl Überstunden machen, um eine neue Version der Shop-Regeln zu formulieren.

Das Kind ist aber in den Brunnen gefallen. So lang schon haben Ballmer und eine ganze Riege von Vice Presidents nichts Abfälliges mehr über Open Source sagen dürfen. So oft haben die PR-Mannschaften beteuert, die Firma habe sich geändert, finde nun Open Source eigentlich ja ganz toll. Und dann stellt sich heraus, dass dieses Gerede noch nicht einmal in den Redmonder Büros für bare Münze genommen worden ist. Die PR-Leute haben sich zuletzt wohl ziemlich amüsiert, dass immer mehr Pressehanseln über die Öffnung von Microsoft geschrieben haben. Wer lacht jetzt? Na, ich schon wieder.

Was alles mit einem Windows Phone 7 nicht geht

von: Elmar Geese | am: 16.02.2011 | Kommentare: 0

Das ist wirklich erstaunlich, was man im Discussion Board des Nokia Forum lesen kann, im Thread Symbian C++ to WP7 migration questions (Danke Jens). Dort stellt ein Entwickler fest, was mit dem neuen Windows Phone Betriebssystem alles nicht geht, und seine Annahmen überstehen ein ausführlichen Thread dazu. Auch wenn es teilweise absurd klingt, hier ein paar Auzüge:

* Users may not set custom ringtones (our app exports ringtones :( )
* No OpenGL-ES
* There is no support for third-party C/C++ on WP7 […]
* WP7 does not support third-party multitasking or background tasks.
* Third-party apps can not open network socket connections
* No support in browser for any streaming – i.e. no HTML5, no Silverlight, no Flash.
* Publishers are limited to a maximum of 5 free apps …

Das sieht einfach nicht gut aus, und bedeutet:

  • Alles was für andere Plattformen gemacht wurde kann man wegwerfen, keine Chance für Wiederwertung. Bei Null anfangen
  • Geringe Attraktivität für App Entwicklung durch die offensichtlichen Restriktionen
  • Erwartungshaltung der Anwender werden nicht bedient, weil zeitgemäße Features fehlen

Wenn nicht so viele Arbeitsplätze dran hingen, wäre das ganz großes Kino. Jetzt will eine Gruppe mit dem Namen Nokia Plan B sich ins Board von Nokia wählen lassen. Dort soll Elop rausgeworfen, aber keine radikale Anti Microsoft Strategie gefahren werden. Auf dem US Markt könne man es ja mal versuchen, und wenn das Modell erfolgreich ist auch weiter ausdehnen. Aber bis dahin solle Nokia auf MeeGo und Qt setzen. Denn wie es den vormaligen strategischen Partnern ergangen ist, ist nur einen Link entfernt nachzulesen. Um es kurz zu machen: Natürlich schlecht.
Wird es diesmal anders sein? Wie lange wird es bei MS/Nokia dauern, bis Technik und Strategie so ausgerichtet sind, das konkurrenzfähige Geräte produziert werden können. Wie will man die Lücke zu den riesigen Android und iPhone Marktplätzen schliessen?
Das Plan B tatsächlich erfolgreich sein kann erscheint heute eher unwahrscheinlich, auch wenn zur Zeit der Nokia Kurs bis auf Übernahmeniveau abstürzt, obwohl sie immer noch Weltmarktführer sind. Es ist eine verrückte Welt, in der uns nichts mehr wundert. Auch nicht das Elop keine Lust auf Google als Partner hatte, ohne das irgendwie schlüssig begründen zu können. Nokia hätte von der Zusammenarbeit mit Google sicherlich profitiert, der Kurs stünde heute anders da. Jetzt warten wir zusammen auf das Ende von Nokia. Schade, ich habe die Geräte immer gemocht.

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